Warum „stark sein“ Väter kaputt macht. Mit Christian Anderl

Episode 119
43:37

Es gibt Momente im Leben als Vater, auf die dich nichts vorbereitet. Nämlich dann, wenn du merkst, dass deine eigenen Krisen – so schwer sie auch waren – gegen das verblassen, was deinem Kind passiert. Christian Anderl hat das erlebt. Deshalb ist er in dieser Folge zu Gast bei „Papa Mia!?“

„Eine eigene Krebsdiagnose und sich mit der eigenen Sterblichkeit konfrontieren zu müssen, ist im Vergleich ein grippaler Infekt. Wenn du dann plötzlich mit demselben Thema konfrontiert bist, aber es betrifft dein Kind – dieses Maß an Machtlosigkeit, Angst und Verzweiflung. Du weißt einfach, du kannst nichts tun. Außer da sein.“

Wer ist Christian Anderl?

Christian Anderl ist Ex-Ö3-Moderator, Fotograf, Videograf und Berater für Selbstständige. Außerdem ist er zweifacher Vater von zwei Söhnen und jemand, der gelernt hat, aus Krisen etwas Konstruktives zu machen. So hat er zum Beispiel die Väter-Porträts ins Leben gerufen: ein Fotoprojekt, bei dem er Väter vor die Kamera holt und Gespräche führt, die Männer sonst selten führen. Weil ihn bewegt, was mit Männern passiert, wenn sie wirklich reden (was wir – Spoiler – nämlich viel zu selten tun).

In dieser Folge sprechen wir deshalb über seine Krebsdiagnose 2012, die gleichzeitig mit dem ersten Kind und dem Ende beim Radio zusammenfiel. Wir sprechen außerdem über Wochen auf der Kinderintensivstation, über sein neues Projekt Männerbilder, über Pubertät und darüber, was er seinem jüngeren Ich als Vater mitgeben würde. Weil Vaterschaft und Papasein eben nicht nur schöne Momente bedeuten – sondern auch die Fähigkeit, in den härtesten Momenten da zu sein.

Themen dieser Folge

Vaterschaft, Papasein, Elternsein, moderne Väter, Männerbilder, Väterporträts, Resilienz, Krise, Männergesundheit, Pubertät, Care-Arbeit, Emotionen bei Männern, Selbstständigkeit, Tod und Kinder

Kapitel

  • (00:00) – Intro
  • (03:18) – Warum dein Sohn dich gerade für kacke hält – und warum das evolutionär so sein muss
  • (10:28) – Krebsdiagnose, erstes Kind, erste Panikattacke – alles innerhalb eines Jahres
  • (14:53) – Intensivstation mit dem Sohn: „Die eigene Krebsdiagnose war dagegen ein grippaler Infekt“
  • (20:46) – Wie die Väter-Porträts entstanden – und was passiert, wenn Männer wirklich reden
  • (31:05) – Das Fass läuft über: Warum Männer jetzt Stellung beziehen müssen

Das sprechen wir in dieser Folge an

  • Warum Pubertät aus evolutionärer Sicht Sinn ergibt – und warum das trotzdem kein Trost ist
  • Warum Christian seine Radiokarriere hinter sich gelassen hat
  • Krebsdiagnose Mitte 30: Was das mit einem macht
  • Sechs Wochen Kinderintensivstation und was das über Machtlosigkeit als Vater lehrt
  • Warum Väter kaum miteinander reden
  • Männerbilder 2026: Warum Schweigen als Mann keine Option mehr ist
  • Über den Tod normal reden mit Kindern. Und warum das wichtiger ist, als wir denken
  • Was er seinem jüngeren Ich als Vater mitgeben würde

Über Papa Mia!?

Papa Mia!? ist der Podcast von Papas für Papas. Ich bin Bernhard Vosicky, und ich spreche hier wöchentlich über alles, was modernes Papasein heute bedeutet: Väterkarenz, Care-Arbeit, Elternsein, Beziehung und den Alltag zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Weil Väter eine Stimme verdienen. Und weil wir voneinander lernen können.

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Transkript:

Christian (00:00) eine eigene Krebsdiagnose und sich mit der eigenen Sterblichkeit konfrontieren zu müssen, ist im Vergleich ein krippaler Infekt. Wenn du plötzlich mit demselben Thema konfrontiert bist, aber es betrifft dein Kind, dieses Maß an Machtlosigkeit und Angst und Verzweiflung fast schon, du weißt einfach, dass du kannst nichts tun, außer da sein. Das ist echt hässlich, wünsche ich Bernhard Vosicky (00:40) Willkommen, neue Folge Papa Mia, diesmal mit einem Interviewgast, der mir Remote zugeschalten ist. Christian, wo bist du eigentlich ganz genau jetzt aktuell? Christian (00:48) In Tulln an der Donau. Gar nicht so weit weg von dir. Bernhard Vosicky (00:50) Wunderschönes Toolen. Ja, ich wollte gerade sagen eigentlich, war auch meine allererste Radiostation damals bei Radio Arabella die erste Regionalredaktion, die ich alleine geführt habe, weil ich auch allein dort war. Also kann man sagen. Christian (01:02) Ich wusste gar nicht, dass es da gibt, aber bin auch kein Tuner, bin hier der Zurgroaste, wie man so schön sagt. Ich ja hier Stadtflüchtling. Bernhard Vosicky (01:10) Jaja. Frischluftdeppert auch, wenn man sagt, oder? Christian (01:16) Naja, genau genommen. Ich bin ja als Landei nach Wien gezogen und bin dann von dort wieder rausgezogen. Jetzt hat jeder so seine Meinung dazu. Jetzt gehöre ich nirgends mehr hin, aber ich fühle mich ganz wohl da. Bernhard Vosicky (01:32) Vielleicht für manche, die so Generationen wie ich rund ⁓ Ende 70er, Anfang 80er sind und auch viel Ö3 gehört haben können und die Stimme womöglich noch. Christian hat lange Zeit auch bei Ö3 als Moderator gearbeitet. Auch diese Radiovergangenheit verbindet uns ein bisschen. Und er ist einer, der mittlerweile schon sehr, sehr, lang ins optische Fach gewechselt hat. Videograf und vor allem auch Fotograf. und auch Selbstständige berät auf ihrem, sagen wir so, Wohlfühlmission im eigenen Selbstständigkeit sein. Etwas, was ich auch als Selbstständiger, der jetzt seit zwei Jahren das alleine macht, sehr, gerne verfolge und mir die Tipps hole. Ich freue mich, dass er jetzt endlich in meinem Podcast ist. Wir haben es ein paar Mal versucht. Heute bist du eigentlich als Papa da, weil Papa Mia, Papa Podcast, du bist zweifach Papa von zwei Söhnen, die wir alt sind. Christian (02:25) Die sind aktuell 5 und 12 auf dem Weg zu 6 und 13. Bernhard Vosicky (02:29) Ich finde das ganz lustig. Wie fühlt sich das an, Puppertieren den Sohn zu haben oder Präpuppertieren, weil meine Tochter, die ja mit 11 Jahren bald da in dieses Präpuppertieren hereinkommt? Christian (02:30) Die Pubertät schlägt. Ja, wie fühlt sich das an? Mitbedenkend, dass dann auch die Option besteht, dass er sich das irgendwann in Zukunft, näher Zukunft anhören könnte. Ehrlich, ich liebe ihn unverändert heiß und ich bin so hin und hergerissen zwischen Staunen, Erinnerung dran, wie das ist, woher das kommt, warum er so Fallweise gibt es so Momente, wo man echt das Gefühl hat, da ist jetzt irgendwas gespritzt worden. irgendeinen Zugang ist kurzer Überdosis in den Körper gefahren und plötzlich kann er selber nicht mehr anders, als was auch immer dann gerade rausbricht. Aber ich habe das Gefühl, haben momentan noch, aber wir sind auch noch bei 12, fast 13, einen sehr guten Umgang damit, beide. Ich wir können noch sehr gut damit. Ich sage ihm in manchen Momenten auch gerade raus, ich glaube, du musst dich jetzt gerade an mir reiben, aber sag auch gerade dazu, noch gewinnst du das nicht, früher oder später wird der Tag kommen, wo du übernimmst. Noch ist es nicht so weit. Damit fahre ich momentan noch ganz gut, aber mal schauen, wie lange es so gut geht. Bernhard Vosicky (03:55) Wenn deine Söhne so werden wie du in der Pubertät warst, was blüht denn da? Christian (03:58) ⁓ Gott, Gott! Wirklich, wir starten gleich mit solchen Drohungen. Es ist noch sehr früh. Ehrlich, ich sag's grad aus wie es ist, dann hab ich ein bisschen Angst. Aber gleichzeitig denke ich, dass ich das stoischer und ruhiger durchstehen werd, als das viele Eltern hinkriegen, weil mir ja bewusst ist, dadurch ... dass ich mich bisschen daran erinnern kann, wie ich selber war in der Pubertät. Dass das halt einfach auch notwendig ist. Ich glaub, ist was, was ich letztens erst mal wieder gelesen hab, und ich glaub, das werd ich öfter lesen in den nächsten Jahren. Da gibt's ja tatsächlich wissenschaftliche Zugänge zu dem Thema. Dass es einfach von der Evolution so vorgesehen ist, dass Kinder in diesem Alter ... nicht zufällig so drauf sind und gegen dich rebellieren und alles, was du sagst und tust und früher oder später auch was du bist und darstellst, kacke finden müssen, weil die Evolution einfach damit dafür gesorgt hat, dass in der Zeit, als wir in kleinen Tribes zusammen gelebt haben, dass keine Inzucht stattfindet, sondern dass Nachwuchs sagt, ihr seid kacke, ich gehe jetzt woanders hin, gehen ins Nachbardorf und finden dort Genau dieselben Sätze, also es wird ihnen dasselbe gesagt, nur plötzlich finden sie es großartig. Und das sollte ich jetzt nicht sagen mit dem Risiko im Hinterkopf, dass er es nämlich hört und dann vielleicht versteht, aber ich habe mit mit Freunden von mir, mit Eltern seiner Freunde auch Deals und Abkommen geschlossen, dass wir uns einfach im Notfall austauschen können und sagen, pass auf, sag meinem bitte Folgendes. Und dann wird das unter uns besprochen. Wir deponieren dort, was gerade wichtig wäre, gesagt zu werden. Und dann hört das halt von woanders und findet es plötzlich cool, obwohl es genau dieselben Sätze sind, bei dir kacke sind. glaube, auf das muss man sich einfach einstellen, das gehört dazu. Und dann muss man durch. Fertig. Bernhard Vosicky (05:54) ist immer so, dass der Prophet im eigenen Land nichts zählt. Das ist ja nicht nur bei Puppetierenden so. Aber jetzt hast du am Anfang deiner Aussage gerade eben die Ruhe angesprochen, stoische Ruhe. Das ist jetzt, wenn man sich deinen Lebenslauf anschaut, so unbedingt das Erste, einem unterkommt. Stichwort Ruhe, bist eher so gefühlsmäßig ein bisschen rastlos in dem, was du tust, ohne das jetzt zu sagen, dass das negativ ist. Ich kenne das von mir. Es gibt einfach so wahnsinnig viele Sachen, die spannend sind, die man machen möchte und dann zum Glück auch tut. Christian (05:58) Ganz genau. Bernhard Vosicky (06:23) Aber ich fasse mal zusammen, ich glaube du bist ja eigentlich Koch, oder? Christian (06:27) Ich hab angefangen hab ich das Ganze mit einer Hotelfachschule. Bernhard Vosicky (06:30) Ja, ok, also du kennst dich da aus, Knedl-Akademie, in die Richtung, was ja für ein Waldviertel auch passend ist eigentlich. Bautechnik, Radiomoderation, Fotografie, mittlerweile quasi auch Selbstständigenberatung. Was ist denn der rote Faden, der sich da so durchzieht? Christian (06:33) und das Knellakademie. Natürlich. Also der rote Faden zieht sich nicht restlos durch. habe mit diesem, wobei doch eigentlich auch, auch der Architekturausflug, also ich war bautechnischer Zeichner, ich habe tatsächlich im Hochbau Häuser geplant, die zu meiner eigenen Überraschung bis heute stehen. da habe ich noch mitgearbeitet an dieser Planung, deswegen stehen die wahrscheinlich noch. Auch da, das hat auch sehr viel mit Menschen, Kommunikation und mit Wohlfühlen im eigenen Bereich zu tun und so weiter. Ich habe selber lange gebraucht, den roten Faden zu erkennen und zu verstehen. es ist im Endeffekt, Menschen. Mich interessiert am allermeisten, was Menschen bewegt, wie man Menschen bewegen kann, wie man das eigene Unterbewusstsein und das von anderen zum Positiven irgendwie bewegen und verändern kann. Deswegen bin ich in der Portraitfotografie dann gelandet. Am Ende des Tages ist alles, was ich irgendwie gerne mache, hat dann irgendwie in irgendeiner Art und Weise mit Menschen zu tun. Bernhard Vosicky (07:42) Du hast damals, ich glaube das war 2012 oder so was, den Radiojob aufgegeben. Das ist auch schon ein Zeital her. Und war ja wahrscheinlich auch ein Schritt, den damals nicht allzu viele verstanden haben. so nach außen hin, das ja immer so ein unglaublich scheinwerferbeleuchteter Glanzjob ist, den alle machen wollen und du lasst den sein. Christian (07:48) Ja, das ist ... Ja, zwölf. 14 Jahre schon. Bernhard Vosicky (08:10) Was war die Motivation, dass du sagst, ich will wieder was anderes haben? Ich kenne es von mir, aber mich würde es von dir interessieren. Christian (08:20) Also ich, erstens hat das Ganze zwei Seiten. ich habe, also zusammenfassend habe ich immer so einen Rhythmus gehabt von sieben bis zwölf Jahren, denen ich Dinge gemacht habe. Und wenn ich was gefunden habe, was mich richtig interessiert und auch auch richtig huckt, so dass ich länger dran bleiben wollte und konnte und tiefer eintauchen wollte, das immer so sieben bis zwölf Jahre. Und dann habe ich gewusst, Mein Leben braucht irgendwie eine Neuausrichtung. bin lustigerweise gerade wieder in diesem Rhythmus. Es ist gerade wieder eine sehr spannende Zeit. Mir war von Anfang an auch klar, als ich zum Radio gegangen bin, ich ursprünglich gesagt, ich mache das jetzt für fünf Jahre. Daraus wurde dann irgendwann die Verlängerung. Ich habe gesagt, ich mache es für zehn oder so. Schauen wir mal. Aber was für mich immer klar war, Anfang an, war, dass das jetzt nicht der Job ist, mit dem ich in Pension gehe. Weil ich da auch ... einen Blick zu, mich zurückgenommen habe, den Blick von außen ein bisschen draufgelegt habe und mir gedacht habe, vielleicht irre ich, es gibt sicher auch Ausnahmen in diesem Business, aber aus meiner Perspektive habe ich kaum jemanden gefunden, in diesem Geschäft, in Radiomoderation oder auch TV-Moderation, bis ins hohe Alter ein glücklicher, zufriedener Mensch zu sein schien. Das hat für mich immer irgendwie so einen Beigeschmack gehabt von Verbitterung und Also da waren einfach Dinge dabei. Ich hab das von außen beobachtet und mir gedacht, nein, so möchte ich irgendwann mal nicht sein. Und ich hab dann unterwegs in diesem Job für mich auch verstanden, dass so lustig dieser Job ist und der hat mir wirklich Spaß gemacht und der bringt auch Verantwortung mit sich und das ist abwechslungsreich. Also echt ein cooler Job. Ich hab das geliebt, was ich da gemacht hab. Aber ich hab auch gesehen, dass es einen Tick zu viel ⁓ die eigene Persönlichkeit geht. Da dreht sich dein Tagesgeschäft. irgendwann gefühlt fast ausschließlich dich, weil der Rest wird automatisiertes, routiniertes Handwerk. dein Fremdbild, also wir könnten weit ausholen über was ist Identität, setzt sich zusammen aus Fremdbild, Selbstbild und dem Wunsch Selbstbild. Und wichtig ist, dass die drei einfach gut miteinander können. Aber in so einem Job wird das, was dir als Fremdbild transportiert wird, immer kleiner, immer nur ein kleiner Teilaspekt von dir zurück transportiert wird. Und das ist nicht gut für die eigene Identität, das fühlt sich irgendwann mal nicht gut an. Und da wollte ich sowieso raus. Und mein damaliger Chef hat mir den Gefallen getan, nicht sonderlich gut mit mir. Wir waren uns nicht in allen Dingen einig. Und es war irgendwie absehbar, dass das wohl ein Ende finden wird. Und dann, ja, irgendwann mal war der Tag da, wo wir, glaube ich, beide wussten, das ist jetzt, es ist dann soweit. War nicht so schwierig. Bernhard Vosicky (11:08) Aber es war so gefühlsmäßig diese Zeit überhaupt eine, nachhaltig als Zäsur in einer ganz persönlichen Heldenreise drin war. 2012, da hat sich, glaube ich, viel getan, wenn ich so in meinen Recherchen richtig liege, war da Abschied vom Radio, war dann auch eine gesundheitliche Diagnose, wobei der Hodenkrebs diagnostiziert worden ist. Kurz danach kam dann auch dein erster Sohn. Das muss man mal derblausen als Mensch, oder? Christian (11:16) Ja! der Hymnsalmihael. witzig, das sagen viele zu mir. Ich habe Jahre gebraucht, überhaupt erst einmal auf die Idee zu kommen, dass da vielleicht alle, die das sagen, Recht haben könnten und bin dann auch tatsächlich ohne dringenden Bedürfnis danach, sondern wirklich, weil ich mir dachte, ja, vielleicht übersehe ich da wirklich einiges, in Therapie gegangen und habe dann tatsächlich festgestellt, ja, also Es ist nicht so, dass ich ein großes Problem deswegen gehabt hätte, aber es ist schon ganz gut, dass alles nachher, wenn sich alles geklettet und geruhigt hat, Dinge aufzuarbeiten. dieser Episode habe ich für mich auch definitiv gelernt, dass wir alle immer einen Bedarf hätten, einfach in Therapie zu suchen. Auch wenn wir das Gefühl haben, ist nichts Dringendes, Wichtiges, was gerade laut schreit, und wir haben ein richtiges Problem, nicht erst darauf zu warten, bis man ein Problem hat, sondern einfach mal ... zwischendurch insbesondere, wenn man heftige Phasen durch hat, einfach mal in therapeutische Hilfe zu begeben, sie hinzusetzen und wenn es nur eine Gesprächstherapie ist, zu schauen, was hat das alles mit mir eigentlich gemacht und welche Muster haben sich dadurch vielleicht eingeschliffen, die ich jetzt gerade übersehe. Also tatsächlich, natürlich hinterlässt sowas was. eine Krebsdiagnose, der dir ein Arzt gegenüber sitzt und sagt, gut, dass du jetzt quasi zufällig da bist, weil wenn du nicht gekommen wärst, hässt noch zehn Monate ab heute. Das tut was. Auch wenn man es easy wegsteckt in dem Moment, überraschend easy. Ich habe dann relativ schnell umschalten können und mein Programm aktiviert von, okay, das will ich nicht, aber mir ist auch bewusst, dass ich das jetzt annehmen muss, als es hilft nicht, dagegen zu wehren und so zu tun, als hätte ich die Wahl. Also, ich könnte irgendwie sagen, ich will das nicht. Na, das ist jetzt so, das muss ich annehmen und muss damit arbeiten, nach bestem Wissen und Gewissen schauen, was ich dazu beitragen kann, dass das gut ausgeht. Und wie du sagst, in einer Zeit, wo die Ärzte mir gesagt haben, es könnte sein, dass du gar keine Kinder kriegen kannst nach der Nummer, plötzlich passiert es quasi, war dann die Hochschaubahn von ganz unten nach ganz oben und zurück in ein, warte mal, aber ich habe gerade wegen dieser Gesundheitsgeschichte nicht arbeiten können, ich bin selbstständig, finanziell bin ich eigentlich gar nicht so stabil, wie man ... sich das vorstellt, wenn man Vater wird. Meine erste und einzige Panikattacke in meinem Leben kurz nach dem Schwangerschaftstest, glaube ich, geschoben. Das ist schon, ja, und dann schaltet man in einen Funktionieren-Modus weil jetzt muss man funktionieren und hat somit gar nicht die Zeit, so richtig zu verarbeiten, was gerade mit einem selber los war. Also ja, natürlich, das hat schon viel getan, aber ich würde es trotzdem nicht tauschen wollen. Rückblickend hat das sehr viel Gutes getan, weil es mich halt gezwungen hat. mich mit Themen auseinanderzusetzen, hinzuschauen und nicht mich abzulenken, wegzuschauen und davon zu rennen, sondern was draus zu lernen, nämlich wie man mit Krisensituationen umgeht. Bernhard Vosicky (14:39) Das sehe ich auch so ähnlich, dass alles was quasi war, auch wenn es negativ war, dazu beiträgt, dass du der Mensch bist, der du heute bist, lässt sich natürlich in einer Situation leichter beurteilen, in der es einem gerade gut geht. Also während man in diesem Tal drinnen ist, sagt sich das wahrscheinlich eher schwieriger, aber auf der anderen Seite im Nachhinein ist es so und die meisten Sachen, die dazu beitragen, dass man die Person ist, die man ist, hast du dir ja nicht selbst ausgesucht, sondern das ist passiert. Und wenn man das weiß, Vielleicht erträgt man es leichter gleichzeitig. hast schon gesagt, dieses Hochgefühl, also Achterbahnfahrt mit Diagnose, mit dann kommt auf einmal dieser Sohn. Das ist ja bei dir weitergegangen und da möchte ich dich gezielt auf diese Situation ansprechen, die du mal verglichen hast, dass deine eigene Krebsdiagnose dann plötzlich wie ein kripaler Infekt gewirkt hat bei dem, was deinem Sohn passiert ist. Schilder das einmal. Christian (15:33) Also ich traue mir das in einem Papa-Podcast kaum, das Wort in den Mund zu nehmen, weil ich einfach auf keinen Fall will, dass irgendwer anfängt, das zu googeln. Aber ich weiß genau, das wird passieren. Ich kann nur wirklich vorher sagen, macht das nicht. Weil wenn man als Elternteil anfängt zu googeln, was Kinder alles haben könnten unter Umständen, dann wird man wahnsinnig einfach. Da schmeißt man von vornherein die Nerven weg und das lohnt sich nicht. Unser Sohn hatte mit vier kurz vor seinem fünften Geburtstag Kawasaki. Das ist eine extrem bösartige Sache, von der man bis heute nicht genau weiß, wo sie eigentlich herkommt. Ist selten extrem bösartig und hat uns in die Intensivstation geführt mit schwerwiegenden Auswirkungen. Und wenn du sechs Wochen lang mit deinem Kind im Krankenhaus bist und dazwischen auch in einer Intensivstation, wo, so komisch, das klingt, noch schlimmere Dinge passieren. dort sieht man auf einer Kinderintensivstation Wird man so dankbar für jede positive Minute und jeden Tag, an dem man aufwacht mit seinen Kindern und es ist alles cool und man kann spielen und das Schlimmste an dem Tag war, dass sie einfach furchtbar aufgedreht waren und die letzten Funken an Energie aus einem rausgesaugt haben? Das war für mich kaum in Worte zu fassen. dort zu sitzen, da bin ich tatsächlich an meine Grenzen gekommen. hast Recht, wahrscheinlich habe ich das irgendwann genauso formuliert, dass das im Vergleich ist. eine eigene Krebsdiagnose und sich mit der eigenen Sterblichkeit konfrontieren zu müssen, ist im Vergleich ein krippaler Infekt. Wenn du dann plötzlich mit demselben Thema konfrontiert bist, aber es betrifft dein Kind, dieses Maß an Machtlosigkeit und Angst und Verzweiflung fast schon, du weißt einfach, dass du kannst nichts tun, außer da sein. Das ist echt hässlich, wünsche ich niemanden. Gleichzeitig, auch daraus lernt man wahrscheinlich, wenn es gut ausgeht, das muss ich sagen, ist es, lernt man wahrscheinlich sogar daraus, dass man... Ich habe über mich gelernt in der Zeit, dass ich in der Lage bin, noch wesentlich mehr zu stemmen, als ich ursprünglich dachte. Und da in einen Modus umzuschalten, einen Krisenmodus umzuschalten, in dem ich plötzlich... auf einem ganz neuen Level funktionieren kann und für jemanden da sein kann. war nicht unspannend. Bernhard Vosicky (18:10) Muss erst etwas passieren, dass wir Angst etwas Geliebtes haben, dass wir diese Dankbarkeit und Demut entwickeln? Christian (18:18) Ich fürchte, es... Ich glaube nicht, dass es das muss. Das glaube ich wirklich nicht. Ich glaube, dass wir alle die Möglichkeit und die Chance haben. Zum Glück muss ich sagen, mich zumindest im Vorfeld schon... Ich hatte meine Phasen im Leben, wo ich mich mit... Keine Ahnung, ich hatte eine Phase, wo ich viel Osho gelesen habe. Sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, mit sich selber und mit dem Leben auseinanderzusetzen, auch mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen. hilft enorm, wenn dann solche Situationen kommen, ein bisschen vorbereitet zu sein und zumindest zu wissen, wohin man den Schalter umlegen kann. Und ich glaube, das ist eher so ein gesellschaftliches Problem, dass wir das nicht mehr tun. Das merke ich jetzt auch mit Kindern. Ich rede mit meinen Kindern, ich will ja nicht sagen täglich, aber wahrscheinlich fast täglich gibt es zumindest, wenn es nur eine Nebenbei-Bemerkung ist oder mehrfach die Woche. ist das Thema Tod ganz normal in unserem Leben. Dass Haustiere sterben, dass Oma, Opa und auch der Papa und alle irgendwann sterben, ist einfach ein ganz normales Thema, so wie alle anderen Themen auch. Und ich sehe, dass Kinder das total gut verarbeiten können, wenn man von klein auf mit ihnen ganz normal darüber redet und mit ihnen über Kreislauf des Lebens usw. redet. Und sie können das ganz normal gut aufnehmen und sagen, okay, so läuft das, man kommt und dann ... geht man auch wieder, weil es keinen Platz da ist. muss ja, die können das super wegstecken und können sich dann, glaube ich, in ihrem weiteren Leben dem Thema anders nähern und mit ihrer eigenen Sterblichkeit besser auseinandersetzen und auch mit Krisen besser umgehen, auch wenn es, das heißt ja nicht, man dann Schulterzucker in die Krise zur Erkenntnis nimmt und sagt, okay, jetzt ist der gestorben. Das ist ja völlig falsches Verständnis, ich, sondern dass man einfach dann die Werkzeuge hat zu sagen, okay, jetzt Lass ich diese Trauer zu und diesen Schmerz zu, aber ich komm da auch wieder raus und ich bin nicht komplett aus den Gleisen gestellt, wenn so was passiert, sondern gehört halt zum Leben dazu. Und ich glaube, dass wir das in unserer Gesellschaft, in unserer Kultur, haben wir das ein bisschen verbannt. Wir haben das ein bisschen aus dem Leben gestrichen, was andere Kulturen nicht getan haben. Die reden mit ihren Kindern ganz normal. Es gibt wirklich Orte auf der Welt, wo das ganz normal Thema ist. Und witzigerweise sind das nicht die reichsten Länder der Welt, aber die mit den glücklichsten Menschen. Und den Zusammenhang, den haben wir irgendwie vergessen, dass die, die sich mit dem Thema Sterben und Tod auseinandersetzen jeden Tag, oft wesentlich glücklicher sind und besser mit Krisen umgehen können, als die reichsten Länder der Welt, die dieses Thema aus dem Leben gestrichen haben. Bernhard Vosicky (21:01) Und das, obwohl man doch sagt, dass der Tod eigentlich ein Wiener ist. Also das ist doch eigentlich lustig, das man... Aber ich verstehe, was du meinst. Und du hast dann aber aus dieser doch, sagen wir mal, so monumentalen, epochalen Krise, die ihr da durchmachen musstet, auch eine Chance genutzt und hast die Väter-Patries ins Leben gerufen. Das hat auch irgendwie ein indirektes Ergebnis dieser Geschichte. das? Das heißt, du hast Männer... Christian (21:04) Ja, das ist eben das. Bernhard Vosicky (21:29) In dem Fall Väter, porträtiert. Und ich durfte zumindest quasi in einer kurzen Session auch Teil davon sein, damals vor einigen Jahren, wo du Männern in Form eines Interviews Fragen stellst, die natürlich emotionale Erlebnisse wieder aufkommen lassen. Gerade bei uns Väter oder Männern, vielleicht nicht so einen direkten Zugang zu ihren eigenen Emotionen haben, wenn dann einmal der Bann gebrochen ist oder dieser Damm bricht, so heißt es eigentlich. ⁓ Dann hast du da schon Emotionen bekommen, natürlich dann auch im Bild super ausgeschaut haben. Was hast du die Leute gefragt? Was war denn das, dass die Papas so zum Ausbrechen dieser Emotionen gebracht Christian (22:13) Witzig, Frage höre ich öfter. Mittlerweile kann man es ja auch nachhören. Ich habe es endlich mal einen großen Teil davon zumindest veröffentlicht. Erstens, hast völlig recht, das das resultiert aus dieser Zeit, in der ich diese emotionale Hochschaubahn erlebt habe und resultiert auch gleichzeitig daraus, das war nicht das erste Projekt dieser Art, das ich gemacht habe. Ich habe halt unterwegs auch bei meiner Krebsdiagnose schon gelernt, dass man aus der eigenen Krise was Produktives und Konstruktives machen kann. Weil das einerseits einem selber hilft und andererseits dazu beitragen kann, dass andere von deiner Krise profitieren können. das die Movemba-Porträts damals nach meiner Krebsdiagnose, weil kurz Fassung, Movemba hat mir, ich bin ein Jahr davor auf die Reaktion von Movemba aufmerksam geworden. Und nur deswegen eigentlich, und das ist tatsächlich eine echte Geschichte, die so passiert, nur deswegen war ich so schnell beim Arzt. Hätte ich diesen Hinweis von Movemba ein Jahr vorher nicht bekommen ... Und diese Aufmerksamkeit auf, das muss noch nicht wehtun, es muss nicht bluten, muss nicht tragisch sein. Es kann auch sein, dass eine Kleinigkeit dich das Leben kostet und Männergesundheitsthemen sind, unterschätzt und werden ignoriert, weil wir halt so drauf sind, dass wir sagen, tut ja nix, weh, nicht hin. Nur deswegen, wirklich der einzige Grund, warum ich sofort zum Arzt gegangen bin und der mir gesagt hat, zehn Monate ab heute. ich hab gesagt, pfff. Und da hab ich gelernt, okay. Man kann ein Projekt machen und kann auf dieses Thema aufmerksam machen und andere bewegen, weil mir daraufhin ein 25-Jähriger geschrieben hat, vielen Dank für dieses Projekt, nur deswegen bin ich zum Arzt gegangen und der hat mir dasselbe gesagt wie dir und offensichtlich werde ich deswegen weiterleben und immer noch mission accomplished, die Mission ist erfüllt und ich mache das lieber öfter. Und dann kam eben diese Zeit im Krankenhaus und ich habe meine eigenen Hochscharbanen miterlebt. die Rolle, die ich in der Familie übernommen hab, mitbekommen und überdacht. Und dann hab ich ich hab in diesem Moment, und das ist auch gut so, finde ich, diesen Schalter umgelegt, hab die starken Schultern aufgeblasen und hab versucht, alles zu tragen. Und erst wie alles dann safe war, wie ich das Gefühl gehabt hab, so, jetzt sind wir aus dem Ganzen draus, hab ich mich mal zurückgenommen und hab mich mit meinen eigenen Emotionen überhaupt erst befasst. Und in der Zeit hab ich mir dann gedacht, ich glaub, das ist so ein Ding ... Das will ich gar nicht werten, ob das gut oder schlecht ist. Das ist so ein Männerding. Das ist vielleicht einfach auch unsere Aufgabe im Leben, dass wir uns manchen Momenten einfach hinstellen auf beide Beine und sagen, so Krisenmodus, ich bring das jetzt durch und über meine eigenen Themen kann ich nachher nachdenken. Aber wann arbeiten wir das auf? Wann reden wir miteinander? Und da ist mir aufgefallen, ist ja nicht so, dass Mütter nicht in Krisensituationen stecken und nicht starke Schultern brauchen. brauchen die oft extrem stark. Nur der Unterschied ist, dass Mütter sich zusammensetzen im Rudel, im Mama-Rudel und drüber reden. Und dann sitzt auch vielleicht mal einer in der Mitte und heult sich eine halbe Stunde aus und die anderen sind einfach nur da und sagen, du bist damit nicht allein, ich kenn das. Und tauschen sich aus und dadurch geht's ihnen besser. Und ich hab mir dann gedacht, wo machen wir das? Und was passiert eigentlich, wenn wir das machen würden? Und das ist jetzt die lange Vorgeschichte zu deiner Frage, welche Fragen stelle ich Ihnen oder habe ich Vätern gestellt? Ich habe nie Fragen vorbereitet und ich habe auch nicht wirklich in dem Sinn, ich habe keinen Fragenkatalog dafür, sondern was ich in diesen Fetterparteis tatsächlich mache, ist einfach mal, wir lernen uns mal kurz kennen, wie bisschen die Rolle einschätzen und dann gehe ich ehrlich gesagt ziemlich offen mit meinen Themen auf die zu und konfrontiere die eher mit Themen, wo ich mir denke, vielleicht finden wir da Parallele, kennst du das auch? Wie geht es dir damit? Und das ist wirklich für mich selber erstaunlich, wie viel da zurückkommt, was da zum Teil zurückkommt und in wie vielen Themen, die ich von mir kenne, wir uns dann gemeinsam wiederfinden und was dafür wirklich hoch emotionale Gespräche rauskommen dabei. Und diese Emotionen, es ist nicht so, dass da Väter sitzen und weinen, weil ich sie jetzt irgendwie mit gemeinen Fragen dazu gebracht habe, sondern... Es gab genug Situationen, wo wir beide mit Tränen in den Augen in diesem Gespräch nach 45 Minuten gesessen sind und völlig emotional ausgelaugt waren. Was aber gut getan hat und was, glaube ich, wichtig ist. ich glaube, genau das brauchen wir öfter. Und meine einzige Mission mit diesem Fetabadre-Projekt ist eigentlich, Feta hinzustupsen und ihnen ein bisschen zu zeigen, schau mal, pack vielleicht einfach mal deine Jungs zusammen, weil ... Möglicherweise steckt in euch was drin, was ihr in der Gruppe nicht besprecht, weil sich jeder denkt, irgendwie würde ich gern, aber ich weiß auch nicht, komisch, ich das jetzt... hau's einfach mal am Tisch, was soll schon sein. Wenn es ein echter Freund ist, dann lacht er dich weder aus dafür noch findet das komisch, sondern redet mit dir. Fertig. Bernhard Vosicky (27:10) Weil wir es aber auch nicht gelernt haben. Zumindest ich habe in meiner Kindheit oder auch in dem, ich aufgewachsen bin, immer nur quasi, du musst dir es aushalten. Und du bist ja auch als Mann die starke Schulter der Fels in der Brandung. Du bist der, alles absorbiert, damit dein Anderen gut geht. Aber dann musste ich schon mal fragen, und das machen wahrscheinlich viele von uns dann irgendwie so in der, deswegen nennt man es vielleicht auch Midlife-Crisis, der sinnsuche Zeit Mitte des Lebens, wo wir uns dann fragen, okay. Christian (27:12) Genau. Genau. Ja. Bernhard Vosicky (27:39) Was ist jetzt? Was ist mit mir? Wie geht es mir eigentlich? Und das ist halt dann auch eine kleine Form der Depression, was ja eine Midlife-Crisis wahrscheinlich auch einfach ist. Aber okay. Christian (27:49) stimmt. Ich muss auch dazu sagen, ich habe kein Problem mit Aushalten. finde nämlich auch, aktuell ist das schon auch ein Thema, das in die falsche Richtung aus meiner Sicht geht gesellschaftlich, weil es so eine Entwicklung gibt, wo man das Gefühl hat, kaum irgendwer will überhaupt noch irgendwas aushalten. Weil Resilienz gehört schon auch dazu. Aber ich glaube, wir haben ein falsch verstandenes oder falsch kommuniziertes Bild davon. mitbekommen, was aushalten bedeutet. Ich muss Dinge aushalten im Leben. Ich muss Dinge aushalten können, aber das heißt nicht, dass ich sie runterschluck und nachher nicht verarbeiten kann und nicht besprechen kann. Ich glaube, das ist großes Missverständnis. Du musst das jetzt aushalten heißt nicht, du musst das runterschlucken und nie darüber reden. Halt's aus, find deinen Weg damit umzugehen, sitz damit und wenn du nicht allein damit sitzen willst und das aushalten willst, dann halt's mit wem anderen aus. Aber aushalten heißt verarbeiten und nicht wegschieben und runterschlucken. Bernhard Vosicky (28:48) Hast du dieses Runterschluckenbild, dieses Indiana kennt kein Schmerz, hast du dieses Bild als Bub mitbekommen? Ist das dir? Christian (28:56) Natürlich. Wir sind in einer ähnlichen Generation. Ich dieser Generation 1975 geboren, das heißt in den 80ern im Waldschirtl aufgewachsen. Natürlich. das war, Indiana kennt keinen Schmerz, fertig, Ende. Das war einfach Teil. da mache ich aber auch niemanden einen Vorwurf. Das war die Generation, die hat mit anderen Dingen gekämpft aus der Vorgeneration. Und das war vielleicht das Resultat daraus. Ich glaube, wir müssen auch aufhören, die Vorgeneration dann irgendwie verantwortlich dafür zu machen und denen die Schuld zu geben, sondern einfach zu sagen, jede Generation kämpft ihren eigenen Kampf und im Endeffekt versucht doch nur jeder aus seinem eigenen besten Wissen und Gewissen, es der Nächsten leichter zu machen. Und dabei machen wir natürlich Fehler, weil wir sind ja alle nicht perfekt. Wir können nur versuchen, was daraus zu lernen und es dieses Mal selber ein bisschen besser zu machen. Und da ist halt dieses Pendel-Ding, wenn in einen Generation ist es zu viel, Indiana kennt keinen Schmerz und du musst da jetzt durch und geweint wird nicht. Weil man führt vielleicht in der nächsten Generation dazu, dass es ein bisschen zu sehr in die andere Richtung schlägt und sagt, du musst überhaupt nichts aushalten. Du musst dir gar nichts gefallen lassen. das stimmt halt auch nicht. Man muss Dinge aushalten können und dann muss man einen Weg finden, sich mit seinen Jungs zusammenzusetzen oder auch ... nicht nur mit seinen Jungs, das der nächste Fehler wahrscheinlich, sondern sich mit anderen Menschen zusammenzusetzen. Wir können zum Beispiel wahnsinnig viel, glaube ich, Frauen lernen über das Thema aushalten. meine, keiner von uns wäre in der Lage, eine Geburt auszuhalten, sagen wir ganz ehrlich, weder mental noch körperlich. Wir können viel lernen über eben Austausch untereinander, offen darüber reden, reflektieren, nach innen schauen und Dinge in der Gruppe zu besprechen. Und Frauen können auch viel von uns lernen. können voneinander lernen. Und miteinander könnte man das besser durchstehen, glaube ich. Das ist jetzt lustigerweise eh gerade so eine Zeit, wo man sieht, wie schwierig es ist, das miteinander hinzukriegen. Für unsere Kinder nämlich. Bernhard Vosicky (31:06) Ich glaube, da sprichst du schon was Gutes an und jetzt kommen wir von den Vätern ja auch schon sehr elegant zu den Männerbildern, weil es muss ja nicht zwingend sein, dass ein Mann auch ein Papa ist. Und gerade jetzt, wo wir aufnehmen im März 2026, wo uns Themen wie Christophers Seiler weh, uns Themen wie Roland Weissmann oder größere Namen in den Medien mit einem Männerbild konfrontieren, dem ich nicht angehören möchte und gleichzeitig ist natürlich die Ausleg, aber ich bin es nicht, einfach zu wenig. Und das ist etwas, wo du ein Projekt jetzt ins Leben gerufen hast, Männerbilder, also ich der Name, das Programm, weil dich was stört. Christian (31:48) Also zum einen ist noch nicht ganz klar, wie dieses Männerbilderprojekt ausschauen wird. Ich möchte daraus nämlich nicht das selbe machen, wie die Väter-Patriss, wo einfach Männer sitzen und das ist noch in Gedankenarbeit, aber es haben sich erstaunlich viele Menschen schon gemeldet und ich glaube, kommen, es gibt schon ein paar sehr gute Ideen. Warum Männerbilder? Weil genau, was du gerade gesagt hast, diese, ich will das gar nicht an konkreten Beispielen jetzt festmachen. Weil da ist der erste Reflex natürlich dann immer sofort die Unschuldsvermutung. Und ja, das ist ja auch nicht ganz falsch. Das ist, glaube ich, genau das Schwierige in der Zeit, in der wir leben, dass da kommen so viele Dinge hoch und da kommen so viele Argumente dann daher, die ja für sich genommen alle nicht falsch sind. Und wir sind gleichzeitig, ist Ambiguitätstoleranz in unserer Gesellschaft komplett verloren gegangen. Wir sind nicht mehr in der Lage, zwei widersprüchliche Dinge in uns zu tragen und zu sagen, Das ist beides richtig. Und trotzdem muss man einen Standpunkt einfach einnehmen. Und was diese Männerthematik oder Männerbilderthematik betrifft, ich endlich eines auch verstanden und ich nehme mich da gar nicht aus. Ich glaube, dass ich lange Zeit auch denen angehört habe, die im Reflex genau was du gerade gesagt hast, in solchen Situationen, wenn solche Dinge hochkochen und jetzt nehmen wir wie gesagt nicht aktuelle Beispiele, noch nicht zu 100 Prozent gesagt werden kann, wer erzählt welche Geschichte und was daran ist wahr. Lassen wir das mal beiseite. Die brauchen wir nämlich auch gar nicht, sondern nehmen wir die aus der näheren Vergangenheit. Da brauchen wir nur die letzten paar Jahre zurückschauen, nur die, die eindeutig bewiesen sind, wo es keinen Zweifel mehr gibt, wo alles klipp und klar am Tisch liegt. Das muss uns doch längst ausreichen. Und ich glaube, das ist auch genau das, was gerade passiert, dass dieses Fass übergegangen ist. Und wurscht, was jetzt gerade aktuell stimmt oder nicht. Das Fass ist am überlaufen und auch Männer verstehen jetzt, glaube ich, endlich, wir sind Teil des Problems und Teil des Problems zu sein heißt nicht schuld zu sein oder nicht so zu sein, sondern Teil des Gesamten. Und ich glaube, diesen Knack muss es endlich in unserem Kopf machen, dass wenn Frauen jetzt sagen, nicht alle Männer, aber immer Männer oder zumindest fast immer Männer, ich glaube es sind 97 Prozent aller Fälle von Männern, Dann erstens müssen wir die Resilienz auch vielleicht mal aufbringen und dieses Mann-Bild, das wir ja von uns starken Männern immer zeichnen wollen, das ist ein Moment, wo man Stärke haben kann, nämlich zu sagen, das halte ich jetzt mal kurz aus und ich halte die Fresse, eine Frau sagt, ja, ich, alle Männer im Sinn von, ich weiß nicht mal mehr, wem ich vertrauen kann von euch, einfach mal nicht sagen, ja, aber ich bin ja nicht so im Reflex, sondern einfach Wissen, okay, ich bin nicht so, aber ich habe Verständnis dafür, dass in der Welt, die sich da auftut und in den Nachrichten, die wir lesen, Frauen sich nicht mehr sicher fühlen können. Versuchen wir uns doch als Mann einfach mal kurz vorzustellen. Versuche dir vorzustellen, du bist ein Mann, durchaus groß und eigentlich stark, aber du gehst in einer Welt herum, in der alle anderen zwei, drei Köpfe größer sind als du. Circa im Schnitt 30 bis 50 Kilo mehr haben als du. Davon viel Muskelmasse oder viel... Ist egal. Sie sind einfach wesentlich schwerer. Sie sind körperlich überlegen, sind stärker, sind größer. Und das sind... Gleichzeitig kriegst du in deinen Postfächern, in deinen Social Media Accounts und so. Sachen geschrieben, die können wir uns als Männer gar nicht vorstellen. Kommentare musst du lesen über dich, wenn du irgendwas postest. Das können wir uns gar nicht vorstellen, wie wieder dich Männer dann manchmal zeigen können. Und dann gehst du da draußen in dieser Welt herum und musst dich gezwungenermaßen irgendwann umschauen und dir denken, wer von denen könnte so einer sein? ich glaube, das aktuelle Beispiel war deswegen jetzt so ein Öffner, so ein Tropfen, der das Fass übergehen lässt, weil da geht es plötzlich einen Typen, von dem, glaube ich, alle oder die meisten zumindest immer gedacht haben, einer von den harmlosen, einer von den... einer von den Guten, was auch immer. Aber niemand hätte gedacht, dass das jetzt in so eine Richtung gehen könnte und dass der zu so was in der Lage ist. Bewiesen oder nicht, die Geschichte allein ist wild. Und ich glaube, das letzte Satz dazu auch noch, wir müssen, habe ich schon gesagt, als Männer glaube ich mal, diese Stärke auch haben und zeigen, dass wir Verständnis dafür zeigen, wie sich das für Frauen anfühlt. Man muss nicht gut finden, wenn eine Frau jetzt sagt, ihr seid's alle so. Man muss dem ja nicht zustimmen. Aber man kann auch mal nicht einfach sofort dagegenhalten und dann irgendwelche Argumente finden und gleich sofort daherkommen mit, ja, aber wie viele Frauen benutzen das einfach nur und erzählen solche Lügen, jemanden zu diffamieren? E, kommt vor. Aber können wir jetzt mal kurz die Kappe halten und das in Relation stellen und einfach sagen ... Sicherheitshalber sage ich mal kurz nichts, nehmt das einfach hin, schluckt das einfach runter und sagt, ja, was kann ich als Mann dazu beitragen, damit ihr euch wieder sicherer fühlt. Bernhard Vosicky (37:02) Ich glaube ein großer Schlüssel an der ganzen Geschichte ist es nicht zu versuchen Leid zu vergleichen, weil es nicht notwendig ist. Also genauso wenig wie es notwendig ist eine Schuld-Suche zu machen. Man kann sich auf die Ursache Suche machen, weil das ist schon notwendig. Aber prinzipiell geht es jetzt nicht darum zu schauen wer ist schuld und geht es dem anderen schlechter als mir, was bringt das? Das hat ja überhaupt keinen Sinn. Christian (37:09) Ja. Das Vergleichen ist ein ganz komischer Reflex von uns. Bernhard Vosicky (37:27) Ja absolut, das ist irgendwie so quasi, ist okay, dir geht's schlecht, ich hab auch was, was mir schlecht geht, lass uns beide daran arbeiten, dass uns beiden besser geht, gutes Leben für alle, haben wir nix dagegen. Christian (37:32) Ja. Ja. Das wäre eigentlich ziemlich cool, ja. Bernhard Vosicky (37:39) Ja absolut. Glaubst du tun sich da Männer, die Väter sind, leichter als Männer, die unter Anführungsstrichen nur Söhne sind? Christian (37:48) Ich hoffe es ein bisschen, weil man lernt als Vater ja über die Jahre, glaube ich, schon auch Dinge wegzustecken und man baut schon eine andere Form von Resilienz als Vater auf, als die, mal als Sohn in seiner Existenz gewohnt ist oder gelernt hat. Also ich zumindest merke das schon an mir und ich habe auch mit meinem größeren Sohn fallweise so Gespräche, weil da liegen sieben Jahre dazwischen zwischen dem Kleinen und dem Großen und Ich beobachte mich selber manchmal, wie ich mit dem Kleinen als Vater umgehe und denke dann zurück und denke mir, vor sieben Jahren warst du in diesem Alter und hast du solche Situationen und solche Reize gesetzt in meine Richtung und ich glaube, die habe ich nicht ganz so easy weggesteckt und bin einmal kurz irgendwie bisschen aufbrausender geworden und habe damit nicht so gut umgehen können und das sage ich ihm dann aber auch klipp und klar und rede damit ihm drüber. Also ich glaube, das ist alles ein Prozess, den man durchgehen muss und deswegen denke ich schon, dass das Väter da einen anderen Zugang haben. Bernhard Vosicky (38:53) Generell verändert uns die Vaterschaft, soviel ist klar. Du sagst auch, der Vaterschaft ist es immer ein Progress, wir sind nie fertig mit der Entwicklung. Aber ich glaube, es gibt schon so ein paar Dinge, die wir als Papas jetzt wissen, die wir als noch nicht Papas nicht gewusst haben. Da komme ich jetzt auch schon in Richtung Ende meines, Podcastfolge, weil ich immer schaue, dass ich nicht länger als, was weiß nicht, maximal 40 Minuten bin. Was würdest du dir, dir, dem Christian, der damals vielleicht noch im Radiostudio gestanden ist, vor... Christian (39:08) Ich mir nix. Bernhard Vosicky (39:22) den Beginn seiner großen emotionalen Achterbahnfahrt mit dem Wissen von heute mitgeben, damit es ihm vielleicht, weiß ich nicht, resilienter durch die Zeit tragt. Christian (39:30) Für das Vater sein würde ich ihm einfach sagen, bitte versuch nicht mehr richtig zu machen, weil genau dieser Versuch mehr richtig zu machen, wird dich so stressen, dass dein gestresstes Ich, ohne es zu merken, mehr Schaden anrichtet, als es Gutes tun will. Versuch einfach nur ruhig. gelassen zu sein, viel zu atmen, sehr viel zu atmen und da sein reicht manchmal völlig aus. Manchmal ist da sein und nicht gestresst sein, weil du es besser machen willst. Besser als es besser machen wollen und dabei gestresst sein. Ich glaube, das wäre so ein Ding, das hätte ich gern früher verstanden. Bernhard Vosicky (40:18) Also nicht Perfektion anstreben, sondern Exzellenz. Christian (40:22) Ja genau. auch, ja. Bernhard Vosicky (40:26) Bist du der Papa, der du sein willst? Christian (40:28) Das ist schwierige Frage. Ich versuche jeden Tag ein bisschen mehr der Papa zu sein, der ich sein will. Also müsste ich eigentlich sagen, Nein, bin ich nicht, sonst würde ich aufhören zu versuchen, bisschen mehr der Papa zu sein, der ich sein will. Aber auf einem Level, ich versuche so nahe wie möglich dran zu sein und ich tue mein Bestes. Ich glaube mehr. können wir nicht von uns erwarten. Bernhard Vosicky (41:02) Ich habe am Schluss immer eine einzige Kategorie, die dann auch weiterführt zu einer Playlist. Ich nehme mal an, du wirst das auch so kennen, dass die Söhne Songs hören und Kinder haben ja im Vergleich zu Eltern nicht wirklich so einen Burnout von Songs. Also die hören das ja tausendmal. Wir als Radiomenschen wissen das. Was sind die Songs oder was ist der eine Song, wo du sagst, den haben mir meine Kinder echt zerstört? Christian (41:27) Zerstört haben sie mir noch nichts. muss auf Holz koppeln. Es gibt einen Song, ich hab darüber wirklich nachgedacht. Es gab diese dich maltretierenden Kinderlieder, gibt's schon. Also die, die einfach nicht aufhören, in deinem Haus zu laufen. Witzigerweise, ich hab keinen in meiner Playlist gefunden. Alle offensichtlich gelöscht und aus meiner Erinnerung sind sie auch alle gelöscht. es ist von denen, außer die... Diese Weihnachtslieder, die mich alle Jahre wieder fertig machen, ist da nichts. Es gibt einen einzigen Song, mit dem habe ich ein ziemlich zerrissenes Verhältnis, weil ich ihn eigentlich sehr gut und sehr lustig finde, aber auch so lang damit zugetroschen worden bin, bis ich ihn mir schwer getan habe. Und das ist von Ryan das Schaf in der Akustikversion. Das ist ein großartiger Song. Die ersten 40 Male habe ich ihn auch sehr lustig gefunden. Bernhard Vosicky (42:15) ⁓ okay, ja. Christian (42:22) nach 48 Stunden Dauerlauf. Bernhard Vosicky (42:26) Ja, aber niemand macht das scharf so gut nach wie Rian. Also ich sag, ich find's großartig. Aber ja. Rian, also Rian sagt er zumindest. Lass uns mal gelten. Ja. Na Rian ist er und großartiger Künstler mit lustigen Einfällen. Erinnert mich ein bisschen an diese Piran und Knapp Geschichten eigentlich mittlerweile. Christian (42:29) Wahnsinn! Heißt Rian oder Ryan übrigens? Wirklich! okay, das hab ich noch nicht, das hab ich nie klären können, danke, dann hab ich jetzt wieder was gelernt. Rian, okay. Ja, großartig. Verwandtschaftstreffen. Oh Gott, das ist großartig. Bernhard Vosicky (42:50) Super, großartige Nummer. Auch Homeoffice, aktuelle Nummer, ganz toll. hat schon einen Grund, der in den Charts auch ganz oben steht. Christian, ich danke dir viel, vielmals. Ich wünsche dir für die Männerbilder und für alles andere großartige Erfolg und vor allem eine tolle Emotion dabei. Danke dir für das Gespräch. Christian (42:58) Absolut. Ich danke dir und vielen Dank, dass du diesen Podcast machst. Ich rede mir ja seit Jahren ein, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen konnte, als du bei den Väterportraits warst und das so ein bisschen mitgedrückt hat, dass du das im Gegensatz zu mir durchgezogen hast. Und ich höre denen gern zu. Das ist wirklich ein super Projekt. Vielen Dank.
Bernhard Vosicky – Podcast Host Papa Mia!?

Bernhard Vosicky

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