mit Kabarettist Omar Sarsam

Episode 70
56:40

Wir kennen ihn als Kabarettisten – meiner Meinung nach einer der besten des Landes – und seine Patient:innen in Wien kennen ihn auch als Kinderchirurg.

Was er aber nur ganz selten anspricht, ist seine Rolle als 2-fach Papa. Na dann fragen wir doch bei Omar Sarsam genau da mal nach!!

  • 2 Jobs und Familie? Wie geht das bitte?
  • Ist die Bühnenfamilie die echte Familie?
  • Kann Omar den Leo-Lausemaus Titelsong auswendig?

 

Wenn Du Antworten auf diese Fragen willst, hör gleich rein! Wenn nicht, dann auch! Es is nämlich lustig!

PS: Diese Folge wurde von einem TV-Kamerateam begleitet – also nicht wundern wenn das Klappern der Stative manchmal ablenkt…die TV Doku dazu kommt demnächst! Mehr infos in meinen Socials!

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Transkript:

Omar Sarsam: [0:00] Alle, bin ich überzeugt, die versucht haben, ihr Kindeswohl so im Vordergrund zu halten, kommen irgendwann an dem Punkt an, an dem ich, wir auch angekommen Omar Sarsam: [0:09] sind, zu sagen, Moment einmal, wo sind jetzt eigentlich wir? Papa Mia, reine Männersache. Bernhard Vosicky: [0:15] Der Podcast von Papas für Papas und für alle, die Papas mögen. Klingt cool, ist es auch. Bevor es losgeht mit der Folge 70 mittlerweile in Papa Mia, mit dem Interview mit Zweifach-Papa und Kabarettist Oma Sarsam. Zwei Dinge in eigener Sache. Ganz wichtig, wer noch nicht hat, Bewertung dalassen. Ganz egal, wo du das gerade hörst. Das ist quasi die digitale Währung der Podcasterinnen und Podcaster. Und ich freue mich natürlich, wenn du mir da ein bisschen was dalasst und ich dadurch vielleicht ein paar mehr Leute erreichen kann, als ich es ohnehin schon tot. Das wäre super. Und das Zweite, wenn du es jetzt gerade im Februar 2025 hörst, Nominier doch Papa Mia auf der Ö3-Website für den Ö3-Podcast-Award 2025. Das wäre extrem schön. Ich habe mich heuer entschlossen, zum ersten Mal da auch mitzumachen. Bernhard Vosicky: [1:06] Und ich würde auf deine Unterstützung zählen. Also keine Unterstützung von deiner Seite. Und jetzt ab zum Interview mit Oma Sasam. Übrigens sehr, sehr cool geworden. Willkommen bei Papa Mia. Das ist der Podcast von Papas und Konsorten für Papas und alle, die Papas mögen. Also nicht für alle. Heute klingt es ein bisschen anders. Warum ist es so? Weil normalerweise nehme ich bei mir daheim auf. Aber ich muss sagen, meine Frau und ich sind nicht zum Zusammenräumen gekommen. Und jetzt wollte ich keine Gäste empfangen. Und deswegen machen wir das ganz einfach woanders. Und zwar in einem Podcaststudio in Wien im 23. Bezirk. Haben wir uns eingemietet. Und ich freue mich sehr, weil mir gegenüber sitzt Oma Sasam. Hallo. Omar Sarsam: [1:40] Ja, hi. Vielen Dank für die Einladung. Es ist total schön aufgeräumt hier, muss ich sagen. Bernhard Vosicky: [1:44] Da ist super, oder? Wirklich schön. Deswegen eine gute Entscheidung, dass wir hierher gegangen sind. Für die zwei Personen, die dich nicht kennen. Du wirst jetzt vielleicht mich korrigieren, mach das sehr gerne. Du bist Kabarettist, ich glaube das stimmt, da sind wir uns einig. Heuer, seit 20 Jahren, ist das richtig? Omar Sarsam: [2:00] Kabarettist? Bernhard Vosicky: [2:01] Ja, seit 2004 habe ich gehört. Omar Sarsam: [2:03] Achso, tatsächlich, seit 2004 auf der Bühne. Bernhard Vosicky: [2:07] Gratulation zum 20-jährigen Jubiläum. Omar Sarsam: [2:08] Ja, das wusste ich gar nicht, das habe ich komplett verpasst. Und, aber nein, also seit 2004, wenn dann unbewusst Kabarettist. Da wollte ich noch nicht lustig sein. Bernhard Vosicky: [2:17] Gut, das ist fast die Hälfte deines Lebens. Omar Sarsam: [2:20] Das stimmt. Bernhard Vosicky: [2:20] Wahnsinn eigentlich, oder? Du bist auch Musiker, obwohl du sagst, CDG sind deine Lieblingsakkorde, also Kadenzen in der simplen Form, aber würdest du sagen Musiker auch? Omar Sarsam: [2:28] Ich würde schon lange sehr gerne sagen Musiker, aber ich traue mich noch nicht. Bernhard Vosicky: [2:31] Okay, dann sage ich es einfach. Auf jeden Fall bist du Facharzt für Kinder- und Jugendchirurgie und jetzt kommt gleich die schlechte Nachricht. All das wird in den nächsten 45 Minuten de facto nicht Thema sein. Omar Sarsam: [2:42] Das gefällt mir gut. Bernhard Vosicky: [2:43] Weil ich habe dir in meiner Mail-Anfrage geschrieben, dass ich dich gerne interviewen möchte, aber eben nicht über das Arztsein, nicht über das Kabarettprogramme schreiben und auf der Bühne spielen, sondern über etwas viel Wichtigeres aus meiner Sicht jetzt. Und wie du das siehst, wirst du dann sagen, es ist die Familie. Ist das für dich, du hast gerade gesagt, super gut, ist das für dich etwas Angenehmes oder bist du eher froh, dass normalerweise die öffentliche Person Oma Sasa im Mittelpunkt steht und weniger der Privatmensch? Omar Sarsam: [3:14] Ich kann das gar nicht so trennen. Die öffentliche Person ist zum Glück von dem privaten Netz nicht so zu unterscheiden, dass ich einen Schalter umlege und sage, Gott sei Dank bin ich jetzt wieder ich, sondern die öffentliche Person ist zum Glück sehr nah dem, der ich eh auch gern bin, sobald ich aufstehe. Omar Sarsam: [3:29] Also ich habe da, glaube ich, jetzt nicht so eine klare, schlimme, arge Trennlinie. Bernhard Vosicky: [3:34] Also das, was immer alle sagen, sei authentisch auf der Bühne für dich easy. Das ist so. Omar Sarsam: [3:40] Ganz ehrlich, bei der Premiere von einem neuen Programm, das ich noch nie gespielt habe, gelingt es mir nicht immer. Aber irgendwann im Prozess des täglichen Spielens ist das eigentlich mein Ziel, weil ich hätte gerne einen Puls, der eine regelrechte Lebenserwartung möglich macht, obwohl ich regelmäßig auf der Bühne stehe. Und deswegen ist das dann gar nicht so. Jetzt rede ich schon wieder über die Bühne. Bernhard Vosicky: [4:02] Ja, genau, aber ich hätte dich da nicht gebremst. Gehen wir zurück zum Privaten. Du bist verheiratet. Omar Sarsam: [4:07] Ja. Bernhard Vosicky: [4:07] Ich glaube, du bist auch Medizinerin. Omar Sarsam: [4:10] Im Gesundheitswesen. Bernhard Vosicky: [4:11] Im Gesundheitswesen, okay. Kennt ihr euch auch daher? Also ich meine, das kannst du von mir sagen, meine Mama ist Krankenpflegerin, mein Papa ist Arzt. Das ist eine klassische Krankenhaus-Ehe. Omar Sarsam: [4:20] Okay. Nein, wir haben uns nicht im Krankenhaus kennengelernt. Okay. Nein, also ganz klassisch. Wir haben uns kennengelernt. Bernhard Vosicky: [4:27] Wo man sich halt kennengelernt. Ja, okay, gut. Gemeinsamkeiten. Ich suche immer nach Gemeinsamkeiten, die wir haben könnten. Und sie ist Waldviertlerin. Omar Sarsam: [4:36] Ja, im Programm. Bernhard Vosicky: [4:38] Im Programm. Tatsächlich nicht. Omar Sarsam: [4:39] Tatsächlich bleibt ein Geheimnis. Bernhard Vosicky: [4:41] Ah, okay. Dann nehmen wir jetzt die Programm-Ehefrau, weil meine Frau ist ein Waldwirt, die echte. Ich habe kein Programm. Und du bist aber ein Arztkind. Omar Sarsam: [4:50] Im Sinne von, dass mein Vater... Bernhard Vosicky: [4:53] Mediziner. Omar Sarsam: [4:54] Mediziner ist? Bernhard Vosicky: [4:55] Nein, auch nicht. Auch nicht. Das ist ganz anders. Das siehst du, dass... Omar Sarsam: [4:58] Das steht im Internet wahrscheinlich. Bernhard Vosicky: [4:59] Das ist das Internet. Völlig falsche Dinge. Das hat wahrscheinlich... Omar Sarsam: [5:02] ChatGPT hat mal mir über mich gesagt, ich wäre ein 1986 in Istanbul geborener arabischer Arzt. Bernhard Vosicky: [5:13] Mönch, also Arzt. Omar Sarsam: [5:15] Mönch, also Arzt hat gestimmt. Bernhard Vosicky: [5:17] Der Rest Mönch ist