Alleinerziehend? Weder Held noch Opfer!

Episode 122
42:47

Du bist alleinerziehend? Dann bist du entweder ein Held oder ein Opfer. So funktioniert das in unserer Gesellschaft. Jubin Honarfar interessiert das nicht. Er ist CEO, zweifacher Papa, seit acht Monaten alleinerziehend – und er nennt sich einfach: Elternteil.

Der Satz, der mich seit diesem Gespräch nicht loslässt:

„Wenn mir zehn von zehn Mal gesagt wird, du bist ein Opfer, dann nehme ich entweder an, okay, ich bin ein Opfer – oder ich verkörpere vielleicht diese Rolle.“

Worum geht es in dieser Folge?

Jubin Honarfar ist CEO von WhatchaDo, hat zwei Töchter im Alter von fünf und neun Jahren – und ist seit acht Monaten alleinerziehend. Nicht geplant, nicht vorbereitet, quasi über Nacht. Und trotzdem spricht er darüber ohne Selbstmitleid und ohne Heroisierung. Denn er findet: Beides ist falsch. Denn beides drängt in eine Schublade, die niemandem nützt.

In dieser Folge reden wir deshalb darüber, was die Gesellschaft mit alleinerziehenden Elternteilen macht – und was es bedeutet, wenn du dich in keine der angebotenen Rollen hineindrängen lässt. Wir reden über Rollenbilder aus dem Elternhaus, über Therapie als Stärke, über Vier-Tage-Woche als gelebte Familienfreundlichkeit. Außerdem darüber, warum ein LinkedIn-Post zu einem Kurzfilm geführt hat, der im Mai beim Filmfestival in Mainz läuft – und warum es trotzdem noch zu wenig alleinerziehende Väter gibt, die über ihre Situation reden.

Diese Folge ist für dich, wenn du das Gefühl kennst, dass die Welt von dir erwartet, in eine bestimmte Schublade zu passen – und du eigentlich keine davon willst.

Diese Folge ist Teil unserer Reihe über moderne Vaterschaft, Care-Arbeit und Alleinerziehende.

Kapitel

  • (00:00) – Intro
  • (03:04) – Der neugierige Bub, der immer Papa werden wollte
  • (09:10) – Iran, Panikattacken und Pflichtbewusstsein – was das Elternhaus wirklich formt
  • (19:20) – Über Nacht alleinerziehend: 100 Prozent Kinder, null Vorbereitung
  • (21:04) – Weder Held noch Opfer – und warum beides in die falsche Richtung führt
  • (35:40) – Ein LinkedIn-Post, ein Kurzfilm und ein Thema, das sichtbarer werden muss

Das nimmst du mit

  • Du weißt danach, warum die Opferrolle so verführerisch ist – und was sie wirklich kostet.
  • Du verstehst, wie Rollenbilder aus dem Elternhaus weiterwirken, auch wenn man es nicht will.
  • Du siehst, was strukturell passieren müsste, damit Alleinerziehen und Erwerbsarbeit wirklich zusammenpassen.
  • Du bekommst den praktischsten Lebenstipp, den ich in 122 Folgen Papa Mia gehört habe.

Über Jubin Honarfar

Jubin Honarfar ist CEO von WhatchaDo, einer Plattform, auf der Menschen aus eigener Berufserfahrung zeigen, was sie tun – damit andere ein ehrlicheres Bild möglicher Karrierewege bekommen. Als alleinerziehender Papa von Estella (9) und Lea (5) hat er auf LinkedIn eine Debatte ausgelöst, die weit über sein eigenes Netzwerk hinausgegangen ist. Das Ergebnis: ein Kurzfilm über alleinerziehende Elternteile, der im Mai 2025 beim Filmfestival in Mainz gezeigt wird.

🌐 Jubin → https://www.jubin.at🌐 WhatchaDo → https://www.whatchado.com📸 Jubin auf Instagram → https://www.instagram.com/jubin_honarfar/💼 Jubin auf LinkedIn → https://at.linkedin.com/in/jubin-honarfar🎙️ Papa Mia!? → https://papamia.at🔗 Alle Links → https://papamia.at/links👤 Bernhard → https://vosicky.at/links

Über Papa Mia!?

Papa Mia!? ist der Podcast von Papas für Papas. Hier reden wir über moderne Vaterschaft, Familienleben und Elternsein – ehrlich, direkt und ohne erhobenen Zeigefinger. Weil Väter diese Gespräche brauchen.

👉 Abonniere „Papa Mia!?“ und bewerte den Podcast, wenn dir die Folge gefallen hat.

Transkript:

