Wenn Papa umfällt: Notfälle mit Kindern

Episode 114
40:18

Es kann jedem passieren: Du bist allein mit deinem Kind zu Hause und plötzlich ist es ein Notfall.
Weißt du, ob dein Kind weiß, was zu tun ist?

In dieser Folge spreche ich mit Dominik Zeidler, Dezernatsleiter der Helfer Wiens, über das, was jede Familie wissen und zu Hause haben sollte:

  • Ab welchem Alter können Kinder den Notruf wählen?
  • Welche Gefahren unterschätzen wir daheim?
  • Was gehört in jeden Haushalt mit Kindern?

Kapitel:
00:00 – Intro & Vorstellung: Wer ist Dominik Zeidler?
02:07 – Kinder & Notrufe: Ab wann und wie?
06:27 – Gefahren im Haushalt: Was Eltern unterschätzen
12:39 – Angst vs. Aufklärung: Der richtige Umgang mit Kindern
18:50 – E-Bike, Handy & Brandgefahr im Schlafzimmer
22:46 – Checkliste: Was muss in jeden Haushalt?

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Transkript:

Dominik Zeidler: [0:00] Wichtig, es kann jedem von uns passieren, in jedem Alter, dass wir mit einem Kind alleine sind, wir fallen um und dann ist wichtig, dass das Kind weiß, was zu tun ist. Papa Mia, reine Männersache. Bernhard Vosicky: [0:12] Der Podcast von Papas für Papas und für alle, die Papas mögen. Klingt cool, ist es auch. Wie schaffen wir es, dass wir daheim vorbereitet sind und helfen können? Das ist das Motto der Helfer Wiens und genau darum geht es heute in der aktuellsten Folge von Papa Mia. Ich habe neben mir Dominik Zeidler. Ganz offiziell bist du Dezernatsleiter der Helfer Wiens. Dominik Zeidler: [0:37] Genau, richtig. Bernhard Vosicky: [0:39] Abgesehen davon bist du ein sehr leibender Kollege. Wir kennen uns vom Sicherheitsfest, das ich als Moderator am Rathausplatz in Wien begleiten darf. Ein bisschen sowas wie die Leistungsschau der Blaulichtorganisationen in unserer Stadt. Zur Erklärung vielleicht die Helfer Wiens, das ist der Zivilschutzverband, oder? So kann man das, glaube ich, sagen? Dominik Zeidler: [0:57] Genau so ist es. Also wir sind die Präventionseinrichtung der Stadt Wien und unsere Aufgabe ist es, die Wiener Bevölkerung auf kleine oder auch große Notfälle entsprechend vorzubereiten. Bernhard Vosicky: [1:07] Sehr gut. Und wir kümmern uns heute darum, was vielleicht in jedem Haushalt sein sollte, ab welchem Alter wir unseren Kindern auch sowas wie Notrufe, Helfen im Notfall zutrauen können. Und wir nehmen auch ein paar praktische Beispiele mit hinein, damit auch aus dieser Folge direkt was umsetzbar ist. Willkommen, schön, dass ihr mit dabei seid. Eine Sache vielleicht vorab. Mehr als 90 Prozent aller Hörerinnen und Hörer dieses Podcasts haben den Podcast nicht abonniert. Es ist furchtbar. Also bitte, holt das gleich nach, am besten gleich die Glocke aktivieren und dann werden wir immer mehr und das wird noch großartiger, ich sag's euch. So, aber jetzt rein in die Geschichte. Dominik, auch ein Grund, warum du da bist und ich muss zu meiner Stande gestehen, du hast es mir vor fünf Minuten gesagt, endlich gewusst, dass du auch Papa bist. Das finde ich noch toller. Du hast eine achtjährige Tochter, die auch schon eigentlich wahrscheinlich in dieser ganzen Sicherheitsmaterie drinnen ist wie kaum eine andere, oder? Dominik Zeidler: [2:07] Absolut. Natürlich das, was auch unser Aufgabengebiet ist, der Helfer Wiens, ist frühzeitig Kinder näher zu bringen, eine Gefahr zu erkennen, sich richtig bei einer Gefahr oder bei einem Notfall zu verhalten und natürlich den Notruf zu wählen. Das sind so die Basics, die man schon frühzeitig mitgeben sollte Kindern und das machen wir natürlich auch zu Hause. Und somit hat die Mia schon sehr frühzeitig sich mit dem Thema befasst. Bernhard Vosicky: [2:38] Oder befassen müssen. Aber es ist ja gut so, der Zweck ist ja da. Das heißt, du beschäftigst dich im Rahmen deiner Funktion hier bei den Helfern Wiens täglich mit Notfällen. Wenn du jetzt so eine grobe Einschätzung machen müsstest, wie gut sind denn die Familien in Wien, da wo du zuständig bist, aber ich glaube, das ist ja etwas, was man umlegen kann auf, sage ich mal, zumindest Mitteleuropa. Wie gut sind denn die vorbereitet auf Dinge, die daheim passieren können, wo ein Notruf, ein Notfall tatsächlich eintreten kann? Dominik Zeidler: [3:12] Ja, ganz unterschiedlich. Wir haben einerseits Stadt-Land-Gefälle, das ist nicht nur in Österreich so, das ist eben in Mitteleuropa so. Da auch schon die unterschiedliche Art der Vorbereitung und auch der unterschiedliche Zugang, weil natürlich im ländlichen Bereich hast du oft jemanden, der vielleicht bei der Freiwilligen Feuerwehr ist oder beim Rettungsdienst freiwillig tätig ist und somit so das Know-how schon mehr in die Familie reinbringt. Und natürlich heißt im ländlichen Raum auch das Thema, dass es oft länger dauert, bis wirklich Hilfe kommt, was im städtischen Raum oft schneller geht aufgrund der kurzen Strecken. Und natürlich, je nachdem, wie die Eltern drauf sind, sind dann auch die Kinder drauf. Und deswegen, unser Wunsch ist deshalb schon frühzeitig hier entsprechend die Kinder aufzuklären, weil ein Kind sind zwei Erwachsene oder mehr. Sie bringen das Thema dann auch in die Familie und das machen wir mit unterschiedlichen Projekten in Wien. Bernhard Vosicky: [4:16] Genau, ihr habt ja Kurse und gerade eben, bevor ich da hier mein ganzes Podcast-Equipment aufgebaut habe, war auch gerade eine Schulklasse dritte Volksschulstufe da, alle wahnsinnig interessiert. Was habt ihr denn gezeigt? Dominik Zeidler: [4:31] Also bei uns ist es ganz wichtig und wir sehen jetzt auch aufgrund von Befragungen, dass es einmal ganz wichtig ist, einmal die Leute zu sensibilisieren, dass