Familie = Rudel – Warum unsere Kinder Führungskräfte sind | mit Thomas Kenyeri

Episode 126
39:40

Dein Kind fragt dich im Restaurant, wo ihr sitzen wollt. Du fragst zurück. Mein heutiger Gast – Unternehmer Thomas Kenyeri – würde das nie tun. Und er erklärt auch, warum das keine Frage der Strenge ist, sondern der Fürsorge.

Das ist bei mir von diesem Gespräch besonders hängengeblienben:

„Wenn die Familie nicht funktioniert, funktioniert auch der Mitarbeiter nicht. Das gilt für CEO, für Mitarbeiter, für alle.“

Worum es in dieser Folge geht

Thomas Kenyeri ist Co-Gründer von KESCH und Papa von zwei Teenagern. Er denkt Familie nicht als Gegenpol zum Beruf, sondern als erstes Rudel, dem wir jeden Morgen begegnen. Und in einem Rudel führt jeder, nämlich auch die Kinder. Nicht weil er das romantisch findet, sondern weil er überzeugt ist, dass Kinder Orientierung brauchen, keinen Mitbestimmungsausschuss.

Wir reden darüber, wie er seinen Teenagern Eigenverantwortung beibringt, ohne sie zu kontrollieren. Wie er mit seiner Frau die frühe Babyzeit überlebt hat, als er gleichzeitig ein Unternehmen aufgebaut hat. Und warum er einer Mitarbeiterin bei der Scheidung geholfen hat, weil er das für seine Aufgabe als Chef hält. Das klingt nach Konzept, ist bei Thomas aber einfach gelebter Alltag.

Diese Folge ist für dich, wenn du merkst, dass du deinen Kindern ständig Entscheidungen überlässt, die eigentlich deine wären.

Diese Folge ist Teil unserer Reihe über moderne Vaterschaft, Familienkultur und Führung.

Kapitel

  • (00:00) – Intro
  • (02:22) – Family First: Warum Familie und Business nicht trennbar sind
  • (06:48) – Pubertät? Kennen wir nicht – zwei Teenager, null Drama
  • (10:23) – Exzellenz als Familienphilosophie: 95 Prozent reichen nicht
  • (17:32) – Mit 15 vor Managern aufgestanden und um Rat gebeten
  • (30:04) – Frisch Papa und Unternehmer gleichzeitig: wie sie das überlebt haben
  • (33:38) – Was Tommy braucht, damit es ihm gut geht

Was du aus dieser Folge mitnimmst

  • Du verstehst, warum Kinder keine Entscheidungen wollen, sondern Orientierung.
  • Du bekommst ein konkretes Bild, wie Struktur in einer Familie aussehen kann, ohne dass sie sich wie ein Stundenplan anfühlt.
  • Du siehst, wie man als Paar die härteste Phase mit kleinen Kindern übersteht, wenn man klar redet.
  • Du nimmst mit, was es bedeutet, als Elternteil wirklich zu führen, ohne zu kontrollieren.

Über Thomas Kenyeri

Thomas Kenyeri ist Co-Gründer und Chief Visionary Officer von KESCH, einer der führenden Eventagenturen Österreichs. KESCH wurde zum besten Arbeitgeber Österreichs ausgezeichnet. Thomas ist Papa von zwei Teenagern, schreibt an einem Buch über Rudelverhalten und Führung, das im Herbst 2026 erscheint, und zeigt auf LinkedIn und Instagram regelmäßig, dass Familie und Business nicht getrennt gelebt werden müssen.

🌐 kenyeri.com

💼 LinkedIn: Thomas Kenyeri

🌐 kesch.com

Über Papa Mia!?

Papa Mia!? ist der Podcast von Papas für Papas. Bernhard Vosicky spricht mit Vätern, Expertinnen und Experten über moderne Vaterschaft, Care-Arbeit und das, was es wirklich bedeutet, heute Papa zu sein. Ehrlich, nah und ohne Schönfärberei.

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Transkript:

Tommy Kenyeri (00:00) family first. Und das gilt nicht nur für mich, sondern das gilt auch für meine Mitarbeiter. Wenn bei uns im Unternehmen in irgendeiner Weise mit Familienmitgliedern etwas ist, dann ist das Unternehmen hier, den Mitarbeitern zu helfen. Weil wenn die Familie nicht funktioniert, funktioniert auch der Mitarbeiter nicht. Das gilt für CEO, für Mitarbeiter, für alle gilt das. Bernhard Vosicky (00:34) Neue Podcastfolge diesmal mit einem Unternehmerpapa, den ich über Social Media, LinkedIn und Instagram kennengelernt habe und der immer wieder auch seine Familie in die Postings hineinbringt. Thomas Kenyary, ich sag mal Co-CEO von KESCH oder? hast jetzt zwei Leute von eurem Unternehmen, ihr macht das gemeinsam und das ist ja auch der Name Cash, eine Eine Zusammenspiel aus den beiden Inhabern, ist es korrekt? Tommy Kenyeri (01:03) Das ist korrekt. Cache ist die Abkürzung für Kenyere und Schütz, die zwei Gründer. Was nicht korrekt ist, ich bin nicht CEO, sondern das ist der Lukas. Meine offizielle Position ist CEO, das ist der Chief Visionary Officer. Bernhard Vosicky (01:22) Ok, also du bist der Mann mit den Visionen im Unternehmen, kann man das so sagen. Tommy Kenyeri (01:26) Genau, ich bin der, der was das quasi nach vorne treibt als Unternehmen. Was ich überhaupt nicht bin, ist Daily-Business-Mensch, der sich darum kümmern muss, dass die Versicherung bezahlt oder die Rechnungen bezahlt werden. Das ist nicht meine Welt. Bernhard Vosicky (01:41) Gut, muss sagen, wessen Welt ist das schon? Kein wenig. Aber zum Glück gibt es gute Menschen, die das als ihre Welt bezeichnen. Sonst wäre es blöd, weil gemacht werden muss es ja auf eine gewisse Art und Weise. Du bist aber jetzt weniger als Unternehmer bei mir, als eigentlich durch die Tatsache, dass ich gesehen habe und mitbekommen habe, dass du immer wieder auch deine Familie in deine eigentlich sehr businesslastigen Postings einbaust, weil das für dich offenbar ein Thema ist, das sehr nah zusammen spielt. Also Familie und Business und du bist eigentlich im Event-Business tätig oder eigentlich im Experience-Business, glaube ich, wie du das du bezeichnest. Tommy Kenyeri (02:22) Definitiv. Also ich glaube, es wäre ein fataler Fehler, wenn man die Familie nicht im Fokus hat als Unternehmer. Warum? Wir Menschen sind ja Rudeltiere. Und Rudel basiert ja darauf, dass man zusammenhält, dass man seinen Rudel schützt und so weiter. Das beginnt natürlich nicht, wenn ich in der Firma anfange, sondern das beginnt ja eigentlich schon in der Früh, ich aufstehe, das bin ich selber und dann bin ich quasi in meinem ersten Rudel, das ich begegne, nämlich meiner Familie. Und wenn ich mit der nicht im Reinen bin, wenn ich da nicht die volle Sicherheit habe, wenn ich da nicht im vollen Vertrauen leben kann, dann habe ich nicht die Ruhe und habe ich nicht quasi die Energie, dass ich überhaupt in meinem Unternehmen irgendwas machen kann. Und wenn du mit Unternehmensberatern sprichst, die Unternehmen sanieren müssen, restrukturieren müssen, dann wirst du herausfinden, dass es bei diesen Unternehmen meistens ein familiäres Problem gibt, die auch irgendein wirtschaftliches oder unternehmerisches Problem haben. Das heißt, die Basis ist immer irgendeine private Situation, weil jemand unter Druck ist, weil jemand krank ist oder was auch immer. Das habe ich schon sehr früh gelernt und deshalb habe ich immer schon, wie ich das Unternehmen gesagt habe, family first. Und das gilt nicht nur für mich, sondern das gilt auch für meine Mitarbeiter. Wenn bei uns im Unternehmen in irgendeiner Weise mit Familienmitgliedern etwas ist, dann ist das Unternehmen hier, den Mitarbeitern zu helfen. Weil wenn die Familie nicht funktioniert, funktioniert auch der Mitarbeiter nicht. Das gilt für CEO, für Mitarbeiter, für alle gilt das. Bernhard Vosicky (04:08) Aber das heißt, sagst, sowas ist nicht trennbar, weil viele versuchen ja genau das eigentlich zu trennen. Tommy Kenyeri (04:15) Man kann viel versuchen im Leben, aber es ist nicht trennbar. Das ist genauso wie, wenn man sagt, welchen Führungsstil wendest du an? ist genauso eine Frage, die diese Frage ist eigentlich schon falsch. Weil es gibt keinen Führungsstil, sondern die Natur hat uns vorgegeben, wie wir führen müssen. Wir sind ein Rudeltier und Rudeltiere haben gewisse natürliche Verhalten. Und wenn du dich mit denen nicht beschäftigst, wirst du nie etwas von Führung verstehen. Und deshalb kann ich mir auch keinen Führungsstil ausdenken. Ich kann meine Philosophie ausdenken, eine DNA für ein Unternehmen, was mir wichtig ist, aber ich kann nicht entscheiden, wie ich Menschen führe, sondern Menschen funktionieren einfach irgendwie und da muss man halt dementsprechend sich mit dem Thema beschäftigen. Bernhard Vosicky (05:02) Ich finde das sehr spannend. Das ist ein Zugang, den man jetzt nicht so häufig trifft, weil viele versuchen das zu trennen und das eigentlich sogar oftmals bewusst getrennt wird. sie sagen, das hängt überhaupt nicht zusammen. Viele sagen vielleicht, mein Unternehmen ist meine Familie. Da bin ich auch nicht ganz der Meinung, ob man das so sehen sollte, weil das zweifällig unterschiedliche Dinge sind. Auf der anderen Seite hängt es eben so nah zusammen. Tommy Kenyeri (05:29) Es hängt sehr nahe zusammen, aber ich kann auch mehrere Familien haben. Zum Beispiel sehe ich meine Familie zu Hause als mein allergrößtes Gut. Ich mache alles, damit diese Familie wächst. Das ist quasi auch mein Grundinstinkt. Damit diese Familie wachsen kann, brauche ich nicht nur Zeit und Energie, sondern ich brauche auch