Jubin: [0:00] Wenn mir zehn von zehn Mal gesagt wird, du bist ein Opfer, dann nehme ich entweder an, okay, ich bin ein Opfer, ich arme oder ich arme und dann verkörpere ich vielleicht diese Rolle. Bernhard: [0:20] Alleinerziehende sind weder Heroes, noch sind sie Opfer. Das ist eine Aussage, die ich von meinem heutigen Interviewgast in Papamia auf LinkedIn gelesen habe. Und da haben wir mal gedacht, alles klar, ich finde, darüber sollten wir sprechen. Und das ist wirklich beeindruckend. Wir haben vergangene Woche geschrieben und jetzt Montagfrüh, nachdem wir beide unsere Kids in die jeweiligen Betreuungseinrichtungen gebracht haben, sitzen wir schon bei mir auf der Couch, nehmen die Folge auf, morgen geht sie raus. Das ist zack, zack, zack, Wahnsinn. Willkommen, Jubin Honarfach. Jubin: [0:52] Ja, vielen herzlichen Dank für die Einladung. Bernhard: [0:54] Du bist zweifach Papa, alleinerziehend, zwei Mädels, einmal neun, einmal fünf. Richtig. I can relate. Meine Große ist elf, die Kleine wird bald fünf. Also wir haben da viele Gemeinsamkeiten. Du bist CEO von WhatchaDo. Kennen viele, viele auch vielleicht noch aus der Zeit von Ali Maloji, wer im Volk, die ist da jetzt einmal da und WhatchaDo, eine sehr coole Plattform, wo einfach Menschen aus der eigenen Erfahrung zeigen, was sie tun. Und weil man sich da halt einfach ein besseres Bild machen kann von dem, was einen möglicherweise dort erwartet, wenn man selbst dort arbeitet. Jubin: [1:29] Genau darum geht es. Super. Bernhard: [1:30] Coole Geschichte. Danke dir. Schon erledigt. Also Kaffee hast du bekommen. Du hast dich bewusst fürs Minimal aus Glas entschieden. Finde ich sehr löblich. Zweifach Mädels, Papa geht das auch gar nicht anders. Jubin: [1:41] Rosa T-Shirt habe ich ausgespart. Bernhard: [1:43] Macht das. Das ist okay, das passt schon. Worüber ich mit dir sprechen möchte, sind mehrere Dinge. Auf der einen Seite, wie geht es dir, wie ist das so als alleinerziehender Papa? Oder als alleinerziehender Elternteil zuerst. Dann darüber reden, ist das anders, als wärst du eine Mama, inwieweit du das halt beantworten kannst, weil da hört man schon sehr oft auch so diese Opferrolle raus, sage ich mal. Über das werden wir auch noch sprechen. Und, Was du damit machst, wie das so ist, wenn man eben in einer Welt, in der das alles andere als üblich, selbstverständlich gewohnt ist, als alleinerziehender Papa von zwei Mädels durch den Alltag geht. Weil das ist, glaube ich, das, was viele von uns gar nicht kennen. Richtig. Ich frage mich voll, ob du da bist. Wenn wir jetzt einmal alles, was mit HR zu tun hat, weil du hast ja eigentlich viele, viele Jahre oder berätst auch Unternehmen, wie sie mit Menschen, mit Familie umgehen, oder? Jubin: [2:40] Auch, ja. Bernhard: [2:40] Ja, und jetzt bist du selber in der Position, wo du unter Vor- und Nachteilen von Jobsituationen leidest oder davon profitierst, je nachdem. Deswegen würde ich mich gern bei dir erkundigen, wenn man jetzt alles weglässt, Papa von zwei Mädels, Alleinerziehend lassen wir weg, CEO von Whatcha Do lassen wir weg, die HR-Erfahrung lassen wir weg, wer bist denn du? Jubin: [3:04] Zunächst mal ein Mensch, da beginnt. Aber das, wie ich mich heute immer noch beschreiben würde, ist der neugierige Bub, der mit riesigen Augen durch die Welt gegangen ist, der einfach alles entdecken wollte, immer nach links und rechts geschaut hat, oben runter geschaut hat, einfach wissen wollte, was kommt auf mich zu, welche Möglichkeiten hält das Leben bereit für mich. Und das habe ich mir beibehalten und das kann ich ein Stück weit dem Kindernetz mitgeben. Also diese Naivität der Jugendhaftigkeit, wo man denkt, alles ist möglich, es gibt keine Grenzen. Mal schauen, wohin die Reise dich führt. Und dann kommst du, dann wachst du auf, dann kriegst du die Knackwatschen ja permanent vor so das Leben. Nichtsdestotrotz, das hängt ja an deiner Persönlichkeit, wie du damit umgehst. Und das konnte ich mir beibehalten zum Glück. Und das ist auch etwas, was ich meinen Kindern mitgeben möchte aktuell auf dem Weg. Bernhard: [3:51] Da spricht schon sehr viel von Selbstbestimmtheit raus. Also du sagst, ich habe die Macht, mit dem, was mir passiert, umzugehen, wie ich möchte. Jubin: [4:00] Habe ich auch. Na klar, ich kann meine Umwelt jetzt nicht immer beeinflussen, aber meine Einstellung kann ich sehr wohl beeinflussen. Und das hat mir ein Stück weit geholfen, mich durchs Leben zu tragen. Es gibt immer wieder Herausforderungen. Alleinerziehend zu sein, darauf kommen wir auch noch zu sprechen, ist nicht einfach. Das heißt, wenn ich hier eine falsche Einstellung zum Leben hätte, dann würde es mir definitiv schwerer fallen, in meiner Rolle auch aufgehen zu können. Bernhard: [4:21] Jetzt hast du jahrelang Unternehmen beraten in Bezug auf, wie kann ich etwas tun, damit sich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser fühlen. So ein bisschen Good Vibrations im Unternehmen. Jubin: [4:32] Nicht der Obstkorb. Bernhard: [4:33] Nein, nicht der Obstkorb, der alleine ist zu wenig. Vor allem gibt es immer die Kollegen, da kommt der Obstkorb und da nehmen sie sich alle guten Sachen aus und dann bleibt für dich noch die ranzige Banane. Aber jetzt dann warst du plötzlich selber in der Position, wo du dann mit Family und Kindern zu tun hattest, wo du gesagt hast, okay, alles klar, ist das jetzt auch... Wie ist die Situation wirklich? Hat das was mit dir gemacht? Also hat das quasi was geändert, der Selbstbezug zu der Materie? Jubin: [5:00] Ja, definitiv. Ich glaube auch, also ich bin, ich habe eine kurze Zeit auch in Amerika gelebt mit der Stella, die jetzt neun ist. Damals war sie knapp zwei Jahre alt. Und ich konnte so ein bisschen sehen, wie ist es woanders zu leben mit Kind versus Österreich. Das, was ich sagen kann, auch durch die ganzen Reisen, Urlaube, die man verbringt. Österreich ist jetzt, Achtung, nicht unbedingt kinderfreundlich als Land. Das ist jetzt eine Pauschalaussage. Vielleicht ist es in Wien schlimmer als am Land, weil die Wiener sind grantig und Kinder sind nicht gern gesehen in Restaurants, Hotels etc. Wir haben das Thema ja medial. Das bedeutet, eine Familie zu gründen, Jubin: [5:37] Gepaart mit diesen Herausforderungen in der Arbeitswelt und wie du damit umgehst in einem, sage ich mal, kinderunfreundlicheren Land, als es woanders vielleicht besser möglich wäre, ist eine Herausforderung. Du hast Vorurteile, du hast Klischees, du hast Rollenbilder, die werden immer noch ganz stark bedient, auch wenn du nicht der Meinung bist, aber banal, du gehst arbeiten, du bist verantwortlich fürs Geld, der Arbeitgeber würde ich nicht meine eigene Company haben, der hat eine gewisse Flexibilität vielleicht, vielleicht schreibt er sich auch nur auf die Fahne, das Greenwashing Thema, nach außen hin, sage ich, wie toll wir sind, nach innen lebe ich so anders aus. Und ich konnte ein Stück weit natürlich die Arbeitsumgebung für mich selbst auch beeinflussen, als ich Papa geworden bin und habe auch das erste Mal dann dahingehend nachgedacht, wie kannst du für deine Mitarbeiterinnen, die Kinder haben, jetzt wo du selber auch in dieser Rolle bist und diese auch eher aktiv wahrnimmst, eine Umgebung schaffen, die familienfreundlicher ist. Und da haben wir zum Beispiel, das war auch ein Stück weit Corona-bedingt, 2021 die Viertagewoche bei uns im Unternehmen eingeführt. Nämlich wirklich die echte Viertagewoche, Reduktion in der Stundenanzahl. Wir