Family-Business mit „Herr und Frau Klein“

Episode 102
39:57

Ich sitze ausnahmsweise nicht bei mir im Wohnzimmer oder der Küche, sondern mitten im 7. Bezirk in Wien im Familien-Concept-Store „Herr und Frau Klein“ zwischen Kinderwagen, Tragetüchern und Holzspielzeug.

Mit Beate und Stefan Klein (die heißen wirklich so – das ist kein Marketing-Dings!!) spreche ich in dieser Folge darüber, wie aus einer Elternfrustration ein Familienwunderland geworden ist.

Wir reden über Unternehmertum als Paar, alte Rollenbilder, warum Papas oft anders einkaufen als Mamas und wieso Tragen von Babys eine der Möglichkeiten ist, Papa–Kind-Beziehung herzustellen.

Kapitel:

(00:00) – Intro

(02:40) – Von Barcelona nach Wien: Wie Herr und Frau Klein entstanden sind

(08:14) – Paar, Business, Rollenteilung: Was wirklich schwierig ist

(17:18) – Papas machen viel mehr richtig: Rollenbilder & Nähe

(18:26) – Einkaufen mit Kind: Tragetuch, Kinderwagen & Ladenphilosophie

(32:21) – 20 Jahre später: Wie sich Papas ändern

Weiterführende Links:

Website „Herr und Frau Klein“ – https://herrundfrauklein.com/

„Herr und Frau Klein“ auf Insta – https://www.instagram.com/herrundfrauklein/

„Herr und Frau Klein“ auf Facebook – https://www.facebook.com/herrundfrauklein

Website „Papa Mia!?“ – ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠www.papamia.at⁠⁠⁠⁠⁠⁠

„Papa Mia!?“ – Youtube Channel ⁠⁠⁠⁠⁠⁠https://www.youtube.com/watch?v=vlczJi3MlqA&list=PLBsmCGWpasWcYdyEE3Pcl_aOATzJ9La-K&pp=gAQB⁠⁠⁠⁠⁠⁠

Die „Papa Mia!?“ Playlist des Grauens – ⁠⁠⁠⁠⁠⁠https://open.spotify.com/playlist/7HIWtMrisEMEW8GxEbFwnD?si=1e7b8f1e464e44ec⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠

„Papa Mia!?“ auf Instagram – ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠https://www.instagram.com/papamiapodcast/⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠

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„Papa Mia!?“ auf Facebook – ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠https://www.facebook.com/papamiapodcast/⁠⁠

Transkript:

Beate: [0:00] Papas machen viel mehr richtig, als man glaubt, als Mama und oft ist es so... Bernhard: [0:05] Endlich sagst du es mal. Beate: [0:06] Und oft ist es so, dass, das ist generell im Leben so, jemand macht was und er macht es einfach anders. Und anders heißt nicht immer schlechter, sondern einfach anders. Stefan: [0:20] Der Podcast von Papas für Papas und für alle, die Papas mögen. Klingt cool, ist es auch. Stefan: [0:28] Neue Folge Papamia. Es ist mittlerweile die 102. Und all jene, die über Spotify Video oder auch über YouTube Video zuschauen, werden merken, das ist nicht mein Wohnzimmer. Das schaut heute ein bisschen anders aus. Ich bin nämlich im Geschäft von Herr und Frau Klein in Wien. Das ist eine bekannte Name für alle, die in Wien einkaufen gehen für ihre Family. Es ist ein Family Concept Store. Da habe ich mir erzählen lassen, dass das der offizielle Titel ist. Und wir nehmen heute also zwischen den Regalen, Spielsachen, Möbeln und allem, was man so für die Family braucht, auf, genau dort, wo Eltern eigentlich jeden Tag Kaufentscheidungen treffen. Und bei mir sind die beiden, die diesen Ort aufgebaut haben. Ich freue mich, dass ich bei euch sein darf, Berte und Stefan Klein. Ihr heißt nämlich wirklich so. Ich habe nicht gewusst, dass Herr und Frau Klein nicht nur ein Markenname ist, sondern dass ihr wirklich so heißt. Ich dachte, das ist einfach, weil es halt um die kleinen Menschen geht, mit denen wir zu tun haben, die Kinder. Aber das ist toll. Ich finde das großartig. Wer sind die beiden? Also natürlich die Inhaber und Geschäftsführer dieses Unternehmens, Herr und Frau Klein. Das war aber nicht immer so. Das war nicht immer so, dass das hier sozusagen der, was habe ich gehört, 600 Quadratmeter großes Familienwunderland eigentlich. Stefan: [1:41] Ihr habt es ganz anders angefangen. Stefan, du warst Kreativdirektor in der Werbung. Beartet du Werbetexterin und ihr habt es dann über, ich sage jetzt einmal, eine eigene persönliche Leidensgeschichte mit der Tatsache, dass man als Eltern nicht immer das bekommt, was man will für die Kinder, gesagt so. Stefan: [2:02] Warum können wir das? Warum machen wir das? Wir machen es einfach selbst. Das ist schon eine sehr coole Geschichte. Wir schauen heute in diesem Podcast, in dieser Folge, hinter die Kulissen, wie sie gestartet haben, wie auch jetzt, gerade wir nehmen in der Vorweihnachtszeit, in der Black Week auf, da gerade unglaublich viel los ist, wie so sich Eltern im Alltag beim Einkaufen tatsächlich verhalten. Das finde ich ganz spannend, ja. Und auch, weil es ja ein Papa-Podcast ist, vielleicht sogar, wie wir Papas anders einkaufen oder andere Entscheidungen treffen als die Mamas. Beate, Stefan, danke, dass ich heute da sein darf. Schön, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Bernhard: [2:38] Schön, dass du da bist. Beate: [2:39] Ja, danke. Stefan: [2:40] Die Geschichte ist ja eine wunderschöne, von wegen, wie das angefangen hat, dass ihr gesagt habt, so wie das ist, das ist nicht super. Aber was war da so dieser Auslöser? Was hat den Moment bei euch getriggert, dass ihr gesagt habt, so, hey komm, wir sind zwar in einer völlig anderen Branche, aber wir machen selbst ein Family Concept Store auf. Könnt ihr euch mal entscheiden, wer möchte denn antworten? Beate: [3:07] Ich? Okay. Also es war so, dass wir in der Werbung schon ziemlich viel erreicht hatten und in verschiedensten Ländern und großen, tollen Agenturen mit super Leuten gearbeitet haben. Und wir haben damals in Barcelona gelebt und hätten dann... Wieder nach Deutschland gehen können und haben Babys gekriegt und haben gedacht, irgendwie passt das einfach nicht zusammen. Und dann haben wir fast überlegt oder schon geplant, einen Shop in Barcelona zu eröffnen und haben dann gemerkt, da leben Katalanen. Und Katalanen sind nicht so offen für Deutsche und Österreicher, die da Business machen wollen. Tatsächlich? Stefan: [3:50] Also das ist nicht nur auf Mallorca so? Beate: [3:52] Nein, also es ist so, wenn ich jetzt mit einem Katalanen dahergekommen wäre, dann hätte ich das schon machen können, aber da war Stefan dagegen. Okay, für dich. Und dann haben wir uns überlegt, wir haben in Berlin gelebt ein paar Jahre und in Wien ein paar Jahre und wo gehen wir hin? Und dann ist es Wien geworden. Stefan: [4:10] Okay, das heißt, der Wien-Bezug war eigentlich dann eher eine logische Entscheidung, oder wie? Bernhard: [4:14] Das lag vor allem daran, dass wir überlegt haben, wo wollen wir mit Kindern, also wo wollen wir eine Familie gründen und die Kinder aufwachsen sehen. Und Berlin ist extrem cool, aber auch extrem dreckig und extrem riesig. Und in Wien haben wir den Luxus, dass wir in einer Dreiviertelstunde am Neusiedler See sind oder auf irgendeinem Berg und in einer halben Stunde im Wald. Da haben wir gedacht, das tut den Kindern auch Spaß machen. Stefan: [4:34] Wie lange ist das jetzt her? Also wann war die Entscheidung für Wien, für hier machen wir jetzt unser Business? Bernhard: [4:40] 2006. Stefan: [4:41] Das heißt, wir haben bald 20-Jähriges eigentlich. Gratulation an dieser Stelle. Schön, dass wir das hier in dieser Podcast-Folge gleich feiern dürfen. Das finde ich super. Und dann kam aber ja nicht sofort der Start in das Business hinein, oder? War das gleich zu Beginn? Bernhard: [4:56] Das war ein lustiges Jahr. Wir haben Weihnachten entschieden, dass wir die Zelte in Barcelona abbrechen und nach Wien gehen. Sind im März hergezogen mit einem knapp Zweijährigen und einem im Bauch. Im Mai kam der Zweite zur Welt und im Oktober haben wir das Geschäft aufgesperrt. Beate: [5:13] Und seither ist uns nicht langweilig. Stefan: [5:15] Also das kann ich mir vorstellen. Also Unternehmer gemeinsam, was ja auch eine besondere Herausforderung ist, weil ich sage jetzt einmal Geschäftspartner und Lebenspartner sein ist halt heavy. Dann noch dazu zwei Kinder habe ich jetzt gehört, oder? Wie alt sind die jetzt? Beate: [5:29] 21 und 19. Stefan: [5:31] Okay, also aus dem Gröbsten heraus. Beate: [5:33] Das Gröbste liegt immer vor