völlig falsch. Okay, gut, genau. Das heißt, es stimmt nicht, aber laut ChatGPT habe ich auch schon mehrere Bücher verfasst. Aber wirklich, cool. Also von dem her wusste ich auch nicht. Also haben sich offenbar nicht sehr gut verkauft. Okay, dann lassen wir das weg. Aber zwei Kinder, ich glaube, darauf können wir uns einigen. Das stimmt. Das ist eine Gemeinsamkeit. Omar Sarsam: [5:32] Richtig. Bernhard Vosicky: [5:32] Allerdings hast du zwei Söhne, die fast neun und fast vierzehn sind. Omar Sarsam: [5:38] Fast neun und fast vierzehn ist perfekt. Bernhard Vosicky: [5:39] Ja, meine zwei Töchter, eine, drei. Ja, drei. Bernhard Vosicky: [5:43] Tief durchschnaufen und einen Neun. Wie ist die Pubertät so beim Großen? Gib mir ein bisschen Antise auf das, was auf mich zukommt. Ist das toll? Omar Sarsam: [5:52] Ich habe es mir viel, viel, viel schlimmer vorgestellt. Aber das ist natürlich das Kind, das du seit Jahren kennst. Und du hast ja auch die Entwicklung dorthin mitbekommen. Und du merkst ja dann auch bei einem Kind, das pubertiert, wer dahinter steht und merkst die Entwicklung und freust dich ja mit dem Kind über die Entwicklung und auf die Entwicklung. Und dann ist es eigentlich gar nicht so, es war bis jetzt absolut nicht so ein großes Thema, dass wir gesagt hätten, boah, es ist nur schwierig, sondern es ist vor allem Entwicklung und Veränderung. Und Veränderung ist natürlich nicht immer einfach. Veränderung ist... Bernhard Vosicky: [6:30] Wollen wir nicht, prinzipiell einmal alles, was sich ändert, ist schlecht. Omar Sarsam: [6:33] Veränderung ist nicht gemütlich. Aber das war auch nicht so geplant, dass wir sagen, hey, wir wollen jetzt was Gemütliches, wir hätten gern zwei Kinder. Bernhard Vosicky: [6:43] Ja, gut. Also wer diesen Gedanken hat, bitte verwerfen. Also alle Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich denken, jetzt wird's easy, jetzt machen wir ein Kind. Omar Sarsam: [6:50] Nicht gemütlich, aber schön. Bernhard Vosicky: [6:53] Gar keine Frage. Also was habe ich, zitiere ich da jetzt einen lieben Ö3-Kollegen, Bernhard Vosicky: [6:57] den Tom Filzer, der gemeint hat, das ist das anstrengendste, aber geilste im Leben. Omar Sarsam: [7:01] Ja, und lustig, eben vor kurzem habe ich eine sehr schöne Definition über das Glück gelesen, dass Glück ja kein Zustand ist, sondern dass Glück eine Tätigkeit ist. Und nur wer tätig ist, kann glücklich sein und ich glaube, das deckt sich sehr, sehr stark in sehr großem Maße mit dem Elternsein und Papa und Mama sein. Wenn man das große Glück hat, überhaupt Eltern werden zu können, das ja auch nicht alle haben, dann ist Papa sein können schon was sehr, sehr Schönes. Bernhard Vosicky: [7:25] Und da ist ja auch, das ist ja wissenschaftlich tatsächlich zumindest mit vielen, vielen langen Studien belegt worden, dass Glücklich sein allein abhängig ist von den persönlichen Beziehungen, die wir haben. Also ohne persönliche Beziehungen funktioniert das nicht. Omar Sarsam: [7:41] Also was ich weiß, nicht allein, aber zu einem großen Teil. Ein sehr großer Faktor des Glücks ist, und ich glaube, am Platz zwei nach den Beziehungen sind auch die Wohnverhältnisse. Das heißt, man kann total super Beziehungen in ganz schlechten Wohnverhältnissen haben. Dann kann es sein, dass das Glück gestört wird. Und deswegen, ich glaube, zu Glück, um glücklich sein zu können, braucht man auch ziemlich viel Glück. Bernhard Vosicky: [8:04] Das ist total Meta. Ich glaube auch. Ja, total schön. Omar Sarsam: [8:07] Meta, volles coole Wort. Ich finde das voll random coole Wort. Bernhard Vosicky: [8:12] Drei große Blöcke hätte ich mir gedacht, wie wir dieses Interview aufbauen, was ich darunter bringen möchte, die ich mit dir besprechen möchte. Und zwar erstens einmal, warum bist du der Papa, der du bist? Das Zweite ist, warum sind viele Papas vielleicht nicht so, wie sie gerne wären? Und das Dritte ist, was müssen wir machen, damit sich das irgendwie ausgeht gemeinsam? sondern dass von dem einen zum anderen kommt. Das wäre so mein Gedanke, weil mein oberstes Motiv, warum ich diesen Podcast mittlerweile 2021 mache, ist, ich finde Familie großartig und ich möchte Werbung dafür machen. Das ist das oberste Ziel. Und ich habe in der Recherche den Fragen zum heutigen Artikel offenbar nicht sehr gut recherchiert, aber ich habe einige Artikel über dich gelesen, wo da gestanden ist, dann das Schreiben hat an die Journalisten rein, der Familienvater Oma Sarsam. Wie stehst du zum Begriff Familienvater? Omar Sarsam: [9:03] Und bisher indifferent, dieser Begriff löst nicht so viel aus, außer vielleicht ein althergebrachtes Klischeebild des Abwesenden, der Familienvater. Bernhard Vosicky: [9:16] Dreh es mal um und denk dir, gibt es eine Familienmutter? Omar Sarsam: [9:18] Nein, also das Bild des Familienvaters hat für mich, der Begriff des Familienvaters hat schon ein bisschen was. Der Geldheimbringer, der von zu Hause weggehen müsse und der nicht da sein könne, schließlich ist er ja der Geldheimbringer. Also der Ernährer ein bisschen. Der Ernährer, der Versorger, der nach Hause kommt und sich mal von der Welt da draußen ausruhen muss. Der Familienvater. Und deswegen, dieser Begriff ist für mich relativ indifferent, weil vordergründig ja ohnehin, um gleich auf Block 1 oder die Frage 1 zu kommen, was hat mich ausgemacht? ich möchte natürlich die beste Version meiner selbst sein und natürlich auch der beste Papa sein, den ich mir vorstellen kann. Zeitgleich, wenn man ehrlich ist, sich selber gegenüber, scheitert man regelmäßig beim Versuch, die beste Version seiner selbst zu sein. Bernhard Vosicky: [10:14] Aber dadurch wird es besser. Omar Sarsam: [10:16] Und bleibt aber dadurch zeitgleich am Arbeiten dran und im Prozess sich verzeihen, dass man nicht alles richtig tun kann, auch wenn man immer alles richtig tun will, weil du ja nicht in die Zukunft schauen kannst und die Entscheidungen ohnehin nur aus der Gegenwart heraus treffen kannst und möchtest für dich, für deine Familie, für deine Kinder, für deine Frau, soweit sie die Personen alle betreffen, die bestmögliche Entscheidungen treffen. Also ich habe auch keine Angst vor Entscheidungen, weil ich nicht so große Angst vor falschen Entscheidungen habe, weil ich sie regelmäßig falsch treffe und dann ist es halt meistens definitiv besser eine falsche Entscheidung getroffen zu haben und sie dann zu ändern, als eben in Starre zu verharren und zu warten bis nichts passiert. Bernhard Vosicky: [11:00] Wie gefällt dir der Begriff, ein aktiver Vater? Aktive Vaterschaft? Omar Sarsam: [11:06] Ja, das gefällt mir auch nicht, weil dann heißt es, würde man den Begriff aktiv weglassen, wäre Vaterschaft plötzlich passiv. Also deswegen finde ich Vaterschaft auch ohne den Begriff aktiv aktiv. Bernhard Vosicky: [11:21] Ja, vor allem wenn du es auch da umdrehst, aktive Mutter ist für mich einer, die Sport macht. Omar Sarsam: [11:25] Sehr lustig. Aktive Mutter im Klischee. Bernhard Vosicky: [11:29] Also welchen Begriff, ja. Omar Sarsam: [11:30] Genau, also ich finde, es braucht diese Adjektive eigentlich nicht. Bernhard Vosicky: [11:35] Wie hast du, also was für eine Vaterrolle durftest du erleben? Wie bist du aufgewachsen? Also welchen Papa hast du mitbekommen? Omar Sarsam: [11:42] Einen Papa, der immer viel arbeiten musste. Und auch eine Mama, die immer viel arbeiten musste. Das heißt, ich war noch dazu, oder bin es immer noch, wird sich nicht mehr ändern, Einzelkind. dass ganz viel, also ich habe mit Langeweile wirklich umgehen gelernt und kann das