sind auf 32 Stunden runter, bei gleichbleibender Entlohnung jedoch. Das heißt, der Freitag ist bei uns zu. Freitag, Samstag, Sonntag verlängert das Wochenende. Und wir haben allein jetzt in der Elternteile bei uns auch in der Firma. Wir haben Familienväter, Mütter, die natürlich einen riesen Benefit dadurch gehabt haben, dass sie einen Tag zusätzlich plötzlich in der Woche haben, wo sie sich um Einkäufe etc. Kümmern können, sodass sie dann qualitativ die Zeit mit ihren Kindern verbringen. Und das war mir persönlich auch wichtig. Bernhard: [7:06] Okay, kam dieser Switch, das ist etwas wichtig, erst mit der eigenen Family oder war das davor? Jubin: [7:11] Ja, kam mit der eigenen Family, weil erst wenn ich in dieser Situation bin, kann ich es auch tatsächlich nachvollziehen. Davor kann ich einen gewissen Bezug dazu haben, offen sein für Themen, Aber wenn ich selber dann in dieser Rolle drinnen bin und weiß, was es bedeutet, Kinder zu haben oder ein Kind zu haben, dann macht das natürlich etwas mit dir. Dann hast du eine andere Sensibilität einfach für das Thema und einen anderen Fokus auf das Thema gerichtet. Bernhard: [7:34] Also sind Eltern im Umkehrschluss die besseren Chefs eigentlich? Jubin: [7:37] Eltern können mit Zeit anders umgehen, sind effizienter in der Gestaltung des Arbeitstages und des Alltages. Und insofern würde ich behaupten, dass wenn du Kinder hast, eine andere Art von Stressresistenz an den Tag legen kannst, aber auch ein besseres Time-Management hast. Weil es geht gar nicht anders. Musst du haben. Bernhard: [7:53] Gar keine Frage, jetzt höre ich dann trotzdem wiederum, gerade aktuell wieder ist es mir in meinem Social Media Feed reingespült worden von einem Podcast, Mindgames Podcast, kennst du wahrscheinlich ohnehin auch, der wo jetzt gerade die Benjamin-Karl-Aufregung war. Aber Geschäftsführer von einer großen Fitnessgeräteherstellerfirma, der sagt, die Leute, die Jugend von heute will überhaupt nichts mehr arbeiten, die machen 20 Stunden und reden von Problemen mit der Vereinbarkeit und Work-Life-Balance. Dann machst du vier Tage Woche. Hast du nur lauter faule Leute bei dir? Jubin: [8:26] Ich bin noch nie auf den 20 Stunden, ich bin noch 32. Ich entwickle mich dahin. Ich möchte jung bleiben. Ich glaube, das Thema hatten wir immer. Generationenkonflikte, wenn wir 100 Jahre zurückgehen, da war schon die 5-Tage-Woche ein Aufschrei. Wie geht das? Wir müssen noch sechs Tage arbeiten. Ich glaube, das ist ein Thema, das Generationen immer wieder haben. Gepaart mit den Herausforderungen, Wirtschaftskrise etc., Rezession. Dann ist die Lösung, die vermeintliche Lösung, wenn wir mehr arbeiten, geht es uns allen besser. Wo ich denke, das ist zu kurz gegriffen. Arbeit per se ist was Gutes, man kann sich daran bereichern, im Sinne von, es kann erfüllen. Soll auch Geld einbringen natürlich, soll auch der Wirtschaft unterstützen, aber es ist zu kurz gegriffen, wenn du nur denkst, die Arbeitszeit zu erhöhen, führt zu einem besseren Output und einem besseren BIP am Ende des Tages. Bernhard: [9:10] Jetzt hast du schon sehr viele Sachen anklingen lassen, die auf ein gewisses Mindset in Bezug auf, was bedeutet es für mich zu arbeiten, Erwerbsarbeit. Du hast auch schon vorher Rollenbilder angesprochen. Woher kommt denn das? Wie bist denn du sozialisiert worden? Weil all das, was wir sind, ist ja ein Produkttest, was wir mitbekommen haben. Klar. Jubin: [9:29] Mama war klassisch Hausfrau bei uns daheim. Mein Vater ist arbeiten gegangen, Maschinenbauingenieur. Die Rollenbilder waren klar verteilt. Papa arbeiten, Mama ist zu Hause. Das habe ich mal mitbekommen. Eine Mutter, die sich sehr stark ums Kind kümmert, da ist. Der Papa, der zwar früher nach Hause gekommen ist, glaube ich, es war immer 15.30, 16.00 Uhr, da sind wir kicken gegangen, Fußballspielen mit Papa angesagt. Ein tolles Verständnis für Familie im Sinne von, du hast eine Mama, die hat halt ihre Arbeitsabläufe und du hast einen Papa, der hat seine Arbeitsabläufe. Jetzt bekommst du halt schon ein Bild vermittelt und hinterfragst das irgendwann auch, wenn du heranwächst, Pubertät. Warum ist die Mama nicht arbeiten gegangen? Warum ist der Papa arbeiten gegangen? Warum war Papa selten zu Hause unter der Woche etc.? Das heißt, ein Fundament, was Verständnis von Familie anbelangt, kommt natürlich aus dem Elternhaus. Und da kann ich schon mit Fug und Recht behaupten, Wir hatten, und ich hatte ein stabiles Elternhaus mit all seinen Problemen, wie wir alle haben, aber ich habe hier ein gutes Wertekonstrukt mitgegeben bekommen, das mir dann einfach auch im Leben geholfen hat und wo ich heute aber viel stärker draufkomme, welche Werte das teilweise sind, die verkörpert werden. Bernhard: [10:35] Haben sich deine Eltern das ausgemacht? Also wie die Rollenverteilung ist. Ich bin ein großer Fan von der Aussage, redet miteinander. Also nicht nur, dass ich in einem Kommunikationsberuf bin, wo miteinander reden halt die Währung ist, sondern ich bin auch der Meinung, sag, was du willst, sonst musst du nehmen, was du kriegst. Haben deine Eltern sich das ausgemacht? Weil man eben sehr oft hört, dass irgendetwas unter der Oberfläche brodelt und dann irgendwann, so, aber jetzt! Und der andere weiß gar nichts oder die andere weiß gar nichts davon. Was natürlich total, es kann nur nach hinten losgehen. Eine Rollenverteilung, wie auch immer man sie anlegt, völlig egal, ausgemacht ist und man damit zufrieden ist. Wer bin ich, darüber zu urteilen, ob das richtig oder falsch ist? Jubin: [11:20] Na klar, absolut. Bernhard: [11:21] Und war das so? Jubin: [11:22] Nein, war nicht so. Kommunikation war definitiv keine Stärke bei meinen Eltern. Es hat diverse Gründe gehabt. Die sind beide in den 70er, Anfang der 70er nach Österreich gekommen aus dem Iran, also vor der Revolution. Revolutionsbedingt auch dann in Österreich geblieben, nicht mehr zurück in den Iran gegangen. Mein Vater hätte gerne gewollt, dass meine Mutter arbeiten geht. Also nicht, dass man denkt, okay, aus dem Iran Anfang 70er, der Mann möchte nicht, dass die Frau arbeiten geht. War umgekehrt. Mein Vater wollte, dass meine Mutter arbeiten geht. Bei meiner Mutter war es nicht so, dass sie sagt, ich habe keine Lust, ich stehe lieber in der Küche und koche. Sondern sie hat damals unter Panikattacken gelitten. Sie hat eine Depression gehabt, hat unter Panikattacken gelitten. Es war ihr schier unmöglich. Jetzt drehen wir über die 70er, Anfang der 80er. Da war das Thema auch nicht so groß. Wie gehe ich damit um? Wie lasse ich das behandeln? Das heißt, das war Teil ihres Lebens, ist mitgeschwungen. Noch Teil meiner Kindheit quasi, wo ich das auch erlebt habe. Und das hat es ihr unmöglich gemacht, arbeiten zu gehen. Wenn ich heute mit ihr darüber rede, da sind Jahre, Jahrzehnte vergangen und sie ist ein anderer Mensch, als es damals war, ist es für sie natürlich schwierig, weil sie hätte es gerne anders gelebt damals. Sie wäre gerne mehr in die Verantwortung gegangen, Hätte gerne gearbeitet, wäre hier eigenständiger, selbstständiger aufgetreten, unabhängiger gewesen. Aber was ich zurückgeben kann und meiner Mutter zurückspiegeln kann und das auch gemacht habe, ist, dann wäre ich ein anderer Mensch wahrscheinlich heute. Bernhard: [12:43] Ist eine interessante Einstellung, die kenne ich und die teile ich auch, so im Sinn von alles, was war, negativ wie positiv, hat dazu beigetragen, dass ich heute so