dir. Stefan: [5:35] Ja, kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen. Ist das so? Beate: [5:40] Eigentlich, wir haben so eine super Beziehung zu unseren Söhnen. Ich glaube, man muss immer im Gespräch bleiben und Montessori-Pädagogik. Stefan: [5:49] Aha, okay, gut. Ich verstehe. Das heißt, das war von Beginn an eure Herausforderung und war das tatsächlich jetzt so ein Auslöser zu sagen, wir machen es besser als das, was es bisher gibt oder was hat euch getriggert? Bernhard: [6:05] Es hat eigentlich ganz simpel angefangen, wie so oft. Wir wollten für unsere Kinder coole Sachen, die möglichst fair hergestellt sind. Wir wollten ihnen kein Plastik anziehen. Und damals noch in Barcelona gab es entweder wahnsinnig kitschige spanisch-französische Tütü-Sachen, das war unser Ding nicht, oder es gab ganz billigen, nach Lösungsmittel riechenden chinesischen Mist, um es deutlich zu sagen. Dann haben wir gedacht, das kann ja nicht sein, haben angefangen im Bekanntenkreis rumzufragen. Ja, ich bestelle mir das aus Schweden und ich kaufe das im Internet. Und dann haben wir gesagt, okay, wenn es hier nichts Scheites gibt und die Leute um die halbe Welt müssen, um ein nettes T-Shirt zu kriegen, das nicht von Kindern gemacht ist, warum stürzen wir uns nicht ins Abenteuer und suchen die Sachen zusammen? Dann sind wir auf Messen rumgefahren, haben uns in vielen, vielen Städten Kollegen angeschaut, die schon vor uns den Schritt gemacht haben und haben uns ein Konzept zusammengeschraubt, das bis heute relativ gut funktioniert. Stefan: [7:03] Ist das was, wo du sagst, da machst du eine Bauchentscheidung oder war das knallhart kalkuliert, das wird aufgehen? Bernhard: [7:11] Knallhart kalkuliert, das können wir heute noch nicht. Beate: [7:13] Also der Stefan, der stand so mit Lennart im Tragetuch an der einen oder anderen Bar und hat ein Nespresso oder Cortado getrunken und hat Businessplan geschrieben. Aber Businessplan hilft dir einfach ein bisschen beim Nachdenken und wenn du es der Bank präsentierst, aber wie die Zukunft tatsächlich wird, das weiß nur die Zukunft. Es ist vieles aufgegangen, aber vieles haben wir dann, wir haben unseren roten Faden immer wieder neu definiert, wofür wir stehen, was wir anbieten wollen und dass wir jetzt hier die größte Möbelabteilung unabhängige Möbelabteilung für Kindersachen in Österreich haben, war jetzt nicht so geplant, aber ich bin ganz froh. Stefan: [7:59] Übrigens, falls man, weil jetzt im Hintergrund sich gerade, glaube ich, ein Betonmischer eingeschalten hat oder sowas, also falls ihr das gerade hört, wir nehmen eben im Geschäft aus, rundherum wird U-Bahn gebaut oder was da genau gemacht wird. Und das dauert jetzt noch ein paar Jährchen. Beate: [8:11] Fünf, also die Hälfte haben wir hinter uns. Stefan: [8:14] Okay, Gratulation, auch das wird gefeiert im Podcast. Fünf Jahre. Richtfest. Ja, perfekt. Aber das kann Es kann natürlich sein, dass das immer wieder ein bisschen rein funkt, aber ich glaube, man versteht uns ja trotzdem und das soll ja auch authentisch sein, das ist auch wichtig. Wenn du jetzt oder wenn ihr beide jetzt zurückdenkt an den Start 2006, also eben knapp 20 Jahre, zwei Jahrzehnte, klingt fett, klingt groß, was würdet ihr jetzt anders machen als damals? Also mit dem Wissen von heute, was würdest du denn, würdest du genau so rein starten oder hey, boah, da waren einige Sachen dabei, die hätte ich anders machen sollen? Bernhard: [8:47] Schwer zu sagen, wir sind beide keine Hattivari-Typen. Hätten wir die Fehler nicht gemacht, die wir gemacht haben, hätten wir andere Fehler gemacht. Wir haben uns reingestürzt, ohne irgendeine Ahnung von Handel zu haben. Ich habe gedacht, Kasse abschließen am Abend heißt, man tut die Kassette in den Tresor. Also war es tatsächlich, die Steuerberater sagte dann irgendwann, ich brauche jetzt mal die Kassenabschlüsse. Was? Ja, sie müssen doch die Kasse abschließen am Abend. Ja, ja, wir haben so einen großen Tresor, da tue ich sie mal. Also das war das Niveau an Vorbildungen, das wir hatten. Und der Rest war ganz viel Herzblut und Wiederaufstehen-Attitüde. Also hinfallen und wieder aufstehen. Und ich wüsste nicht, was wir diesmal anders machen würden, wenn wir nochmal von vorn. Ja, man weiß dann ein bisschen mehr über die Abläufe im Hintergrund, über die wirtschaftliche Seite. Aber ich glaube, im Wesentlichen haben wir damals das Glück gehabt. Wir waren ausnahmsweise mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort, mit der richtigen Idee. Eingeschlagen wie eine Bombe und schon nach einem Jahr waren wir positiv und die Leute haben uns geliebt. Nach zwei Jahren hatten wir die Chance, hier in das große Geschäft umzuziehen. Also viel besser hätte es eigentlich nicht laufen können, muss man ehrlich sagen. Stefan: [9:57] Auch bei dir, Beate, hättest du irgendwie gesagt, das wäre irgendwie mit dem Wissen von heute reibungsloser passiert? Beate: [10:04] Vielleicht hätten wir diese Doppelgleisigkeit von online und offline noch ein bisschen intensiver verfolgt, dass wir online noch mehr Gas gegeben hätten. Also wir haben schon sehr, sehr lange einen Online-Shop, aber das noch professioneller aufsetzen. Das und Und manchmal, denke ich mir, hätten wir das ein oder andere Sozialprojekt, das wir auch im Team immer mitgenommen haben, hat uns wahnsinnig viel Energie gekostet. Aber ich habe mir gedacht, hey, unterm Strich geht es uns doch gut. Und das ist uns immer ganz wichtig gewesen, dass wir einfach Leute unterstützen, die nicht so viele Chancen gehabt haben wie wir im Leben. Und das, glaube ich, gehört zum Unternehmertum. Eigentlich sollte es ein ganz besser Bestandteil sein. Stefan: [10:58] Du sprichst eh schon das Unternehmertum an, du hast doch vorher gesagt, es ist die härteste Challenge, also quasi Partnerschaft, Arbeitsgemeinschaft, Familie, all das unter den Hut zu bringen. Ich weiß, es hören uns auch sehr viele Unternehmerinnen und Unternehmer, die genauso struggling, ich erwarte jetzt keine Lösungen von euch, da hätten wir ein anderes Business wahrscheinlich, aber vielleicht einfach so dieses Ja, ihr kennt das auch. Was ist denn so hart daran? Warum ist das so schwierig, gemeinsam zu arbeiten, gemeinsam ein Unternehmen zu führen, aber halt auch Paar zu bleiben, Eltern zu sein. Was ist da der Struggle? Ist einfach der Tag zu kurz? Bernhard: [11:32] Also wir sind am Anfang... Aus Versehen ist vielleicht das falsche Wort, aber wir sind in eine Rollenteilung zum Beispiel gerutscht, die wir jetzt nie wieder so machen würden bewusst. Insofern würden wir vielleicht doch etwas anders machen. Stefan: [11:46] Das musst du erklären. Bernhard: [11:48] Beate war Mutter von einem Zweijährigen und einem Neugeborenen und hat gestillt. Und so ist die ganze Renoviererei und am Anfang auch das Betreiben des Geschäfts war fast zu 100 Prozent auf meiner Seite. Stefan: [12:02] Also war es ganz klassisch sozusagen? Bernhard: [12:03] Sagen leider und zum großen zum großen leid von beate weil sie wir beide haben das konzept gemacht wir beide hatten die ideen dazu sie ist immer schon die kreative leiterin gewesen die für alles visuelle zuständig ist hat aber viel weniger zeit verbringen und ich hätte damals mehr abgeben müssen, bis dahin gefunden haben waren schon eine ganze reihe abende mit intensiven gesprächen sag ich mal, Und irgendwann kam dann die zweite Stufe, wie kriegt man es hin, dass man das überlebt, 24 Stunden am Tag unter intensivem Druck zu sein. Und dann haben wir im Geschäft angefangen, uns die Jobs wirklich auseinander zu dividieren. Du machst das, da rede ich dir nicht rein, wenn du eine Frage hast, bin ich jederzeit wieder dabei. Aber das ist dein Verantwortungsbereich, das ist mein Verantwortungsbereich. Und wir haben keine gemeinsamen Büros. Eben um irgendwie noch ein bisschen quasi künstliche Entfernung zwischen uns zu bringen. Beate: [13:00] Entweder gemeinsames Bett oder gemeinsamer Schreibtisch. Bernhard: [13:05] Und wir haben uns für die Küche entschieden. Und so funktioniert das eigentlich ziemlich gut. Stefan: [13:12] Du wolltest auch was sagen dazu? Beate: [13:15] Ja, also das ist immer schwierig, die Grenze zu ziehen. wenn du etwas mit Leidenschaft tust und wir sind privilegiert, weil wir das, was wir arbeiten, fühlt sich nicht wie Arbeit an, weil wir es gerne tun. Und wo ist dann die Grenze zwischen Privatsein, Businesspartner und Partner? Und ist es okay, um elf am Abend beim Zähneputzen im Badezimmer zu sagen, hast du dieses Mail eigentlich gelesen? Und das ist eigentlich nicht okay, es ist auch nicht gesund, Aber manchmal ist es spannend, auch am Strand zu liegen und zu überlegen, wie könnten wir den oberen Stock umbauen. Aber man muss immer wieder üben, hey, ich bin jetzt privat. Und wer bin ich privat? Und was beschäftigt mich? Und auch immer wieder andere Interessen und Leute reinzulassen. Stefan hat es begonnen, Saxophon zu lernen. Stefan: [14:09] Me-Time ist bei dir also mit Holzbläsern. Ja, sehr schön. Ja, schön. Aber, wie du schon angesprochen hast, dieses Zurückfallen in alte Rollenbilder, die man eigentlich nicht will, aber das passiert einfach. Ich glaube, und das haben meine Frau und ich auch gehabt, obwohl wir wirklich allergisch sind auf dieses Bild. Wir wollen das nicht haben, aber auch bei uns ist das passiert. Ich kann mir selber nicht erklären, warum das so war, aber ich glaube, es wird einfach vorgelebt oder keine Ahnung, warum das so ist. Ich habe es dann herausgefunden mit, und du hast gesagt, sehr vielen Gesprächen. Ich nehme mal an, es werden nicht nur freundliche Worte gefallen sein, zumindest kann ich das aus meiner Erfahrung. Man streitet sich halt dann zusammen. Aber es funktioniert dann irgendwie, oder? Beate: [14:47] Wir haben einen super Paar-Coach dann auch gehabt. Stefan: [14:50] Kann ich auch aus eigener Erfahrung berichten. Das hilft, ja. Und die größte Challenge war dann eigentlich zu sagen, hey, nehmt euch doch einen Babysitter, damit ihr als Paar wieder rauskommt. Ich meine, so simpel. Dafür zahlst du 150 Euro die Stunde. Ja, aber es hat wunderbar geholfen. Also wenn du dann wieder mal Paar sein kannst, ist es schon super. Beate: [15:07] Ja, wir haben einen Babysitter genommen, damit ich arbeiten kann. Stefan: [15:10] Auch gut, ja. Bernhard: [15:11] Ich meine, aber das Coaching war super, Oder weil wir haben eine Sache mitgenommen, zu trennen. Woher kommt der Stress, den man gerade spürt? Woher kommt der Druck? Ist das der Partner, der auf die Nerven geht? Oder habe ich einfach zu viel um die Ohren? Das zu sortieren. Und das zweite Wichtige war, sich gegenseitig zuzuhören. Im Sinne von wirklich Botschaften zu senden und auch ankommen zu lassen. Das waren eigentlich die beiden coolen Sachen, von denen wir jetzt noch oft zehren. Stefan: [15:37] Kommunikation ist in der Beziehung und im ganzen Leben der Schlüssel zu allem. Und das aktive, aufrichtige, interessierte Zuhören und quasi Eintauchen in die Welt des Anderen wahrscheinlich, oder? Beate: [15:48] Ja, und auch das dem Anderen was zutrauen. Also das ist so, wir haben einen kleinen Altersunterschied und der Stefan war einfach auch in der Werbung schon in Verantwortung und das ist etwas, was ich ihm zuerst angekreidet habe, aber ihm jetzt mittlerweile, wo ich erwachsen geworden bin, auch hoch anrechne, dieses, okay, ich bin der letzte Mann. Ich bin der, der das Licht einschaltet, ich bin der, der es ausschaltet. So ist es gekommen, dass wir dann über das viele Reden und über das Heraus auch Wachsen ein größeres Geschäft hatten und wo es wirklich verschiedene Bereiche gab. Und da konnte sich auch jeder von uns getrennt entwickeln. Also ich eher so im gestalterischen, kreativen Bereich, auch in der Kommunikation nach außen. Und der Stefan eher so der strategische und der uns auch digital weitergebracht hätte. Also ohne ihn würden wir immer noch irgendwelche Excel-Tabellen ausfüllen und einen Lieferanten schicken und vielleicht hätten wir sogar noch einen Fax, Bernhard: [16:43] Keine Ahnung. Stefan: [16:44] Warum nicht? Beate: [16:46] Also da war er mit Warenwirtschaftssystemen und immer sehr Vorreiter. Also ich