sie den Notruf fehlen. In Wien passiert oft irgendetwas, alle schauen, reagieren, leisten vielleicht sogar erst die Hilfe oder posten etwas oder machen Fotos oder Videos, aber es wird oft den Notruf vergessen. Das heißt, wir versuchen jetzt immer wieder mehr, auch die Bevölkerung zu sensibilisieren, vor allem Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren. In erster Linie mal den Notruf wählen, damit man mal weiß, dass was passiert ist. Und das Schlimmste, was am Notruf unter Anführungszeichen passieren kann, dass der Kollege von der Feuerwehrpolizei oder der Rettung oder der Kollegin sagt, das wissen wir schon, Hilfe ist unterwegs, aber dann weiß man wenigstens, dass Hilfe am Weg ist. Das ist ganz wichtig. Mit dem starten wir hier. Dann natürlich, welche Informationen sind am Notruf wichtig, dass man mal weiß, welche Adresse, dass man das beschreiben kann, wenn man jetzt die Adresse nicht weiß, dass man ungefähr sagen kann, wo man ist. und natürlich, was ist passiert und was wird benötigt, das ist auch was. Dominik Zeidler: [5:36] Und dann in weiterer Folge, gerade kindgerecht wollen wir das hier zeigen, deswegen haben wir hier diese tollen Themeninseln, deswegen haben wir ein eigenes Rauchthema-Haus, deswegen haben wir auch hier Feuerlöscher, also viel Anschauungsmaterial, dass wir dann durch die Räumlichkeit mit der Schulklasse gehen und praxisnah erklären, was bedeutet ein Feuerlöscher, wo verwende ich den, wie ist das mit der Verrauchung, deswegen das Rauchthema-Haus, wie gefährliches Rauche, gefährliches Feuer, all das wird hier vermittelt. Bernhard Vosicky: [6:03] Würdest du anhand dieser, diesen Berührungspunkten mit der jungen Zielgruppe und auch mit deiner Tochter irgendwie herausfinden, was sind so die Themen, also was unterschätzen wir denn vielleicht auch als Eltern, weil dieser Podcast richtet sich ja vornehmlich an Eltern, was sind denn so Dinge, die wir als Eltern grundsätzlich einmal unterschätzen in Sachen Gefahr zu Hause? Dominik Zeidler: [6:27] Ja, jeder Haushalt bringt seine Gefahren mit. Und wenn ich jetzt daran denke, ein Haushalt für Babys, Kleinkinder, Kinder, ist einmal die größte Gefahr sicher gefährliche Stoffe, dass ich die richtig lagere, dass Kinder nicht darauf zugreifen können. Aber auch Medikamente, das sind einmal so die Basics. Dann, wenn ich darüber schaue, Steckerleiste, Stecker, dass man da halt entsprechend schaut und dass man auch Kinder sensibilisieren soll und muss, dass sie keine Angst haben, wenn was passiert, dass man dann sagt, das hast du jetzt gemacht und das ist böse und hin und her. Nein, es ist dir passiert, super, dass du zu mir gekommen bist und jetzt lösen wir das gemeinsam. Das ist ganz, ganz wichtig, Weil wenn ich das schon bei normalen Sachen mache, dann werden sie das auch im Notfall machen. Das heißt, sie werden im Notfall nicht versuchen, das jetzt zu verstecken, dass jetzt da was zu brennen begonnen hat oder dass ein Hopperler in der Küche passiert ist oder was auch immer. Sie werden zum Erwachsenen kommen und sagen, hey, mir ist das passiert, hilf mir. Und das ist einmal ganz wichtig. Und dann in weiterer Folge gleich vermitteln, ja, es kann ja auch passieren, dass ein Erwachsener gerade weg ist. Kurz rausgegangen, die Post holen oder gesagt hat, ich gehe kurz zum Supermarkt, ich bin gleich wieder da. Und man sagt, du brauchst keine Angst haben, du kannst auch den Nudeln fehlen. So und so funktioniert das und so und so hast du das zu tun. Bernhard Vosicky: [7:52] Wie bewusst ist das uns Eltern? Ich meine, ich kenne das aus meiner eigenen Sicht. Natürlich Fahrradhelme, wenn sie mit dem Roller fahren, haben sie einen Helm auf. Dann vielleicht sogar noch so Protektoren, dann kaufen wir gesunde Lebensmittel. Also wir tun ja alles und haben das auch im Kopf drinnen, damit es unseren Kindern rundum gut geht und ihnen tunlichst nichts passiert. Das ist, glaube ich, fix drinnen. Ist diese Prävention zu Hause, wenn du schon sagst, die gefährlichen Stoffe, also dass die Waschmittel und Putzmittel gut verstaut sind oder so, ist das drinnen? Dominik Zeidler: [8:28] Es ist teilweise nicht drinnen und was auch wichtig ist, man darf es auch nicht verheimlichen. Also frühzeitig Kindern beizubringen, wir brauchen das im Haushalt, damit wir eine saubere Kleidung haben, aber das ist giftig, das darfst du niemals in den Mund nehmen. Das ist ganz, ganz gefährlich, da kannst du dich stark verlieren, das kannst du ordentlich weh tun, ein bisschen auch mit dem Schmerz arbeiten, weil das gefährlich ist vielleicht zu wenig, sondern das tut dir richtig weh, da müssen wir ins Krankenhaus, ins Spital, das ist unangenehm. Bitte das nie in die Hand nehmen, dann hat man ein bisschen schon Awareness geschaffen, so ein Gefühl zu der Sache. Und man muss sagen, aha, das ist ein Putzmittel, das könnte gefährlich sein, das darf ich niemals schlucken oder eingreifen oder sonst dergleichen. Das ist ganz wichtig. Und was auch schwierig ist, aber extrem wichtig ist, dass man auch vermittelt, man ist ja oft vielleicht alleine mit dem Kind zu Hause, dass einem selber was passieren kann. Niemand von uns ist gefeiert, dass er einen plötzlichen Herzgleichbaustilstand hat oder dass er einem schlecht wird oder dass er einer ohnmächtig wird. Und es gibt nichts Schlimmeres, wenn jetzt ein Kind alleine zu Hause ist und der Papa oder die Mami ist ohnmächtig und es weiß nicht, was zu tun ist. Das gehört besprochen. Und das ist ganz, ganz wichtig, dass man das so frühzeitig wie möglich macht. Bernhard Vosicky: [9:47] Frühzeitig wie