Väter aller Länder, vereinigt euch! – Warum Mütter der größte Teil eines Väter-Netzwerks sind

Episode 129

Ein Väter-Netzwerk klingt nach einem Ort, wo Männer unter sich bleiben. In der Praxis war das Gegenteil der Fall, denn Christoph Reiser hat bei Boehringer Ingelheim fünfeinhalb Jahre lang genau so ein Netzwerk geleitet, und der größte Teil der Mitglieder waren Mütter.

Der Satz, der die ganze Folge erklärt:

„Also große Teile des Väter-Netzwerks waren Mütter.“

Deshalb geht es in dieser Folge weniger um Christoph selbst als um die Frage, wie ein Väter-Netzwerk eigentlich funktioniert. Wir reden darüber, warum ausgerechnet die schärfsten Kritikerinnen am Ende selbst Teil des Netzwerks wurden, welche drei Säulen Christoph aufgebaut hat und warum eine Frau in Karenz für uns selbstverständlich ist, während ein Mann dafür oft noch als arbeitsunwillig gilt.

Am Ende steht eine einfache Erkenntnis: ein Väter-Netzwerk ist ein Werkzeug für die ganze Familie, weil es auch Müttern hilft. Diese Folge ist für dich, wenn du in einem Unternehmen arbeitest, das groß genug für sowas wäre, aber noch keins hat.

Diese Folge ist Teil unserer Reihe über Väterkarenz, Care-Arbeit und moderne Vaterschaft in Unternehmen.

Kapitel

  • (00:00) – Intro
  • (05:20) – Klassische Rollenverteilung im Elternhaus, und warum Christoph das anders machen wollte
  • (07:08) – „Ist das ein Netzwerk für Käse?“ – Die ersten Reaktionen auf die Gründung
  • (14:24) – Erst dagegen, dann mittendrin: warum die größten Kritikerinnen am Ende Teil des Netzwerks wurden
  • (27:30) – Warum eine Frau in Karenz selbstverständlich ist und ein Mann nicht
  • (40:03) – „Millionenfach besserer Vater“ – was fünfeinhalb Jahre Väternetzwerk gebracht haben

Das nimmst du mit

  • Du verstehst, warum ausgerechnet Mütter den größten Teil eines Väter-Netzwerks ausmachen.
  • Du bekommst ein konkretes Argument, warum drei Monate Karenz für den zweiten Elternteil mehr bringen als zwei.
  • Du weißt, was hinter dem sogenannten Mutterinstinkt wirklich steckt, und warum das Argument gegen dich als Vater nicht mehr zieht.
  • Du nimmst eine einzige Grundhaltung mit, die Christoph jedem werdenden Vater gibt, bevor der überhaupt Fehler machen kann.

Christoph Reiser

Christoph ist 42, Vater von zwei Töchtern und hat 2020 bei Boehringer Ingelheim ein unternehmensinternes Väternetzwerk gegründet und fünfeinhalb Jahre lang geleitet. Seit April 2026 arbeitet er hauptberuflich als Spieleautor und Väterinfluencer, unter anderem mit dem Kindermemo MEMOETT und Lucky Kitty. Mehr von ihm unter christophreiser.com.

Papa Mia!?

Papa Mia!? ist der Podcast von Papas für Papas. Bernhard Vosicky spricht mit Vätern über Vaterschaft, Familie und alles, was dazwischen liegt.

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Transkript:

Bernhard: [0:00] Ich bin ein großer Gegner von Zusammenschlüssen, die aufgrund ihres Geschlechts passieren. Also ich mag keine Burschenschaften, ich mag keine Studentenverbindungen. Ich finde auch, dass Veranstaltungen reiner Frauennetzwerke fragwürdig sind und ich sehe den Mehrwert nicht im Vergleich zu Studentenverbindungen, die rein männlich sind. Ich finde das einfach schlecht, jemanden aufgrund seines Geschlechts auszuschließen. Jetzt machst du ein Väternetzwerk. Christoph: [0:26] Also großer Teil des Väternetzwerks waren Mütter. Das war auch immer wieder die Überlegung und Diskussion, dass wir es zu einem Elternnetzwerk machen. Warum haben wir uns dagegen entschieden? Wenn wir es Elternnetzwerk nennen würden, würden sich Väter nicht mehr angesprochen fühlen. Bernhard: [1:46] Eine neue Folge Papa Mia. Willkommen auf meiner Couch. Das darf ich heute zu Christoph Reiser sagen. Christoph: [1:52] Christoph, du bist, Bernhard: [1:54] Du hast voll selber nachdenken müssen, 42 Jahre alt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme. Du bist Papa von zwei Töchtern, sechs und acht. Du bist Ehemann und warum du hier auf der Couch sitzt, ist leider nicht deine Profession als Spieleentwickler, die ich so unglaublich spannend finde und zu der ich so viele Fragen hätte. Vielleicht kommen wir noch einmal dazu, eine eigene Folge zum Thema zu machen. Sondern der Grund, warum du bei mir bist, ist, wir sind beide ein bisschen in derselben Bubble unterwegs. In dieser Vereinbarkeits-Papa-Familie-Bubble. Und du hast eine tolle Geschichte mittlerweile schon hinter dir. Du hast ein eigenes Väter-Netzwerk gegründet gehabt. Das gibt es noch, oder? Christoph: [2:34] Ja, das Väter-Netzwerk gibt es noch. Ist im Endeffekt bei Börwinger Ingelheim. Und ich habe das ja dann nicht alleine geführt. Also ich war zwar der Chair des Väternetzwerks, aber ich habe halt dann auch geschaut, dass ich ein Team von anderen engagierten Vätern rund um mich versammle, die das dann eben auch weiterführen können. Bernhard: [2:56] Genau, das heißt, das machst du nicht mehr. Du bist jetzt im Bereich Public Speaking als Speaker aktiv in diesen Themen, in denen du drinnen bist und du bist eben Spieleentwickler. Spannenderweise eine Sache, ein Seitenhieb oder ein Seitenschwenk zum Thema Spieleentwicklung, du hast zwei Spiele entwickelt aufgrund, Deiner Family, oder wie? Christoph: [3:18] Ja, tatsächlich. Wir reden von Gesellschaftsspielen. Gesellschaftsspiele, ja. Also es ist jetzt im Frühjahr Memoet rausgekommen. Wie heißt es nochmal? Memoet. Memoet, ja. Das habe ich tatsächlich in dem Fall entwickelt, weil ich meinen Kindern beim Spielen zugeschaut habe und dadurch einfach eine Inspiration bekommen habe und das Spiel eigentlich sofort gepasst hat. Und ein anderes Spiel war ähnlich. Die Kinder haben mit Material rumgebastelt, haben in Schnüre Knoten hineingemacht und dann über einige Zwischenschritte hat sich dann noch Lucky Kitty entwickelt, was jetzt dann im Herbst rauskommen wird. Bernhard: [3:57] Okay, also das heißt, wenn diese Folge im voraussichtlich späten September oder früh im Oktober so in der Richtung dann zu sehen und zu hören sein wird, dann ist es nicht mehr lang hin, bis das Spiel rauskommt, oder wie? Ja, genau. Ja, Wahnsinn eigentlich, oder? Was für einen guten Zeitpunkt haben wir erwähnt. Wie gut ist das? Okay, aber leider bist du eben nicht aufgrund deiner Tätigkeit als Spiele, als Gesellschaftsspielentwickler bei mir, sondern weil ich es immer wahnsinnig spannend finde, wenn Menschen aus ihrer, Challenge, aus ihrer Herausforderung, aus dem, was sie beschäftigt, dann auch etwas machen, das für andere verwendbar ist. Stichwort Väternetzwerk. Ich habe diesen Podcast damals, kurz vor der Geburt meiner zweiten Tochter, gestartet mit dem Peter Polevkovic von Radio Wien, weil mich das Thema Vaterschaft so beschäftigt hat und meine Möglichkeit, nach außen zu gehen mit einer Thematik ist, halt als Radiomoderator und Moderator, der ich bin, reden. Also warum nicht einen Podcast machen? Du hast das Mittel eines Väternetzwerks gewählt. Was das genau ist, was da passiert ist und warum das passiert ist, auf das kommen wir gleich. Ich möchte zuerst noch dahin kommen, weil das ja immer auch etwas ist, was Menschen prägt. Wie du aufgewachsen bist, was du mitbekommen hast als Sohn, der du bist. Bist du Einzelkind? Hast du Geschwister? Christoph: [5:20] Nein, ich habe zwei Geschwister. Ich bin der Jüngste in der Familie. Christoph: [5:27] Meine Familie ist relativ klassisch für diese Zeit aufgewachsen. Mein Vater war der Hauptverdiener, meine Mutter war Ausfrau und hat meinen Vater dabei unterstützt, wo es gegangen ist. Christoph: [5:42] Ich glaube tatsächlich, dass das aber auch bis zu einem gewissen Grad ein Mitgrund war, warum ich dann auch das Väternetze gegründet habe, weil ich hatte das Gefühl, ich möchte das auch anders machen. Ich möchte quasi diese drei Big Players, eben den Financial Load, den Mental Load, den Care Work, dass man das halt einfach irgendwie gemeinschaftlich teilt. Damit man da auch als Vater eine aktive Rolle in der Familie übernimmt und eben nicht nur das Geld nach Hause bringt. Und ja, also das ist sicher einer der Main Drives gewesen, warum ich mich da dann auch dazu überreden ablassen. Weil die Idee ist ja tatsächlich nicht ganz allein von mir gekommen. Erzähl. Ja, ich bin im Betriebsrat gewesen und da hat mich dann eine Kollegin darauf angesprochen, dass es eben bei Böhring Ingeheim in Deutschland bereits ein Väter-Netzwerk gibt und ob ich da quasi in Wien nicht auch eins gründen möchte. Und also meine Antwort war ja. Ich habe sofort ja gesagt, ich habe gar nicht lange überlegt. Tatsächlich total spannend. Im weiteren Verlauf habe ich mir dann überlegt, was ist denn eigentlich Beta-Netzwerk überhaupt? Bernhard: [6:58] Und genau die Frage hätte ich jetzt schon auf