total gut und kann mich, also es ist jetzt sogar so, ich brauche immer wieder absolute Stille, um auf die innere Stimme zu hören. Und im Fernsehen darf niemals eine Stille passieren, die länger ist. Im Radio sind es, glaube ich, zwei Sekunden, im Fernsehen sind es fünf. Wenn wir es probieren. Bernhard Vosicky: [12:27] Im Radio geht dann der sogenannte Silence Detector an. Omar Sarsam: [12:30] Gibt es den wirklich? Bernhard Vosicky: [12:31] Ja, den gibt es tatsächlich. Da gibt es bestimmte Songs, die sind vorprogrammiert von der Musikredaktion. Und wenn jetzt wirklich eine Zeit lang komplette Stille ist, dann geht diese Musik los. Omar Sarsam: [12:41] Looking for Freedom von David Hess. Bernhard Vosicky: [12:43] Ja, lustigerweise. Und sowas in die Richtung. Und damit kannst du natürlich die Techniker deines Szenes komplett fertig machen, wenn du diese Nummer, die sonst nicht laufst, dann plötzlich spielst. Omar Sarsam: [12:53] Ah, ist das lustig. Bernhard Vosicky: [12:54] Weil die rennen dann wie aufgeschreichte Händen um und glauben, es ist alles abgekackt. Also wenn du da jemanden ärgern willst, finde raus, welcher Song das ist. Omar Sarsam: [13:03] Und wie viele Sekunden sind es? Im Radio sind es zwei. Bernhard Vosicky: [13:04] Oder? Nein, nein, im Radio sind es schon mehr als zwei. Zwei kannst du noch nutzen als Pause, um kreativ zu sein. Aber ich glaube so 10, 15, da ist dann schon die Kacke am Dampfen. Omar Sarsam: [13:13] Und der Silence Detektor, Das ist kein Mensch, der eigentlich Sabrina heißt, sondern das ist in Wirklichkeit ein Gerät. Bernhard Vosicky: [13:22] Ein Kastl, das hört zu und wenn es still ist, wird es aktiv. Omar Sarsam: [13:25] Ist das lustig. Bernhard Vosicky: [13:26] Das heißt so, ja. Das gibt es tatsächlich. Sehr spannend. Aber okay, das heißt, du hast mit Stille, du brauchst Stille, hast du gesagt. Omar Sarsam: [13:33] Ich liebe es, wenn es richtig still ist. Und dann finde ich, bei mir zumindest ist es so, kann ich auf die innere Stimme hören, Und da genügen kleinste Geräusche der Umgebung, um mich davon abzulenken. Also ich bin sehr geräuschempfindlich. Bernhard Vosicky: [13:51] Sensitive Geräusche. Omar Sarsam: [13:52] Komplett irritierbar. Also es ist nicht nur gut. Bernhard Vosicky: [13:56] Also ein Vogels und Omar Sarsam: [13:57] Du bist weg. Ich bin weg. Okay. Genau. Und wenn du jetzt mit mir sprechen würdest und im Hintergrund gäbe es ein Gespräch, das leiser stattfindet. Bernhard Vosicky: [14:04] Hörst du das? Omar Sarsam: [14:05] Wirkt halt, also kann ich mich auf keines dieser Gespräche mehr konzentrieren. Das ist definitiv leider kein Vorteil für irgendwas. Also wirklich eine hohe, es war auch in der Diskothek unmöglich, wo es eh schon schwierig ist. Aber es war unmöglich, erstens auch nur annähernd mitzubekommen, was der Mensch mir gegenüber jetzt versucht zu sagen, ob das jetzt die Freunde waren, mit denen wir unterwegs waren. Also ich habe immer ungefähr dieses Gesicht gemacht. Bernhard Vosicky: [14:30] Aber zwischendurch kurz lachen und Ja sagen und dann reicht das völlig, oder? Omar Sarsam: [14:35] Und ich bin dann immer recht früh heim. Ich habe den Spaß nicht verstanden. Ich habe dort auch nicht wirklich viel zum Tun gehabt. Das war auch so mein Problem. Was machst du? In der Disco habe ich nichts zu tun. Was soll ich da tun? Bernhard Vosicky: [14:44] War es nur so? Ist nicht dein Thema. Omar Sarsam: [14:46] Ja, es war halt laut. Also wirklich laut. Wirklich eine Geräuschempfindlichkeit. Und um diese innere Stimme zu hören, mag ich echt auch richtig. Also das zum Beispiel ist irre. Das kriege ich zum Beispiel gar nicht. Also das ist so richtig riesig groß. Genau, also das, um richtig mich konzentrieren zu können, das ganze Studium über, habe ich Europax gebraucht. Bernhard Vosicky: [15:11] Tatsächlich? Omar Sarsam: [15:12] Und damit ging es. Und dann kann ich mich auf das konzentrieren. Bernhard Vosicky: [15:14] Nachdem ich Musikwissenschaft studiert habe, das sind Europax blöd gewesen, weil ich habe das gebraucht natürlich. Aber ich verstehe, was du meinst. Aber wenn du das jetzt von deinem Vater anders mitbekommen hast, nämlich beide viel arbeiten, Mama und Papa. Was war dann deine Entscheidung, das so zu machen, wie du es machst? Weil ohne jetzt schon zu wissen, wie du es machst, habe ich das Gefühl, dass du da anders rangehst an die Sache. Omar Sarsam: [15:36] Ja, aber dann muss ich gleich den Satz auffassen, um glücklich sein zu können, braucht man auch Glück. Und ich habe das Riesenglück gehabt, dass ich... beruflich mir die Freiheit nehmen durfte. Das ist auch das Riesenglück, dass wir in diesem Land die Freiheit haben, die meisten von uns, sich für eine Richtung entscheiden zu können. Vielleicht nicht alles, aber man kann sich für eine Richtung entscheiden. Wo soll es hingehen? Wie viele Stunden darf ich meinem Beruf widmen? Wie viele Stunden darf ich meiner Familie widmen? Man hat diese Freiheit der Entscheidung, die dazu führt, dass ich das Glück habe, mir die Zeit nehmen zu können. Und das, glaube ich, war der Unterschied zu der damaligen Zeit meiner Kindheit, wo es einfach die Wahl, nicht nur um meine Eltern zu entschuldigen, aber es gab die Wahl einfach nicht. Es musste gearbeitet werden und die Kinder müssen nebenbei mitlaufen. Und das hat sich jetzt, finde ich, in der heutigen Zeit zum Glück verschoben, dass man, zum Glück verschoben ist auch schön, zum Glück verschoben, dass man sich die Zeit nehmen darf, dass man sich die Freiheit nehmen darf und dass die Arbeit natürlich einen wichtigen Stellenwert hat, aber dass die Familie mindestens gleichwertig ist. Bernhard Vosicky: [16:49] Ich gehe jetzt an die Stelle zurück, wo du dann mit der Geburt deines ersten Sohnes oder dann später dich quasi auch aus dem Beruf rausgenommen hast. Da sagt ich mir, ich sage jetzt bewusst nicht Väterkarenz, weil auch da finde ich, ist das blöd, es ist einfach nur Karenz. Ja, also man sagt ja auch nicht Mütterkarenz. Ich meine, warum hast du das gemacht? Da verpasst du doch was von deiner Karriere. Omar Sarsam: [17:13] War auch nicht leicht. Aber es ist was, jetzt hast du mit der Karriere begonnen, das war jetzt nicht ich. Der Tag der Geburt meines Sohnes war mein letzter 48 Stunden Nachtdienst in Wilhelminenspital, in der Klinik Otterkrenk. Und mein Sohn ist dort auf die Welt gekommen. Und zwei Tage später war mein erster Tag Kinderchirurg. zu werden und zu sein. Ich habe Spital gewechselt, das war quasi alles auf einmal. Mein Sohn ist auf die Welt gekommen. Ich habe einen neuen Abschnitt meiner Karriere begonnen, zu dem Zeitpunkt, als der Junior auf die Welt gekommen ist. Und da hat sich was verbunden. Nämlich, ich war einerseits Arzt für Kinder und zeitgleich das erste Mal in meinem Leben Papa. Das war so die Entscheidung. Ich kann und will natürlich für Kinder da sein, die mich als PatientInnen brauchen. Aber zeitgleich, nachdem das wahrscheinlich so synchron passiert ist, will ich für mein Kind da sein. Und deswegen nicht weniger, sondern mindestens genauso. Bernhard Vosicky: [18:32] Okay, und das hat dir was gebracht für dich? Weil ich meine, ich sage jetzt einmal, man macht sowas nicht, weil man sagt, hey cool, ich mache das für jemanden anderen, Weil langfristig gesehen tust du das ja eben, um deinem Glück näher zu kommen, deiner idealen Vorstellung vom Leben. Omar Sarsam: [18:47] Naja, es hat mir gebracht, beharrlich zu werden, denn an meiner damaligen Ausbildungsabteilung war es wirklich nicht üblich und gar nicht möglich. Also