glaube, dass wir uns da schon ergänzen und man sagt ja immer, wenn du der Gescheiteste in deinem Raum bist, dann bist du im falschen Raum. Also man soll sich schon immer ein Gegenpart suchen, jemand, der was anderes gut kann. Und so kann man sich am besten entwickeln. Stefan: [17:06] Man muss aber halt auch sich selber ermahnen, dass man dem anderen nicht vorwirft, das, was man kann, nicht zu können, sondern sich zu freuen darüber, dass er was anderes kann, was du nicht kannst. Das ist schon auch eine gewisse Größe, eine sehr erwachsene Herangehensweise an einer Beziehung. Beate: [17:18] Das ist auch beim Papa-Sein eigentlich auch so. Das ist auch was, was ich gelernt habe. Oder rückblickend, Papas machen viel mehr richtig, als man glaubt, als Mama. Und oft ist es so, dass es generell im Leben so, jemand macht was und er macht es einfach anders. Und anders heißt nicht immer schlechter, sondern einfach anders. Und da hätte ich, glaube ich, ein bisschen mehr locker lassen können, auch wie die Kinder klein waren. Stefan: [17:51] Da sind wir jetzt eh schon. Da hast du mir quasi den Wechsel von einem zum nächsten Block sehr schön abgenommen. Danke dir. Weil wir sind ja jetzt quasi kein Unternehmer-Podcast, Unternehmerinnen-Podcast, sondern eigentlich wollten wir über die Papas reden. Und du hast ja schon über die Papas gesprochen. Wie wir das erste Vorgespräch gehabt haben hier und ich bei euch einen köstlichen Kaffee bekommen habe, haben wir auch darüber gesprochen. Stefan, du hast gesagt, die Papas kaufen anders ein als die Mamas. Erzähl mal, was machen wir anders? Ja, unter uns, ja, wir können ja jetzt offen reden. Genau, der kann dazu. Bernhard: [18:26] Also, hört sich an wie ein Klischee, stimmt aber in 98,8% der Fälle, da steht ein Kinderwagen und die Mama steht davor, nein, ist das schön, was gibt es denn da für Farben? Und der Mann fragt, der wird es? Ja, ja. Und dann geht der Papa hin und macht so ein Schockle, ob der auch stabil genug ist und so. Also es ist tatsächlich so, dass tatsächlich Klischee, Klischee, aber es stimmt, dass die Mamas eher den visuellen Aspekt bei der Entscheidung im Vordergrund haben und die Papas den wirtschaftlichen Value for Money und hält das auch eine Weile Aspekt. Stefan: [19:05] Was aber eigentlich auch gut ist, auch da sind wir beim Ergänzen, weil ich meine, wenn sowohl Funktion als auch Form, also Ästhetik und Funktion zusammenpassen, hey, win, oder? Ich meine, das passt doch. Bernhard: [19:16] Was Spaß macht, ist... Mein anderes Lieblingsbeispiel, Tragetücher, galten, als wir angefangen haben, als wären wir gerade aus dem Wald gekommen, haben uns die Leute mal angeschaut. Mittlerweile ist es weit, weit, weit verbreitet. Aber viele Jahre in der Anfangszeit, die Papas kamen rein so, was, das Traktor, so Hippie-Kram will ich nicht. Und mein Sport war es über viele Jahre, Papas davon zu überzeugen, dass das eine coole Sache ist. Weil das ist eine coole Sache, wenn du auf einmal dein kleines Kind aufpasst. Ist es schön warm? Und ich werde es nie vergessen, einer meiner schönsten Papa-Momente, als ich das erste Mal den Lennart und seinen ersten eingebunden habe. Und er so. Und das Kind steht völlig entspannt. Du weißt, du bist jetzt alles, was das Kind braucht. Du bist warm, du bist Papa, du riechst nach Papa, du riechst nach Frieden, nach Glück, nach Zufriedenheit, Punkt. Und das ist ein unglaubliches Gefühl. Und da bin ich ganz stolz drauf, dass ich diversen hundert Papas geholfen habe, zu dem Gefühl ach zu kommen. Stefan: [20:19] Also du bist absoluter Tragetuch-Bindeprofi und Überzeugungs-Missionar des Tragetuchs, kann man sagen. Beate: [20:26] Oder überhaupt Baby tragen, das ist einfach so beziehungsstiftend und das verändert dann das Verhältnis und auch das Kräfteverhältnis in einer Familienkonstruktion, wenn der Papa sich da engagiert. Stefan: [20:40] Aber das heißt, auch hier, ich nehme jetzt aus euren Aussagen heraus, am besten geht man gemeinsam, auch wenn man vielleicht Streit provozieren könnte. Also wenn wir jetzt gemeinsam zum IKEA gehen, würde ich jetzt nichts mehr machen. Das würde ich nicht empfehlen, aber vielleicht als Paar mit Kind, oder auch bevor das Kind da ist, gemeinsam einkaufen zu gehen, um sich eben mit den Fähigkeiten und dem Blick auf die Produkte zu ergänzen. Weil nur nach Optik einkaufen, dass es sich im Instagram-Feed schön macht, ist halt auch nicht super, oder? Bernhard: [21:09] Dann ist es praktisch, wenn man nicht irgendwo hingeht, sondern zu uns kommt, weil wir die Vorarbeit schon gemacht haben. Also die Kunden, die herkommen, wissen... Es ist alles Qualität. Man muss nicht danach fragen, ob das Kind auch mal dran lutschen darf. Alles kommt aus sauberer Quelle, ist sauberer gearbeitet und hat ein hohes Niveau. Und ich kann mich entscheiden, nicht gut oder schlecht oder billig oder teuer, sondern so oder so. Wir sagen immer, es gibt keine Qualitätsunterschiede, sondern es gibt Unterschiede. Und ich finde es toll, wenn die Eltern gemeinsam kommen, weil das Unterhalten und Beschäftigen mit Dingen, von denen sie vorher noch nie was gehört haben, das ist ja das Lustige bei uns. Da kommen Leute rein, die so Wie geht das? Ich bin ein erfolgreicher Rechtsanwalt und sie ist eine erfolgreiche Oberärztin. Aber sie haben keine Ahnung, was jetzt kommt und wie man das macht. Und sich gemeinsam dem Thema dann anzunähern, finde ich eine extrem coole Sache. Man merkt das nämlich oft im Gegenteil. Die Mama war schon dreimal da und hat sich beraten lassen und das. Und dann kommt der Papa, ist ein bisschen genervt, sitzt dann oft hier, kriegt einen Kaffee. Sag ich, hast du jetzt alles? Das ist eigentlich ein bisschen unguter Anfang, weil gemeinsames Verständnis aufbauen, wie gehe ich, was ist schlafen. Wir reden ja auch nicht immer nur über die Produkte, sondern man kommt automatisch auch auf andere Sachen. Und die Papas sind da oft weniger bereit zuzuhören. Und unsere große Herausforderung ist dann immer die Papas einzufangen und deren Ohren zu öffnen, sage ich mal. Stefan: [22:38] Wie öffnet man Papa