der Zunge gehabt, weil ich mir gedacht habe, okay, ja, klingt geil, Netzwerk, super, was tut ihr? Die sitzen zusammen und Windel-Expertise austauschen, oder? Christoph: [7:08] Ja, es ist, Väter-Netzwerk kann so vieles sein und es ist auch, gerade wie ich es am Anfang gesagt habe, die unterhaltsamsten Dinge genannt worden. Unter anderem hat mich dann jemand gefragt, warum ich denn ein Väter-Netzwerk gründe, also ein Netzwerk für Käse. Bernhard: [7:27] Und weißt du, wie viele Menschen sagen, wenn ich sage, ich gebe einen Väter-Podcast, deswegen sage ich immer Papa-Podcast, weil die glauben immer, ich rede über griechischen Schafskäse. Christoph: [7:33] Eine sehr weise Entscheidung. Aber von der Mütterseite her waren sehr kritische Stimmen. Die waren so, ja, also super, also noch ein Kind zu Hause brauche ich nicht. Oder jetzt wollt ihr euch auch noch in dem Thema ins Rampenlicht stellen. Also sehr kritische Stimmen, weil... Es hat eigentlich niemand genau gewusst, auf was ich anziehe. Bernhard: [7:56] Ganz kurz, das habe ich jetzt nicht verstanden. Also die kritischen Stimmen mit, ich möchte nicht noch ein Kind zu Hause haben, das verstehe ich nicht. Christoph: [8:03] Die Aussage war die, dass Väter zu Hause nicht mehr leisten können, als zur Last zu fallen. Und dass, wenn man sich jetzt dafür einsetzt, dass Väter mehr Teilhabe in der Familie haben, dass sie per se einfach nur mehr Belastung für die Mutter bedeuten. Bernhard: [8:22] Auch geil. Christoph: [8:22] Und das waren die ersten Stimmen dabei und aber tatsächlich im Laufe der Jahre die größten Kritikerinnen, die da waren, die waren dann Teil des Väter-Netzwerks. Also die haben tatsächlich dann auch bei den ganzen Vorträgen mitgehört und waren dabei in dieser Bubble, was ich sehr schön finde, weil ich offensichtlich in der Lage war, da die Meinung zu einem Väter-Netzwerk zu ändern. Ist vielleicht auch Väter-Netzwerk, kann man sehr unterschiedlich aufbauen, denke ich mir. Meine Herangehensweise war, dass wir einen lösungsfokussierten Weg nehmen, weil ich glaube, jeder, der Elternschaft lebt, jeder, der Vater und Mutter ist, weiß, vor wie vielen Herausforderungen wir stehen. Und es gibt da immer zwei Möglichkeiten. Man kann, Bleibt in diesem Problem und bleibt auf dieser Insel der Probleme oder man steigt ins Boot und fährt eben zur Insel der Lösungen. Und so habe ich halt versucht, dieses VETA-Netzwerk auch aufzubauen, indem ich persönliche Erfahrungen geteilt habe, indem ich Informationen gesammelt habe, indem ich regelmäßige Meetings gemacht habe, Christoph: [9:43] Indem ich dann eben auch kostengestützt über die Firma dann Vorträge in die Firma getragen habe, um eben quasi diese niederschwellige Weiterbildung an Erziehungsberechtigte zu bringen. Weil eines der größten Probleme unserer Gesellschaft ist, glaube ich, dass man davon ausgeht, Eltern haben das im Blut. Und aber mit diesem Grundgedanken, dass wir das im Blut haben, entstehen so unbeschreibliche Hürden, dahingehend Fehler einzugestehen, nachzufragen, sich weiterzubilden. Dabei ist es so klassisch eigentlich, oder es sollte so selbstverständlich sein, dass auch Elternschaft einfach etwas ist, was man nicht lernen kann. Und es gibt so wunderbare, unterschiedliche Menschen, die diese Themen so grandios behandeln. Und ein Teil davon, eben wie gesagt, ich habe auch gesagt, ich versuche eben so wissensbasierter Vita-Influencer zu sein, ich versuche diese unterschiedlichen Personen zu kanalisieren und dann eben auch ein bisschen nochmal gefilterte Informationen oder zu den aktuellen Themen diese Informationen nochmal herauszubringen. Bernhard: [11:00] Jetzt bist du in deiner Antwort ein bisschen abgedriftet, weil das macht dir hoffentlich nichts. Ich hätte schon was gesagt, aber ich hätte gern zu. Ein Väter-Netzwerk, so wie du es dann quasi gemacht hast, in Wien, bei Börner Ingeheim. Was habt ihr gemacht? Vorträge? Christoph: [11:20] Genau, also eigentlich primär gestützt auf drei Säulen habe ich es aufgebaut. Und zwar meine erste Säule ist einfach gewesen, ein starker Vater ist auch ein starker Mitarbeiter. Klingt simple, klingt logisch, ist es aber nicht. Vater, also die Rolle der Mutterschaft ist weithin gehend und angefochten und ist quasi so, okay, passt, du bist Mutter, ja, viel Spaß, aber der Vater ist so, ja, schön, passt, gut, hast ja eh deine Mutter, äh, deine Frau, die sich darum kümmert. Und diese, Perspektive zu ändern, Christoph: [12:05] Was man eben alles lernen kann, was dann eben auch dem Unternehmen am Ende des Tages etwas bringt. Das ist eben so die erste Säule, die eben starker Vater, starker Mitarbeiter ist im Endeffekt auch über Studien belegt, dass Unternehmen, die eben in Vereinbarkeit investieren, dass da die Bindung gestärkt wird, Krankenstände sinken, die Fluktuation sinkt. Das habe ich eh gerade beim ersten gesagt, Bindung. Es gibt einfach einige Bereiche, die tatsächlich sehr stark positiv für die Unternehmen beeinflusst werden. Das heißt, so ein Väternetzwerk und sich engagieren für Väter und Mütter ist im Endeffekt kein Selbstzweck. Das ist sogar ein wirtschaftlicher Vorteil. Christoph: [12:51] Die zweite Säule, wie wir eben auch schon gesagt haben, die ganz, ganz groß für mich ist, ist diese niederschwellige Weiterbildung. Ich habe halt eben dafür gesorgt, dass wir über das Jahr verteilt eben auch externe Vortragende haben, die da die unterschiedlichsten Themen mit reingebracht haben, nicht nur über Kindererziehung, sondern eben auch über Paarthemen und auch über Mental Load. Und dieses niederschwellige Angebot, worum du dich nicht kümmern musst, das ist halt einfach unglaublich bereichernd und auch so leicht zu schauen. Wir haben auch geschaut, dass wir es eben dann speichern, also aufnehmen, damit man eben zum Beispiel, wenn man jetzt dann in die Arbeit pendelt, dass man sich das während man die Arbeit pendelt nochmal anschaut, wenn man gerade zu dem Zeitpunkt keine Chance gehabt hat. Und die dritte Säule, die im Endeffekt das Arumschließende ist, ist dann für mich eben Familie als Team aufbauen. Christoph: [14:00] Dass eben Väter und Mütter nicht alleine stehen oder vielleicht sogar noch sich als Kontrahenten darstellen, sondern einfach wirklich ein Vater und eine Mutter sollten einfach zusammenarbeiten, dass am Ende des Tages einfach sich jeder vertreten kann, wenn es mal so sein muss. Bernhard: [14:24] Da frage ich dich jetzt eine Sache, die ich ganz spannend finde, weil ich damit selber auch noch keine endgültige Antwort für mich gefunden habe und da schon länger drüber nachdenke. Ich bin ein großer Gegner, von Zusammenschlüssen, die aufgrund ihres Geschlechts passieren. Also ich mag keine Burschenschaften, ich mag keine Studentenverbindungen. Ich finde auch, dass Veranstaltungen reiner Frauennetzwerke fragwürdig sind und ich sehe den Mehrwert nicht im Vergleich zu Studentenverbindungen, die rein männlich sind. Ich finde das einfach schlecht, jemanden aufgrund seines Geschlechts auszuschließen. Jetzt machst du ein Feternetzwerk. Darf ich das jetzt schlecht finden? Ich habe keine Antwort für mich, weil ich mag das Ergebnis, aber der Weg nach Chine ist noch nicht ganz super. Christoph: [15:17] Vielen Dank, dass du die Frage stellst, weil also große Teile des Väter-Netzwerks waren Mütter. Mag jetzt vielleicht paradox klingen, aber es ist halt einfach das einzige Angebot gewesen, wo man sich eben als Elternteil mit diesen Themen beschäftigen kann. Es hat immer wieder einen Aufschrei gegeben, warum gibt es kein Mütternetzwerk? Da habe ich gesagt, du, kein Problem, ich unterstütze euch dabei bei der Gründung. Stille. Es muss halt jemand machen. Und am Ende des Tages, wir waren nicht exklusiv. Und es war auch immer wieder die Überlegung und Diskussion, dass wir es zu einem Elternnetzwerk machen. Warum haben wir uns dagegen entschieden? Es gibt einen einfachen Grund, warum? Wenn wir es Elternnetzwerk nennen würden, würden sich Väter nicht mehr angesprochen fühlen. Bernhard: [16:10] Tatsächlich? Christoph: [16:11] Das ist meine persönliche Meinung. Ich glaube aber, wenn dort Väternetzwerk steht, dann einerseits fühlen sich Väter auch wirklich angesprochen, haben auch das Gefühl, Fragen zu stellen, die nur sie betreffen. Bernhard: [16:27] Okay. Christoph: [16:28] Geht es um ein Elternnetzwerk, das war meine Befürchtung, dass wir einfach auch noch nicht so weit sind, dass ein Elternnetzwerk primär Mütter anziehen würde, Väter sich denken würden, okay, wenn ich da jetzt Fragen stelle, dann bin ich da am falschen Ort. Und wir haben es deswegen dann auch einfach bei einem Väternetzwerk belassen, es aber nicht exklusiv behandelt. Also es war jeder willkommen und jeder natürlich. Und das war aber dann die schlussendliche Entscheidung, es dabei zu belassen. Bernhard: [17:04] Also das heißt ein bisschen, wenn ich es reduziere auf, der Vater sagt, ah, okay, das ist jetzt endlich mal was für mich. Nämlich nur für mich. Auch wenn das nicht expressiv war. Aber es ist halt so, in vielerlei Hinsicht möchte man nicht mitgemeint sein. Das geht ja in beide Richtungen. Also von dem her, das System, das ich möchte nicht mitgemeint sein, ist ja... Überall vorhanden. Christoph: [17:33] Vielleicht ist es tatsächlich auch, wir sind einfach gesellschaftlich halt anders aufgebaut, nennen wir es mal so. Und dass eine Elternschaft primär eine Mutterschaft bedeutet. Und dementsprechend eventuell eben auch quasi dieses Anrecht, ich darf daran jetzt teilhaben oder ich darf mich da jetzt weiterbilden, vielleicht nicht gegeben ist. Ich habe jetzt auch vor kurzem gehört, was total spannend ist. Ich weiß leider nicht mehr genau, wo. Ich gehe davon aus, dass ich es auf YouTube eventuell in einem TED-Talk. Bernhard: [18:09] Gibt es ja kaum welche zum Glück. Aber die meisten sind sehen und hören wert. Also von dem her ist es okay, schaut euch einfach durch, TED-Talks. Du bist die nächsten 18 Wochen beschäftigt. Christoph: [18:18] Dann war es kein TED-Talk. Ups, waren trotzdem gute Dinge dabei. Aber es ist die Forschung, was Kinder betrifft und was Familie betrifft, ist, vor 20 Jahren hat die Väter 0,1 Prozent betragen. Aller Forschungsarbeiten über Elternschaft waren Väter nur mit 0,1 Prozent beteiligt. Wir haben jetzt eine unglaubliche Steigerung, aber wir liegen aktuell in etwa bei 10 Prozent der Studien, die Väter mit einbeziehen. Und das prägt unser Bild. Wie gesagt, dieser ultimative Klassiker, das Mutterinstinkt, der mittlerweile schon mehrfach widerlegt ist, den gibt es nicht. Es gibt einfach einen Betreuungsinstinkt. Jemand, der sich um jemanden kümmert, der entwickelt einen gewissen Instinkt für diese Person. Unter anderem über die Hormone Serotonin und natürlich dann eben auch über den Hypothalamus, die beide eben aktiviert werden. Und das ist einfach sehr spannend. Und deswegen, ich glaube, dass da manche Grifflichkeiten dann wie zum Beispiel ein Väter-Netzwerk, die vielleicht nicht so directional verständlich sind wie ein Eltern-Netzwerk, ähm, doch ihre Berechtigung haben, zumindest jetzt noch. Bernhard: [19:45] Finde ich super. Mir gefällt die Erklärung ausgesprochen gut. Und ich verstehe das auch. Und ich habe zum ersten Mal diesen Gedanken, ah, okay, da geht es halt einfach darum, ich habe das Gefühl, da wird jetzt was für mich gemacht. Und wenn ich mich als Gesellschaft darauf einige, dass ich, ich sage jetzt, wie nennt man das, die Stellenwert vom Vater in der Familie, im Sinn von, dass wir irgendwann einmal in weit, weit entfernten Zukunft voraussichtlich eine paritätische Elternschaft hinbekommen, dann muss ich halt auch was für die Eltern tun, für die Väter. Und das ist halt dann ein Bereich davon. Das ist gut. Also ich mag das Ergebnis, der legt dorthin, spannend, aber ich finde es cool. Finde ich extrem, extrem interessant. Und zwei Fragen sind mir während deiner Antwort in den Kopf geschossen und ich möchte jetzt auch stellen. Und zwar, du hast gesagt, du bist damals von einer Kollegin gefragt worden, möchtest du sowas machen? Und du hast sofort ja gesagt. Warum? Weil man könnte ja auch einfach sagen, sie interessiert mich das. Also gibt es sicher genügend, die sagen würden, das ist Papa-Thema, ich bin zwar Papa, aber ich meine, hey. Christoph: [20:50] Ich habe mir das überlegt und ich habe auch schon drüber nachgedacht. Ich kann mich leider nicht mehr genau erinnern, weil also damals, wo sie mich gefragt hat, das war nicht dann vor diesen fünfeinhalb Jahren, sondern das war ja dann schon vor sechseinhalb Jahren oder sogar noch länger hin, weil quasi bis zur Gründung hat ja noch einige Zeit streichen müssen, weil ich habe das quasi dann auch ins Unternehmen reintragen müssen. Ich habe quasi mich um Finanzierungen kümmern müssen. Ich habe mich in Kontakt mit den anderen setzen müssen. Ich habe mich quasi auch ein bisschen um die PR kümmern müssen, damit eben im Unternehmen die Leute dann tatsächlich aufmerksam werden auf dieses Netzwerk. Christoph: [21:22] Ich glaube grundsätzlich einfach war es die Leidenschaft dafür, dass ich ein Vater sein möchte, der eben wirklich für die Familie da ist und ich mir dann gedacht habe, auf was für Schwierigkeiten ich schon gestoßen bin, insofern, dass ich niemanden habe, der mich darüber reden kann, weil irgendwie es entweder noch keine anderen Väter gegeben hat oder halt die Väter untereinander nicht so viel miteinander reden. Und die Informationen vielleicht auch nicht so zugänglich sind, siehe vielleicht auch wieder diese 10% Studienlage bei Vätern, dass ich wollte für andere, das klingt jetzt vielleicht überheblich oder vielleicht auch nicht ganz korrekt, so ein Dillan Leuchtturm sein. So ein, hey okay, da stellt sich jemand hin. Da stellt sich jemand als Vater hin und der ist eben auch ein starker Mitarbeiter. Und das schaue ich mir mal an und dann höre ich mir mal an, was der zu sagen hat und oh wow, der sagt, ich kann auch in Elternteilzeit gehen? Das habe ich ja gar nicht gewusst. Christoph: [22:33] Die Dinge habe ich ja dann selber auch erlebt. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mit meiner Frau, ich habe mich hingesetzt zu meiner Frau und habe gesagt, du, ich tue mir total schwer, weil eigentlich ich möchte auch in Elternteilzeit gehen, aber ich möchte dir das nicht wegnehmen. Und dann hat sie gesagt, ja, aber wir können ja beide. Und ich so, was? Das geht? Also es ist so ein, ich wollte halt eben Dinge erleben und weitererzählen, dass andere nicht auch danach suchen müssen. Und vielleicht sich danach verstanden fühlen und eben dann die Probleme, die sie erleben, dieselben sind, die ich eben habe. Und ich war einfach sichtbar oder ich bin halt sichtbar gewesen Und ich habe halt versucht, ihnen meine Lösungsansätze vorzuschlagen, die natürlich nicht immer treffsicher sind, weil jeder sein eigenes Leben hat. Aber dann haben sie zumindest einen Role Model, an dem sie sich mal anlehnen können. Sie haben jemanden, wo sie hinschauen können, wie der seine Vaterschaft lebt. Und Christoph: [23:39] Das war mir irgendwo ein Anliegen. Und es waren auf jeden Fall ein paar, an die ich mich erinnere, die tatsächlich mit mir ihre Vaterschaft parallel erlebt haben nahezu, weil die Kinder fast zur selben Zeit auf die Welt gekommen sind. Oder halt zumindest von den Jahren her und die haben immer wieder dann auch gesagt so, boah, du, das ist das, was du da beschreibst, genau das erlebe ich jetzt auch gerade. Danke. Bernhard: [24:11] Was sind denn die Herausforderungen im Unternehmen für VETA, dass es sowas braucht? Christoph: [24:20] Grundsätzlich Weiß ich gar nicht jetzt. Lade mich mal kurz nachdenken. Also ich meine, eine Sache, die mir auf jeden Fall sofort in den Sinn kommt, ist, dass wenn man einfach sagt, man geht jetzt in Karenz oder man geht in Elternteilzeit, dass es dann heißt, okay, ja, keine Ahnung, ich muss mich mal erkundigen, wie das geht. Und wenn man dann sagt, ja, so wie bei meiner Kollegin, weil das ist identisch, also aha, okay, ja, muss ich trotzdem mal nachhören. Ich glaube, den Punkt haben wir vielleicht jetzt auch nicht mehr, weil eben auch dann da, dass einfach diese Sichtbarkeit geschaffen hat und an der Regelmäßigkeit gekommen ist. Wir haben ja tatsächlich dann auch Statistiken gehabt, wo wir sehen konnten, dass sowohl die Karenz als auch die Elternteilzeit gestiegen ist über die Jahre, wo es das Väternetzwerk gegeben hat. Kann unterschiedliche andere Faktoren mit einspielen, aber ich wünsche mir, dass das Väter-Netzwerk natürlich auch eine Rolle gespielt hat. Bernhard: [25:27] Also wenn ich das jetzt so versuche herauszukristallisieren, was du da sagst, es ist, die Tatsache, männlicher Mitarbeiter und Familie ist nicht zwingend so, dass es zusammen geht. In den Köpfen von vielen, Frau, weibliche Mitarbeiter, weibliche Mitarbeiterin natürlich und Familie ist immer. Das gehört zusammen. Christoph: [25:54] Das ist das, was ich eben am Anfang auch erwähnt habe. Also Mutterschaft wird nicht in Frage gestellt, Vaterschaft hat er sehr wohl. Und da muss ich eben ein Zitat von Sandra Runge, das eben finde ich total schön, dass man eben das Elternschaft eben keinen Makel oder Stigmatisierung darstellen darf, sondern vielmehr eine Bereicherung für das Unternehmen. Und ich hoffe, dass da das Väter-Netzwerk natürlich auch seinen Beitrag leisten konnte. Gleichzeitig, also es gab nie Widerstand gegen Karenz oder Elternteilzeit. Also das muss man jetzt auch ganz klar sagen, dass in dem Fall, auch wenn ich nicht mehr dabei bin, Böhringer Ingenheim war, ein sehr familienfreundliches Unternehmen. Für mich, so habe ich es zumindest wahrgenommen. Trotzdem, einfach mir ging es um die generelle Positionierung von, dass Väter, nur weil sie jetzt dann eben auch für die Familie da sind, nicht automatisch der Firma verloren gehen. Tun ja Mütter auch nicht. Also warum soll das dann bei Vätern anders sein? Und das, ja, ich schweife anscheinend. Bernhard: [27:14] Nein, nein, das gar nicht. Ich wollte da nur einhaken, weil genau das ich schon mitbekomme. Also eine Frau, die für ihr Kind in Karenz geht, ist in unserem Kopf selbstverständlich. Christoph: [27:29] Genau. Bernhard: [27:30] Ein Mann, der für sein Kind in Karenz geht, gilt in vielerlei Augen als arbeitsunwillig. Christoph: [27:41] Würde ich es unterschreiben. Also um das jetzt ganz klar zu sagen, ich würde es nicht Böhringer vorwerfen, so etwas. Also das würde ich mir nicht anmaßen. Es ist aber sicher bei unterschiedlichen Personen definitiv der Fall so. Also da ist es einfach so stark verankert, dass Väter die Ernährer der Familie sind und das gefälligst auch zu tun haben. Ich möchte aber da hervorheben, und das ist immer etwas, was vergessen wird, Christoph: [28:13] Das betrifft sowohl Väter als auch Mütter. Ich habe immer wieder auch in Online-Foren diskutiert, und da habe ich schreckende Kommentare gesehen für mich. Da ist doch umgegangen, ich kann meinem Mann doch nicht zumuten, sich um die Kinder zu kümmern. Das kann ich doch nicht, das wäre doch irre. Also so als ob Kindererziehung für Väter eine Zumutung wäre, ich verstehe das nicht. Und das ist halt, also nicht allein jetzt Väter oder Männer haben dieses Bild, sondern sehr wohl auch noch sehr viele Mütter, die da eben auch dann ein gewisses Parental-Gatekeeping auch setzen durchaus. Und dann sagen, ja, wenn das Kind schreibt, dann hat sich wohl die Mutter darum zu kümmern und der Vater ist nicht in der Lage dazu. Bernhard: [29:12] Umgekehrt ist es ja zum Beispiel auch nach wie vor so, dass... Runtergebrochen auf ein ganz ein kleines Ding, bei Kennenlernen von Mann und Frau und dem ersten gemeinsamen Date, 70% erwarten, dass der Mann zahlt. Also, die finanzielle Sicherheit ist offenbar ein Mitgrund für Attraktivität beim anderen Geschlecht, weißt du, was ich meine? Und es wird, ich habe jetzt keine Zahlen dafür, aber auch in vielen Köpfen noch vorhanden sein, dass es ja selbstverständlich ist, dass der Mann das Finanzielle heimbringt. Also, wir sind in unserem Kopf noch lang nicht so weit, wie wir in unserer Bubble vielleicht schon sind. Christoph: [29:51] Ja, definitiv. Ich mache da jetzt ein bisschen einen Schwenk, weil solche Dinge entwickeln sich. Genauso wie sich zum Beispiel entwickelt, dass blau eine Bubenfarbe ist. Weil im Endeffekt, also historisch gesehen, war rot immer eine Bubenfarbe. Bernhard: [30:07] Das königliche. Christoph: [30:08] Ja, also pink, rot war einerseits extremst teuer und andererseits mit Blut und Kamp verbunden. Bernhard: [30:16] Der rote Hermelin-Mantel. Christoph: [30:19] Und das Blau war weiblich. Bernhard: [30:21] Maria, Mutter Gottes. Christoph: [30:23] Genau, und hat sich dann im Endeffekt geändert mit den Blaumännern. Ist dann auf einmal gekommen, der Mann tragt Blau und deswegen ist quasi Blau so eine Männerfarbe geworden, was sich noch immer hält. Und ich meine, ich bin sowieso... Grün. Ich bin heute grün. Bernhard: [30:41] Ich bin blauer, aber nicht absichtlich. Christoph: [30:46] Das hält sich total hartnäckig, diese Farbensage. Aber wie gesagt, das war jetzt ein Umschweif. Das sind Dinge, die sich verändern können, je nachdem, wie sich die Gesellschaft verändert. Und ich... Ich hoffe das sehr, dass sich das da auch verändert. Ich habe mir tatsächlich da Gedanken gemacht, wie wir langfristig das ändern können. Und Christoph: [31:14] Ein kurzfristiger Punkt, den man setzen kann, ist eben zum Beispiel, dass eine finanzielle Förderung des Staates über geteilte Elternteilzeit. Dass man eben mindestens 80 Prozent, beide auf 80 Prozent reduzieren und dann tut der Staat ein bisschen Geld dazu finanzieren. Die mittelfristige Unterstützung, um uns am Einsatz zu ändern, sind eben so Väter-Netzwerke, die eben quasi Vereinbarkeit thematisieren, wo sie passiert, nämlich im Unternehmen. Weil wenn du zu Hause wärst, dann bräuchst du dich ja nicht um Vereinbarkeit kümmern. Und die langfristige Strategie, die ich mir denke, ist, wir müssen halt auch bei den Kindern anfangen. Wenn wir im Kindergarten teilweise noch Pädagoginnen haben, die Kinder sagen, du, das ist die Bauecke, da gehören die Jungs hin, dann funktioniert das nicht. Das ändert sich auch, Aber da müssen wir auch hinschauen, in Wirklichkeit. Bernhard: [32:20] Und vor allem, ich glaube, das Gendern jetzt bei Pädagoginnen war nicht notwendig. Also wenn wir in die Elementarpädagogik schauen, sind wir bei 99 Prozent weiblichem, pädagogischem Personal. Auch hier wäre ein Ansatzpunkt von öffentlicher Hand zu sagen, hey, Initiative Männer in die Elementarpädagogik, Männer in die Pflege. All diese Dinge wären Möglichkeiten, um das Thema Care, um das Thema Erziehung und Ausbildung von der rein weiblichen Konnotation ein bisschen zu entfernen. Christoph: [32:59] Ja, ich bin ganz bei dir. Ich bin jetzt nur so zögerlich, weil was ist da das Problem? Viele Eltern wollen keine Männer als elementar Pädagogen. Bernhard: [33:13] Nächster Punkt, der geändert gehört. Christoph: [33:15] Ja, also die sehen eben da auch keine Kompetenzen oder Gefahr. Wobei wir auch sagen müssen, also es ist ja, die Gefahren können genauso gut auch von Pädagoginnen ausgehen, dann vielleicht über psychologische Belastungen. Ja, das ist... Bernhard: [33:39] Wir machen da ganz viel auf, das ist völlig klar. Christoph: [33:42] Drei Stunden später. Ich freue mich nur, Bernhard: [33:44] Wenn ich da so einen Gesprächspartner da sitzen habe, der sich halt einfach mit vielen Dingen, über die ich auch schon so viel nachgedacht, gelesen, gehört habe, beschäftigt. Und das tust du und das ist so schön, sich da auszutauschen, auch wenn es das mittlerweile von dir als Person und von deiner Tätigkeit so weit wegbringt. Aber es ist so schön, so darüber nachdenken zu können. Und ich glaube, und gleich weiß ich, dass Hörerinnen und Hörer meines Podcasts sich mit dieser Thematik auseinandersetzen, sonst würden sie ja nicht zuhören. Und das ist wahnsinnig spannend und ich mag da einen Ansatz auch mit der quasi verpflichteten Elternteilzeit oder dieser Förderung, wenn du es nimmst. Ich gehe ja in meinen Gedanken radikal sogar noch weiter und sage, wenn ich will, dass Männer in Karenz gehen, muss ich das fördern. Natürlich dann immer die Frage, Männer fördern, das geht ganz schwierig. Aber wäre gut, wenn ich mich darauf einige. Ja, das ist ja, ich fördere ja auch Frauen in der Technik, im Gegensatz zu Männern, die ich halt nicht fördere, weil das sind ja schon so viele. Ja, muss ich ja nicht fördern. Fördern muss ich jemanden aus, was es gerade nicht gibt. Und wenn wir wollen, dass Männer in Karenz einen höheren, also mehr Männer auch in Karenz gehen und wir es nicht nur wollen, dann muss ich das fördern, damit sie einen Anreiz haben. Und sei es jetzt nur einen finanziellen, wie auch immer, oder einen gesellschaftlichen. Der ist aber ein bisschen schwieriger zu erreichen. Der finanzielle ist schneller zu erreichen, der ist es nicht mehr. Radikale Ansichten, zahlen Männern mehr, wenn sie in Karenz gehen, verbrennen wir nicht die Finger. Aber interessant, was es machen würde, wäre es schon. Christoph: [35:11] Ja, auf jeden Fall. Also gerade bei der Karenz bin ich auch der Meinung, es wäre, wir haben ja einen menschlichen Gewohnheitseffekt, der im Durchschnitt bei 66 Tagen liegt. Und die Karenz mit zwei Monaten erreicht das halt nicht. Abgesehen davon, dass sehr oft bei den zwei Monaten auch noch einen Monat überschnitten wird. Und Urlaub. Und vielleicht nochmal Urlaub. Da bin ich dafür, dass tatsächlich es so sein müsste, dass die drei Monate exklusiv sind. Also ich finde tatsächlich, ich begrüße gerade beim ersten Kind eine einmonatige Überschneidung extremst, weil du hast ein Running System. Und dann einfach quasi ein bisschen eine Übergabe. Das erleichtert einfach vieles. Das heißt ja nicht, dass man es dann von A bis Z so übernehmen muss, Aber man hat einmal eine Idee, wo man anstartet. Und dann kann man es quasi dann in seinen Alltag eben dann über diese drei Monate einfach so gestalten, wie es für einen selber dann auch gut passt. Ich sage jetzt eben diese drei Monate, weil ich glaube, es wäre gut, mindestens drei Monate für den zweiten Elternteil zu haben, eben um diesen Gewohnheitseffekt zu erreichen, der eben durchschnittlich bei 66 Tagen liegt. Bernhard: [36:31] Und noch was dazu. Viele, so wie ich auch, haben gehört, aber bitte nur Mindestzeit, gell? In Karenz gehen, als ich den Wunsch geäußert habe. Und wenn das drei Monate sind, dann bin ich trotz Mindestzeit drei Monate weg. Und das ist auch gut. Also das würde auch einen Druck des Arbeitgebers, der vielleicht jetzt nicht so positiv eingestellt ist, rausnehmen, weil du kannst ja gar nicht anders. Du musst ja drei Monate machen. So müsstest du ja nur zwei. Also das sind alles Dinge, aber den Gewöhnungseffekt finde ich als zusätzliches Argument natürlich auch noch sehr gut. Christoph: [37:11] Weil du bist dann einfach in der Materie dringend davon. Und dann hast du auch ein besseres Gefühl dafür. Und du hast dann vielleicht auch, weil wir auch den Mental Loan mal erwähnt haben, Der Mental Load ist ja im Endeffekt einfach dann, dass du halt alles auf dich nimmst und die ganzen vielen kleinen Aktivitäten. Und warum Mental Load meistens zum Problem wird, ist, weil die Routine macht Mental Load ertragbar. Gibst du jetzt quasi etwas von diesem Mental Load, von dieser Routine ab, dann stresst dich das in dieser Situation, weil du auf einmal einen Kontrollverlust spürst. Und wenn aber jetzt jemand quasi auch diesen Gewohnheitseffekt erlebt hat und quasi in diesem Trott auch selber drinnen ist, einerseits erlebt er dann, wie sich so ein Kontrollverlust anfühlen kann, weil dann auf einmal, gehen wir jetzt eben von einem Vater aus und dann kommt wieder die Mutter und dann will die auf einmal etwas anders machen als man selber, Christoph: [38:10] Dann stresst er einen das und dann sieht man, was das eigentlich bedeutet, wenn quasi jemand anderer da auf einmal versucht zu interagieren. Gleichzeitig sehen dann in dem Beispiel, das ich gerade genannt habe, die Mütter, wie sie vielleicht hin und wieder mal auf Situationen reagieren und das dann vielleicht auch gar nicht so gut ist. Und jetzt, ich möchte, das klingt jetzt gerade wertend, soll es aber gar nicht sein. Es soll eher so sein, dass beide dann auf einmal merken, dass Situationen manchmal unabsichtlich eskalieren können und dass das beiden passieren kann, wenn sie in diesen Themen drinnen sind. Und eben auch Verständnis dafür schafft, wie man dann auch miteinander umgeht und wie man das dann vielleicht eigentlich im Langfristigen auch besser lösen kann. Oder dann eben ganz konkret bei Mental Load vielleicht wirklich Themenbereiche übergeben, wo man eben seine Hoheit hat und wo man quasi sich eigentlich einfach darum kümmert. Und dass man dann nicht eben diese plötzlichen Situationen hat, wo jemand dann den Plan, den man vielleicht schon eine Woche lang geschmiedet hat, Christoph: [39:18] Kommt auf einmal jemand her und durchkreuzt ihn und man ist fix und fertig, weil einfach, weil man am Limit ist, durch Arbeit, Kinder, andere Themen, die im Kopf sind, jetzt einen neuen Plan schmieden muss, weil der gerade durchkreuzt worden ist. Aber es geht primär eigentlich ums Verständnis füreinander schaffen, wenn man eben dann eine gewisse Zeit auch alleine diese Themen tragt. Bernhard: [39:42] Wenn jemand in der Hörerschaft mit dabei ist, der in einem