rechtlich ja, aber die Stimmen im Hintergrund haben mir durchaus gesagt, ja, also es ist noch keiner aus der Karenz zurückgekommen. Wirklich? Ja, und ich habe diese Stimmen der KollegInnen natürlich gehört und mir gedacht, ja gut, aber dann erstens bin ich vielleicht der Erste und zweitens vermute ich, allein dieser Druck, dieser gesellschaftliche oder Druck der Abteilung dort hat halt ausgegeben. Und es waren Plakate unten in dem Spital mit, also da weiß ich noch, wo man gesehen hat, so einen richtig muskulösen Mann und unten bei der Personalabteilung ist ein Plakat gewesen, echte Männer gehen in Karenz. Und ich habe mir gedacht, das kann nicht sein, dass ich einen Stock drüber höre im gleichen Haus, hey, das geht eigentlich nicht und unten hängen Plakate, wo dafür geworben wird. Na dann bin ich halt der Erste in meiner Abteilung, der in Karenz geht. Und der vielleicht wieder zurückkommt, vielleicht auch nicht zurückkommt, Weil ist es das Richtige, wenn ich... Bernhard Vosicky: [20:02] Will man dann dort sein, wenn das so... Omar Sarsam: [20:04] Genau, will ich das und wie geht es mir dann? Und somit ich... Ja, es war sicher ein gewisses Risiko, aber das Risiko, ich finde, das größere Risiko empfunden, meine Familie dafür nicht zu sehen. Denn ich finde echt beide Kinder und meine Frau sympathisch. Bernhard Vosicky: [20:22] Es trifft sich. Also auch für ein gutes Leben ist es durchaus vorteilhaft. Omar Sarsam: [20:26] Hat gut zusammengepasst. Bernhard Vosicky: [20:27] Ich finde das lustig, weil da habe ich jetzt ohne es zu wissen auch eine Parallele gefunden, Weil ich habe mir bei dem Wunsch in Karenz zu gehen, bei meiner ersten Tochter, von der damaligen Leitung anhören dürfen, wenn du länger gehst als Mindestzeit, dann müssen wir dich ersetzen. Und das parallel, während im Erdgeschoss auf der Betriebsratstafel Großwerbung gemacht wurde, eine Kampagne für Papa im ORF. Also das sind solche Sachen, wo ich mir achte. Okay, alles klar. Das hier, linke Hand, rechte Hand, das muss nicht zusammenpassen. Omar Sarsam: [20:58] Und dieser gesellschaftliche Druck, der einem vermittelt wird, klingt oft ganz übel und führt auch Teile der Gesellschaft dazu, diese Handlungsweisen, die alten, klassischen zu gehen. Aber in Wirklichkeit glaube ich, es ist total in Ordnung, diese Stimmen zu überhören und darauf zu vertrauen, dass das Bauchgefühl stimmt. Bernhard Vosicky: [21:20] Ich habe auch keine Sekunde bereut, das gemacht zu haben. Ich gehe davon aus, Bernhard Vosicky: [21:23] dass es bei dir auch nicht der Fall war. Es kam ja dann Kind Nummer zwei. Niemals. Wie hast du das da gemacht? War das anders, besser? Niemals. Omar Sarsam: [21:30] Beim Kind Nummer zwei, ich kann mich jetzt an die Dauer gar nicht erinnern, wie lange ich in Karenz war. Und das hat einen Grund, weil ich erinnere mich ja auch noch an diesen beruflichen, dieses Gefühl von, so jetzt bin ich in Karenz. das ist so ein vorübergehender Zustand und der geht dann vorbei. Weil vor allem dieser berufliche Drang so groß war oder auch dieser Zwang von außen, man muss ja nach der Karenz wieder zur Gänze voll einsteigen, um wieder komplett abwesend sein zu können von dem, was bei der Familie passiert. und ich erinnere mich, dass mir wahrscheinlich erst dann in der Karenz beim zweiten Kind gelungen ist, den Übergang nicht mehr zu merken, weil meiner Ansicht nach, und ich hoffe, dass sich das mit der Wahrnehmung meiner Familie deckt und ich bin mir sicher, dass ich das nicht immer fantastisch schaffe, aber meiner Ansicht nach bin ich aus der Karenz nie ganz ausgestiegen. Ich finde, ich bin es immer noch. Omar Sarsam: [22:39] Weil, also ich bin in Karenz und arbeite aber trotzdem. Und ich mag auch den Begriff Work-Life-Balance nicht, weil Arbeit, und ich liebe es zu arbeiten, ich liebe meine Arbeit, dass das auch richtig rüberkommt. Ich liebe es zu arbeiten, ich liebe die Arbeit als Kinderchirurg wunderbar. Ich liebe die Arbeit als Kabarettist, es macht großen Spaß. Auch da habe ich wahnsinnig viel Glück. Und da ist es aber auch so, dass ich versuche, diese Arbeit nicht als isolierten Teil meiner Arbeit zu sehen oder meines Lebens zu sehen, sondern als integrierten Teil, integralen Bestandteil des Lebens, in dem die Arbeit Platz hat, in dem die Familie Platz hat, ohne dass es sich ausschließen muss. Und ja, das ist nicht immer einfach. Und ja, das ist auch vor allem als Selbstständiger oft schwierig zu sagen, Moment, wo ist jetzt eigentlich Schluss mit Arbeit, Wenn man bis 22.30 Uhr noch irgendwelche Belege irgendwo hinschicken muss oder Tabellen ausfüllen muss oder Touren planen muss oder Termine besprechen muss, ist nicht immer einfach und ich mag es aber nach wie vor und es geht sich trotzdem aus. mit den Kids hin und wieder ein Brettspiel zu spielen, das viel länger dauert, als man geplant hat. Bernhard Vosicky: [23:53] Es ist schon schön, oder? Omar Sarsam: [23:54] Es ist urcool. Bernhard Vosicky: [23:55] Aber es ist urcool und es geht sich aus und ich mag es. Ist das für dich der Grund, warum du das so machst? Weil es sozusagen von der Gesellschaft vorgesehen wäre es ja nicht gewesen irgendwie, oder? Omar Sarsam: [24:04] Wer ist die Gesellschaft? Bernhard Vosicky: [24:05] Ja, das ist die Frage. Na klar, wir könnten sie ja ändern. Aber im Prinzip, wenn man jetzt diese alt hergebrachten Rollen sieht, von denen wir uns trennen wollen, Omar Sarsam: [24:14] Dann ist das eigentlich das, es ist sicher der gemütlichere, bequemere Weg für einen Mann zu sagen, das war immer so geplant und das ist die Rolle des Mannes. Omar Sarsam: [24:29] Ja, fertig. Das ist definitiv gemütlicher und bequemer. Also die Inkarenz zu sein, Teil, egal jetzt zu welchem Prozentsatz, aber Teil an der Beziehung, eben nicht nur Erziehung, sondern eben ein größerer Bestandteil der Beziehung zu sein, ist aufwendig, anstrengend und bedeutet ganz viele Entscheidungen treffen, ganz viele Entscheidungen treffen, birgt das Risiko ganz viele Fehler zu begehen und bedeutet ganz viel Arbeit an sich selbst, weil man sich entwickeln muss, mitentwickeln muss und deswegen diese Beziehung und Erziehung heißt auch Erziehung eines selbst. Bernhard Vosicky: [25:13] Von sich selbst von sich selbst besser werden ja, genau Ich habe irgendwie auch mitbekommen, dass du, du sagst ja quasi, du bist immer noch ein bisschen in Karenz. Omar Sarsam: [25:28] Es fühlt sich zum Glück so an, weil ich wollte das nie ganz loslassen. Bernhard Vosicky: [25:33] Das heißt, du räumst dir den Alltag so gut, dass es eben im Rahmen deiner Selbstständigkeit sich vereinbaren lässt mit diesen mehreren Jobs, die du ja eigentlich hast. Und der Familie ist so frei, dass du da eine Struktur findest, wo sich das ausgeht oder wie ist das? Omar Sarsam: [25:46] Und das hat natürlich auch damit zu tun, dass meine Familie das unterstützt. Also das geht nicht ohne die Unterstützung der Familie. Und das heißt aber eben nicht, dass ich Tätigkeiten des Haushaltes immer zu 50 Prozent übernehme. manchmal nämlich zu 90 und manchmal aber zu 5 in glaube ich menschlicher Manier und man arbeitet und rauft sich zusammen, aber es ist einfach dieses, ja und es ist das dran arbeiten und das gemeinsam schaffen, das was es möglich macht. Hat das das beantwortet? Ich weiß es jetzt gar nicht. Bernhard Vosicky: [26:26] Ja mir geht es eher darum zu sagen ob du da wirklich so strikt bist zwischendurch dir Tage auszusuchen wo du sagst, hey, an dem Tag, das ist jetzt, keine Ahnung, der Freitag, am Freitag spiele ich nicht, am Freitag ordiniere ich nicht. Ja. Wie ist das? Omar Sarsam: [26:45] Ja, das ist so. Aha, Freitag. Freitag ist jetzt ein blödes Beispiel. Bernhard Vosicky: [26:49] Weil am Wochenende, ja, okay, gut. Omar Sarsam: [26:52] Aber, ja, wir haben diese Tage, wir haben diese Tage, wo ich nicht in der Praxis bin, wo ich nicht arbeite, wo ich ohnehin im Hinterkopf arbeite, wo ich nicht erwerbstätig arbeite, wo ich aber als Papa arbeite. Und das ist ebenfalls eine Form in meiner Welt, eine Form von Erwerbstätigkeit, denn unsere Kinder, Groß ziehen zu dürfen bedeutet, dass wir die Kinder groß ziehen, die später die Wirtschaft, das Gesundheitswesen, die Welt am Laufen halten. Und meiner Ansicht nach ist Kinder groß ziehen eine Form von Erwerbstätigkeit, die halt immer noch unbezahlt ist. Und vielleicht ist das so ein Hintertürchen, wo man sagt, das muss die drohende Altersarmut in der Pension der Erziehenden, ob es jetzt Frau oder Mann ist, die nicht klassisch erwerbstätig sein konnten, das müsste es eigentlich lösen. Also ich bin eher als für ein bedingungsloses Grundeinkommen für eine bedingungslose Grundpension für Menschen, die ein Kind großgezogen haben. Weil das ist eigentlich ein Dienst an der Gesellschaft. Bernhard Vosicky: [28:02] Nachhaltig eigentlich. Omar Sarsam: [28:02] Und nachhaltig. Dann stellen sich viele weitere ethische Fragen, was ist mit Menschen, die Kinder kriegen wollten und keine Kinder kriegen konnten. Aber dafür habe ich jetzt noch keine Antwort. Aber ich glaube, wenn sich da Profis zusammensetzen und Gedanken machen, muss es Lösungen und Antworten dafür geben. So oder so zusammengefasst, das Großziehen dürfen eines Kindes ist ebenfalls eine Form von Erwerbsfähigkeit, finde ich. Bernhard Vosicky: [28:26] Ich durfte mir vor kurzem auch wieder dein gerade noch aktuelles Programm Sonderklasse anschauen. Und da hast du ja auch Parts drinnen, die sich mit Familie, die sich auch mit der Gesellschaft und den Rollen von Männern und Frauen befassen. Übrigens, liebe Grüße von meiner Frau, sie ist wahnsinnig glücklich, dass du quasi sowas wie Karenz und Equal Pay in deinem Kabarettprogramm unterbringst, das ist nämlich nicht selbstverständlich und ihr sagt das, ich finde das auch großartig. Aber wieso ist dir das wichtig, das unterzubringen? Weil das ist jetzt schon, also das ist jetzt nicht alltäglich, habe ich das Gefühl. Omar Sarsam: [28:58] Es ist auch ein Punkt in meinem Programm, bei dem ich weiß, dass das keine Lacher generiert. Aber es kommt zu einem, es war halt immer schon mein Wunsch und ich hoffe, es gelingt mir manchmal, Menschen nicht ausschließlich zum Lachen zu bringen, sondern einfach zu berühren mit dem, was uns beschäftigt. Und ich habe den Eindruck, dass das etwas aufmacht, wenn man sagt, wie gehört es denn eigentlich richtig? Wir merken ja, wenn etwas ungerecht ist. Das bemerken wir. Aber es sind meist darin, Ungerechtigkeiten zu verdrängen. Denn es tut wahnsinnig weh, diese Ungerechtigkeiten aufzuarbeiten. Vor allem, wenn diese Ungerechtigkeiten in unserer Beziehung auftreten. Und das tun sie übrigens bei allen und auch bei mir. Und man muss eben in dieser Arbeit bleiben, daran zu arbeiten, zu sagen, was war jetzt gerecht, was war ungerecht, wie haben wir es gelöst bis jetzt und was ist der Weg in die Zukunft, der Blick in die Zukunft. Und wenn ich dann das Glück habe, das ansprechen zu dürfen, habe ich vielleicht den Eindruck, ich kann den einen oder anderen oder die eine oder andere so weit bewegen und mitnehmen, sich diese Gedanken zu machen. reicht es, wenn ich gender, reicht es, wenn ich eine genderneutrale Stellenanzeige aufgebe und dann aber anders handel, reicht es, wenn ich ein Plakat, auf dem draufsteht, echte Männer gehen in Karenz, in meinem Spital aufhänge, lasse aber die Abteilungen anders handeln. Nein, tut es nicht. Und das tut weh. Diese Erkenntnis tut weh. Omar Sarsam: [30:19] Und danach dürfen wir aber gerne wieder lachen drüber. Weil es ist die Realität, die wir eh nicht sofort ändern können. Aber sich einmal damit auseinanderzusetzen, mit der Realität, die wehtut, sich zu verbinden und drüber zu lachen, macht sie erträglicher, greifbarer und dann vielleicht auch wieder formbarer, weil man sie sich traut, in die Hände zu nehmen. Bernhard Vosicky: [30:38] Ja, da bin ich ganz bei dir. Also ich schätze sehr, wenn der Hintergrund interessiert. War das vor den Kindern auch schon gesellschaftskritisch, was das jetzt angeht? Oder hat das quasi deine Vaterschaft mit dir gemacht? dass du da vielleicht hellhöriger, sensibler bist, was die Thematik angeht? Omar Sarsam: [30:53] Es war vor allem die Schwierigkeit, in, nennen wir es jetzt nicht mehr Väterkarenz, in Karenz zu gehen. In meinem Fall sicher ausschlaggebend, dass ich es mal verarbeiten wollte. Und ja, das war eine Zeit, in der ich irre in der Luft gehangen bin. Was ich mich erinnern kann, wusste ich bis zur Woche vorm Antritt meiner ersten Karenz nicht, ob das überhaupt geht und wie es danach beruflich weitergeht. Und ich hatte mein erstes Kind und wir hatten unser erstes Kind. Und da war es auch nicht so einfach zu sagen, hey, ich schmeiße jetzt den Job gerade möglicherweise weg. Und daran zu glauben, dass ich der Erste bin, der aus der Karenz zurückkommt, war vielleicht sehr an der Grenze zwischen mutig und dumm. Aber die Grenze ist oft, die haben Überlappungen. Bernhard Vosicky: [31:48] Wie gern ist denn deine Familie Teil des Programmes? Ist das die echte Familie? Omar Sarsam: [31:53] Es ist auf jeden Fall inspiriert aus der echten Familie und ich muss einen Teil dazu verfremden, damit es nicht ganz so nah geht. Aber wie auch schon vorher gesagt, wenn ich versuche authentisch im Leben zu sein und jetzt nicht weit von dem zu sein, der ich auf der Bühne bin oder der ich privat bin, somit diese Inspiration geht in die gleiche Richtung, die ich im Leben auch gehen würde. Und wir haben es übrigens sehr lustig zu Hause. Bernhard Vosicky: [32:27] Das ist gut so und das ist auch wichtig, finde ich. Also gemeinsam lachen ist das Schönste, was man machen kann wahrscheinlich mit der Family. Wie schaut so ein Alltag, der wahrscheinlich nicht immer lustig ist, aber halt auch herausfordernd, also nicht, was die Kinder freizeittechnisch unternehmen, aber man ist halt dann oft auch das Taxi, man ist halt irgendwie oft das Hin- und Herbringen oder wie auch immer. Wie schaut so ein Alltag in der Familie Omar Sarsam: [32:46] Ich muss unmittelbar nach diesem Podcast schnell mehrere Kinder abholen, die nicht alle meine sind und zu einem Fußballplatz führen, bei dem ich noch nicht weiß, welcher der vielen Fußballplätze Wiens angefahren wird. das ist tatsächlich man ist sehr viel Taxi aber es ist urlustig und eben wieder habe ich das Glück die Kinder begleiten zu können und ich bin null Fußball affin aber seit meine Kinder Fußball spielen liebe ich Fußball, ich werde zum Hooligan ich bin der Fußball Ultra Papa der keine ich weiß nicht was Bengalen sind Pyrotechnik Ah, wirklich? Pyrotechnik? Bernhard Vosicky: [33:37] Nicht Büro? Omar Sarsam: [33:38] Nein, aber ich hatte mal Mangelsvuseler Pyrotechnik, gemerkt, dass bei einem Turnier die anderen Teams viel besser anfeuern konnten als ich, und es hat mir leid getan, weil unsere Mannschaft war halt, die Fans waren die leisesten, wir konnten einfach nur rufen und krölen und das hat nicht genügt und ich habe da zu der Zeit gerade das Weihnachtsprogramm gespielt, in dem ich Saxophon spiele und habe das Saxophon im Auto gehabt und dann habe ich mehrfach zu meiner Frau gesagt, du soll ich jetzt nicht das Saxophon holen. Sie hat oft still den Kopf geschüttelt, aber irgendwann konnte ich nicht anders. Und habe dann das vergoldete, alte Saxophon aus dem Auto geholt. Und das Coole war, ich konnte richtig Melodien ihnen zuspielen. Wir haben gewonnen. Bernhard Vosicky: [34:28] Nur wegen dir? Omar Sarsam: [34:29] Nein, natürlich nicht. Nicht nur wegen mir. Super Mannschaft und voll nett. Also ja, ich bin viel unterwegs. Bernhard Vosicky: [34:36] Und man darf als Papa auch mal peinlich sein zwischendurch. Mit Saxophon am Fußballplatz. Muss man sogar. Omar Sarsam: [34:40] In Ordnung. Ich finde, das ist in Ordnung. Und das heißt aber, als Papa peinlich sein, heißt ein kleines bisschen, das Kind, das uns ja doch immer noch inne wohnt, rauslassen. Bernhard Vosicky: [34:53] Absolut. Und das muss raus. Omar Sarsam: [34:55] Wenn, dann dort. Bernhard Vosicky: [34:55] Ja, also wo, wenn nicht am Fußballplatz. Wo, wenn nicht am Fußballplatz. Soll das raus. Bei mir ist es die Handballhalle. Aber es ist vergleichbar mit Trommeln. Also das ist meine Welt. Ich möchte ja in meinem Podcast auch Werbung für Familie machen. Das habe ich dir ja schon gesagt. Weil ich finde, dass wir der Familie den Stellenwert geben sollten, den sie meiner Meinung nach verdienen. Und das ist ein sehr, sehr hoher, wenn nicht sogar der höchste. Dass es auch wert ist, dass man zugunsten von Zeit mit der Familie, ich sage oft so, Zeit ist mein Statussymbol, auf vielleicht schnelles Vorankommen, vielleicht auf ein bisschen was auf dem Gehaltszettel verzichten kann. Was würdest du sagen, um Menschen zu so etwas zu bringen oder vielleicht irgendwie den Anreiz zu zeigen, Was sind denn die größten Vorteile, wenn man sich als Vater von Beginn an einfach da einbringt und da mehr macht, als es vielleicht erwartet wäre? Omar Sarsam: [35:47] Du hast jetzt immer wieder den Vater angesprochen und erstens ist der Mehrwert natürlich, die Kinder mehr mitbekommen zu können. Klar, das ist aber jetzt schon auf der Ebene von bla bla. Aber was oft vergessen wird, ist, dass nicht nur der Vater, sondern auch der Beziehungspartner dadurch einen anderen Stellenwert hat. Wenn der Beziehungspartner, wir als Paar, ebenfalls dadurch in den Vordergrund rücken können, können wir erstens eine andere Vorbildwirkung haben, wie kann eine Beziehung funktionieren, nämlich die durch Präsenz funktioniert und nicht durch Abwesenheit. Und zweitens, durch diese Beziehung nimmt man sich dann auch wieder Zeit, das Individuum. Also was brauche ich als Person wachsen zu lassen? Und das ist eigentlich, das kann man vielleicht sagen, was man sich eigentlich aus dem Berufsleben sonst erwarten würde, die Selbstverwirklichung. Omar Sarsam: [36:56] Das ist für mich der größte Werbeslogan, die beste Selbstverwirklichung, nämlich ich als Individuum kann nur deswegen so gut wachsen, weil ich im Beziehungszusammenhalt, im Familienzusammenhalt auch meinen eigenen Stellenwert nach vorne kehren darf. Omar Sarsam: [37:11] Weil ich mir Zeit dafür nehmen kann und weil nicht mehr der Beruf an erster Stelle steht und vielleicht alles mehr auf gleichwertiger Ebene stattfindet, nämlich auch die Kinder nicht als einzig höchster Stellenwert. Das Kindeswohl, klar, ist immer zu schützen und immer im Vordergrund zu halten, aber alle, bin ich überzeugt, die versucht haben, ihr Kindeswohl so im Vordergrund zu halten, kommen irgendwann an dem Punkt an, an dem ich, wir auch angekommen sind, zu sagen, Moment einmal, wo sind jetzt eigentlich wir? Was die Kinder sogar teilweise in eine Orientierungslosigkeit führt. Und es ist ein Riesenvorteil, manchmal zu sagen, Moment einmal, wir als Beziehung haben einen ebenfalls hohen Stellenwert und leben den Kindern damit vor, wie wichtig es ist, dass es uns zwei gibt. Weil wir zwei sind Grund, Ursache und wir sind diejenigen, die wollen, dass es diese Kinder gibt, dass es diesen Kindern gut geht. Und das heißt aber auch, dass es uns nicht nur gegeben haben muss, sondern dass es uns als Paar, als Beziehung auch noch lange geben soll. Was nicht immer geht, was nicht immer funktioniert, auch da gehört wieder viel Glück dazu. Und es können auch Familien sein, die aus verschiedenen Kinder- oder Nicht-Kinder-Vorgeschichten zueinander gefunden haben, ob Patchwork oder nicht Patchwork. Bernhard Vosicky: [38:32] Egal, liebende Menschen. Omar Sarsam: [38:34] Ja, liebende Menschen, Menschen, die sich lieben, dürfen diese Liebe ebenfalls in den Vordergrund kehren. Und das haben wir uns durchaus immer wieder getraut und rausgenommen, jetzt ganz spezifisch, auch für das Individuelle, was bei uns nicht lange her, dass wir begonnen haben, uns gegenseitig auch freizuspielen für, hey, ich nehme heute eine halbe Stunde, um Sport zu machen für mich. Und der Sport ist, ich mag ja Sport nicht. Aber wenn der Sport diesen Beigeschmack bekommt, dieses Zeitnehmen für mich. Bernhard Vosicky: [39:11] Kinderlose Freizeit nenne ich das mit meiner Frau immer, die halt auch sehr wertvoll ist. Omar Sarsam: [39:15] Musik zu hören, bei mir zu sein oder eben einfach nichts zu hören, auf die innere Stimme zu hören, dann erhöht das die Präsenz für die restlichen 23,5 Stunden. Absolut. Die man dann da ist. Bernhard Vosicky: [39:28] Dankbarkeit gegenüber demjenigen, der bei den Kindern sind, nach wie vor da. und dann muss, während ich meine Freizeit habe, macht jemand anderer das, was ich vielleicht was machen würde. Omar Sarsam: [39:37] Aber wir spielen uns eben dann gegenseitig frei, weil dann ist es eben auch wichtig, wenn man fürsorglich sein will, heißt das, dass man vor allem bei den Bedürfnissen der Umgebung ist und diese Bedürfnisse der Umwelt vielleicht viel stärker hört als die eigenen, weil sie immer gehört werden können. Die innere Stimme ist nicht laut, es ist keine Laute. Um die innere Stimme zu hören, braucht es eben diese Ruhe, diese Stillen, nach der ich mich so gerne sehne. und das war schon ein wesentlicher Wendepunkt, dass wir auch gesagt haben, dann wird es jetzt noch viel leichter und noch viel schöner, dass wir unserer individuellen Entwicklung Platz geben. Jeder von uns darf sicher mal eine halbe Stunde nehmen oder eine Stunde oder vielleicht mal eine Stunde gemeinsam. Bernhard Vosicky: [40:18] Das ist, glaube ich, ganz wichtig. Das war für uns ein ganz großer Knackpunkt in der Beziehung, wenn wir dann irgendwie am Anfang gestruggelt haben, weil wir halt, meine Frau und ich, sehr viel gemeinsam unterwegs waren, dass dann sich es schlagartig mit dem Kind geändert hat. Dann hat uns immer gesagt, na nehmt euch eine Babysitterin, oder? Gar nicht so blöd. Und dann war es so viel verbessert, weil wir einfach Eltern werden, Paar bleiben, diese abgedroschene Floskel. Aber das ist wichtig. Das ist unendlich wichtig. Und dann haben wir auch gemerkt, nicht nur uns miteinander geht es gut, sondern auch unsere Beziehung miteinander mit dem Kind. Das Kind hat diesen, den es halt manchmal hat, stellt alles auf den Kopf und schränkt mich ein, das ist weg. Oder halt deutlich vermindert. Ganz, ganz wichtig. Omar Sarsam: [40:59] Ist aber sicher auch ein, also ich glaube diese Gegenbewegung, die es braucht, um die alten, wie sagt man? Bernhard Vosicky: [41:09] Muster aufzubrechen. Omar Sarsam: [41:10] Muster, sehr schön, sehr schön. So wollte ich es eigentlich sagen. Bernhard Vosicky: [41:12] Ja, das wusste ich. Omar Sarsam: [41:14] Dazu braucht es natürlich eine gewisse Gegenbewegung, die vielleicht auch ein bisschen zu viel ist. Omar Sarsam: [41:19] Und dieses zu viel muss dann in Balance kommen mit dem, was man braucht. Und dieses zu viel kann eben bedeuten, dass man sich selbst als Individuum oder als Partner in einer Beziehung ein bisschen zu sehr in den Hintergrund stellt. Und ich glaube, dass wie immer, um jetzt wieder aus dem Beruf Paracelsus zu zitieren, wie gerne hätte ich mit ihm gearbeitet, Dosis fezit werden, um die Dosis. Bernhard Vosicky: [41:43] Ja, na klar, das stimmt. Du hast jetzt eben ein bisschen aufgespielt, jetzt gehen wir schon zum dritten Blocking, quasi ein bisschen die Zukunft. Wie kriegen wir es hin, dass sich das vielleicht in eine Richtung entwickelt, wo ich das Gefühl habe, dass eine gesunde Gesellschaft mit Stellenwert der Familie, wie ich mir vorstelle, wie könnte man das hinkriegen, dass diese alten Muster aufgebrochen werden? Ich weiß, könnten wir das lösen hier an diesem Podcast-Tisch? Wäre es easy, wird nicht funktionieren. Aber hast du dir überlegt, was so eine Idee wäre, wie man das macht? Omar Sarsam: [42:15] Einen Vorschlag habe ich hier gemacht, nämlich die gleichwertige Zeitaufteilung der Karenz, wenn möglich, zwischen Männern und Frauen. Das heißt, dass Väter und Mütter gleich lang in Karenz gehen. Glaube ich, ist ein wesentlicher Schritt. Wenn es dazu eine gesetzliche Grundlage braucht, die jetzt keine Verpflichtung sein muss, aber die zum Beispiel eine Begünstigung bedeuten kann, dann, glaube ich, ist das einer der Schritte. Wenn man jetzt lang darauf wartet, Wird es noch relativ lang dauern, glaube ich. Bernhard Vosicky: [42:52] Weil auch vielleicht man dadurch auch bei Männern einen Druck wegnehmen könnte, der Ernährer sein zu müssen. Omar Sarsam: [43:03] Völlig richtig. Bernhard Vosicky: [43:04] Ich glaube nämlich schon, und da haben uns die Frauen was Großes voraus, haben wir halt in den letzten Jahrzehnten beim Kämpfen, zumindest in meiner Bubble, in der ich leben darf, sehr urban, sehr glücklich, darf ich mich da schätzen, hier zu sein, gibt es diese Frau als Hausfrau, ist nicht mehr. Aber schon noch Männer als ein Ehre. Das ist schon noch da. Und da denke ich mir, das müssen wir auch wegkriegen, so in die Richtung. Und vor allem mit den positiven Aspekten, was wir davon haben, wenn man das, Lebenserwartungen und alle möglichen Geschichten, die ja nach wie vor auf diesen alten Rollen fußen, den Unterschied. Aber das heißt, du sagst auf der einen Seite, schon mal beginnend dabei, die Karenz gleichmäßig aufzuteilen. Omar Sarsam: [43:44] Gleichmäßig aufzuteilen. Und wenn es dann eine gesetzliche Basis gibt, ich kann nur mein Beispiel heranziehen. Hätte es eine gesetzliche Basis gegeben, die mich dazu verpflichtet, hätte es mir diese Verantwortung des gesellschaftlichen Druckes komplett genommen und ich wäre nicht der Erste gewesen. Sondern da hätte es halt schon einige gegeben, die vielleicht das tief drin auch wollten, aber diesem Druck nicht widerstehen konnten oder nichts dagegen halten konnten. Und da war wieder Glück im Spiel, weil ich das Glück hatte zu wissen, es gibt da noch ein Standbein, das mir ebenfalls viel Spaß macht. Und das war, das ist Glück oder Vorgeschichte. Also ja, das ist, glaube ich, einer der Punkte, einer der Aspekte. Ich glaube, das wäre ein guter Punkt. Zweiter Punkt ist, glaube ich, aber auch die Geschichte, die Entwicklung nicht gänzlich zu verteufeln, denn, Der Ernährer, der Versorger zu sein, hat was total Schönes auch. Also ich finde, diese alte Väterrolle hat ja was Schönes. Es ist total schön. Bernhard Vosicky: [44:50] Romantisiert halt ein bisschen teilweise. Omar Sarsam: [44:53] Ja, natürlich. Aber warum, und da könnte man jetzt wieder die Gerechtigkeits- oder Gleichheitsfrage stellen, warum soll ich Frauen das Recht, die Ernährerin sein zu können und dieses schöne Gefühl wahrzunehmen, vorenthalten? Warum? Es ist nämlich was total Schönes. Und gleichermaßen, es ist total schön, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt nennen wir es jetzt, wir brauchen es jetzt nicht nur aufs Geld brechen. Es ist schön, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für ebenfalls die Erwerbstätigkeit. Und diese Verantwortung darf beiden Geschlechtern gleichermaßen, zumindest in meinem Vorschlag, möglich gemacht werden. Bernhard Vosicky: [45:35] Aber auch die Freude, die Kinder intensiver mitzubekommen, während sie aufwachsen. Omar Sarsam: [45:40] Richtig. Also die Kinder mit all den wahnsinnig vielen schönen Momenten, die man ja, und ich glaube, da ist ein echtes Problem, All jene, die nicht das Glück hatten, in einer Zeit Vater werden zu können, in der sie sich das nehmen konnten, treiben wir jetzt in ein Schuldgefühl mit diesen Aussagen. Ich finde auch das mit Vorsicht zu genießen, weil man ja sagen muss, es war nicht alleine die Entscheidung derer, sondern ich hatte auch das Glück, in einer Zeit arbeiten zu dürfen, in der genau dieser Umbruch passiert ist. Und das ist jetzt, jetzt sind wir natürlich mitten in dem Umbruch, vielleicht schon ein bisschen weiter als vor fünf oder vor zehn Jahren. Aber es war vor 20 Jahren noch gänzlich anders. Und all diese Papas, die in der Arbeit waren, sind auch keine schlechten Papas. Das muss man, also bei allem, wie schön es ist, dass man es jetzt möglichst gleichwertig macht, auch mein Papa ist kein Schlechter. Das war eine andere Zeit. und aus der dürfen wir uns aber entwickeln. Bernhard Vosicky: [46:51] Was ist denn ein guter Papa? Omar Sarsam: [46:52] Sehr gute Frage. Ich glaube, einer, ein guter Papa, ist einer, der versucht, die beste Version seiner selbst zu sein und sich erlaubt dabei, regelmäßig Fehler zu machen. Bernhard Vosicky: [47:12] Das ist schön definiert. Ich gebe dir jetzt noch ein bisschen die Supergreifte. Wir machen jetzt, stell dir kurz vor, Superman-Musik. Ja, bist du drinnen? Omar Sarsam: [47:21] Ich bin drinnen, ich flieg. Bernhard Vosicky: [47:23] Es ist super saarsam. Ist es ein Arzt? Nein! Ist es ein Kabarettist? Nein! Was ist es dann? Es ist super saarsam. Du hast alles Geld, du hast alle Fähigkeiten. Eine Sache, ändere und machst die Welt besser für Väter. Omar Sarsam: [47:39] Alle Fähigkeiten, alles Geld. Bernhard Vosicky: [47:42] Unbegrenzte Möglichkeiten. Omar Sarsam: [47:44] Unbegrenzte Möglichkeiten. Boah, das ist eine wahnsinnig schwierige Frage. Ich muss kurz auf die Stille hören, warte kurz. Das ist gar nicht so still. Omar Sarsam: [48:03] Und ich habe nur eine Sache da. Bernhard Vosicky: [48:05] Ende einer Sache, ja. Omar Sarsam: [48:12] Das ist jetzt eine echt heftige. Bernhard Vosicky: [48:15] Es muss ja nicht die Lösung sein, die alles verändert, aber es muss eine sein, die dazu beiträgt. Omar Sarsam: [48:21] Also es ist easy. Es ist eigentlich total easy. Ich will ja Weltfrieden. Bernhard Vosicky: [48:32] Gut. Gutes Ziel. Omar Sarsam: [48:36] Und ich glaube, wenn ich alle Möglichkeiten, alles Geld hätte, würde ich alles Geld in die maximale Bildung der Menschen stecken. ich glaube, das wäre es. Weil das ist die einzige Chance. Die einzige Chance, wirklich zu handeln, ist so viel wie möglich zu wissen, zeitgleich aber zu verstehen, dass das nicht alles ist und den maximal möglichen Zugang zu allem Wissen zu haben, bedeutet, das klingt jetzt schon sehr nach, nicht Erleuchtung zu erreichen, aber zumindest gut beleuchtete Lehrunterlagen. Und ich glaube, aber ich würde alles Geld in Bildung stecken. Punkt. Ich glaube, das ist die einzige Möglichkeit, um echte Gleichberechtigung und Weltfrieden zu schaffen. Bernhard Vosicky: [49:32] Von Superman zu Back to the Future. Omar Sarsam: [49:35] Super Sasam, bitte. Bernhard Vosicky: [49:36] Super Sasam, Entschuldige. Back to the Future. Du stehst mit dem Wissen, das du jetzt hast, vor einem jungen, schneidigen Arzt ohne Kinder, der mal Kabarettist sein möchte oder wie auch immer, und gibst ihm einen Ratschlag. Omar Sarsam: [49:53] Also ich finde es sehr lustig, dass du den Chirurgen als schneidig bezeichnest. Bernhard Vosicky: [49:56] Das ist schon mal sehr gut. Welchen Rat gibst du dir selbst, wie du noch keine Kinder hattest mit dem Wissen, was du heute hattest? Omar Sarsam: [50:04] Ähm... Denk nicht so viel. Bernhard Vosicky: [50:14] Mach einfach. Omar Sarsam: [50:15] Das passt schon. Ja, ich glaube, das ist es. Einerseits will er super Sarsam Bildung, andererseits sagt er jetzt denk nicht so viel, aber ich glaube, es wäre eine Folge dem Bauchgefühl, das hat schon recht. Bernhard Vosicky: [50:34] Letzte Frage, letzte Bitte. Es gibt eine Papamia-Playlist auf Spotify, bei der jeder meiner Gäste einen Song hinzufügen darf. Omar Sarsam: [50:42] Ja, dazu brauche ich kurz mein Handy. Ich habe drei Songs vorbereitet. Und zwar, also ich darf wirklich drei? Bernhard Vosicky: [50:51] Du darfst, wir können die Playlist, die soll die schrecklichste Playlist des Grauens werden. Und ich bitte dich um deinen Beitrag, nämlich genau die Songs, die eben jetzt nicht, die du gern magst, sondern die du, wo du normalerweise das Land verlässt, wenn sie das Radio spielt. Omar Sarsam: [51:03] Das Problem ist ja, wenn man seinen Kindern seine Endgeräte zur Verfügung stellt, Um zu sagen, jetzt bitte, bitte schaut nicht irgendeinem Blödsinn, sondern hört doch Musik. Und das Glück hat, dass diese Kinder auch noch folgen, so verändern sie deinen Algorithmus. Schrecklich. Das heißt, du bist unterwegs und bist vielleicht bei genau der halben Stunde Sport, die du dir in viel Beziehung, viel Arbeit erkämpft hast und freust dich auf genau die Musik, die dir dazu verhilft, deine innere Stimme wieder zu spüren. Bernhard Vosicky: [51:37] Deine Playlist der Woche. Omar Sarsam: [51:38] Meine Playlist der Woche. Und dann kommt mitten aus dem Nichts, du bist gerade in der Welt des Funk, der Leo Lausemaus Titelsong. Bernhard Vosicky: [51:54] Leo Lausemaus, Leo Lausemaus. Omar Sarsam: [51:57] Also ja, das ist der Titel. ein Mäuserhaus. Leo Lausemaus kommt zu dir ins Hirn. Und der bleibt. Leo Lausemaus hat echt auch dazu geführt, dass ich glaube, die gesamte Pathophysiologie, die ich im Studium mir in drei mühsamen Monaten ins Gehirn geklopft habe, die hat er gelöscht. Das ist weg. Also das ist Titel 1. Bernhard Vosicky: [52:25] Leo Lausemaus Titelsang. Omar Sarsam: [52:27] Hören wir den jetzt? Bernhard Vosicky: [52:28] Nein, bitte nicht. Aber du hast ihn ohnehin den ganzen Neck im Ohr jetzt. Also das ist egal. Omar Sarsam: [52:32] Den hören wir gar nicht. Bernhard Vosicky: [52:34] Schade. Nein, ich kann verweisen und das mache ich auch sehr gerne auf die Playlist. Man kann sie sich anhören, auch im Repeat, wenn man möchte. Okay. Omar Sarsam: [52:41] Das nächste ist ein Lied, das anscheinend so in Fußballerkabinen und Kreisen so während des Umziehens dann so nach dem Training. Ein Umziehlied. Und so klingt es auch. Weil ich glaube, vielleicht klingt es gut, wenn währenddessen viele Menschen beim Umziehen zu hören sind, aber ohne klingt es ein bisschen nackert. Und das ist von MCL, Da ist nur ein L. Bernhard Vosicky: [53:10] MC L. Omar Sarsam: [53:10] Nein, warte, geht weiter. MC, großes L, Da Vinte. Und MC Guri. Und heißt Parado No Bailau. Bernhard Vosicky: [53:21] Aha, ja. Omar Sarsam: [53:21] Auch das ist so ein Lied, das brennt sich wie ein Laser in den Hirn. Okay. Und das dritte ist nicht so der Laser, sondern mehr so das Breitbandantibiotikum. Das fahrt komplett drüber. und auch das ist in dieser seltenen, seltenen, wertvollen halben Stunde immer wieder so im Algorithmus aufgeblitzt. Das ist ein Song ursprünglich von Rednecks, wir kennen es wahrscheinlich noch, das ist aus unserer Generation, aber auch, da haben viele mitgemixt, Rasi, Kiron, Raven und Trap-Musik. Bernhard Vosicky: [53:56] Ja, natürlich, die kenne ich. Omar Sarsam: [53:57] Trap-Musik N. Punkt, Punkt, Punkt. Das geht noch weiter, aber ich weiß nicht, da haben sehr viele Leute mitgemischt. Jeder eine Silbe. Und es ist nicht mehr Cut Night Joe, wie von Rednecks, sondern wurde, es tut weh, wurde reduziert auf Gedagedi, Gedagedao, Remix. Bernhard Vosicky: [54:18] Remix. Remix. Also nicht das Original. Es ist nicht das Gedagedi, Omar Sarsam: [54:21] Gedagedao Original, sondern der Remix. Eben von Razi, Kieron, Raven, Rednecks, Trap Music N. Und trägt den Beinamen Song. meiner Ansicht nach zu Unrecht. Bernhard Vosicky: [54:38] Das wäre eine Tortur. Ich nehme das genauso rein. Omar Sarsam: [54:41] Bitte gerne. Bernhard Vosicky: [54:41] Ich freue mich schon wirklich wahnsinnig darauf. Ich möchte noch sagen, dass der Spotify-Algorithmus sehr dumm ist, weil das ist mein Problem. Er erkennt den Unterschied zwischen Kinderliedern und volkstümlichen deutschsprachigen Schlagern nicht. Dementsprechend, meine Kinder hören halt dann Simone Sommerland, the best of. Omar Sarsam: [54:58] Und dann kommen Schlager. Bernhard Vosicky: [54:59] Und dann kommen Schlager. Und dann hast du Wolfgang, das macht alles kaputt. Es zerstört alles. Omar Sarsam: [55:03] Ja, aber darf ich nicht lieber einen Song sagen, den ich gut finde? Bernhard Vosicky: [55:07] Kannst du schon sagen, aber ich tue ihn nicht auf die Liste. Omar Sarsam: [55:08] Das ist schade. Aber ich sage ihn zumindest. Ja, bitte sage ich. Das ist nämlich einer von mir. Bernhard Vosicky: [55:11] Ja. Omar Sarsam: [55:13] Und zwar, den ich vor kurzem released habe. Und der hat auch ein bisschen was mit Schule zu tun, weil es so quasi eine Liebeserklärung an die Mathematik ist. Ganz konkret an die gesamte Mathematik einerseits, andererseits aber auch an den natürlichen Logarithmus und die Eudersche Zahl, die drin vorkommt. 2,18 2 1 8 2 8 4 5 9 0 4 seit diesem song kann ich sie aus und die ersten zeilen lauten weil ich habe immer versucht mathematik extra nicht einfließen zu lassen aber nicht gelungen aber, kriegst mich auf die Matte, denn mit dir komme ich auf einen Nenner, denn ich komme jetzt auf deine Höhe, umklammerst du mich, wird mein Punkt ein Strich, Konstanze, sei meine Unbekannte, oh Konstanze, und ich bin deine Null. Und am Schluss des Liedes wird sogar durch Null dividiert, was man nicht darf. Bernhard Vosicky: [56:06] Das stimmt natürlich. Omar Sarsam: [56:07] Und was dann passiert. Bernhard Vosicky: [56:08] Muss man sich annehmen. Omar Sarsam: [56:09] Das Lied ist von mir und heißt Konstanze. Bernhard Vosicky: [56:11] Ich werde es in die Frage zu befügen. Omar Sarsam: [56:14] Kannst du an sie rein? Es passt durchaus in die Playlist des Schreckens. Bernhard Vosicky: [56:19] Das freut mich. Oma, ich danke dir vielmals fürs Kommen in den Podcast. Du musst langsam zum Fußball. Omar Sarsam: [56:24] Ja, richtig. Los geht's. Bis bald. Papa Mia. Reine Männersache. Bernhard Vosicky: [56:30] Der Podcast von Papas für Papas. Und für alle, die Papas mögen. Klingt cool. Ist es auch.

Kapitel

03:33
Omar abseits der Bühne
11:42
Einzelkind sein und die Folgen
16:49
Auszeit statt Karriere
26:26
2 Jobs und Familie??
31:48
Bühnenfamilie VS echte Familie
35:47
Familie als Chance zur Selbstverwirklichung
43:44
Romantisierte Vaterrolle??
48:05
Der Schlüssel zur Gleichstellung
51:03
Kinder machen dein Spotify kaputt

Bernhard Vosicky

Host

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