bin, wie ich bin. Absolut. Wenn ich mit dem, wie ich jetzt bin, zufrieden bin, dann war das natürlich auch alles gut und wichtig. Na klar, sicher. Ist in einer Situation, wo es einem gerade nicht gut geht, schwer zu tätigen, so eine Aussage, aber das heißt, offenbar geht es dir gerade gut. Jubin: [13:05] Mir geht es gut. Mir geht es gut. Ich habe auch daran gearbeitet, aber ich war und bin seit über zwei Jahren in Therapie, weil ich gesagt habe, ich möchte mir viele Dinge anschauen. Ich möchte mir Trennungssituationen in meinem Leben anschauen, aber auch kindheitsbedingt. Es gab Situationen, wo es für mich nicht greifbar war, warum hast du eine weinende Mutter zu Hause sitzen? Es ist das Kind nicht schön, nicht greifbar und macht auch etwas mit dir natürlich. Und für mich war einfach die Phase, okay, du musst und ich möchte das mir anschauen, was es mit mir gemacht hat. Hat sehr viel Positives gemacht, das Thema Reflektiertheit einfach auch, aber auch natürlich Negatives, weil du konntest so nicht Kind sein, wie du es vielleicht wolltest, weil du plötzlich in eine Verantwortung gekommen bist. Aber ich bin ein zufriedener und glücklicher Mensch, weil nochmals, wäre all das nicht so passiert, wie es passiert ist, wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin und ich bin mit meinem Leben zufrieden. Bernhard: [13:51] Ganz interessant finde ich auch, dass diese Stigmata, die man auflegt, bekommt, ich gehe in Therapie, ich bin auch in Therapie, ich finde das wahnsinnig großartig und es ist toll, jemanden völlig Unbeteiligten zufrieden. Als Zuhörerin zu haben, je nachdem. Und das tut extrem gut. Absolut. Und ich kenne viele aus der Generation. Meine Eltern sind da genauso Tränen für die. Sobald du in Therapie gehst, bist du eigentlich krank. Jubin: [14:14] Genau, das ist der Knotte. Ja, du bist sowas aus. Was hast du denn? Bernhard: [14:17] Ja, genau. Aber auch das geht weiter. Auch das ändert sich. Was hast du denn? Du hast vorher schon von den Werten gesprochen. Was hast du denn mitgenommen? Aus dem, was du mitbekommen hast von deinen Eltern, dir gegenüber. was du jetzt als Papa deinen Kindern gegenüber weitergibst oder bewusst anders machst? Jubin: [14:38] Das, was ich mitgenommen habe und auch weitermache, weitertrage, Pflichtbewusstsein, aber im Positiven, nicht im Negativen, also nicht Militärregiment, sondern positiv, stehe für etwas ein, vertrete das und lebe das weiter, wenn du das wirklich möchtest. Verantwortungsbewusstsein, du kannst dein Leben gestalten und du musst dein und solltest dein Leben gestalten, das habe ich schon von meinen Eltern mitbekommen. Also auch Familie. War zwar nicht immer alles einfach, aber dieses ist auch, ich meine 2026, unüblich, dass wenn du sagst, meine Eltern sind zusammen. Ich meine, ich bin selbst geschieden. Meine Kinder haben dieses Familienkonstrukt nicht mehr. Aber meine Eltern sind bis heute verheiratet. Meine Eltern ebenso, ja. Und das hat auch was Schönes. Ich sage nicht, bleibt zusammen. Wenn es nicht passt, dann ist es auch gut, wenn es einfach nicht mehr funktioniert, dass man sich trennen kann einfach heutzutage. Aber es ist auch schön zu sehen, es gab Phasen, wo sie gekämpft haben. Und es war nicht immer alles schön, aber sie sind für etwas eingestanden, für den Wert der Familie und haben das mir auch mitgegeben, dass man in guten, also auch in schwierigen Zeiten füreinander da sein kann, einstehen kann, vielleicht auch mal eine Woche nicht miteinander reden muss, wenn es gerade nicht angebracht ist, aber am Ende, bottom line, wir sind eine Familie. Bernhard: [15:47] Es ist immer die Frage, zweifelst du am großen Ganzen oder magst du dich halt gerade nicht? Jubin: [15:53] Ja. Bernhard: [15:55] Also wer in einer Partnerschaft lebt, und behauptet, er mag seinen Partner, seine Partnerin immer. Ist relativ frisch zusammen wahrscheinlich. Jubin: [16:05] Ja, ist frisch zusammen und man lügt einfach. Bernhard: [16:07] Das ist okay. Und dann ist aber die Frage, ich kann jemanden lieben und ihn gleichzeitig gerade nicht mögen. Das geht sich aus. Das ist voll in Ordnung. Jubin: [16:15] Aber auch ein spannender Punkt, weil das, was ich erlebe, auch im Freundeskreis und vielleicht mit den jüngeren Generationen noch mehr einhergehend, wenn es nicht neudeutsch convenient ist, das passt mir gerade nicht, dann ziehe ich weiter, suche mir das Nächste, weil, und das ist auch ein bisschen Social-Media-Generation wahrscheinlich, da draußen gibt es was Besseres. Das heißt, der Kampf um die Beziehung, wenn es gerade mal nicht so gut läuft, beobachte ich halt oftmals, dass es sehr schnell bricht und weil im GDE gibt es was anderes da draußen, ist sicher was Besseres, wartet am Snackstake auf mich. Das finde ich schade und das meine ich auch mit Werte, Familie. Man steht füreinander ein, auch in einer Partnerschaft. Nicht auf Teufel komm raus und klar, gibt es Situationen und da ist es auch gut, wenn man sich dann trennt. Aber das ist etwas, was ich mitgenommen habe und auch meinen Kindern weitergeben möchte. Bernhard: [16:57] Jetzt würdest du sagen, was hat das Papa-Werden mit dir als Mensch gemacht? Jubin: [17:02] Und vieles, aber auch nicht so vieles, weil ich bin ja, warum mich? Ich führe das mal aus, weil du sagst, was meint der jetzt Widerspruch? Ich wollte immer Papa werden. Ich wollte immer Papa werden und ich wollte mindestens zwei Kinder haben, weil ich ein Einzelkind bin und das hat mir nie gefallen, hat mir nie taugt, aber konnte ich jetzt nicht beeinflussen. Das war die Entscheidung meiner Eltern und ich wollte mindestens zwei Kinder haben. Das heißt, in dem Moment, als die Estella oder wir erfahren haben, dass wir Eltern werden, war einer der glücklichsten Momente meines Lebens. Das war eine bewusste Entscheidung. Wir wollten, du weißt aber nie, dauert es lang, funktioniert es, funktioniert es nicht. Und als wir erfahren haben, dass sie seine Tochter wird, was insofern schön für mich, weil ich immer, mit 14, 15 habe ich das Buch von Charles Dickens große Erwartungen gelesen. Und die weibliche Figur heißt Estella. Und damals wusste ich schon, wenn ich eine Tochter habe, heißt sie Estella. Und als wir Papa wurden, Mama wurden, Papa wurden, war es klar, sie würde Estella heißen. Und die Geburt war eines der schönsten Momente meines Lebens, auch wenn es nicht überromantisiert werden darf. So eine Geburt im Krankenhaus ist jetzt nicht romantisch, mit viel Schmerz und Leid verbunden, auch nicht schön, immer nur zum Anschauen, aber es war zu sehen, da entsteht Leben und da kommt Leben gerade raus. und du bist verantwortlich. Also es gibt ja nicht den Führerschein für Papa- und Mama-Führerschein, sondern da bist du jetzt Elternteil und have fun. Du bist plötzlich verantwortlich in einer Verantwortung, die du davor ja gar nicht kanntest und auch nicht lernen konntest. Bernhard: [18:25] Bist du gern Papa? Jubin: [18:26] Lieben gern Papa. Bernhard: [18:28] Ich höre öfter von Frauen, ja, Papa wäre ich auch gern. Ja. Mutter ist nicht so cool. Jubin: [18:34] Es gibt Situationen, wo ich sage, ich wäre auch gern Mama. Also zum Beispiel die ganze Stillzeit, diese Bindung zwischen Kind und Mutter, das versteht man als Mann ja nicht, das ist schwierig. Wir tragen kein Kind aus, deshalb gibt es diese Bindung schon mal per se nicht. Wir bauen unsere Bindung ja erst auf als Vater, weil die Mutter hat das ja per se, weil sie einfach neun Monate lang ein Kind austrägt. Und