Unternehmen ist, das groß genug ist, um sich ein Väter-Netzwerk aufzubauen, aber keins hat, was bringt das dir als Person? Was würdest du dem mitgeben und sagen, ich mach das? Was bringt es dir? Christoph: [40:03] Also, mir hat es gebracht, dass ich ein millionenfach besserer Vater geworden bin. Weil ich habe mich fünfeinhalb Jahre so intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Weil, aber wie gesagt, das muss man natürlich auch schauen, das war mein Wunsch, dass ich das Väter-Netzwerk so aufbaue. Also, ich habe wöchentlich zweimal Dinge gepostet. Einmal etwas Privates, was ich erlebt habe, und einmal ein Thema, das ich sehr spannend finde, was von woanders aufgearbeitet worden ist. Und da habe ich dann den Link gepostet und vielleicht eine kurze Zusammenfassung dazu. Und aber durch das, durch das ich das einerseits niedergeschrieben habe und andererseits recherchiert habe, damit ich eben aktuell bleibe und eben auch zu den aktuellen Themen. Damals war Corona ganz aktuell. Da habe ich dann immer wieder geschaut, was sind die aktuellen rechtlichen Lagen dazu. Darfst du dann bei deinem Kind zu Hause bleiben? Wie ergänzt dich da etwas? Wie kannst du eben als Familie agieren und so? Und es hat es hat mich einfach zu einem besseren Vater gemacht. Es ist viel Arbeit gewesen und man kann sicher steuern, wie man möchte. Ich hätte mir Christoph: [41:20] Gewünscht schon, dass ich noch eine stärkere Interaktion, persönliche Interaktion mit den anderen Vätern aus dem Netzwerk zustande bekomme. Dafür habe ich eventuell die falsche Schiene gewählt von Anfang an, wie ich das Ganze aufgebaut habe. Christoph: [41:41] Ich habe es eher so aufgebaut, dass die anderen relativ passiv konsumieren können. Man kann es aber sehr wohl auch so aufbauen, dass man das viel aktiver gestaltet. Das ist dann auch, wie man das selber gerne hat, wie man das selber möchte. Bernhard: [41:58] Aber das heißt, du hast ja im Rahmen deiner Tätigkeit für das Veternetzwerk, seit du Papa bist, sehr, sehr viel Wissen in der Thematik angeeignet. Das finde ich wahnsinnig wertvoll, gar keine Frage, sagt schon millionenfach besser der Papa. Dann versuche ich jetzt einmal da aus diesem ganzen Wissen was heraus zu kristallisieren und eine einzige Sache, aber da komme ich schon in Richtung meiner Schlussfragen, dem Christoph mitgeben, der noch kein Papa ist, mit dem Wissen von heute. Christoph: [42:32] Erlaubt dir Fehler. Du kannst es nicht wissen. Du wirst im Endeffekt in die Vaterschaft geboren, nenne ich es jetzt trotzdem. Und du wirst Fehler machen und das ist okay. Und es liegt dann nicht daran, in diesem Fehler zu versinken, sondern daraus zu lernen und besser zu werden. Es gibt wieder mal einen sehr interessanten TED-Talk von der Dr. Becky Kennedy. Da geht es genau eigentlich darum, dass quasi der wichtigste Elternskill, den man haben kann, ist Repair. Also dass du im Endeffekt quasi, wir machen immer was kaputt. Es ist einfach die Situation des Alltags, erlauben es nicht perfekt zu sein, was absolut auch okay ist. Aber das Nächste, was wichtig ist, ist dann einfach auch zu reparieren. Zu sagen, hey, ich habe mich jetzt falsch verhalten, es tut mir leid. Ohne aber. Nicht dann, ja, weil du so blöd warst, sondern nein, das war einfach, ich war gerade überlastet, was auch immer. Christoph: [43:46] Ich versuche es das nächste Mal besser zu machen. Ich weiß, dass es besser geht. Heißt nicht, dass wir es beim nächsten Mal sofort schaffen, aber allein das Mindset zu haben, dass wir vielleicht jetzt auch noch, um das wieder zu schlagen, von der Insel der Probleme zur Insel der Lösungen zu fahren. Wenn du da ins Boot steigst, vielleicht kennt das mal. Du kannst zurückschwimmen oder du kletterst wieder ins Boot rein und probierst das nochmal. Dann irgendwann hast du es. Bernhard: [44:13] Schöner Zucker. und um quasi jetzt nicht zu tiefgreifend zu enden, bitte ich dich auch um einen Beitrag für die Playlist des Grauens, einen Song, den die Kinder für dich quasi zerstört haben, weil die ihn so oft gehört haben. Am Anfang hast du vielleicht noch gedacht, ah, ist gar nicht so schlecht, du singst vielleicht sogar laut mit. Christoph: [44:34] Also es ist ein sehr horges Lied, irgendwie mag ich es trotzdem. Zebrastreifenpferd. Bernhard: [44:42] Ich kenne es nicht mal. Und ich habe Angst davor. Jetzt, wo du sagst, das ist dein schrecklichstes Lied, Zebrastreifenpferd. Ist es von Simone Sommerland, so wie viele? Nicht? Christoph: [44:52] Nein, nein. Ich glaube, du wirst nicht damit rechnen, was für ein Lied es ist. Bernhard: [44:58] Zebrastreifenpferd. Ich kenne es nicht. Ich verlange es nicht von dir, dass du es simbst. Ich gebe es einfach auf die Liste. Hör es mir an und ihr hört es euch hoffentlich auch an. Christoph, ich danke dir vielmals. Christoph: [45:08] Ja, danke. Bernhard: [45:09] Cooles Gespräch. Wie so oft, wenn ich Gesprächspartner bei mir sitzen habe, nimmt das Gespräch eine ganz andere Richtung, als ich es ursprünglich geplant gehabt habe. Aber genau das ist schön und das ist super und ich liebe es, mich mit Menschen über das Thema Familie zu unterhalten, deswegen mache ich das alles. Dank dir für deine Expertise, für deine Meinung und wenn ihr das Gefühl habt, wenn du das Gefühl hast beim Zuhören, dass dies ein Podcast, eine Folge, die jemandem besonders gut gefallen könnte, dann gerne weiterleiten. Das ist wichtig. Abonnieren, bewerten, sonst gibt es nichts. Christoph, danke. Christoph: [45:42] Ich danke. Hat mir sehr viel Spaß gemacht. Vielleicht können wir es irgendwann wiederholen. Bernhard: [45:47] Dann kommen wir auf die Spiele. Christoph: [45:49] Auch das ist natürlich möglich. Papa Mia. Reine Männersache. Bernhard: [45:55] Der Podcast von Papas für Papas. Und für alle, die Papas mögen. Klingt cool, ist es auch.

Bernhard Vosicky

Host

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