Ohren? Beate: [22:40] Also es ist sehr viel Psychologie dabei und unser Anliegen ist ja, dass die sich wohlfühlen. Für die ist das eine total neue Situation und fühlen sich da, es ist einfach kein sicheres Terrain. Und dass man einfach sie mit ins Boot nimmt und auch mal auf den, der sich jetzt nicht so wohlfühlt, eingeht. Also das, finde ich, ist, glaube ich, unser Talent und etwas, was auch mir total Freude macht, weil sie dann dabei sind. Und dass man einfach ihnen zuhört und ihre Fragen sich anhört. Also das ist so ein, das ist ja ein Gemeinschaftsprojekt. Wenn ich einen Kunden im System anlege, frage ich immer, wie sie beide heißen, weil es ist ja, waren sie ja gemeinsam. Und auch gerade, wenn man aufs Tragen nochmal zurückgeht, das ist etwas, wo ein Papa dann merkt, hey, sie hat jetzt neun Monate um sich herumgeschleppt sozusagen. sagen, jetzt bin ich dran, jetzt ist das, das ist meine Chance. Und es ist oft so ein Aha-Erlebnis, wenn sie da so eine schwere Puppe haben. Stefan: [23:37] Und auch Chance und nicht Pflicht. Weil es ist, das ist mir wahnsinnig wichtig im Podcast immer. Ich versuche ja, Family Great Again zu machen für die Papas und ihnen zu sagen, also den Gleichgesinnten wie mir zu sagen, hey, das ist super, das ist fantastisch, das ist toll. Du kriegst extrem viel, wenn du da was tust. Und nicht zu sagen, hey, du solltest aber mehr machen, sondern einfach quasi positive Motivation. Und deswegen sagst du Chance. Es ist meine Chance, da jetzt Nähe zu finden, da jetzt irgendwie zu bonden und einfach diese Beziehung aufzubauen, die dann ein Leben hält. Wie schön ist das, wenn das Kind sich wehtut? Nicht, dass es nicht schön ist, aber wenn es dann nachher nach mir ruft und nicht nach der Mama. Ich finde das super und ich finde das cool. Bernhard: [24:22] Darf ich kurz noch einschieben? Weil wir haben in der Familie den absoluten Beweis, wie viel das ausmacht. Der Lendert ist quasi auf meinem Bauch groß geworden. Damals waren wir in Spanien, haben ein Konzept gemacht und ich hatte ihn ganz viel in der Trage. Und der Benno, der Kleine, als der geboren wurde, war ich mittendrin im Renovieren vom Geschäft und im alles Vorbereiten. der hat mich oft tagelang so gut wie gar nicht gesehen. Und der Lennart war noch mit zwölf, kam der ins Bett gesprungen und hat sich an Papa gekuschelt. Beate: [24:52] Papa-Redetime, worüber reden wir heute? Bernhard: [24:56] Und beim Benno, beim Kleinen, habe ich wirklich arbeiten müssen, auf so eine körperliche Vertrautheit zu kommen. Das ist wirklich schwarz und weiß gewesen, das ist unglaublich. Stefan: [25:06] Prinzipiell sind die Kinder oftmals schwarz und weiß, das ist einfach so. Ich glaube, das wollte die Natur auch so. Aber natürlich, gerade wenn du es auch kausal irgendwie verbinden kannst mit Lebenssituationen, wo du weniger da warst und weniger Zeit gehabt hast, legst du auf der Hand, dass das anders ist. Und das ist ein sehr gutes Beispiel, danke dir dafür. Jetzt habt ihr schon gesagt, also Tragen und Tragetücher, das ist etwas, was man pro Empfehlung nehmt das schafft Nähe, schafft irgendwie auch für den Papa die Möglichkeit da ganz nah heranzukommen was ist denn so, weil ich habe so also alle Eltern kaufst du irgendwas und dann denkst, und dann ist ein Blödsinn, gibt es irgendwas, was ihr mal gedacht habt okay, das nehmen wir ins Sortiment auf, das war so ein Ladenhüter das ist einfach, weil es niemand will oder, also es gibt so Dinge die man kauft und sich denkt, okay, weiß ich nicht, so wie Ich wundere mich, wo in zehn Jahren die ganzen Airfryer hinkommen, die jetzt alle kaufen und dann vielleicht irgendwann mal niemand mehr braucht, Bernhard: [26:01] Neben die Thermomix. Stefan: [26:02] Ja, das kann natürlich sein, ich weiß es nicht. Aber was ist der Airfryer des Family Concepts? Beate: [26:08] Also wir analysieren unser Sortiment natürlich andauernd. Also außen alles kuschelig weich, innen alles harte Zahlen. Und enttäuschenderweise manchmal sind es ganz tolle Spielsachen für freies Spiel. Und manchmal sind es Montessori-Spielsachen, die man ein bisschen vielleicht gar nicht erklären müsste, aber wo ein Erwachsener kann sich nichts darunter vorstellen und ein Kind wird einfach drauf losspielen. Und solche Sachen zu verkaufen, war in den letzten Jahren manchmal ein bisschen schwierig. Und jetzt glaube ich, ich habe das Gefühl, dass immer mehr dieser Montessori-Gedanke in die breitere Gesellschaft hineinschwappt und dass man mehr auf Humus fällt, wenn man solche Dinge anbietet. Bernhard: [26:58] Klötzchen statt iPad. Stefan: [27:00] Ja, na gut, ich meine, das ist prinzipiell schon viel kreativ förderlicher. Beate: [27:03] Da haben wir ganz viele Sachen. Also wir versuchen immer so Dinge anzubieten, die man auch ins Restaurant mitnehmen kann, die nicht digital sind. Das haben wir bei unseren Kindern geschafft, dass sie keine Filme angeschaut haben, nicht am Handy waren, nicht ganz, ganz lange. Und das hat ihnen einen riesen Vorsprung, glaube ich, gegeben. Bernhard: [27:21] Lustige Anekdote. Wir hatten immer einen Fernseher, haben aber nie geschaut, als die Kinder klein waren, wenn die Kinder wach waren. Und irgendwann hat dann, waren sie beide so halb groß noch, hat der Kleine den Großen gefragt, was ist denn das? Und der Große schaut ihn ganz weise an und sagt, da sind Bilder drin, aber nur manchmal. Stefan: [27:44] Schön, ja, schönes Bild eigentlich. Ich habe mir vor kurzem meine Tochter gehabt, die mich gefragt hat, weil sie halt, wenn sie irgendwas schaut, logischerweise nur on demand, irgendwelche Streaming-Sachen, hat dann sich freiwillig einschaltet. Und dann hat sie nicht gewusst, was sie sich anschauen wollte, wollte aber unbedingt schauen. Da hat sie gemeint, Papa, wie heißt das, da wo immer irgendwas läuft? Also sie hat nicht gewusst, wie sich Fernsehen nennt. Sorry an alle, die Linaris Fernsehen produzieren. Das ist offenbar bei zehnjährigen nicht mehr en vogue. Jetzt seid ihr hier, und ihr habt es auch schon angesprochen, bewusst nach Wien gekommen. Ich glaube auch möglicherweise bewusst in dieses Grätzl im siebten Bezirk, in dem ihr seid sehr bürgerlich, sehr aufgeschlossen, sage ich jetzt einmal so, man sagt Probo-Bezirk immer dazu. Würdet ihr, glaubt ihr, anders arbeiten, wenn das Geschäft in einem klassischen Flächenarbeiterbezirk stehen würde? Also würdet ihr am Räumenplatz anders arbeiten oder in Donaustadt als hier im Siebten? Bernhard: [28:43] Müssten wir sicher und deswegen sind wir nicht dort. Damals war eine der wesentlichen Entscheidungen für den Siebten, dass es hier, schon sehr viel Bewusstsein gibt in die Richtung, wie wir das gerne als Hintergrund für unseren Laden haben wollten. Zum Beispiel eben möglichst viel biologische Materialien. Saubere Herkunft war uns von Anfang an wichtig. Zu Zeiten, als wir noch argumentieren mussten, selbst im siebten Bezirk mussten wir argumentieren, warum kostet dieses T-Shirt 15 Euro und nicht 4 Euro wie bei H&M? Beate: [29:15] Darf ich nur ganz kurz sagen, der siebte von damals hat nichts mit dem siebten von heute zu tun. Also wir haben ihn schon auch ein bisschen mit geprägt. Also ohne jetzt arrogant zu klingen, aber das hat sich einfach auch so entwickelt. Bernhard: [29:27] Einer der vielen Steinchen waren sicher wir, ja. Aber es war trotzdem schon, war das hier ein Bezirk, wo man schon gespürt hat, da gibt es mehr Menschen, die sich dafür das Thema interessieren und auch bereit sind, den einen oder anderen Euro mehr auszugeben, als in anderen Bezirken. Drum, wir haben, ich glaube, ich bin ungefähr 2000 Kilometer zu Fuß gelaufen in Wien und habe mir alle halbwegs infrage kommenden Grätzl angeschaut, Ich habe mich an die Ecken gestellt, was laufen wir für Leute rum, was fahren für Autos, wie sind die Leute angezogen und so. Da war relativ schnell klar, dass der siebte das meiste Potenzial hat. Wir wollten uns nicht einem Standort anpassen, sondern wir haben uns einen Standort gesucht, der zu unserem Konzept und zu unserem Hintergrundwünschen passt. Stefan: [30:13] Geht ja in einer Millionenstadt wie Wien zum Glück eigentlich sehr gut. Das muss man schon sagen, dass wir uns auch glücklich schätzen dürfen in dieser wunderbaren Stadt. Und ist vielleicht auch etwas Urbanes. Also wahrscheinlich würde euer Geschäft am Land auch völlig anders funktionieren, oder? Ist das, kann man das sagen, dass ihr, ist es Urban Parenting, was ihr hier bedient, ein bisschen? Beate: [30:34] Ja, also wir hatten ja auch mal ein paar Jahre in Vorarlberg ein Geschäft und das hat schon, Land ist nicht immer gleich Land und die Vorarlberg haben schon einen sehr guten Geschmack und ein sehr hohes Qualitätsniveau und auch Anspruch. Insofern haben wir da vom Sortiment her schon super hingepasst. Aber wir brauchen einfach auch dieses große Einzugsgebiet. Also zu uns kommen die Leute aus Graz, aus Prag, aus Monaco, aus Leuten, die in Dornbirn sind. Die kommen einmal im Jahr nach Wien und dann kommen sie immer zu uns. Also wir haben schon so, und wir mögen, das Internationale mögen wir sehr. Also wir haben ja auch ein Team, das über 20 Leute und da sind 15 Nationalitäten von China, Philippinen, Irland, Schweiz, Russland, Bulgarien, Deutschland. Stefan: [31:38] Soll es geben. Beate: [31:40] Und das Vielsprachige und Internationale, das mögen wir. Und warum jetzt, weil du gesagt hast, ja, wären wir im zweiten oder in einem Randbezirk anders vom Sortiment. Wir wären auch ganz anders, wenn wir jetzt im ersten wären. Aber uns sind Marken in dem Sinn und Prestige ist uns eigentlich total egal. Wir schauen einfach auf andere Sachen und so kommen dann die aus dem ersten auch zu uns. Stefan: [32:07] Es hast du gesagt, uns hat mir gut gefallen, dass ihr schon auch den siebten mitgeprägt habt und auch, dass der siebte vor 20 Jahren anders war, als es heute ist. Wie ist denn so, weil es ja eben ein Papa-Podcast ist, haben sich die Papas verändert in 20 Jahren? Ja. Habt ihr das mitbekommen? Bernhard: [32:21] Ja, also ich glaube, das ist... Dass wir in vielen Dingen damals ein bisschen Eisbrecherfunktionen hatten, aber dass die Spur hinter uns dann nicht nur durch uns im Gottesdienst, aber deutlich breiter geworden ist. Also ich glaube, die Papas rücken viel mehr in Richtung Gleichberechtigung und Teilen der Aufgaben. Sicher noch einen langen Weg zu gehen, aber ich würde schon sagen, wenn man vergleicht jetzt und 2005, 2006, hat sich viel getan. Schon, also auch allein, heute muss ich Papas nicht mehr, müssen die, muss ich nicht mehr kämpfen, damit sie mal ein Tragetuch anprobieren. Oder das Thema Tragen war früher ein Mama-Thema, fast ausschließlich. Man musste die Papas wirklich hin tragen zum Tragen. Und jetzt ist es selbstverständlich, dass die zu zweit da unten in der Trageberatung stehen, um beim Beispiel tragen zu bleiben. Beate: [33:14] Ja, aber es gibt schon so konservative Heinis, immer mal wieder. Ja, die gibt es. Die so dann, die dann so sagen, ah ja, und ich zahle und sage ich aha, sie hat doch sicher ihr eigenes Geld. Und dann merken die so, wie peinlich das eigentlich war, ihre Aussage gerade. Also gibt es schon auch. Aber viele coole. Stefan: [33:33] Das ist sehr gut. Was habt ihr denn so? Vielleicht gibt es noch so, ich will das dann langsam, müssen wir schon auf die Zeit schauen, Richtung Ende kommen. Habt ihr für eure, also ich nehme mal an, eure Kinder waren ja unter anderem auch ein bisschen so oftmals die Testballons für neue Sachen, die ihr vielleicht auch quasi, die durften das zuerst bespielen oder sowas. Habt ihr als jemand, der so viel Erfahrung hat, habt ihr auch eigentlich Fehlkäufe gemacht? Bernhard: [34:02] Für die Kinder? Ja. Ich behaupte mal, so wenig, dass ich mich jetzt an keinen erinnern könnte. Beate: [34:11] Also Schnuller. Die wollten keine Schnuller. Stefan: [34:15] Also das ist nämlich auch ganz wichtig, ganz klassisch, als jemand, der noch keine Kinder hat und jemanden, weiß ich nicht, Babybesuch abstattet, weil das Baby eben jetzt da ist, dann eine Schnuller mitzunehmen ist oftmals so, danke. Beate: [34:25] Nein, es ist einfach so, dass dein Baby ist ein Omlet-Surprise. Du weißt aber nicht, du kriegst irgendwas, eine Karte im Sack. Und das ist nicht zwingend genauso wie du oder wie dein Partner. Das ist irgendwas ganz Neues. Und da versuchen wir immer die Leute... Bernhard: [34:41] Auch nicht so wie der große Bruder zum Beispiel. Beate: [34:43] Ja, aber wir versuchen immer die Leute zu motivieren, einfach auf ihre Intuition zu hören und einmal zu schauen, es ist ihre Familie, ihr Kind. Schaut mal, was das mag oder möchte. Die kommen nicht aus dem 3D-Drucker. Stefan: [34:56] Und das ist auch gut so. Beate: [34:57] Ja, Gott sei Dank. Sehr gut. Stefan: [34:59] Ich habe zwei Fragen, die ich meinen Gästen immer sehr, sehr gerne stelle. Weil ich finde, da kommen immer wahnsinnig schöne Aussagen ans Tageslicht. Und zwar, ein bisschen habe ich es unternehmerisch vorher schon gefragt, was ihr anders machen würdet mit dem Wissen von heute. Jetzt nehmen wir es auf die reinen Elternperspektive. Also ich nenne diese Kategorie Zurück in die Zukunft. Was würdet ihr eurem kinderlosen Ich mit dem Wissen von heute empfehlen? Ich sehe ein Grinsen auf deinem Gesicht, Stefan. Stell dir vor, du stehst dem Stefan von Anfang der 2000er gegenüber und kannst ihm sagen, hey, Achtung, das weiß ich, pass auf. Bernhard: [35:40] Also eine Sache, die ich gelernt habe durch die eigene Familie, lernt man ja auch oft, wie man es nicht machen möchte. Stefan: [35:47] Ganz genau. Bernhard: [35:49] Und Beate hat schon vorhin angesprochen in einem Nebensatz, den Faden nie abreißen lassen, also auch wenn man sich noch so ärgert, dass man immer den Kontakt zu den Kindern erhält und sie immer das Gefühl haben, sie können zu mir kommen ähm, Das hätte ich sicher intensiver noch betreiben können. Und was ich heute anders machen würde, ich würde viel früher anfangen, gemeinsame Interessen mit den Kindern auszuprägen, die man eben auch mit Älterwerden immer wieder machen kann. Weil mit einem Sechsjährigen gehe ich auf ein Ritterfest und alle haben Freude. Mit einem Sechzehnjährigen wird es schon richtig schwierig. Und mit einem Zwanzigjährigen gemeinsame Aktivitäten, weil das Leben besteht ja nicht darum, dass man am Sofa sitzt und sich was erzählt. Sonntags zu Mittagessen trifft. Es macht irgendwann Spaß mit Menschen gemeinsam was zu machen und da kann man wirklich ein bisschen vorbauen, dass man eben gemeinsame Aktivitäten prägt, dass man gemeinsame Sportarten mag, dass man beide spielen gern scharf, keine Ahnung, solche Sachen findet und dann auch pflegt. Stefan: [36:53] Also sucht die gemeinsame Beschäftigung, gemeinsame Hobbys so in die Sehr interessant, hatten wir noch gar nicht, finde ich super. Beate: [37:01] Ja, also ich war als Mama und Unternehmerin immer so eine Zerrissene und ich würde versuchen, immer mehr den Moment zu leben und da zu sein, wo ich bin. Wenn ich mit den Kindern bin, bin ich auch im Kopf mit den Kindern. Und wenn ich im Job bin, dann bin ich auch im Kopf im Job. und nicht dieses eigentlich beides gleichzeitig. Und mir hat mal ein ganz guter Coach gesagt, so ja, Beate, du hast 100 Prozent, du hast nicht 150. Also versuch es einfach aufzuteilen. Und das war dieses Hin- und Hergerissen-Sein, das hat es eigentlich überhaupt nicht gebracht. Das hat mich eher unglücklich gemacht und gestresst. Also dann, ja, es hätte mir besser getan und den Kindern wahrscheinlich auch. Stefan: [37:53] Also Fokus. Und die letzte Frage ist eine musikalische. Es gibt eine Playlist auf Spotify, die Papa Mia Playlist des Grauens, wo Songs drauf sind, die jetzt nicht ihr aus irgendeinem Grund nicht mögt, sondern schon, aber weil sie eure Kinder so oft gehört haben, dass ihr sie nicht mehr hören könnt. Ihr könnt euch jetzt entweder jeder einen Song aussuchen oder einen gemeinsamen. Welcher ist der Song, wenn der lauft, weg damit, ich kann ihn nicht mehr hören, weil die Kinder ihn so oft gehört haben? Beate: [38:21] Also, den gibt es nicht wirklich. Bernhard: [38:23] Dadurch, dass wir unsere Kinder sehr undigital haben aufwachsen lassen. Stefan: [38:28] Es gibt ja in Dresdisch auch LPs. Bernhard: [38:31] Aber das gibt es tatsächlich nicht. Beate: [38:33] Die haben echt immer, also es ist total lächerlich jetzt, aber die haben total coole Musik immer gehört. Stefan: [38:38] Und nicht immer das Gleiche. Beate: [38:39] Und die haben Manu Chau gehört und die haben alten Jazz gehört und die haben auch manchmal Deutschrap, aber auch nicht so oft, dass man es nicht mehr aushält. Also auch Klassik. und wir sind einmal heimgekommen, da haben die Schach gespielt und Mozart gehört und wir haben gedacht, wir sind im falschen Film. Stefan: [38:59] Welche Ereignisse war das? Beate: [39:01] Vielleicht zwölf und vierzehn oder so und ich habe gedacht, okay, die Kinder, die wurden bei der Geburt vertauscht. Stefan: [39:08] Also es gibt einen Song. Bernhard: [39:10] Es gibt einen Song, aber nicht von unseren Kindern, sondern aus dem Geschäft, nämlich die Benjamin Blümchen Titelmelodie. Stefan: [39:18] Benjamin Blümchen. Bernhard: [39:19] Die Kinder, die immer unten anstellen. Und ich könnte draufschlagen. Nicht auf die Kinder. Stefan: [39:24] Das hoffe ich. Dann nehmen wir den. Der ist noch nicht drauf, interessanterweise. Wir haben schon Bibi Blocksberg, wir haben schon diverse andere Titelsongs. Aber Benjamin Blümchen hat jetzt einen Platz gefunden auf der Playlist. Ich danke euch vielmals. Das Geschäft hat schon seit einer Viertelstunde offen und deswegen halte ich euch nicht mehr auf. Danke vielmals. Beate: [39:41] Ja, vielen Dank. War ein feiner Morgen mit dir. Papa Mia. Reine Männersache. Stefan: [39:47] Der Podcast von Papas für Papas. Und für alle, die Papas mögen. Klingt cool, ist es auch.

Kapitel

02:40
Von Barcelona nach Wien: Wie Herr und Frau Klein entstanden sind
08:14
Paar, Business, Rollenteilung: Was wirklich schwierig ist
17:18
Papas machen viel mehr richtig: Rollenbilder & Nähe
18:26
Einkaufen mit Kind: Tragetuch, Kinderwagen & Ladenphilosophie
32:21
20 Jahre später: Wie sich Papas ändern

Bernhard Vosicky

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