dann das ganze Thema am Stillen. Das habe ich von nahezu allen Müttern, die gestillt haben, immer wahrgenommen, das ist so ein schönes Gefühl, diese Bindung. Und das ist etwas, wo ich sage, da wäre ich schon gerne mal Mutter. Ich würde das schon gerne erleben, welche Art von Gefühl das in einem auslöst. Bernhard: [19:09] Dass du nähern kannst. Jubin: [19:11] Genau, dass ich nähern kann, dass ich diese Enge, diese Bindung habe, die vielleicht mit den Jahren dann eine andere ist natürlich, weil Zeit vergeht, aber in der Anfangsphase. Das wäre was Schönes. Bernhard: [19:20] Jetzt haben wir immer wieder schon ein bisschen so reingeklungen in das Papas und Mamas. und du bist alleinerziehender Papa. Seit einigen Monaten, seit acht Monaten hast du mir erzählt, glaube ich. Das heißt, beide Mädels, neun und fünf Jahre alt, die Estella und die Lea, wohnen beide bei dir. Jubin: [19:36] Wohnen beide bei mir. Wie ist das so? Bernhard: [19:37] Wie wohnt man da? Jubin: [19:41] Also das, was definitiv anders ist, davor war so 50-50 die Aufteilung, jetzt habe ich sie zu 100% die Kinder. Die Wohnung ist mehr im Chaos versunken, als es davor war. Ich hatte immer Zeit zum Aufräumen, jetzt ist es irgendwie so ein nahtloser Übergang zwischen Chaos und Aufräumen, Chaos und Aufräumen. Es ist natürlich wunderschön, weil ich die Kinder die ganze Zeit bei mir haben kann. Andererseits ist es natürlich auch schön für die Kinder und auch wichtig für Kinder, dass sie beide Elternteile haben. Das heißt, pauschal sage ich immer, Kinder brauchen beide Elternteile. In meiner persönlichen Situation ist es für mich bereichernd, weil ich wollte immer Papa werden und ich wollte immer Zeit mit meinen Kindern haben. Und die habe ich jetzt in einem großen Ausmaß, was natürlich auch enorm viele Herausforderungen und Verantwortung mit sich bringt. Also ich möchte das auch jetzt nicht rein romantisieren, ist ja alles super toll und so einfach, ist es gar nicht. Du hast gesagt, vor acht Monaten ist mehr oder weniger über Nacht passiert, dass ich dann alleinerziehen wurde und die Kinder voll bei mir hatte. Du kannst dich ja gar nicht darauf einstellen, sondern in dem Fall ist es ein Schalter, der umgelegt wurde. Und vereinbare das mal mit deinem Beruf und mit deinem sozialen Umfeld. Das bringt ja unglaubliche Herausforderungen mit sich. Bernhard: [20:45] Klingt jetzt schon sehr heldenhaft, wenn ich ehrlich bin. Jubin: [20:48] Und ich habe es schon mal gesagt und ich werde nicht müde, es zu sagen, ich bin weder Held noch Opfer, ich bin ein Elternteil, weil das ist wieder sonst eine typische Rolle mit der Klischee Stigmata und Schubladendenken, Kategoriedenken, entweder sind wir alle Helden oder alle Opfer, aber in dem Fall bin ich ein Elternteil. Bernhard: [21:04] Aber erklär, ich meine, du hörst ja, wenn du sprichst von... Wenn in der Gesellschaft gesprochen wird über Belastung innerhalb einer Familie und dann hörst du die Alleinerziehenden, das sind den Großteil, das sind die Mütter, dann sind die schon immer sehr arm, dann wird da halt sehr die Opferrolle zugeordnet. Und gleichzeitig auf der anderen Seite dann, das sind richtig starke Menschen. Und du findest beides falsch? Jubin: [21:37] Ja, weil das einfach wieder zu verurteilen führt. Ich habe, was ich wahrgenommen habe, dass ich Elternteil wurde, die Aussage von anderen Elternteilen, und das sind Alleinerziehende gewesen, hauptsächlich Mütter, muss man auch offen dazu sagen, es sind im Regelfall die Mütter, die dann alleinerziehend sind, die Herausforderung tragen müssen und weniger die Väter. Jubin: [21:54] Oft habe ich gehört, ja, ihr Männer werdet gefeiert und wir Frauen werden als Opfer dargestellt. Wenn die Aussage ist, ich bin alleinerziehend, dann klatschen alle Menschen, sagen, toll, Wahnsinn, wie du das machst. Und wenn ich weiblich wäre, würde es bedeuten, oh, du Orme. Ja, habe ich gehört, habe ich wahrgenommen und ein Stück weit würde ich das wahrscheinlich sogar unterschreiben. Dann hast du wieder diese Rollenbilder, diese Geschlechterrollen, die zugeordnet werden. Es ist einfach falsch. Man darf das nicht reduzieren auf genau dieses Thema, weil entweder gehe ich dann in dieses Eck, dann wenn mir zehn von zehn Mal gesagt wird, du bist ein Opfer, dann nehme ich entweder an, okay, ich bin ein Opfer, ich arme oder ich arme her und dann verkörpere ich vielleicht diese Rolle, was komplett falsch ist. Weil, nochmal, wir sind ja weder Helden noch sind wir Opfer. Wir sind einfach entweder bewusst oder unbewusst zu der Entscheidung gekommen, ein Elternteil zu werden, beziehungsweise auch alleinerziehend zu sein. Und wir tragen eine Verantwortung und wir sollten alle für ein Thema eher einstehen, anstatt uns jetzt in ein Eck vom Ring zu bewegen, dass die Gesellschaft sich auch auf diese Situation besser einstellen muss, was es bedeutet, wenn wir Alleinerziehende als Teil der Gesellschaft haben, und das haben wir, dass die nicht irgendwie weggeschoben werden, sondern aktiver herangezogen werden. Weil ja, Elternteile, die alleinerziehend sind, haben eine größere Herausforderung als Familien, wo beide Elternteile in einem Haushalt mit den Kindern leben. Bernhard: [23:12] Aber warum ist man dann so gerne in der Opferrolle? Jubin: [23:19] Da kann man zig Bücher drüber auch lesen, Psychologiebücher. Die Opferrolle kann dazu führen, dass ich sehr viele Antworten plötzlich parat habe und dass ich die Schuld von mir weisen kann. Na, ich bin ja so arm. Wenn es anders wäre, wenn der Rahmen anders wäre, dann wäre es möglich. Aber da fühle ich mich dann irgendwann wohl. Wenn die Zeit vergeht, fühle ich mich wohl. Und ich habe mich in dieses Eck begeben und da möchte ich auch nicht raus, weil dieses Rauskommen kann dann auch mit Angst zu tun haben, weil da muss ich ja eine Veränderung zulassen, wenn ich aus dieser Opferrolle rauskommen möchte. Hat jetzt nicht nur mit Elternteil alleine zu tun, sondern allgemein gesprochen. Und ich glaube einfach, dass sehr viele, die in dieses Eck gedrängt werden, gar nicht entweder die Kraft haben, sich dem entgegenzusetzen oder vielleicht ein Stück weit auch Bequemlichkeit mit einhergeht, dass man sagt, na gut, jetzt bin ich halt ein Opfer und jetzt habe ich auch eine Begründung, warum das so ist, wie das ist und jetzt lebe ich mein Leben ein bisschen weiter. Bernhard: [24:07] Also sobald ich entschuldigen habe, und das sind halt einfach die anderen dann, ist es natürlich bequemer auch, oder? Jubin: [24:11] Ja klar, das erkennen wir ja aus den unterschiedlichsten Phasen des Lebens. Bernhard: [24:15] Gehört halt aber auch dann irgendwie ein Hebel im Kopf dazu, dass man sagt, okay, ich möchte aber dort nicht sein. Jubin: [24:19] Das ist dann wiederum mit der Persönlichkeitsstruktur einhergehend. Wofür stehe ich ein? Was sind meine Werte? Wo sehe ich mich selber? Und das Gute ist, wir können ja die Entscheidung aktiv für uns selbst treffen. Was möchte ich aus meinem Leben machen? Und dann daran arbeiten. Ich sage ja nicht, dass es immer aufgeht, aber ich kann ja daran arbeiten, dass mein Leben sich so gestaltet, wie ich es mir vorstelle. Bernhard: [24:36] Du hast gesprochen von der chaotischen Wohnung. Ja. Respektiere ich, kenne ich, ist hart. Wir sind erst gestern nach Hause gekommen, relativ spät, und dann hat meine Frau noch sauber gemacht, während ich die Wäsche gemacht habe. Also damit das halt… Also es ist viel zu tun. Weil ich meist denke, wir sind zu