möglich. Das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt. Ich glaube, es ist heute schon ein Grund, warum ihr sagt, dritte Klasse Volksschule, Da sind die Kinder dann sechs, sieben, acht, acht, neun Jahre alt, so in die Richtung. Ist das das früherste Alter oder was kann man denn schon früher machen? Dominik Zeidler: [10:02] Wir haben da viel mit Pädagoginnen diskutiert und überlegt und wir haben eigentlich die Entscheidung getroffen, wir beginnen jetzt im Kindergartenalter, also so mit vier, fünf, wo sie schon ein bisschen ein Gefühl bekommen, dass was passieren kann. Und da funktioniert es vielleicht noch nicht, dass sie mit dem Handy umgehen können, wobei manche 4- und 5-Jährige erstaunlich gut mit dem Handy umgehen können. Leider, ja. Leider, ja. Aber einfach auch da, es kann ja da auch was passieren, wenn was passiert, wenn sie jetzt noch nicht mit dem Handy umgehen können, noch nicht gerne einen Notruf wählen können, dass sie wissen, es gibt einen Nachbarn des Vertrauens. Das ist auch wichtig, dass man schaut in seiner Umgebung, gibt es einen Nachbar des Vertrauens oder Nachbarin des Vertrauens, wo sie weiß oder wo der Sohnemann weiß, da kann ich hingehen, da kann ich Hilfe holen. Und im schlimmsten Fall, wenn niemand jetzt in der Umgebung, wo er jetzt auf die Straße und dort Hilfe holt. Das ist ganz, ganz wichtig, dass Kinder wissen, wenn man einen nicht aufwecken kann, dass man Hilfe holen muss. Notruf fehlen, Nachbar des Vertrauens oder einfach auf die Straße gehen. Meine Mama liegt oben, ich brauche Hilfe. Das ist ganz wichtig. Bernhard Vosicky: [11:10] Ich glaube nämlich, dass das etwas ist, was wir vielleicht sogar ein bisschen unterschätzen, weil wir wissen es alle aus eigener Erfahrung. Du hast das vorher gesagt, wenn das Kind so kleine Sachen, irgendwas kaputt macht oder so. Und ich nehme jetzt das Beispiel, meine Tochter wird jetzt vier Jahre alt, haut einfach ein Glas Wasser um. Das Kind ist nicht in der Lage, was zu tun. Die sitzt da und schaut dem Wasser beim Runterlaufen zu. Die ist durch diese Sache, die ihr passiert ist, so dermaßen handlungsunfähig eigentlich. Und das ist natürlich genau das Falsche. Beim Glas Wasser ist es relativ egal. Dominik Zeidler: [11:46] Aber ich habe ein gutes Beispiel. Gut, dass du es gesagt hast. Unsere Tochter war fünf, hat einen Wasserkrug, einen Liter Wasser, umgeschmissen. wir waren draußen im Garten, sie waren im Wohnzimmer und unten meine Steckerlässe. Und das Wasser ist gestanden und meine Steckerlässe und dann hat sie selber, wollte sie das in Ordnung bringen. Und ich bin zufällig reingegangen und gesagt, bitte geh weg, weil die Wasser lag ja auch über die Steckerlässe. Und sie war erschrocken und dann habe ich ihr das erklärt und gesagt, das ist sowas, hol uns, es passiert nichts, Papa passiert das auch, Mama passiert das auch, kein Problem, hol uns und wir tun gemeinsam das wegräumen. Und das sind so Kleinigkeiten, die es halt ausmachen. Somit hat unsere Tochter, hoffe ich jetzt zu behaupten, dass sie keine Angst hat, uns zu holen, egal was jetzt passiert, ob ein Glas runtergefallen ist oder ob irgendwas kaputt gegangen ist. Sie braucht keine Angst haben. Bernhard Vosicky: [12:39] Du sprichst das Thema Angst an. Ich finde, das ist ganz wichtig, weil da ist das Feingefühl von uns Papas und Mamas gefordert, dass wir diesen schmalen Grad gehen zwischen Angst. Also wir wollen die Kinder natürlich nicht verängstigen. Ich möchte ja meinem Kind nicht sagen, Achtung, hier lauert eine Gefahr, hier kam das Unfall, hier ist es giftig, hier ist das. Ich möchte keine Angst machen, aber gleichzeitig möchte ich es auch nicht runterspielen, dass hier keine Möglichkeit besteht, sich wehzutun oder einen Unfall zu haben. Wie mache ich das? Dominik Zeidler: [13:07] Ja, aber so wie du es eigentlich richtig sagst, ein gesündes Verhältnis. Es kann immer was passieren, man kann sich immer wo weh tun, es kann immer was kaputt gehen. Wichtig ist, dass man sagt, mir ist das passiert und man wird gemeinsam eine Lösung finden. Das ist wichtig. Und nichts verheimlichen oder verharmlosen, sondern versuchen, die Themen anzusprechen. Und auch dieses, es kommt halt irgendwann die Frage, naja, kannst du sterben? Ja, natürlich, aber Gott sei Dank, ich bin gesund und schau, Irgendwann kommt man ja mit dem auch in Berührung, wenn der Großvater, Großmutter stirbt oder die Uroma stirbt, gehört halt im Leben dazu. Muss man halt das auch besprechen. Das kann jedem passieren, aber keine Angst, wir sind gesund. Bei uns ist das eher unwahrscheinlich. Das ist halt wieder schwierig, wie versteht das das Kind? Man sagt, naja, normalerweise passiert das nicht, aber man kann es halt nicht ausschließen. Also wir versuchen, jeder hat einen unterschiedlichen Umgang. Man muss auch schauen, wie die Kinder drauf sind. Jedes Kind ist unterschiedlich, ob man das schon zumuten kann oder nicht. Aber ich sage immer, eher mehr mit der Wahrheit. Auch mutig sein, Themen anzusprechen, aber nicht Angst machen. So wie du richtig sagst. Nicht Angst machen, weil sonst hat es vor allem Angst. Und das ist natürlich auch der Fallschutz. Bernhard Vosicky: [14:29] Angst ist ein schlechter Begleiter. Dominik Zeidler: [14:30] Angst ist immer ein schlechter Begleiter. Bernhard Vosicky: [14:34] Jetzt bist du natürlich tagtäglich mit der Materie befasst. Du bist ja auch ein Feuerwerker, das ist quasi dein Hintergrund. War das für dich immer schon so spannend? Weil ich kriege das ja auch in meinem Umfeld mit. Ich brauche nur Feuerwehrmann Sam sagen und schon wissen wir. Ich meine, in unserer Generation war vielleicht