Geld. Bernhard Vosicky (05:33) Also ist es auch wieder mal. Ja. Mhm. Tommy Kenyeri (05:59) Weil sonst habe ich auch nicht das Kapital, wir gemeinsam wachsen. Das gehört nicht auch dazu. Und dazu brauche ich quasi meine zweite Familie, nämlich mein Team. Und deshalb ist das Zweitwichtigste, dass mein Team wächst. Das heißt, ich investiere die ganze Energie, indem das mein Team wächst. So sind wir auch bester Arbeitgeber Österreichs geworden. So und jetzt kommt das nächste. Damit mein Team wachsen kann, brauche ich wieder Geld. Und woher kriege ich das? Von meinen Kunden. Bernhard Vosicky (06:27) Mmh. Tommy Kenyeri (06:28) Und deshalb sind meine Kunden, ich nenne sie jetzt einmal, äußeres Rudel. Das ist auch meine Familie. Das ist nur eine andere Rolle, die ich da einnehme. Und das ist so meine Denkweise, wie ich denke. Und jedes Rudel, wie ich es nenne, das tue ich halt ein bisschen anders behandeln. Bernhard Vosicky (06:48) Lass uns einmal über deinen Rudel zu Hause sprechen. Du bist Papa von wie vielen Kindern? Zwei Kindern? Tommy Kenyeri (06:53) Genau, zwei Kinder. Ich habe eine Tochter, die ist 15, und einen Sohn, der wird bald 14. Bernhard Vosicky (06:59) Okay, das heißt du bist mittendrin in der Pubertät als Papa quasi mit deinen beiden Kids. Tommy Kenyeri (07:04) Angeblich. Bernhard Vosicky (07:06) Merkst nix davon. Tommy Kenyeri (07:07) Ich muss ehrlich sagen nicht. Ich habe keine Erfahrung mit Pubertät, weil es sind meine ersten Kinder und auch das erste, was ich erlebe. Außer, dass die Kids immer genialer werden, spüre ich das nicht, wenn ich ehrlich bin. Bernhard Vosicky (07:24) Schön, ist gut, es gibt ja sogar durchaus Sprachen, also ich glaube im Italienischen gibt es den Begriff Pubertät überhaupt nicht. Total lustig, ja, das ist offenbar etwas, dass wir uns als Konstrukt zusammengezimmert haben in manchen Kulturkreisen und andere kennen den nicht einmal. Ich kann es selber noch nicht sagen, meine Große ist elf, ich rede mal in drei, vier Jahren, dann kann ich sagen, ob ich ehrliche Erfahrungen mache. Aber ja, merke auch, Kinder werden von Jahr zu Jahr genialer. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die wachsen, was die von ihrer Welt mitnehmen. Gibt es so Meilensteine, wo du sagst, sie werden genialer, was du da gerade mitkriegst? Was tut sich da gerade? Tommy Kenyeri (07:40) Mh. Also meine Kinder haben so wie ich auch, die Ziele, Visionen, die sie folgen. meine Aufgabe ist es jetzt nicht denen zu sagen, was sind deine Ziele und was sollst du im Leben machen, sondern meine Aufgabe ist es quasi ein Umfeld zu schaffen, wo die sich selbstständig entwickeln können. Und meine Tochter, Ziel ist der Reitsport. Bernhard Vosicky (08:27) Mhm. Tommy Kenyeri (08:33) Das heißt, die möchte österreichische Meisterin werden, möchte Europameisterin werden, die möchte Weltmeisterin werden, die möchte zu Olympischen Spielen gehen, und und und. Das ist deren Ziel. So, jetzt ist quasi meine Aufgabe das zu organisieren, dass die das Ziel erreichen kann. Und das heißt, ich muss Geld herbeikommen, ich muss zeitfrei schaufeln, ich muss ein Umfeld basteln, wo sie das entwickeln kann. Das ist mein Job, den ich dazu erledigen habe. Natürlich ist das nicht nur ein Geben, sondern auch ein Nehmen. Die Kinder müssen ja dazu beitragen. In der Form, dass sie sagen, du musst jedes Training absolvieren, Tagebuch führen, Mindset verbessern und so weiter. Ich trainiere und schule sie dabei, dass sie sich da entwickeln können. Diesen Job machen sie einfach gut. Das ist meine Tochter im Reitsport, mein Sohn, der ist im Schwimmen, im Laufen und im Triathlonsport. Also auch sehr sportfokussiert und ich lege überhaupt keinen Wert darauf zu sagen, hey, musst du was für die Schule lernen und so weiter. Das gibt es bei uns das Thema gar nicht, sondern bei uns gibt es einfach den Auftrag, die Schule muss man erledigen, fertig. wenn, das Einzige, was ich sage ist, wenn sie das Gefühl habt, schafft das nicht alleine, dann gebt sie mir bitte Bescheid, weil dann werden wir jemanden holen, der euch hilft dabei, dass ihr gute Noten schreibt. Und das funktioniert einfach. Ich habe noch nie meinem Leben eine Hausübung kontrolliert. Ich weiß nicht einmal, was meine Kinder aktuell lernen. Das weiß ich nicht. Das interessiert mich auch nicht. Weil ich weiß, habe gute Noten. Die Hannah hat sehr gute Noten. Der Leo hat gute Noten. Der ist motiviert, dass er das selber macht. Und der weiß, dass das sein Job ist, dass er das gut macht. Sonst sind die anderen Dinge nicht möglich. Bernhard Vosicky (10:17) Klingt nach einem sehr leistungsorientierten, aber vor allem eigenverantwortlichen Zugang. Tommy Kenyeri (10:23) Ja, also ich bin generell ein leistungsorientierter Mensch in allen Bereichen. Das heißt, hat jetzt nicht immer mit Geld zu tun, ich sag immer, wenn du quasi kein Ziel hast, dann kannst du auch nichts erreichen. Ja, und das ist, wenn du dem Leben, wenn du dem Leben kein Ziel vorgibst, dann schickt es dir trotzdem ein Leben. Aber das ist wahrscheinlich das Falsche. Das ist so wie Bernhard Vosicky (10:48) Was es nicht ausgedruckt hat, zumindest, Tommy Kenyeri (10:50) Das ist so wie wenn du zu Amazon sagst schick mir was und das garantiert das falsche. Bernhard Vosicky (10:56) Ist es ein leistungsorientierter Zugang oder ein erfolgsorientierter Zugang? Im amerikanischen Raum ist Scheitern auch erlaubt. Bei uns kommt es langsam, aber eigentlich noch nicht. Wir sagen immer Leistungsgesellschaft. Ich würde es anders frameen als Erfolgsgesellschaft. Wenn du leistest, aber keinen Erfolg hast, bist du ja trotzdem unten durch. Tommy Kenyeri (11:16) Also bei uns ist es so, wir sagen einfach, man muss einen exzellenten Job machen. Das heißt, ich jetzt meine Tochter beim Turnier am Wochenende eine Stange runterschmeiß oder sie bei der Prüfung einen Fünfer hat, dann hat sie nicht irgendwas bei der Prüfung schlecht gemacht oder beim Turnier, sondern sie hat davor ihren Job nicht gut gemacht. Sie hat nicht gut genug geübt. Sie hat zu wenig gelernt. Was ich den Kids einfach beibringe, ist, dass der Erfolg nicht am Tag X entscheidend ist, sondern der Erfolg ist die 100 Tage davor, wo es mir nicht danach ist entscheidend. Und deshalb ist, ich würde niemals in meinem Leben zulassen, dass wenn jetzt zum Beispiel draußen ein schlechtes Wetter ist und meine Tochter hat ein Training, dass sie herkommt und sagt, heute ist ein schlechtes Wetter, ich möchte heute nicht trainieren gehen. Das würde ich niemals zulassen. Bernhard Vosicky (12:10) Also das heißt, du bist da schon auch dahinter oder sagen wir so, du lebst vor, dass man halt auch mit den Konsequenzen des eigenen Handels leben muss. Tommy Kenyeri (12:21) Natürlich. Es gibt ja keine Schuld, es gibt immer nur Konsequenzen von etwas. Das ist ein ganz wichtiger Punkt zu wissen. Das heißt, wenn ich ein Training auslasse, dann gibt es jemanden, der eines mehr ist einfach genau das, was ich meinen Kids lerne. Meine Kids lernen, wie man Geld verdient. Die lernen, wie man sein Bett in der Früh macht. Das sind für mich wichtige Dinge. Wir versuchen halt quasi kleine Dinge zu etablieren. Wir haben zum Beispiel ein Tagebuch, das jeder schreibt, das wir jeden Sonntag nachbesprechen in einem Familienmeeting, wie ein Schufix. Was ist diese Woche zum Erledigen? Wann hat wer Training? Was muss von uns erledigt werden, den Eltern? Was muss von den Kindern erledigt werden? Das wird ja normal, wir reden einfach ganz normal über diese Dinge. Da wird nicht wie ein Irrer herumgeschrieben, warum hast du das nicht gemacht? sondern es gibt es gar nicht, weil weiß einfach jeder, was zu tun ist und das sind einfach Aufgaben. Bei uns hat jeder, wir haben einen Familienkalender, stehen Meetings drinnen wie in einem Unternehmen, als Familie. Bernhard Vosicky (13:25) Das kenne ich von mir. Ich brauche das auch. Das muss diese Struktur geben, damit sich auch einfach alle auskennen, die Teil dieses Unternehmensfamilies sind. ist ja auch wichtig. Woher hast du das so selbst mitbekommen? Also bist du quasi auch in diesem Stil von deiner Familie erzogen worden? Tommy Kenyeri (13:45) glaube, meine Eltern haben kein Konzept gehabt, was man hier so erklären könnte. Meine Eltern haben einfach noch Hausverstand gehandelt, liebevoll gehandelt und bin immer sehr, gut behandelt geworden. Wir waren eine einfache, normale Familie, da habe ich das gelernt. Aber ich sage jetzt einmal, das Wissen, das ich jetzt habe, das habe ich über Jahre aufgebaut, weil ich mich damit beschäftigt habe. Ich schreibe ein Buch über das Rudelverhalten und wie Menschen, was wir von der Natur lernen können. Das heißt, ich beschäftige mich seit Jahren mit diesem Thema und ich habe vor 18 Jahren mit meinem Mentor Dr. Manfred Winterheller begonnen, der sich sehr mit diesem Thema auch wie wir als Familie unternehmen, wie man das alles unter einem Hut bringt, Führung. Ich bin einfach der Meinung, dass jeder Mensch eine Führungskraft ist. Egal wie alt und wie jung und welche Rolle er im Unternehmen hat, jeder muss führen. Ja, und das muss man auch mal verstehen. Da habe ich heute einen Beitrag darüber geschrieben über das Thema, weil es mir einfach so wichtig ist, dass die Menschheit versteht, dass eine Führungskraft nicht der Chef ist, sondern die Führungskraft ist jede einzelne Person. Und zu Hause ist das das Gleiche. Die Mutter ist Führungskraft, der Vater ist Führungskraft, aber die Kinder sind auch Führungskräfte. Die müssen sich auch orientieren. Die müssen sich durchsetzen. Die müssen Klarheit in ihr Leben reinbringen. Das ist alles Führung. Und die müssen sich im Team durchsetzen. Alles, das gehört alles dazu. Bernhard Vosicky (15:13) Wie bist du aufgewachsen? du wie wo mit Geschwistern? Welchem Verhältnis? Wie war das? Tommy Kenyeri (15:19) Ich habe einen Bruder, der ist älter, ich bin der Jüngere gewesen. Ich komme aus dem Südburgenland, mein Vater war Militär. Wobei ich kein typischer Militarist war, sondern eher ruhiger und nicht so klar in der Führung, wie man das jetzt glaubt. Sehr liebevoller Mensch. auch, was ich von ihm gelernt habe, ist immer diese Vorbildrolle. Egal ob das im Sport war oder irgendwo. Er hat uns nicht tagelang erklärt, wie das funktioniert. Er hat gesagt, wir fahren wie ein Radl 50 km. Das wird hart werden. Wer fährt mit? Okay, wir fahren mit. Ich glaube einfach, Kinder wollen einfach dabei sein. Das machen viele so falsch. Die Kinder fragen was willst du machen und wo sollen wir hinfahren? Das interessiert die Kinder nicht. Das wird es in der Natur nie geben. Stell dir vor, ein Elefantenjungen würde fragen, wo wir heute hinjagen. Das wird es nie geben. Da sagt die Mutter, wir gehen heute jagen. Schau, dass du weiter wie drei Meter entfernt bist. Und alle happy, weil es funktioniert. Das ist auch mein Ansatz. Man muss nicht so viel diskutieren und herumtun, sondern die Kinder lieben es, dabei zu sein. Das merke ich bei meinen Kindern. Ich habe einen Vortrag in Düsseldorf, wo er gesagt hat Bernhard Vosicky (16:27) Mhm. Tommy Kenyeri (16:42) Reet darf ich da mitfahren, weil ich möchte dabei sein. Die wollen einfach dabei sein, egal was es ist. Und das ist auch Familie, dass man das versteht, dass man als Familie gemeinsam Dinge macht, egal was es ist. das forciere ich Ich versuche halt wirklich auch, meine Kinder sind jetzt Eltern, ich nehme die mit. Ich war jetzt bei Dr. Manfred Winterheller auf einem fünftägigen Mindmanagementseminar, wo ich meine ganze Familie mitgenommen habe. Da waren alle verwundert, weil dort waren halt nur Manager und alles, und ich war halt mit meinen Kids dort. Und meine Tochter, die ist dort aufgestanden mit 15 Jahren und gesagt, ich möchte Staatsmeisterin werden. Da sind so viele intelligente Menschen herinnen. Wer kann mir Tipps und Tricks geben, wie ich da besser werden kann? Weißt du, und das Das hätte ich mich mit 15 Jahren nicht getraut. Das trauen sich die, weil sie in seinem Umfeld aufwachsen. Bernhard Vosicky (17:32) Inwieweit siehst du das auch als deine Leistung, dass sie so sind, wie sie sind? Tommy Kenyeri (17:37) Das ist zu 100 Prozent die Leistung einer Frau und von mir, weil wir leben das mit denen seit dem ersten Tag an. Wir beschäftigen uns seit 20 Jahren mit solchen Themen und wir leben das denen vor und wir sind die tieressen Besuchsbezüge. Meine Tochter trainiert jeden Tag im Rheidsport und meine Frau ist bei jedem einzelnen Training dabei. Bei jedem. Und das heißt, da gibt es eine tiefe Verbindung. Und klar, der Sohn, ist eher mit mir in einer tieferen Verbindung. wir machen auch Dinge, zum Beispiel, war mit meinem Sohn allein auf USA-Reise. Und wir machen auch solche Dinge mit den einzelnen Mitgliedern. Aber wir machen halt sehr viel gemeinsam auch. Bernhard Vosicky (18:27) inwieweit habt ihr deine Frau und du das so geplant gehabt, dass das jetzt so ist, wie es ist? Oder ist das passiert? Tommy Kenyeri (18:37) Ich würde nicht sagen, dass wir das geplant haben, sondern wir haben einfach für uns beschlossen, dass wir so sein wollen. Und dass wir eine Familie haben wollen, wo es das Wort Puppertät gar nicht gibt. Sondern das sind einfach unsere Kinder, die mit uns aufwachsen und die haben halt ihre Rolle des Kindes. Und irgendwann wird die Rolle sich drehen, sondern sie werden Keine Ahnung, in 30, 40 Jahren werden sie die Rolle einnehmen, dass sie uns pflegen. Trotzdem sind wir noch eine Familie, es haben sich nur die Rollen verändert. jetzt bin ich für sie verantwortlich. Wenn sie dann erwachsen sind, sind sie selbst für sich verantwortlich. Dann verlassen sie unser internes Rudel. Aber mein Ziel ist, dass diese Familie so lange wie möglich zusammen bleibt, dass wir ein Leben lang eine innige Verbindung haben. Das habe ich auch mit meinen Eltern. Ich rufe meine Mama jeden Tag in der Früh an. Und das gehört sich einfach dazu, weil das ist einfach auch meine engste Verbindung. Ich rede mit meinen Eltern wahrscheinlich am meisten von allen Menschen, mit denen ich rede. Und die sitzen alleine zu Hause. Mit wem sollen die reden lassen? Mit der Familie. Und deshalb mache ich das auch jeden Tag. Und ich lade die auch ein. Ich mit denen in den Urlaub. fahren gemeinsam als Familie auf Urlaub. Und es macht mir einfach wirklich Spaß. ich hoffe, dass das ... ganz lange so bleibt. Bernhard Vosicky (20:03) Und mit Papa ist das eine entferntere Beziehung? Weil du sagst, du rufst die Mama jeden Tag an. Tommy Kenyeri (20:13) Das ist egal, ob ich Mama oder Papa anrufe, die sitzen nebeneinander, wenn ich sie anrufe. Ich telefoniere mit beiden sehr viel. Mein Papa hat mir ganz viel geholfen in meinem Leben, auch beim Haus. Der kennt sich halt überall aus, handwerklich. Der hat mir so viel geholfen. Und das ist auch heute in dem Garten, ich brauche halt immer meine Eltern, weil sie meine direkten Bezugspersonen sind. Bernhard Vosicky (20:16) Also trotzdem sagst du, du hast das nicht gehabt, du möchtest deinen Kindern, wie deine Tochter selbstbewusst sich da in diesem Managementkreis hinstellt und sagt ihre Ziele und Tipps, Ratschläge bittet, das hast du in der Form nicht gehabt. Weil das kriege ich in meinen Interviews sehr häufig mit, die Papas ihren Kindern eigentlich fast sogar was besseres bieten wollen, als sie selbst bekommen haben, obwohl das selber schon nicht schlecht war. Tommy Kenyeri (21:01) Genau. Ich habe jetzt nicht irgendwie die Motivation, dass ich sage, ich muss das besser machen wie mein Vater. Sondern mein Vater hat zur damaligen Zeit für seinen Wissenstand und seine Möglichkeiten das sehr, gut gemacht, einen guten Job gemacht. Ich habe in meinem Leben mich anders entwickelt, habe mehr lernen dürfen, habe andere Dinge lernen dürfen. Und ich kann halt den Menschen oder meinen Kindern was anders lernen. Mein Vater hat mir Schweißen lernen können, er das können hat. Das könnte ich meinen Kindern jetzt nicht lernen, weil ich es nicht kann. Er hat zu seinen Fähigkeiten das Maximum rausgehalten und ich versuche mit meinen Fähigkeiten und die meiner Frau das Maximum für uns rauszuwollen. Das geht viel mehr in das Thema Mindmanagementführung hinein. Natürlich auch Unternehmer tun. Die lernen das vom ersten Tag an, dass wir Unternehmerfamilie sind. Bernhard Vosicky (21:35) Mhm. Mh. Ist deine Frau auch in den unternehmerischen Bereich tätig? Tommy Kenyeri (21:59) Meine Frau arbeitet bei mir in der Firma und sie ist vom ersten Tag an dabei und sie schaufelt ganz viele Dinge weg, die ich nicht machen möchte. Sie macht das am Vormittag und am Nachmittag ist sie Reitlehrerin. Sie hat auch einen Fulltime-Job. Bernhard Vosicky (22:17) Wie schwierig ist es mit der Familie auch wirklich zusammen zu arbeiten? Tommy Kenyeri (22:23) Ich finde das überhaupt nicht schwierig. Im Gegenteil, der Lukas und ich, wir holen sogar noch mehr Familienmitglieder rein. wir einfach sagen, ein Familienbetrieb, über Generationen, das gibt es ja alle schon seit Hunderten von Jahren, das müssen wir nicht schlechtreden, sondern es gibt ja Gründe, warum Gasthäuser über Generationen, warum es das alles gibt. Ich sage mal, Ängsten vertraue ich meinen Familien extrem und deshalb sehe ich da überhaupt keine das wollte ich noch sagen, weiß jetzt nicht, wie das ist, wenn man zum Beispiel nicht in seiner eigenen Firma arbeitet. Wenn ich jetzt in einem Betrieb bin, wo nicht ich der Chef bin, dann ist das sicher eine ganz andere Situation, wenn man da als Päärchen irgendwo drinnen ist, in verschiedenen Abteilungen, in Un- und und. Ich rede jetzt von mir, wie das bei mir ist in einem Unternehmen, wo ich sage mal, ich als als Gesellschaft, mit dem Lukas gemeinsam alle Entscheidungen treffen kann. Bernhard Vosicky (23:19) Natürlich, das ist ja aus einer quasi privilegierten Situation in dem Unternehmen heraus. Das ist was anderes als wenn man quasi, ich verstehe was du meinst, wenn der Verkaufsleiter und die Marketingleiterin eigentlich feiert, das ist natürlich ganz was anderes, da bin ich ganz bei dir. Aber es ist ein spannender Zugang eigentlich und würdest du sagen, was sind die Werte, die Eigenschaften, die Parallelen zwischen dem Tommy als Vater und dem Tommy als Führungskraft im Unternehmen. Tommy Kenyeri (23:51) mir ist einfach so Respekt sehr wichtig. Also respektvoller Umgang untereinander, respektvoller Umgang mit Ressourcen, alles was da dazugehört, das ist einfach ein ganz wesentlicher Punkt, das ist auch zu Hause so. Also ich sag einmal, es gehört einfach dazu, dass man ein Licht abdreht zum Beispiel, weil das brauche ich nicht brennen lassen. Oder dass ich mein Bett mache, solche Dinge, das ist einfach, das ist Irgendwer muss machen. sind kleine Aufgaben, erledigt werden können. ist mir wichtig. Was mir noch wichtig ist, Exzellenz. Ich bin der Meinung, wenn ich etwas mache und ich mache es zu 95 % nur gut, dann muss ich nur 5 % mehr tun, aber dann ist es wirklich gut. Das ist mein Ansatz. Die meisten Menschen arbeiten immer nur 95%. Aber die 5 % sind der Unterschied. Und das lerne ich meinen Kindern auch, dass du einfach einen Schritt Dinge noch besser machst, wie du glaubst, dass es schon machst. das ist einfach dieses Wachstum, was immer wieder führt. Und das merke ich auch im Unternehmen. Ich schaue zum Beispiel nie auf meine Mitbewerber, weil ich kann mich an denen nicht orientieren. Warum? Weil die sind ja maximal bei 95 Prozent. Ich möchte da drüber sein. Und deshalb schaue ich da immer. was glaube ich jetzt wie das gehen soll oder wie das gehen kann und dann schaue ich kann ich da noch 5 % drauf geben. Bei diesem Weg gehen die meisten nicht. Und solche Dinge sind mir sehr wichtig. das sind so die wichtigen Dinge einfach. Bernhard Vosicky (25:28) Aber du sagst schon, ich glaube, dieser Familienwert, das ist einer, der dir sehr wichtig ist, den du ganz groß schreibst, was ja auch bisschen zusammenhängt mit der Auszeichnung, die ihr wiederbekommen habt, Great Place to Work, was ja auch eine große Rolle spielt dann für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ja auch Familien haben und die ja auch Verpflichtungen haben. Und ich denke mal, ist als Unternehmer, Unternehmerinnen Sicht oft immer so ein bisschen ein Zweischneidiges Schwert, Also es ist schwierig. Wie kriegst du das mit? Für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die hin und her gerissen oder fällt ihnen das leichter, wenn der Chef selber hohen Wert für Familie hat? Tommy Kenyeri (26:11) Ich kann da jetzt nur sprechen, wie es bei uns in der Firma ist. ich sage immer, wenn ich meine Firma aussuchen könnte, dann würde ich gerne bei uns arbeiten. für uns, zum Beispiel bei uns besteht ein Mitarbeitergespräch nicht nur auf beruflicher Ebene, sondern ein Mitarbeitergespräch geht es darum, was sind deine privaten Ziele für dieses Jahr? Und jetzt sagen viele natürlich, was geht das den Chef an? Ich bin der Meinung, das geht genau am Chef am meisten an. Wenn du als Mitarbeiter sagst, ich möchte einen Marathon laufen, dann musst du ja trainieren. Wenn das bei uns jemand sagt, möchte einen Marathon laufen, dann sage ich, okay, ab sofort ist es quasi kein Wunsch, sondern ab sofort ist es eine Aufgabe. Ich bezahle den Start für den Marathon, aber ich möchte jedes Monat den Trainingsplan vorliegen haben und ein Report, dass du die Trainings absolviert hast. Bernhard Vosicky (27:04) Okay, was sprichst du dir davon? Tommy Kenyeri (27:05) Das ist mein Zugang. Menschen können ihre unternehmerischen Ziele nur erreichen, wenn sie ihre privaten erreicht haben. Bernhard Vosicky (27:10) Mhm. Tommy Kenyeri (27:11) Und deshalb bin ich so dahinter, dass die Menschen ihre privaten Ziele erreichen. habe meiner Mitarbeiterin von mir, der habe ich bei der Scheidung geholfen. Weil ich einfach gemerkt habe, das bringt nichts. Wenn die jetzt nicht die Scheidung schafft, wenn sie das nicht durchbringt, Ganze, die ist einfach nicht zu 100 Prozent hier in der Firma. Das sind nicht einmal 80 Prozent. Und deshalb habe ich Geld geborgt, gemeinsame ... Rechtsanwaltshilfen, alles haben wir gemacht, damit das erledigt wird, damit es ihrem Leben wieder einen Schritt weiterkommt. Und das gehört einfach dazu. Das ist mein Rudel. Bernhard Vosicky (27:49) verstehst du oder kannst du nachvollziehen, dass andere Unternehmerinnen und Unternehmer teilweise noch in der Denkweise sind ein Ersatz von Rudolfsand Jobhaut? Tommy Kenyeri (27:57) Ich möchte anderen nicht bewerten, wie die das machen. Das soll jeder für sich selber entscheiden, wie er als Unternehmer mit der Situation umgeht. Ich schaue da einfach an mich und ich denke mir immer, wie möchte ich in einem Unternehmen arbeiten? Unsere Mitarbeiter, von denen wird sehr, sehr viel verlangt. Wir sind Dienstleistungsagentur, unsere Kunden sind ein internationales Unternehmen. Wir arbeiten für die größten Marken der Welt. Die rufen am Sonntag, am Nachmittag an, brauch das am Sonntag, Abend. Und da muss es Menschen geben, die denen helfen. Und dann kann ich meine Mitarbeiter nicht behandeln wie nur ausnutzen, sondern die sind mein wertvollstes Gut. Das ist mein Asset, was ich habe. Das ist Einzige, was ich habe. Ich bin Dienstleistunger. Das sind die Menschen, ohne denen kann ich nichts machen, kann ich nicht zusperren. Ich brauch die einfach. Und deshalb, weißt du, das ist wie wenn ... Bernhard Vosicky (28:38) Mhm. Tommy Kenyeri (28:52) keine Ahnung, Elektriker, der kein Werkzeug hat, der kann nichts machen. Und genauso kann ich ohne Menschen nichts machen. Und ich kann aber auch ohne meine Familie nichts machen, weil wenn die alle krank sind und wenn alle psychische Probleme haben, dann kann ich nicht in die Firma gehen, weil ich muss mich darum kümmern. Und deshalb schaue ich, ich lasse einfach alle Räder laufen. Bernhard Vosicky (28:59) Bin ich ganz... Inwieweit stimmst du zu, wenn ich sage, dass man als Führungskraft in einem Unternehmen auch für das privaten Familienleben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitverantwortlich ist? Tommy Kenyeri (29:25) Ich weiß nicht, ob man mitverantwortlich ist, aber man kann als Chef den Mitarbeitern das Gefühl geben, dass die Familie wichtig ist und dass es, wenn es Themen in der Familie gibt, dass du da bist, wenn du helfen kannst. Und ich glaube, wenn die Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihr Chef sich auch für solche Fragen da ist dann hat man seinen Job als Chef schon gemacht. Was ich nicht mache, dass ich mich jetzt in Familien einmische und sage, wie du mit deinen Kindern umgehen sollst, das ist schon ein Schritt zu weit, meiner Meinung. Bernhard Vosicky (30:04) Okay, aber wie gehst du mit Mitarbeitern die frisch Papa, frisch Mama sind, die haut sich momentan wahrscheinlich aus dem Leben, weil das eine ganz besondere Situation ist. Wie kann man da als Chef das Gefühl geben, ich bin für dich da? Tommy Kenyeri (30:22) Verständnis zeigen, die Klarheit geben. Ich sage den Mitarbeitern, wenn du in Karenz bist und deine Kinder, das ist erste Kind, es wird ziemlich hart am Anfang. Es wird nicht nur die Babyfoto sein, die du auf der Postkarte deinen Verwandten schickst, sondern werden schlaflose Nächte sein. Das heißt, du gibst das Verständnis, dass es jemanden gibt, der das versteht. Wenn du ihm das Gefühl gibst und sagst, Wenn du daheim mal nicht mehr kannst, dann gib das Baby mal deinem Mann und komm zu uns und Tage in die Firma. Und so rede ich mit den Leuten einfach ganz normal. Wie man halt einfach normal miteinander spricht. Wertschätzend, liebevoll. Bernhard Vosicky (31:13) Was hat denn das Papawerden mit dir gemacht, als du Papa geworden bist vor 15 Jahren? Tommy Kenyeri (31:18) Es war wirklich eine harte Zeit, ich das Unternehmen zur gleichen Zeit gegründet habe. Ich habe damals noch Summer Splash gemacht, Matura Reisen. Ich war vier Wochen durchgehend in der Türkei. Meine Frau war alleine zu Hause, Anfang mit einem Kind, dann mit zwei Kindern. Es war für uns eine ganz schwierige Zeit und wir haben das nur überlebt, weil wir genauso offen miteinander geredet haben. Meine Frau hat gesagt, ich weiß jetzt, vier Wochen wären die Hölle meines Lebens. Aber wir müssen da durch. Wir haben gebeten, dass Hilfe bekommen von Eltern, von Freunden. Irgendwie haben wir es geschafft. Es war nicht leicht, es war eine schwierige Zeit, aber es hat uns einfach Bernhard Vosicky (32:05) Aber weil du sagst, ihr habt euch das klar ausgemacht, das ist, glaube ich, der Schlüssel, oder? Tommy Kenyeri (32:10) Genau. Also, ähm, es hört sich jetzt blöd an, aber ich hab zur damaligen Zeit schon mit meiner Frau wie einen Terminkalender geführt. Ja, und hab gesagt, keine Ahnung, du bist jetzt für die Kinder verantwortlich bis 1 Uhr in der Früh, ab 1 Uhr in Früh bin ich verantwortlich, oder heute bist du verantwortlich, morgen ich. Das hat alles genau angesprochen, dann gibt's keine Probleme, weil dann kann ich ja mal 24 Stunden durchschlafen und am nächsten Tag meine Frau und muss sich um nichts kümmern. Solche Sachen einfach Klarheit in alle Dinge reinbringen. Und das ist einfach was viele nicht können. sagen, ja probieren wir alles gemeinsam und das machen wir gemeinsam. Das funktioniert nicht. dann sind beide erschöpft. Und man muss einfach fit sein und man muss sich selbst schützen. sage immer als Metapher, das beste Beispiel der Welt ist, wenn du in einem Flugzeug sitzt, dann fliegen von da oben diese Masken runter und dann steht da dass du dich zuerst dir aufsetzen sollst und dann deinem Kind. Und so ist das im ganzen Leben. Du musst immer zuerst dich beschützen und dann die Kinder und nicht umgekehrt. Weil was tut ein beschütztes Kind an den Eltern? Und das haben meine Frau und ich vom ersten Tag an so gelebt. Wir haben uns nicht Gedanken gemacht, was machen wir für unsere Kinder am Wochenende, sondern wir haben gesagt, was machen wir am Wochenende, wo wir die Kinder mitnehmen können. Bernhard Vosicky (33:16) Mhm. Was tust du, damit es dir gut geht und was tut ihr, damit es euch als Paar gut geht? Tommy Kenyeri (33:38) Sehr, sehr gute Frage. Damit es mir gut geht, brauche einfach Zeit für mich alleine. Ich ein Mensch, der sehr, gerne alleine ist. bin viel in Kroatien, am Meer. Das ist die Zeit, wo ich die absolute Energie bekomme. Bei meiner Frau ist es das Reiten, wo sie ihre Zeit und auch ihr Thema ist. Meine Frau hat ein Ritual, die will jeden Tag am Abend spätestens halb acht zu Hause sein. Glas Milch, dunkle Schokolade, ist sogar ihre Zeit, Entspannung. Das war auch früher schon so. heißt, immer in dieser Zeit habe ich die Kinder ins Bett gebracht, das war ihre Zeit. Und das Gemeinsame ist gemeinsame Reisen, ist unser Familienmeeting am Wochenende. Und einfach die offenen Gespräche. Wir kommunizieren ganz viel über WhatsApp-Gruppe zum Beispiel den ganzen Tag über. Das heißt, ich sehe das gar nicht so, dass wir, wir sind immer verbunden, meiner Meinung nach. Ich war da nie so einer wie, nein, meine Kinder dürften kein Handy haben und so. Das habe ich nie so ernst genommen. habe gesagt, meine Kinder sollen ein Handy haben, weil dann können sie mir jederzeit schreiben. Also ich habe da immer bisschen andere Ansätze dazu auch. Bernhard Vosicky (34:59) Was würdest du dir als noch nicht Papa selbst raten? wenn du jetzt vor dem Tommy stehst, vor 16 Jahren, der dann kurz davor ist Papa zu werden und du hast das Wissen von heute mit zwei Teenie-Kindern mit dem, du jetzt bist, gib dir einen Ratschlag, damit es dir vielleicht ein bisschen besser geht. Tommy Kenyeri (35:18) Also ich würde auf jeden Fall empfehlen, viel, gerade wenn die Kinder im Babyalter sein, sehr, sehr viel Zeit und Nähe mit den Kindern verbringen, weil ich glaube, dass hier dieses Bondage gebaut wird, diese ganz enge. Und in dem Führungskonzept von Dr. Manfred Winterheller geht es ja, das nennt sich ja Continuum-basierende Führung. Und das Continuum ist ist die Erwartungshaltung, wenn ein Kind auf die Welt kommt, an die Gesellschaft. Dieses Continuum muss ich erzeugen. Ich muss dem Kind Sicherheit und das Gefühl geben, dass da jemand ist, der auf mich schaut, damit ich mich entwickeln kann. Das ist mein Zugang zu dem Ganzen. Ich muss das Kind nicht entwickeln. Ich muss das Kind nicht jeden Tag etwas lernen, sondern ich muss den Rahmenbedingungen schaffen, dass der in einer sicheren Umwelt aufwachsen kann. Vertrauen, Wertschätzung und Kinder sind nicht dazu da, die Führung zu übernehmen. Kinder wollen nicht gefragt werden, wo sie sitzen Die treffen nur die Entscheidung, weil die Eltern zu schwach sind, zu treffen. Das kann ich nur jedem empfehlen, dass du nicht ins Restaurant reingehst und sagst, wo du sitzen sondern ins Restaurant und sagst, das ist unser Tisch, wo wir sitzen. Wenn du das für dich verstanden hast, wird es für die Eltern raufstoßen, wenn ich das sage. Aber wenn du das für dich immer reflektierst und das verstanden hast, wird sich dein Leben 180 Grad verändern. Und für alles Lösungen haben. Ich habe zu meinen Kindern immer gesagt, ich zahle für alles, was du willst, die Hälfte. Kinder haben viel Geld. kriegen von der Oma, Opa immer Geld. Bernhard Vosicky (36:57) Okay. Tommy Kenyeri (37:09) Wenn du in den Supermarkt gehst, kennt jeder die Situation, dann kommen da die ganzen Süßigkeiten, Mama ich will das haben. Ich habe nie Nein gesagt. Ich habe gesagt, du kannst dir alles kaufen, was du willst, ich zahle die Hälfte. Ja, aber ich habe mein Geldbörsen zu Hause vergessen. Schade. Bernhard Vosicky (37:23) Tommy, sag mir, dein Buch, du bist im Schreiben, du wirst bald fertig damit, wann kommt es? Tommy Kenyeri (37:30) Ziel ist eigentlich im Herbst diesen Jahres, dass es fertig ist und es wird eben sehr stark das Thema Rudel gehen. Ich beschäftige mich ganz stark mit Wolfsrudeln, wie die so untereinander ihr Konzept Familie leben und habe das wirklich übersetzt auf mich, meine Familie, auf meine Mitarbeiter und auf meine Kunden, was das bedeutet und wie ich das Konzept für mich anwenden kann. Wir im Unternehmen nennen uns ja die Kesch Pack also das Kesch Rudel und die ganze Philosophie ist auf das aufgebaut und dass es funktioniert, wir spätestens, dass wir seit diesem Jahr vom Great Place to Work zum besten Arbeitgeber Österreichs ausgezeichnet wurden. Bernhard Vosicky (38:15) Das heißt, werden aufmerksam verfolgen, wann das Buch auch täglich draußen ist. Hat ihr noch einen Titel? Tommy Kenyeri (38:21) Den möchte ich noch nicht verraten. Bernhard Vosicky (38:22) Okay, dann lass' den noch geheim. Dann hab' noch eine einzige letzte Bitte an dich und zwar, dass du einen Song auf meine Playlist des Grauens hinzufügst und zwar einen, den deine Kinder vielleicht so oft gehört haben, dass du ihn selber nicht mehr hören kannst. Gibt's da einen? Tommy Kenyeri (38:37) Das kleine Pony, ein Song von meiner Tochter, da geht es ein kleines Pony eben und das hat eine deutsche Kindersängerin gesungen und ich weiß nicht wie viele Millionenfach wir uns das angehört haben auf YouTube im Auto, egal wo, das kleine Pony ist immer gelaufen. Bernhard Vosicky (39:00) Das klingt verdächtig nach Simone Sommerland, das kleine Pony. Wenn du sagst eine deutsche Sängerin. Ich werde das suchen und ich werde das kleine Pony auf die Playlist hinzufügen und irgendwann ist das die schlimmste Playlist aller Zeiten. Großartig. Tommy, ich danke dir vielmals für das tolle Gespräch und für den sehr interessanten Einblick in deinen Kopf eigentlich. Wie du Leben, Familie und Unternehmen so dir vorstellst und es lebst. Tommy Kenyeri (39:05) Ja. Danke für das wirklich tolle Interview und den tollen Podcast.
Bernhard Vosicky – Podcast Host Papa Mia!?

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