zweit. Jubin: [24:56] Ich muss das allein machen. Hart! Ja, es ist hart. Ja. Bernhard: [25:00] Was sind denn so Nachteile, die vielleicht viele von uns, die das Alleinerziehende System nicht kennen, womit bist du konfrontiert? Jubin: [25:08] Du, primär mal, wenn man jetzt auch nicht Pensionist ist oder als Jugendliche vielleicht in diese Rolle reinkommt, dann bist du erwerbstätig. Dann ist natürlich die größte Herausforderung die Arbeitswelt, weil die ist nicht darauf eingestellt, dass du jetzt einen anderen Rahmen benötigst, obwohl der Rahmen sich tatsächlich für dich ändert. Weil jetzt, wir sind in Wien, wir haben öffentliche Kindergärten, wir haben genug Kindergartenplätze, wir haben Ganztagesschulen, das ist bis 16, 17 Uhr können Kinder betreut werden. Das ist am Land gar nicht so möglich wie in der Stadt. Hat was Positives. Andererseits, ich habe es mir ausgerechnet, in Österreich haben wir 15 Ferienwochen. Bernhard: [25:42] Oh, ja, ja, ich verstehe das. So viele Ferien, Wochen. Jubin: [25:45] Urlaubswochen hat ein berufstätiger Mensch nicht. Nicht einmal das Zwei-Elternteil. Wenn du 5 und 5 zusammenlegst, hast du immer noch nicht 15 Tage. Also das geht sich nicht aus. Trotzdem ist das so und da wird gar nicht hingeschaut. Das heißt, jetzt kommt die Sommerzeit. Das ist das erste Mal im Sommer, wo ich alleine die Kinder habe. Das heißt, wir haben hier was, 19 Wochen Ferienzeit. Die musst du mal voll kriegen. Und du kannst jetzt nicht, also du kannst, wenn du dir das leisten kannst, kannst du ein Camp für 10 Wochen für die beide Kinder aussuchen. Das kostet schon mal ein paar Monatsgehälter. Also nein, das ist nicht drin. Sprich, du brauchst einfach entweder ein soziales Umfeld, das dich dabei unterstützt. Sind meine Eltern zum Glück, die ich habe? Ansonsten wüsste ich gar nicht, wie ich das so anders bewerkstelligen kann. Das andere Thema, was ich auch gar nicht hätte so mir vorstellen können, ist das soziale Umfeld, also abends wegzugehen. Afterworks beruflich suchst du dir aus. So, jetzt gehen wir auf ein Afterworks-Event, wo man Bier trinkt und Wein trinkt. Gibt es so gut wie gar nicht. Jetzt gibt es Events, die wichtig sind beruflich. Die gehen dann auch meistens sind sie woanders und nicht in Wien. Und dann sind es zwei Tage mit Rahmenprogramm, wo ich vielleicht auch noch einen Vortrag oder Workshop halte. Da muss ich wieder jemanden organisieren, wo die Kinder übernachten können. Also im Regelfall sind es dann meine Eltern. Aber auch wenn ich in Wien bin und nicht arbeite, Freunde treffen. Wenn die sagen, du, wir treffen uns jetzt spontan um 18.30 Uhr noch auf ein Bier. Ist schön für euch. Funktioniert halt nicht so einfach. Bernhard: [27:04] Und dann denke ich mir, ja. Und dann natürlich in weiterer Folge ist es halt auch schwierig, wahrscheinlich dann irgendwie vielleicht partnerschaftlich was Neues zu finden, oder? Jubin: [27:14] Also die ersten Monate ging es bei mir mal darum, dieses Setting ist ja neu, alleinerziehend dann auch für die Kinder, für uns alle neu. Das muss ich mal so neudeutsch eingrooven. Und Zeit ist ja eine Komponente, die chronisch mangelhaft ist. Die hat man nicht. Und das heißt, Partnerschaft ist auch natürlich eine Herausforderung. Das funktioniert, denke ich, nur dann, wenn du jemanden kennenlernst, der eine ähnliche Situation hat. Weil sonst ist das Verständnis nicht dafür da. Wenn ich jetzt sagen würde, ich habe eine Partnerin oder lerne jemanden kennen, Die hat keine Kinder, die möchte gerne, weil sie auch berufstätig ist, anspart, Urlaube machen, sage ich, nicht so einfach möglich. Also entweder ist es gerade die Schule, kann ich einfach wegfliegen oder hey, wenn, dann sind wir da, ich nehme zwei Kinder mit im Schlepptau. Also ja, es sind Herausforderungen und ich glaube, deshalb ist auch Patchwork ein riesiges Thema, wenn du dann in so einer Situation bist wie ich. Das braucht das Verständnis und das funktioniert eher, wenn jemand in einer ähnlichen Situation ist wie du. Bernhard: [28:13] Diese Situation sprichst du schon an, du als CEO, der auch Einfluss hat, eben auf solche Dinge wie vier Tage Woche, von denen du ja jetzt auch profitierst. Jubin: [28:22] Ja, das ist ja schön. Nein, absolut. Bernhard: [28:23] Also ist ja nicht so. Jubin: [28:25] War aber nicht der Grund, warum ich sie eingeführt habe. Bernhard: [28:27] Fällig klar, aber im Endeffekt profitierst du erst davon, was ja gut ist. Weil du siehst, dass das einen Sinn macht. Absolut. Ist ja fein. Aber das ist halt auch, also mein Vater hat immer gemeint, mit vollen Hosen ist leicht stinken. Ja klar. Also du hast auch die Entscheidungsgewalt. Jubin: [28:42] Ja, aber auch die Verantwortung. Also es hat ja alles zwei Seiten. Ja, ich kann über meinen Arbeitsalltag einfacher entscheiden, bin flexibler. Und gleichzeitig beschäftigt mich meine Arbeit trotzdem sieben Tage die Woche und nicht nur vier Tage die Woche. Heißt nicht, dass ich dann am Freitag acht Stunden sitze und arbeite, aber die Überlegungen sind da, es lässt jetzt nicht locker, weil es mein Unternehmen ist und meine Philosophie ist, die ich auch umsetze in meiner Arbeit mit meinen Kolleginnen. Sprich, du hast die Verantwortung, die du trägst und die musst du ja auch mal stemmen. Das ist alleine nur die Benefits, sondern es hat beide Teile, aber es ist vollkommen in Ordnung, mache ich so gerne, habe eine gewisse Flexibilität. Und ich finde auch, dass wenn wir wissensbasierter Arbeit heranziehen, und das ist das, wir betreiben Online-Produkte, eine Online-Plattform, ob ich das jetzt um neun in der Früh mache oder um 22 Uhr mache, gewisse Arbeitsabläufe, wo es jetzt nicht Kundenkontakt etc. Geben muss, dann ist es egal, ob es jetzt um neun, zehn in der Früh ist, 18 Uhr, 19 Uhr am Nachmittag ist. Ein Stück weit wegzukommen von diesem Arbeitszeitmodell 9 to 5, sondern lass auch die Leute so arbeiten, wie sie es sich für den Alltag einrichten können. Wäre viel effizienter. Mit den Abstrichen natürlich, es muss passend sein. Also wenn ich sage, du, ich habe Callcenter-Arbeit, ich muss erreichbar sein für die Kunden, die arbeiten um 22 Uhr nicht. Das heißt, da würde es nicht gehen. Aber es gibt andere Modelle, andere Bereiche, wo es der Arbeitszeit irrelevant ist, wann ich die Arbeit erledige. Bernhard: [30:04] Also das heißt, ich kenne es von mir natürlich auch, wenn ich die Morningshow bei Radio Wien moderiert habe, die kann ich halt am Abend nicht machen. Also das ist irgendwie, wenn es in der Natur der Sache liegt, dass es zu Öffnungszeiten passiert. Jubin: [30:15] Genau, dann ist es so. Bernhard: [30:16] Das ist ja logisch. Aber das heißt natürlich schon auch, dass es Menschen, die einen Gestaltungsspielraum haben, womöglich ein bisschen leichter haben als andere? Jubin: [30:25] Ich habe es definitiv einfacher als andere alleinerziehende Mütter oder Väter, weil ich einen Rahmen habe, den ich einfacher definieren kann. Nichtsdestotrotz, es ist eine enorme Herausforderung, weil ich habe davor anders gearbeitet. Auch da muss der Switch sich umlegen. Ich bringe die Kinder in der Früh in die Schule. Ich fahre in die Arbeit, ich hole die Kinder ab, so gegen 15, 30, 16 Uhr spätestens, dann geht es mal zum Einkaufen. Also ich bin nicht der, der am Samstag für die Woche einkauft, sondern ich bin der bedarfsorientierte, ich gehe dann jeden Tag einkaufen. Hat nicht unbedingt Vorteile, weil es wird teuer. Bernhard: [30:57] Ich liebe es einkaufen. Jubin: [30:58] Irgend so idiotisch. Schön formuliert. Und dann gehen wir einkaufen, dann nach Hause kommen, kochen, aufräumen, Hausaufgaben und dann schaust du auf die Uhr und es ist schon 20 Uhr. Und dann heißt es, Kinder fertig machen, ab ins Bett und dann ist es 21 Uhr und das ist der Moment, nicht der schönste, aber der, der sehr beruhigend für mich persönlich ist. 21 Uhr, die Kinder schlafen, es ist ruhig draußen, die Lichter sind aus, die Sonne ist schon untergegangen. Es ist dunkel. Bei mir setzt dann die Entspannung ein, weil das ist ja auch wesentlich. Wenn ich nur auf 180 wäre, permanent am Anschlag, dann brenne ich aus. Das funktioniert ja auch nicht. Also muss irgendwoher dann auch die Energie, die Kraft kommen. Und das ist so ein Moment nach 21 Uhr, wo die Ruhe einkehrt, wo ich einfach mal durchatme, mir einen Tee mache, im Regelfall noch, mir auf der Couch sitze, meinen Tee trinke und auch einen Tag Revue passieren lasse. Und dann passiert es nicht selten, dass ich noch arbeite. Bernhard: [31:53] Ah, okay. Jubin: [31:53] Ja, dann arbeite ich noch vielleicht eine Stunde oder zwei am Abend. Das passt dann auch, aber ich nehme mir die Zeit um 21 Uhr, dass ich einfach mal zur Ruhe komme, weil das brauche ich. Bernhard: [32:01] Verstehe ich. Das heißt, deine Energie holst du dir aus solchen Momenten und woher noch? Weil du brauchst eine immense Energie für das, was du da leistest. Jubin: [32:08] Klingt blöd, aber die Kinder geben mir die Energie ja auch. Wenn ich jetzt das Wochenende heranziehe, wir waren gestern im Helenental wandern, davor in Gablitz, den Kindern zuzuschauen, wie sie am Baum raufkraxeln wollen oder über dem Teich herum planschen, ist einfach schön. Das sind genau die Momente, die ich mir vorgestellt habe, als ich jünger war, wo ich gedacht habe, wenn ich eine Familie habe, Kinder habe. Ich habe persische Eltern, die waren jetzt keine großen Wanderer. Jetzt leben wir aber in Österreich, Land der Wanderer. Das heißt, ich kann das jetzt machen mit meinen Kindern und es hat was Wunderschönes und das gibt mir Kraft. Also die Natur in dem Fall gibt natürlich Kraft, aber auch zuzuschauen, dass die Kinder, meine Kinder, diese Neugierde, die ich selber hatte ein Leben lang und immer noch habe, die aufrechtzuhalten. Und es ist dieses Lodern des Feuers in den Augen, wenn sie etwas entdecken und etwas machen können. Das ist das, was Energie gibt. Und sportliche Aktivitäten. Also ich mache zwei bis drei Mal die Woche Sport. Brauche ich einfach für den Ausgleich auch. Das ist das, was mir Kraft gibt. Und am Ende des Tages tatsächlich auch, weil ich angesprochen habe, das soziale Umfeld. Ich habe einen tollen Freundeskreis, weil sie haben sich auf meine Lebensumstände eingestellt. Sprich, ja, die treffen sich trotzdem um 18, 19 Uhr. Das heißt, die hören nicht auf damit. Aber sie wissen, dass mein Alltag anders aussieht. Und oftmals treffen wir uns zum Frühstück, Brunch, Mittagessen, auch in kleineren Runden oder One-on-One, weil sie wissen, das ist einfacher für ihn, also stellen wir uns auch darauf ein. Bernhard: [33:28] Ja, Respekt vor deinem Freundeskreis. Das macht nicht jeder. Jubin: [33:31] Ist nicht selbstverständlich. Nein, absolut. Bernhard: [33:35] Worauf verzichtest du dafür, dass du der Papa sein kannst, der du sein willst? Jubin: [33:43] Auf die gewissen Freiheiten, die ich davor hatte. Was bedeutet das? Das bedeutet mal an einem Wochenende mit Freunden wegzufahren, wegzufliegen oder tatsächlich abends mehr zu unternehmen. Jetzt, wo es schön warm ist und wir draußen sitzen können bis Mitternacht. Das ist etwas, das ich nicht machen kann. Zumindest jetzt sind die Kinder kleiner, weil es spricht ja nichts dagegen, Kinder mitzunehmen. Also ich verstehe auch nicht, Menschen sagen, da hört mein Leben auf. Nein, man kann Kinder und sollte Kinder auch integrieren in diesen Alltag als Erwachsener. Aber natürlich kannst du jetzt nicht am Donnerstagabend um 23 Uhr im Scharnigarten mit den Kindern noch sitzen. Das sollte man nicht unbedingt machen. Das sind Dinge, auf die ich verzichte, auch bewusst verzichte. Habe ich ein Leben lang gemacht und es kommt dir wieder. Ich glaube, das ist das Wesentliche. Das Leben hört dir nicht auf. Es ist ja auch kein Pausenknopf, den du drückst tatsächlich, sondern es gestaltet sich ein Stück weit anders. Aber es ist temporär. Die Kinder werden, und ich beobachte es ja, neun und fünf, die werden so schnell groß. Dass sie bald wahrscheinlich, bald sind sie pubertierend und kommen in eine andere Phase des Lebens, 14, 15, da wollen sie auch gar nicht so oft mit Papa und Mama vielleicht mitgehen. Und dann sendet man sich an die Zeit zurück, wie schön war es, wir gemeinsam was gemacht haben. Und da hat man diese Zeit für sich wieder. Bernhard: [34:57] Ja, das ist gut. Und das passiert auch nicht so, sondern das wird immer sukzessive dann wieder mehr. Also ich merke das zum Beispiel jetzt, die Große ist eben 11, ich habe dann noch einen Friseurtermin, was notwendig ist. Und die Große kommt von der Schule einfach dorthin. Jubin: [35:10] Ja, praktisch. Bernhard: [35:11] Das ist super, weil ich muss sie dort nicht abholen, weil die einfach groß genug ist, um dort hinzukommen. Das sind so Kleinigkeiten, die dir deinen Alltag um einiges leichter machen. Jubin: [35:18] Ja, absolut. Bernhard: [35:18] Und das hilft wahnsinnig, das ist wirklich wichtig. Jetzt bin ich auf dich gestoßen, connected von einer guten Freundin von mir, die mich quasi hier hingewiesen hat auf deine Postings, die du auf LinkedIn gemacht hast, wo es eben darum gegangen ist, dass du dich als alleinerziehender Papa, weder als Opfer noch als Hero positionieren möchtest. Und dieses Posting hat ja Wellen geschlagen, die zu einem Film geführt haben. Jubin: [35:40] Also, ja, das erste Posting ist schon ein Stück weit her, wo ich das Thema ein Stück weit nach außen getragen habe, wo ich wirklich auf LinkedIn kommuniziert habe, das Thema Alleinerziehung, aber nicht um, hey, ich bin jetzt Alleinerziehung, hurra, oder ah, ich orme, sondern das Thema in Relation gestellt habe zur Arbeitswelt auch. Und daraufhin wurde ich von einer Produktionsfirma kontaktiert, ein Kurzfilm, der jetzt am 13. Mai in Mainz am Filmfestival veröffentlicht wird, wo es um die Rolle von Elternteilen geht, die alleinerziehend sind. Und diese Produktionsfirma hat sich enorm schwer getan, männliche Protagonisten zu finden, die alleinerziehend sind. Und da haben sie angefragt, klar, das Thema ist relevant, das muss nach außen getragen werden, das ist ja geschlechterneutral, meines Erachtens, sollte ja nicht daran festgemacht werden oder reduziert werden. Und ein Stück weit habe ich das auch jetzt auf meine Agenda gesetzt, dass ich darauf hinweise, was es bedeutet, alleinerziehend zu sein, welche Herausforderungen es mit sich bringt, welche Möglichkeiten und Chancen es mit sich bringt. LinkedIn ist ja genau als Netzwerk dafür gedacht und an die Urlaubsfotos, die immer mehr auf LinkedIn auch gepostet werden, sondern Netzwerk. So haben wir auch zueinander gefunden und genau das ist auch meine Intention mit den Posts auf LinkedIn, damit ich aufmerksam mache und dadurch auch vielleicht mehr Resonanz bekomme auf das Thema und für das Thema. Bernhard: [36:54] Also ein Netzwerk aus unterschiedlichen Gruppen, die gemeinsam eine Sache vielleicht besser machen wollen. Das kommt ja fast schon nach Aktivismus oder Politik oder wie man das