noch der Chris-Ruhe-Thema. Warum ist denn das? Also das hat ja schon einen besonderen Reiz. Hast du das immer schon so verspürt, dass das für dich ein Thema war, diese Feuerwehrgedanken auch in den Beruf mitzunehmen? Dominik Zeidler: [15:03] Ja, also bei mir war es halt natürlich auch durch meinen Bruder, weil der auch schon bei der Feuerwehrjugend war und ich das halt mitbekommen habe, Feuerwehr, Feuerwehrjugend und natürlich Grisou war auch ein Thema, aber eher die Feuerwehrjugend und das familiäre und jetzt natürlich Feuerwehrmann Sam macht es halt interessant, was die Feuerwehr halt alles tut, dass die Feuerwehr hilft, dass es da eben auch ein tolles Fahrzeug gibt, das ist halt interessant für Kinder und das bleibt halt natürlich hängen. Bernhard Vosicky: [15:31] Wie stehst du ganz persönlich zu Feuerwehrmann Sam? Kannst kritisch sein, ich glaube die Erzeuger der Serie schauen nicht zu. Dominik Zeidler: [15:41] Ja, also es ist halt bei Feuerwehrmann Sam Geht ein bisschen, finde ich, verloren, manchmal die Ernsthaftigkeit, aber es ist schwierig bei Kinderserien. Und ich finde, es wird zu wenig diese Teamgeschichte gezeigt. Also Feuerwehr ist Teamarbeit. Und das versuche ich auch immer unserer Tochter Mia zu vermitteln, weil sie sagt, hast du das und das gemacht und du bist mein Held. Und ich sage, ja, ist schön, ein Held zu sein, aber Feuerwehr ist immer Teamarbeit. Also du kannst gar nicht alleine jetzt jemanden vor dem Vorhang holen, weil jeder Einsatz ist Teamarbeit. Wir sind immer mit einem Löschfahrzeug, mit sechs Feuerwehrleuten vor Ort und machen gemeinsam diesen Einsatz. Und wenn einer was nicht richtig macht, ist der Gesamteinsatz gefährdet. Deswegen müssen alle konzentriert sein, alle zusammenarbeiten und das Wichtigste, und das versuche ich auch immer mitzugeben, gegenseitig sich helfen, um ein perfektes Ergebnis zu haben. Bernhard Vosicky: [16:47] Also das heißt, der Feuerwehrmann Sam ist ein bisschen zu viel Einzelkämpfer. Dominik Zeidler: [16:50] Ja, genau. Genauso ist es. Es gehört da viel mehr noch diese Teamarbeit gezeigt, dass man Dinge gemeinsam macht und nicht nur vieles vielleicht alleine schafft und umsetzt. Bernhard Vosicky: [17:02] Genauso wie es ja zu Hause auch Teamarbeit ist, damit alles funktioniert, hast du das als Kind auch schon so mitbekommen? Also war das Thema Sicherheit im Haushalt in deiner Kindheit mit deinen Eltern ein Thema? Dominik Zeidler: [17:13] Ehrlich gesagt habe ich es nicht so in Erinnerung. Das war eher, glaube ich, dann das Thema von meinem Bruder, weil er natürlich aus der Feuerwehrjugend mit dem Thema Sicherheit nach Hause gekommen ist. Wo schon ein großes Thema war bei wirklich gefährlichen Geschichten. Wir haben ein Schwimmbecken gehabt. Ich habe noch nicht schwimmen können, das weiß ich nicht warum, aber das habe ich noch nicht so in Erinnerung. Und da waren sie sehr konsequent, meine Eltern. Also wenn es an der Tür geläutet hat, dann wurde ich gepackt, musste quasi den Garten verlassen, die Tür wurde zugesperrt zum Garten, erst dann wurde die andere Tür aufgemacht. Also da war schon die Awareness und Sicherheit ein Riesenthema, dass ich nicht ertrinke. Weil ich aber auch zweimal reingefallen bin. Also ich habe als Kind offensichtlich immer nur darauf gewartet, dass ich kenne so ein Erzählungen, dass sie weg sind, dass ich reinspringen kann, aber ich habe noch nicht schwimmen können mit zwei oder mit drei. Also und somit irgendwann ist dann noch mehr dieses Sicherheitsgedanke gewesen, den Dominik kann man nicht alleine lassen, weil der springt immer gleich ins Wasser. Bernhard Vosicky: [18:18] Aber das sind trotzdem allein schon die Tatsache, dass du zweimal reingesprungen bist. Das sind dann quasi offensichtliche Gefahren. Das Kind kann nicht schwimmen, weiß das aber nicht und möchte ins Wasser. Offensichtliche Gefahr. Wenn du jetzt in einen ganz klassischen Haushalt bei Freunden, bei Bekannten usw. Hineinkommst, was fällt dir denn auf? Du siehst ja wahrscheinlich auch mit einem ganz anderen Auge, als ich das mache, als einfach nur Gast. Du bist ja quasi auch immer der Feuerwehrmann oder der Sicherheitsmann. Was erkennst du, was passt bei den meisten nicht? Dominik Zeidler: [18:50] Lustig. Erst vor ein paar Wochen war eine folgende Situation, da bin ich eben nach Hause gekommen und dann haben sie erzählt, wie toll und sie haben jetzt ein neues E-Bag und das ist so super und hin und her, und wir waren halt in einer Wohnung. Und sie haben halt Angst, dass das E-Bag gestohlen wird und deswegen steht es nicht unten, sondern sie ist in der Wohnung. Und wo ladet sie es auf? Nein, im Schlafzimmer. Ein E-Bike kann sehr gefährlich sein und dann ist das schlimmste Bereich, wo ich sowas auflade und hinstelle, das Schlafzimmer. Weil wenn das während wir schlafen Feuer fängt, werde ich wahrscheinlich nie wieder aufwachen. Weil am Anfang die Rauchentwicklung so enorm ist, dass ich im schlafenden Zustand diesen Rauch sofort einatme und direkt von schlafen die Ohnmacht und von der Ohnmacht ins Ersticken. Und somit darf man, ganz wichtig, schon das erste Learning heute, auf keinen Fall Roller oder irgendwelche Spielzeugfahrzeuge oder so, das ist auch Spielzeug mit Elektro, bitte nicht im Kinderzimmer oder im Schlafzimmer laden, weil man weiß nicht, was durch einen Defekt passieren kann und im schlimmsten Fall, wenn das im Schlaf passiert, dass man nie wieder aufrechtert. Bernhard Vosicky: [20:09] Wo legst du dein Handy? Dominik Zeidler: [20:11] Das ist natürlich auch ein Riesenthema, bin ich leider auch zu wenig konsequent. Ich lade tatsächlich mein Handy im Schlafzimmer, aber ich habe zumindest einen Rauchmelder montiert, dass in der Frühphase dieser Alarm kommt. Jetzt könnte man natürlich sagen, naja, das ist ja beim E-Bike auch. Ja, aber beim E-Bike ist der Akku wesentlich größer als beim Handy. Und da habe ich am Anfang schon wesentlich mehr Gase, die freigesetzt werden und eine wesentliche schnellere Brandentwicklung ersetzt beim Akku vom Handy. Und wichtig ist, ich habe jetzt unterm Handy jetzt nicht irgendwelche Papierer anlegen, sondern es liegt halt direkt am Nachkastel, wo ich sage, der Brand kann sich jetzt nicht so rasend schnell ausbreiten, als wenn ich natürlich jetzt drunter Buch liegen hätte oder Papier oder sonst irgendwas, dann ist die Brandausbreitung noch viel schneller. Bernhard Vosicky: [21:00] Okay, also das heißt, das sind solche Sachen, die dir natürlich auffallen, weil du dich mit der Materie befasst hast. Wie schaut es bei so anderen Dingen aus? Ich weiß aus eigener Erfahrung, nach unserem ersten gemeinsamen Auftritt beim Sicherheitsfest war der erste Gang, ich hole mir eine Löschdecke für die Küche. Also das habe ich aus dem Umgang mit dem Thema gelernt. Fällt dir das auf? Siehst du, kannst du sagen, wie viele Leute haben Feuerlöscher, wie viele Leute haben Löschdecken daheim überhaupt? Ist das was Standard ist oder haben das nur wir, die halt thematisch befasst sind? Dominik Zeidler: [21:32] Standard ist es nicht, da sind wir noch weit davon entfernt. Aber es muss jetzt nicht unbedingt gleich der Löschdecke oder Feuerlöscher sein. Das versuche ich auch immer im Freundeskreis zu vermitteln. Einfach beim Kochen, wenn ich jetzt was mache mit der Brabpfanne, dass ich den passenden Fannendeckel gleich irgendwo griffbereit hinlege. Weil wenn jetzt das Feuer fängt, das Öl oder das Fett, dann nehme ich den passenden Fannendeckel, gebe das drauf, drehe den Herd ab, schiebe das auf eine kalte Platte und die Gefahr ist vorüber. Die Löschdecke kann ich natürlich auch verwenden, aber es ist wesentlich mit mehr Gefährdung verbunden, als wenn ich den passenden Deckel draufgebe. Und dann sage ich auch immer, all das, was man mit der Löschdecke nicht löschen kann, kann man vermutlich mit einem Feuerlöscher auch nicht mehr löschen, weil die Übung fehlt, weil eben die Brandentwicklung schon fortgeschritten ist, weil das Feuer vielleicht schon so groß ist oder die Rauchentwicklung. Und somit wünschen wir uns einmal zumindest eine Löschdecke zu Hause zu haben. Und ganz wichtig, was noch wichtiger ist eigentlich als Löschdecke, ist der Rauchmelder. Der Rauchmelder ist die einzige Möglichkeit, vor allem im schlafenden Zustand, dass wir frühzeitig mitbekommen, dass es zu einem Brand gekommen ist. Bernhard Vosicky: [22:43] Jetzt hast du eh schon ein paar Sachen aufgezählt. Also was sind denn, da kommen wir jetzt eh schon zu den Takeaways, die ich ja auch versprochen habe, was sind denn die absoluten Minimum-Dinge einem 0815-Haushalt, die ich jedenfalls haben muss? Dominik Zeidler: [22:59] Also, nachdem 70 bis 80 Prozent der Rettungseinsätze irgendwo zu Hause stattfinden, wegen Umfällen im Haushalt oder eben eine Verletzung oder Erkrankung im Haushalt, was sind da Erste-Hilfe-Koffer oder Erste-Hilfe-Ausstattung für zu Hause, was Pflaster, Verbände betrifft, Wundauflagen, das sind so die Basics. Gerade wenn ich Kinder zu Hause habe, sage ich, ein gutes Desinfektionsmittel, Eine gute Wund- und Heilsalbe und vielleicht auch passende Pflaster, kindgerecht. Medikamente, die ich täglich brauche, natürlich eine gewisse Bevorratung. Und gerade bei Kindern wissen wir, dass man auch vielleicht das ein oder andere zu Hause haben sollte, was Medikamente betrifft, wo man sagt, okay, da kann ich frühzeitig agieren, da weiß ich, da reagiert das Kind gut drauf, dann sollte ich das zu Hause haben. Und gerade bei Kindern vielleicht einen Verbrennungsspray, wenn ein Kind sich jetzt leicht verbrennt, dass ich da ein Verbrennungsspray habe, Coolbags habe. Das sind so die Basics für Haushalt mit Kindern, würde ich jetzt einmal sagen. Und der nächste Schritt ist natürlich der Rauchmelder im Kinderzimmer und im Schlafzimmer. Das ist auf jeden Fall ein Minimum, im besten Fall natürlich auch im Wohnzimmer, wo ich ihn nicht aufhängen soll. Küche, Bad, WC, da hat der Rauchmelder nichts verloren. Dominik Zeidler: [24:25] Wenn ich eine Gaskombi-Therme habe oder mit Gas heize oder einen offenen Kamin habe oder sonst irgendwas, also wenn ich mit Feuer in der Wohnung hantiere, unter Anführungszeichen, dann bitte auch einen Kohlmonoxid-Melder, weil Kohlmonoxid ist sehr gefährlich, weil wir haben kein Sinnesorgan für Kohlmonoxid. Wir riechen es nicht, wir schmecken es nicht, wir sehen es nicht, wir fühlen es nicht. Und wenn wir es fühlen, ist es schon zu spät. Deswegen ein Kohlmonoxid-Melder. Dominik Zeidler: [24:53] Ja, die Löschdecke auf jeden Fall ist eine super Sache und bei Feuerlöscher sage ich immer, wenn ich eine Löschdecke habe, brauche ich vielleicht gar nicht einen Feuerlöscher und in Neubauten habe ich so und so den Feuerlöscher am Gang hängen. Das heißt, da kann ich ja den Feuerlöscher aus dem Gang verwenden für meine Wohnung. Wichtig ist aber, wenn ich einen Feuerlöscher verwende, zuerst die Feuerwehr rufen, dann schauen alle in Sicherheit und kann ich überhaupt noch gefahrlos. Gefahrlos heißt, es ist noch kaum Rauch vorhanden oder wenig Rauch. Dann kann ich noch löschen. Sobald sich Rauch an der Decke sammelt, habe ich in der Wohnung nichts verloren, muss die Wohnung verlassen, die Türe zumachen, damit sich der Rauch nicht ausbreiten kann und auf die Feuerwehr warten. Wichtig, nicht vergessen die Feuerwehr zu rufen. Wir wissen nur 60 Prozent der Menschen, die betroffen sind von einem Brand, rufen auch die Feuerwehr. Wahnsinn. Bernhard Vosicky: [25:40] Eigentlich Wahnsinn, oder? Ich meine, das ist natürlich das nächste. Da heißt es, die die Feuerwehr, die Notrufnummern zu können. Da möchte ich jetzt nicht dezidiert darauf eingehen, weil ich meine, in Österreich wissen wir 1-2-2 Feuerwehr, 1-3-3 Polizei, 1-4-4 die Rettung. Je nachdem, wo ihr zu Hause seid und wo ihr uns gerade hört, sind die Notrufnummern natürlich andere. Aber das sollte basic sein. Bei Kindern ab welchem Alter? Dominik Zeidler: [26:04] Also, man kann den Kindergartenalter anfangen. Vier bis fünf Jahre kann man das Thema Notrufnummern schon besprechen und auch vermitteln, wann rufe ich den Notruf und wann nicht. Also nicht zum Spaß. Ich sage immer bei Kleinkindern, sage ich ja, wann rufen wir jetzt den Euronotruf? Wenn ich beim E-Geschäft stehe und keinen Euro habe, dann rufe ich den Euronotruf und dann gehe ich schnell an den Euro. Nein, ist es natürlich nicht. Apropos eurer Notruf 112 ist in Deutschland eben auch die Feuerwehr 112, also das ist auch sehr passend. Und das heißt, dass man mal sagt, wenn ein Notfall ist, wenn wirklich jetzt Feuer am Dach ist oder eine lebensgefährliche Verletzung an Erkrankung, dann rufen wir die Rettung oder die Feuerwehr, also beim Brand die Feuerwehr 122, bei einer Verletzung 144. Oder man sagt, okay, für Kinder sind die unterschiedlichen Notaufnummern zu viel, dann beginnen wir mal mit 112. zwei, dann haben sie mal die eine Nummer und dann können sie den Notfall melden. Bernhard Vosicky: [27:01] Ich finde das super, dass du das ansprichst von wegen Eisgeschäft, weil das ist, dass man die Polizei anrufen kann und den Notruf anrufen kann, was auch immer, das merken Kinder, die ja ab und zu auch das Handy in der Hand haben dürfen, sehr schnell, weil die das oft unabsichtlich machen. Absolut. Weil im gesperrten Zustand natürlich nur Notrufe abgesetzt werden können. Und dann ist halt immer sozusagen auch mein Gedanke, gib das Handy weg, weil du rufst den Notruf ab. Dominik Zeidler: [27:29] Und vielleicht ergänzend, bitte auch jetzt nicht ein altes Handy Kinder geben zum Spielen. Wenn man das macht, dann auch erklären, dass sie eben nicht 112 wählen sollen, weil Handy ohne SIM-Karte können auch den Notruf absetzen. Das muss man immer aufpassen und das auch erklären. Bitte niemanden anrufen, auch nicht 111 so rufen, das Handy hast du jetzt zum Spielen. Wobei ich auch kein Fan bin, was das betrifft. Aber ja, irgendwann kommt man vielleicht nicht aus und hatten nur die Möglichkeit, einmal kurz das Handy herzugeben, aber eben sagen, hey, nein, nicht da anrufen. Und auch ganz wichtig, vielleicht kurz ein Beispiel hatten wir letztes Jahr in Deutschland. Da hat ein Kind am 24. Dezember die Polizei gerufen, weil sie unzufrieden war mit den Geschenken. Okay, also auch da vielleicht zu sagen, da ist für die Polizei nicht zuständig, da ist das Gießkind zuständig. Dafür ist die Polizei auch nicht da. Bernhard Vosicky: [28:22] Meine Tochter wollte vor wenigen Tagen die Polizei anrufen, also Blueyzei, wie sie sagen, aber die Polizei anrufen, weil ich gesagt habe, ich muss kurz was arbeiten und ich kann ihr jetzt nichts vorlesen. Dominik Zeidler: [28:32] Ah ja. Bernhard Vosicky: [28:33] Für sie ein Notfall. Dominik Zeidler: [28:34] Für sie ein Notfall. Bernhard Vosicky: [28:35] Ja, aber wir haben das dann geklärt, dass das jetzt nicht primär unter den Notruf fällt. Sie kann mir einfach weiter am Nerv gehen, dann lese ich ja irgendwas vor. Das passt schon. Aber das ist, glaube ich, ganz wichtig. Das heißt, Sensibilisierung, was ist überhaupt der Notfall? Ich glaube, das ist wichtig. Dominik Zeidler: [28:48] Das ist um und auf. Bernhard Vosicky: [28:49] Und das finde ich jetzt wahnsinnig spannend. Du hast mir im Vorgespräch, und da würde ich dich jetzt noch gerne gezielt darauf ansprechen, ein Beispiel gesagt. Wir reden jetzt von Feuer, Rauch. Das haben wir schon besprochen. Wir haben jetzt auch schon vorher diese gefährlichen Materialien und so weiter besprochen. Was aber jetzt darauf angeht, du hast das kurz anklingen lassen, Herz-Kreislauf-Stillstand. Auch da können Kinder erstaunlich früh hilfreich sein. Dominik Zeidler: [29:11] Genau, das haben wir frühzeitig auch erkannt. Wir haben seit 2014 das Schulprojekt Ich kann Leben retten. Das heißt, uns ist es gelungen, gemeinsam mit der Stadt Wien und mit den Rettungsorganisationen ein Programm zu entwickeln, das wir anbieten für die dritte und sechste Schulstufe, also Volksschule und dann Mittelschule-Gymnasium. Und wir fahren da in die Schule mit den Rettungsorganisationen und die Rettungsorganisationen machen dort ein Training, wo sie den Kindern oder den Schülerinnen erklären, was ist jetzt ein Notfall, was ist ein Herz-Kreislauf-Stillstand. Dominik Zeidler: [29:48] Welcher Notruf muss ich wählen und wie habe ich mich zu verhalten? Eben Richtung Herzdruckmassage und eventuell frühzeitige Verwendung eines Defibrillators. Das lernen Sie in der dritten Schulstufe. Und wenn man sagen muss, in der dritten Schulstufe können Sie es vielleicht noch nicht, aufgrund der Körpergröße und aufgrund des Gewichts können Sie nicht effizient reanimieren. Aber Sie können einen Erwachsenen schon anleiten, wie der Erwachsene reanimieren soll. Und somit bekommen wir recht frühzeitig wiederum das Thema direkt an den Schüler oder an die Schülerinnen, ans Kind und in weiterer Folge auch in die Familie, weil sie bekommen als Aufgabe mit, mit einem Folder, dass sie das zu Hause besprechen, was ist zu tun in einem Notfall, was sind die Maßnahmen, die müssen das dann auch ausfüllen und dann dem Lehrer abgeben und dann kriegen sie auch einen Ausweis, ich kann Leben retten, das ist die Motivation dahinter, die Motivation dahinter, Entschuldige. Und somit bringen wir frühzeitig das Thema in die Familien. Dominik Zeidler: [30:44] In der sechsten Schulstufe wird das Ganze wiederholt, da haben Sie auch schon genug Kraft zum Reanimieren und in weiterer Folge wissen wir, durch den Führerschein müssen Sie ja noch einmal in den ersten Hilfekurs und somit gehen wir davon aus, und das sehen wir auch schon an den Zahlen mittlerweile, dass wir die Awareness in Österreich schaffen, dass man frühzeitig reagiert und dass wir auch frühzeitig mit der Reanimation oder Defibrillation beginnen und somit die Wahrscheinlichkeit, dass man das überlebt, in Österreich und vor allem in Wien dadurch stärken. Und aus der Praxis, wir haben eine Kollegin da gehabt seitens der Stadt Wien, sie hatte einen Herz-Gleislauf-Stillstand zu Hause, ihr Sohn war mit ihr alleine zu Hause, der Papa war gerade unterwegs. Dominik Zeidler: [31:30] Hat das erkannt, hat den Notruf gewählt, fälschlicherweise die Feuerwehr, was aber in dem Fall egal war. Die Feuerwehr hat das Gespräch entgegengenommen und in Wien ist es so, bei dem Herz-Kreislauf-Skiestand wieder nicht nur die Rettung alarmiert, sondern auch Feuerwehr und Polizei. Dominik Zeidler: [31:47] Und unterm First Responder kommen die dann hin und die Organisation, die als erster dort ist, beginnt mit der Reanimation und der frühzeitigen Defibrillation. Und das hat der Dame wirklich das Leben gerettet und die hatte keine neurologischen Schäden, also hat keine neurologischen Schäden, ist wieder topfit, ist wieder hergestellt und da war es so, der Sohn war dann auch hier mit der Mutter und hat gesagt, na, er macht sich so Vorwürfe, weil er nicht die Rettung gerufen hat, sondern die Feuerwehr. Und da ist auch wichtig, dass man das nachbespricht, er hat super reagiert, er hat frühzeitig den Notruf gewählt, die waren innerhalb von drei Minuten da aus Spitzenzeit. Also hat alles wichtig gemacht und deswegen ist es auch so wichtig, dass man Kinder frühzeitig beibringt, wenn man jemanden nicht mehr aufwecken kann, dass man Hilfe holt. Entweder der Notruf fehlt oder Nachbar des Vertrauens oder halt auf die Straße, meine Mama, mein Papa liegen da oben, ich brauche Hilfe. Dass sie nicht ewig, hatten wir leider auch so einen Fall, ewig versuchen die Mutter aufzuwecken und ja, dann wissen wir leider, wie es ausgegangen ist. Und deshalb wichtig, es kann jedem von uns passieren, in jedem Alter, dass wir mit einem Kind alleine sind. Wir fallen um und dann ist wichtig, dass das Kind weiß, was zu tun ist. Bernhard Vosicky: [33:05] Also wenn wir jetzt, und ich komme langsam in Richtung Ende des Interviews, aus dieser Geschichte was mitnehmen, dann ist es, glaube ich, das Blödeste, was man machen kann, ist nichts machen. Dominik Zeidler: [33:14] Richtig. Bernhard Vosicky: [33:16] Notruf wählen, wenn ich das Gefühl habe, dass hier ein Notfall passiert, ist niemals falsch. Dominik Zeidler: [33:22] Absolut. Bernhard Vosicky: [33:23] Ich kann Kindern Dinge zutrauen, ich kann mit ihnen sprechen. Ich kann Ihnen erklären, was ist eine Gefahr, was ist keine Gefahr? Also ein bisschen die Sensibilisierung für die ganze Geschichte. Solche Basics wie, wie heißt denn eigentlich die Wohnung, die Straße, in der du wohnst? Das ist aber schon wichtig, natürlich. Dominik Zeidler: [33:43] Das ist extrem wichtig und das haben wir auch immer wieder mit unserer Tochter, mit mir trainiert. Man sagt, okay, wie ist unsere Adresse? In welchem Bezirk sind wir? Ganz wichtig. und vielleicht auch, was man oft unterschätzt, und das habe ich auch sehr frühzeitig schon gemacht, natürlich bei uns wahrscheinlich mit meinem Background auch ein bisschen das Thema, dass ich da vielleicht zu viel mache, aber ich finde, man kann da nie viel zu viel tun, sondern das Leben ist ein Lernen und dazu gehört halt auch das richtige Verhalten in Notfällen, dass wir auch unserer Tochter immer erklären, wo wir hinfahren. Weil es kann ja auch auf der Fahrt hin was passieren und dann kann sie das wenigstens beschreiben. Und meine Tochter weiß schon, oder unsere Tochter, also nicht nur meine Tochter, es ist unsere Tochter, weiß tatsächlich, aha, das ist die Reichsbrücke, das ist die Nordbrücke, das ist die Donauinsel, das ist die Donau, das ist die Alte Donau, das ist der Donaukanal, das ist der Kallenberg, das ist der Leopoldsberg. Das sind schon wichtige Dinge, weil sie kann sich somit auch orientieren in der Stadt und kann das auch beschreiben, wenn wir irgendwo unterwegs sind, wenn was passiert. Und das gebe ich auch vielen Eltern hier in den Räumlichkeiten mit, dass man über das auch spricht. Bernhard Vosicky: [34:54] Also mit den Kindern einfach intensiv auch dieses Thema mal ansprechen. Was ist zu tun, wenn ich plötzlich nicht mehr reagiere? Was müsstest du wissen? Was solltest du wissen? Was kann man eben den Kindern schon zutrauen? Welche Ausstattung ich zu Hause brauche? Vielleicht, das ist ja dann ein Elterenthema. Absolut. Wie ich was zu Hause sichere. Also einfach ein bisschen sich ganz kurz einmal bewusst mit der Materie auseinandersetzen. Und ich glaube, wenn ich Fragen habe, natürlich zu euch kommen in Wien ist nie ein Problem, aber ich glaube, dass es wahrscheinlich überhaupt keine Rettungs- oder Einsatzorganisation weltweit gibt, die eine Infofrage nicht beantwortet, wenn ich als Elternteil hingehe und sage, dass die mich interessieren. Dominik Zeidler: [35:32] Absolut. Und es wird in Wien und in Österreich, aber auch in Deutschland viel gemacht in der Präventionsarbeit. Einfach auch nutzen, sagen, okay, wie bei uns zum Beispiel, wir haben immer in den Ferien ein Ferienspiel. Nutzen, hergehen, sich informieren oder zu einer Veranstaltung wie das Wiener Sicherheitsfest, Feuerwehrfest, gibt es ja auch wie viel in den Bundesländern und wie in Deutschland. Also einfach das Nutzen, um einfach auch hier vor Ort Fragen stellen zu können, ist ganz, ganz wichtig. Und was ich auch immer mitgebe, die Veranstaltungen nutzen, einmal in ein Rettungsauto zu schauen, weil wenn dann die Rettung kommt, hat man vielleicht Angst vor dem Rettungsauto und dann ist es sinnvoll, wenn man sich im Vorfeld das Rettungsauto schon einmal angeschaut hat. Es ist ein Auto... Mit ein bisschen mehr Equipment, mit ein bisschen mehr verschiedenen Dingen, die da drinnen sind. Aber man braucht im Rettungsorto Angst haben. Das ist auch ganz wichtig, dass man Ängste abbaut. Und bitte, weil ich es auch erst wieder gehört habe, nicht sagen, wenn du schlimm bist, hole ich die Polizei oder rufe ich die Polizei. Das ist ein Blödsinn. Die Polizei ist der Helfer oder die Helferin in der Not. Und das soll auch immer so bleiben. Weil wenn jetzt ein Kind sich verlauft oder kurz die Eltern weg sind bei einer Veranstaltung oder in einem Supermarkt, dann würde ich mir wünschen, das weiß unsere Tochter, wenn sie ein Polizist sieht, dass sie sie nicht versteckt, sondern dass sie zum Polizist oder zur Polizistin hingeht, um Hilfe zu holen. Bernhard Vosicky: [36:54] Okay, ich glaube, da können wir schon auf jeden Fall was Handfestes mitnehmen. Ich habe jetzt noch zwei kurze Fragen am Schluss. Die eine, das sind Fragen, die ich eigentlich immer stelle und die sind immer ganz spannend eigentlich. Das eine ist, jetzt bist du seit acht Jahren Papa. Stell dich mal ganz kurz vor den Dominik hin, der noch kein Papa ist. Und mit dem ganzen Wissen von heute, vielleicht fokussiert auf das Thema Sicherheit oder sowas. Was würdest du denn dem Dominik von damals, der noch keine Kinder hat, sagen? Dominik Zeidler: [37:22] Mehr Verständnis für Eltern mit Kindern, das ist ganz wichtig. Das versteht man erst, wenn man selber Papa ist, was es bedeutet, Vater zu sein und was es bedeutet, ein Kind zu begleiten in den vielen, vielen Phasen. Aber ich meine, sie geben dir ja viel zurück, aber Spaß beiseite, natürlich geben sie dir viel zurück, aber es ist halt auch, es gibt Zeiten, die sind herausfordernd. Und ich habe das aber auch für mich mitgenommen, in Freunden und Familiengeister, die jetzt später Papa geworden sind, die haben gesagt, du, das ist alles gut und schön, das ist lustig, das ist fein, aber es gibt das und das auch. Und das finde ich ist wichtig, dass man da auch die Wahrheit sagt, das ist nicht alles schön. Eine Beziehung ist sehr herausfordernd bei kleinen Kindern und generell ist es herausfordernd, in kleinen Kindern gewisse Themen zu machen, wie auch auf Urlaub zu fahren, ist eine ganz andere Vorbereitung. Und ja, ein bisschen mehr Verständniskeit in Richtung natürlich auch der Partnerin, des Partners, ganz wichtig, aber auch für die Kinder und dass man immer schaut, dass man genug Zeit hat für seine Kids, das ist auch ganz, ganz wichtig. Bernhard Vosicky: [38:29] Und ich habe eine Playlist gemeinsam mit meinen Interviewgästen erstellt. Die ist die Papa Mia Playlist des Grauens. Das ist die schlimmste Playlist auf der ganzen Welt. Die gibt es, weil da darf jeder Gast von mir einen Song draufsetzen, den die eigenen Kinder zu Tode gehört haben. Also ich bin mir sicher, es hat auch deine Tochter irgendeinen Song so oft gehört, dass wenn du den irgendwo hörst, dass du sagst, den kann ich nicht mehr hören. Ich weiß, er war mal vielleicht lustig, er war mal toll. irgendein Kinderlied oder irgendeinen Radiosong oder sowas? Gibt es irgend sowas, wo du sagst, ich kann es nicht mehr hören? Dominik Zeidler: [39:03] Ja, natürlich hat Zeit lang, es ist mir lustig, dass du jetzt diese Frage schießt, war es natürlich die Elsa? Bernhard Vosicky: [39:10] Ja, welches? Wir haben lustigerweise von Anna und Elsa noch nicht so viel oben. Dominik Zeidler: [39:13] Ja, also, was los? Ja, genau. Und jetzt, erst vor ein paar Tagen hat die mir gesagt, nein, das Elsa ist nur für Babys. Ja, natürlich. Das geht jetzt gar nicht mehr. Und jetzt ist eben diese diese Sendungen, Produktplatzierungen, K-Pop Demon. Bernhard Vosicky: [39:32] Und welche Nummer? Dominik Zeidler: [39:34] Die Golden. Also ich glaube, war eine Zeit lang super, aber jetzt muss ich sagen, würde ich gerne ein bisschen pausieren, weil ich es nicht oft hören würde. Bernhard Vosicky: [39:42] Such dir aus, Golden oder ich lass los. Dominik Zeidler: [39:46] Ja, also dann eh eigentlich die Geschichte... Bernhard Vosicky: [39:53] ...Eiskönigin. Also lass jetzt los. Dominik Zeidler: [39:56] Geben wir auf die Papa Mia Playlist des Brauchens. Ja, absolut. Bernhard Vosicky: [40:00] Dominik, danke dir vielmals. Dominik Zeidler: [40:02] Bitte, gerne. Hat Spaß gemacht. Danke fürs Kommen.

Kapitel

02:07
Kinder & Notrufe: Ab wann und wie?
06:27
Gefahren im Haushalt: Was Eltern unterschätzen
12:39
Angst vs. Aufklärung: Der richtige Umgang mit Kindern
18:50
E-Bike, Handy & Brandgefahr im Schlafzimmer
22:46
Checkliste: Was muss in jeden Haushalt?
Bernhard Vosicky – Podcast Host Papa Mia!?

Bernhard Vosicky

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