nennen will, lassen wir das mal weg. Aber, und das ist ja genau ein Thema, das du jetzt angesprochen hast, es ist geschlechtsneutral, da würden dir nicht alle zustimmen wahrscheinlich. Weil wahrscheinlich viele sagen, naja, allein hat sich in die Mama, das ist ja schon schwerer. Jubin: [37:13] Ja, das ist das, was mich am meisten überrascht hat. Also ja, man geht raus damit und du bist ja trotzdem in deiner Bubble, auch auf LinkedIn. Das heißt, man muss sich im Dorf lassen, wo bin ich unterwegs? Die Bubble ist mal deine, die kann größer werden und unterschiedliche Meinungen mit sich bringen. Aber klar, es ist mal viel Resonanz, viel Zuspruch gekommen, aber gar nicht in Richtung von Feiern, sondern wow, schön, dass du mit dem Thema rausgehst und dass du das auch verkörperst und darstellst, das ist wichtig. Aber, und das war die Überraschung, sehr viele, die entweder öffentlich das auch kommentiert haben oder auch Direktnachrichten mir privat geschickt haben, das ist ja, als Mann ist es ja einfacher mit dem Thema Und du wirst gleich gefeiert und du kriegst gleich einen Film und dich lädt mal ein. Bin jetzt gespannt, was mit dem Podcast passiert. Hey, jetzt ist er auch noch im Podcast. Das ist ja bei uns Frauen nicht so. Wo ich mir denke, spannend, weil jetzt haben wir beide dieselbe Herausforderung. Anstatt dass wir uns zusammentun und für ein Thema einstehen, weil damit bin ich rausgegangen, Jubin: [38:08] Machen wir, reduzieren wir das auf unsere Geschlechter jetzt wieder runter. Und das verstehe ich nicht, weil das ist ja die falsche Energie, die man auch einsetzt dafür. Wir sollten ja jetzt nicht darüber reden, bin ich besser, weil ich ein Mann bin, bist du besser, weil du eine Frau bist, sondern unsere Situation ist eine ähnliche, mit unterschiedlichen Nuancen und Herausforderungen. Und lass uns gemeinsam für diese Sache eintreten, weil ja, du für dich und ich für mich habe definiert, die Gesellschaft, die sieht das noch nicht so. Alleinerziehende, wir sind unsichtbar. Und da gibt es Herausforderungen und da kann man doch gemeinsam mehr bewirken, als jeder alleine für sich. Und dass wir dann in den Diskurs gehen, na, du wirst jetzt gefeiert, weil du ein Mann bist und du kriegst gleich eine Filmrolle. Wo ich sage, Filmrolle, das ist eine Dokumentation. Und das sind zu 99 Prozent weibliche Protagonisten und die haben keinen Mann gefunden. Ich habe mitgemacht. Also wenn man dann argumentiert, dann stößt man auch auf Verständnis. Aber ich finde es halt schade, dass wir nicht die Energie woanders hin kanalisieren für die Sache, sondern plötzlich wieder beim Geschlechterthema sind. Bernhard: [38:58] Also im schlimmsten Fall wäre das Thema wichtig genug, um gemeinsam zu jammern. Jubin: [39:01] Man kann gemeinsam jammern, ist ja auch nichts Schlechtes. Man kann, man soll ja auch gemeinsam jammern, ist ja auch okay. Und natürlich sind mehrheitlich die Frauen alleinerziehend in Österreich und wahrscheinlich nicht nur in Österreich, sondern in den meisten Ländern der Welt, wo das das Thema ist. Ich heiße es ja nicht gut oder schlecht. Ich möchte das Thema ja gar nicht jetzt aufs Tablett setzen, sondern alleinerziehende Elternteile, unabhängig vom Geschlecht, haben Herausforderungen. Und wenn man das bewerkstelligt, dann haben sowohl die weiblichen Vertreterinnen als auch die männlichen Vertreter etwas davon. Und das ist das, wofür ich einstehe, weil ich habe zwei Töchter. Das heißt, ich kenne die Herausforderungen, die die Frauen in unserer Gesellschaft haben. Und ich sehe diese auch mit großen Schritten auf mich zukommen, weil ich zwei Mädels habe. Und ich möchte, dass deren Leben ein Stück weit besser ist als die Generation der weiblichen Vertreter davor. Das heißt, ja, das Thema ist wichtig und es soll adressiert werden. Aber in gewissen Themen sollten wir uns auf das Thema fokussieren und nicht rein auf das Geschlecht. Bernhard: [39:53] Klare Message eigentlich. Danke dir vielmals. Wir kommen schon langsam zum Schluss. Ich könnte auch Stunden mit dir weiterreden, aber dann sprengt das meinen Podcast Dauerrahmen. Aber eine schöne Überleitung zu dem Thema, was du dir selbst, das ist auch eine Sache, die du auf Watcher Du machst, hast du mir erzählt. Also quasi, was würdest du deinem 14-jährigen Ich raten? Bei mir geht es weniger um das Alter, sondern mehr um die Funktion, die davor noch nicht da war und jetzt dann da ist. Was würdest du denn mit dem Wissen von heute, dem Jubin raten, der noch nicht Papa ist. Jubin: [40:25] Habe ich mal auf der Herfahrt überlegt, was wäre das, weil das sind ja verschiedene Dinge immer sein. Und ich bin immer wieder hängen geblieben bei einem Punkt. Häuslbraun. Haus bauen. Warum? Erstens sehe ich mit Kindern, wie gut es ihnen tut, wenn sie draußen sind, im Freien sind. Mit einem Garten wäre das einfacher möglich. Ich habe eine Wohnung. Da muss man aktiv immer rausgehen. Ein Garten würde andere Möglichkeiten Kindern bringen. Zweitens, Kredite damals waren billiger als heute. Wäre ja möglich gewesen. Das hätte man vor 10, 15 Jahren einfacher bewerkstelligen können. Und der wesentliche Grund ist, ich wollte schon immer einen Hund, als ich ein Kind war. Meine Eltern haben immer gesagt, du, Hund in der Wohnung, nein. Jetzt sage ich das zu meinen Kindern. Meine Töchter wollen unbedingt einen Hund haben. Und ich wollte ihm einen Hund haben. Also wir erst naheliegend, dass wir uns einen Hund besorgen. Jetzt ist das, was meine Eltern gesagt haben, hat sich so bei mir eingebrannt, dass ich sage, du, in der Wohnung nicht. Jetzt mag es eine plumpe Ausrede sein, weil es haben sehr viele Menschen, Bernhard: [41:18] Hunde in der Wohnung. Jubin: [41:19] Aber jetzt kommt die Situation dazu. Wir sind alle nicht da und alleine ist es noch herausfordernder. Aber mit einem Garten wäre das einfacher zu bewerkstelligen. Und das wäre das, was ich mir mitgeben würde und anders machen würde. Definitiv in ein Haus investieren mit Garten, weil davon hätten wir alle etwas. Bernhard: [41:35] Das ist, glaube ich, der praktischste Tipp, den ich jemals bekommen habe in 122 Folgen, aber gefällt mir ausgesprochen gut, finde ich super. Und eine Frage noch, unsere Playlist vervollständigt, die Playlist des Grauens, die Songs, die deine Mädels, die ihr vermisst haben, die vielleicht eigentlich gut sind, aber du hast sie einfach zu oft gehört. Was ist der eine, den wir da drauf geben? Jubin: [41:53] Der eine, der aktuellste Song ist tatsächlich Golden von Hanfrax. Ist ein cooles Lied. Bernhard: [41:59] Ist auch ein guter Film. Hast du gesehen? Jubin: [42:01] Ja, habe ich auch gesehen, also öfters. Aber wenn man den dann wirklich Tag ein, Tag aus mehrmals in der Stunde hört, dann irgendwann kann man nicht mehr. Bernhard: [42:10] Verstehe ich. Super. Tun wir den drauf und irgendwann ist es die kaoslichste Playlist. Ich wünsche dir alles Gute. Ich wünsche dir bei dem Festival, kann man da was gewinnen? Jubin: [42:18] Bei dem Festival? Bernhard: [42:18] Beim Filmfestival? Nicht, dass ich höre es. Okay, gut. Danke vielmals, vor allem auch für die spontane Möglichkeit. Jubin: [42:27] Danke dir für die Einladung. Bernhard: [42:28] Bekannterweise deinen beiden Mädels liebe Grüße. Leid ich aus. Und ja, bleib ein cooler Papa. Jubin: [42:33] Danke dir vielmals. Bernhard: [42:33] Danke.
Bernhard Vosicky – Podcast Host Papa Mia!?

Bernhard Vosicky

Host

Bitte gib den gewünschten Suchbegriff ein.
Instagram:
Social Media: