Ich würde mein Kind niemals in den Kindergarten geben – Carina Rieder über die Alternative zur Kita

Episode 130
43:36

Carina Rieder ist ausgebildete Kindergartenpädagogin. Ihr eigenes Kind würde sie trotzdem nie in einen klassischen Kindergarten geben.

Der Satz, der bei mir noch nachhallt:

„Ihr müsst nicht herausfinden, woran es liegt. Wenn ihr ein schlechtes Bauchgefühl habt, dürft ihr euch eingestehen, dass es vielleicht eine andere Lösung gibt.“

Carina war selbst im Kindergarten tätig, deshalb kennt sie die Zahlen aus der eigenen Praxis: acht Kinder in einer Gruppe in Salzburg, fünfzehn in Wien, ab drei Jahren sogar fünfundzwanzig.

Wir reden in dieser Folge darüber, was das mit den Kindern macht, aber auch mit den Pädagoginnen, die täglich zwischen Wickeltisch, Jause und Dokumentation aufgerieben werden. Nämlich genau deshalb hat sie den klassischen Kindergarten verlassen.

Heute vermittelt sie über Smiling Hearts Childcare ausgebildete Pädagoginnen direkt an Familien, mit einem Betreuungsschlüssel von eins zu vier statt eins zu fünfzehn.

Ich wollte wissen, was das kostet, ob das nicht eine Zwei-Klassen-Betreuung schafft und warum sich ihr Angebot fast ausschließlich an Unternehmerinnen richtet.

Außerdem sprechen wir darüber, warum kaum Männer in der Elementarpädagogik arbeiten, obwohl sich bei ihr hunderte Pädagoginnen bewerben und trotzdem so gut wie keine Männer darunter sind.

Diese Folge ist für dich, wenn du dich beim Abholen aus dem Kindergarten manchmal fragst, ob es deinem Kind dort wirklich gut geht.

Kapitel

(00:00) – Intro
(04:44) – Warum eine gelernte Pädagogin den Kindergarten für immer verlässt
(13:08) – Acht Kinder, eine Wickelstation: Der Alltag hinter dem Betreuungsschlüssel
(18:24) – Eins zu Vier: Wie ihr eigenes Modell im Wohnzimmer der Familie funktioniert
(26:41) – Warum fast keine Männer im Kindergarten arbeiten
(36:59) – Vier Monate Geschrei: Wann Eltern auf ihr Bauchgefühl hören sollten

Das nimmst du mit

  • Du erfährst, warum der viel zitierte Fachkräftemangel in der Elementarpädagogik laut Carina ein Strukturproblem ist, kein Gehaltsproblem.
  • Du bekommst ein konkretes Modell für private Kinderbetreuung mit besserem Schlüssel, samt echten Zahlen zu Kosten und Ablauf.
  • Du verstehst, woran es liegt, dass kaum Männer in Kindergärten arbeiten, obwohl sich Carina eine bessere Durchmischung wünscht.
  • Du weißt danach, welches Signal beim Abholen und Hinbringen zeigt, ob sich dein Kind in der Betreuung wirklich wohlfühlt.

Über Carina Rieder

Carina Rieder ist ausgebildete Kindergarten- und Elementarpädagogin und Gründerin von Smiling Hearts Childcare. Nach Jahren in klassischen Kindergärten vermittelt sie heute Pädagoginnen direkt an Familien, mit einem Betreuungsschlüssel von eins zu vier statt eins zu fünfzehn. Für diese Folge ist sie relevant, weil sie beide Seiten kennt: den Alltag in der Gruppe genauso wie das unternehmerische Gegenmodell dazu.

Mehr von Carina: smiling-hearts-childcare.at

Über Papa Mia!?

Papa Mia!? ist der Podcast von Papas für Papas. Bernhard Vosicky spricht über moderne Vaterschaft, Familie und die Suche nach der eigenen Rolle als Papa. Ehrlich, persönlich und ohne erhobenen Zeigefinger.

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Transkript:

Carina: [0:00] Das ist, glaube ich, ein bisschen kontrovers, aber das war mein Hauptgedanke. Ich möchte mein Kind niemals in den Kindergarten gehen. Bernhard: [0:09] So wie er jetzt ist. Carina: [0:11] Genau. Voll. Bernhard: [0:23] Bevor es losgeht, ganz kurze wichtige Info an dich. Ich weiß, momentan sind die Veröffentlichungstermine nicht so regelmäßig, wie sie eigentlich sein sollten. Das hat den Grund, dass ich eigentlich im Sommer vorproduziert habe, alles regelmäßig wöchentlich veröffentlichen wollte und dann kam eine Datenpanne, bei der fünf oder sogar sechs Folgen, die ich aufgenommen habe, bereits verloren gegangen sind und nur mit Mühe, Not und Datenrettung sehr teuer, aber zumindest erfolgreich wiederhergestellt werden konnten. Das heißt für dich, die Folgen kommen, sie sind da, Bernhard: [0:55] Weil gerade Herbst ist und weil für mich gerade extrem viel zu tun ist und Papa Mia nach wie vor ein Liebhabereiprojekt ist, vielleicht nicht ganz so regelmäßig, wie du es gewohnt bist. Wenn du mich unterstützen möchtest, drück auf Gefällt mir, wo auch immer du was von Papa Mia mitbekommst, schick die Folge gerne weiter an jemanden, der sie gerne hören sollte, an Papas, an Mamas, an Menschen, die Familie wichtig finden. Und ein Abo wäre nicht schlecht. Und wenn du bewerten möchtest, vor allem wenn es eine gute Bewertung ist, Hey, ich bin dir definitiv dankbar. So, aber jetzt rein in die nächste Folge mit der großartigen Carina. Willkommen zur neuesten Folge von Papa Mia. Diesmal spannend, kein Papa, der mit mir auf der Couch sitzt, sondern ich freue mich, dass Carina Rieder da ist. Carina, du bist, wer dich nicht kennt, die Inhaberin von Smiling Hearts Childcare. Bisschen was kann man vielleicht schon sich selber zusammenreimen aus dem Namen. Ihr vermittelt Pädagoginnen an Unternehmerfamilien als Alternative zum Kindergarten. Carina: [1:57] Richtig. Bernhard: [1:58] Ich finde das ein wahnsinnig spannendes Konzept. Du hast mich auf LinkedIn angeschrieben. Ja. Wir sind dann auf E-Mail gewechselt, haben dann ein bisschen hin und her geschrieben, und das finde ich immer sehr wertschätzend, wenn sich jemand auch interessiert, wo es macht der eigentlich. Weil das ist nicht, aber viele sehen das oft so und denken sich, na gut, Papa-Podcast ist meine Zielgruppe, hat eine Reichweite, Da gehe ich mal hin und mache ein Interview. Legitim. Gar keine Frage. Podcast ist eine super Werbefläche als Marketingmaßnahme fürs Unternehmen. Gleichzeitig ist es natürlich wertschätzend, wenn man sich auch interessiert, was er macht. Das hast du gemacht. Danke dafür. Und ich habe mir dann gedacht, okay, das ist spannend. Das ist kein Papa. Du hast keine eigenen Kinder, aber du bist in einer Materie, wo du so wahnsinnig viel mit Papas und Mamas natürlich zu tun hast. Und deswegen habe ich mir gedacht, das ist doch eine Geschichte, da reden wir doch einfach drüber, das machen wir. Du bist jetzt da, ich freue mich, danke dir vielmals. Draußen 32 Grad, drinnen 28, also wir schwitzen miteinander in der Folge. Schön, dass du da bist, ich finde das wirklich sehr, sehr cool. Bernhard: [3:06] Was mir aufgefallen ist, wie ich recherchiert habe, ist, dass deine allererste Zeile auf deiner Website sich einmal an die Mamas richtet. Du schreibst, du bist eine Mutter, die Visionen hat und das halt quasi neben zusätzlich gemeinsam in Kombination mit dem Kind auch unternehmerisch verwirklichen will. Warum denn sind da die Papas nicht dabei? Carina: [3:29] Das ist eine spannende Frage. Also erstens danke, dass ihr da seid. Danke für die Einladung. Ja, gute Frage, warum ich die Mamas gezielt anspreche. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich gesehen habe, dass die Care-Arbeit leider immer noch sehr oft bei den Frauen liegt. Und eine meiner Hauptvisionen ist die, dass ich Frauen im Unternehmertum unterstütze, dass ich ihnen diese Care-Arbeit ein bisschen abnehme. Weil ja, der Papa hat sicher einen Teil, den er abnehmen kann und zur gleichen Zeit ist er aber trotzdem nur ein großer Teil, den man vielleicht von Professionisten sich abnehmen lassen kann oder wo man sich unterstützen lassen kann. Voll. Ja. Bernhard: [4:09] Prinzipiell geht es aber um Unternehmer. Ich nehme an, du wirst deinem Papa, der sich bei dir meldet, auch nicht sagen, Entschuldigung, tut mir leid, sie sind keine Mama, wir machen kein Business mit ihnen. Wird wahrscheinlich selten auftreten, aber okay, darüber reden wir später wahrscheinlich noch. Was ich jetzt spannend finde, ist, du bist selber gelernte Kindergartenpädagogin und hast dann aber diesen Job an der Front, also quasi in der Gruppe, irgendwann sein gelassen, um Unternehmerin zu werden. Ja. Warum? Carina: [4:44] Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, es gibt mehrere Gründe, warum ich mich für das Unternehmertum entschieden habe. Aber die Hauptgründe waren tatsächlich eher die Gründe, dass ich gesehen habe, in den Institutionen läuft leider so einiges schief. Das ist ein strukturelles Problem, das ich an der Wurzel eingehen möchte. Also um es ein bisschen besser zu veranschaulichen, in Kindergärten habe ich die Erfahrung gemacht, dass auch viel zu viele Kinder in einer Gruppe sind. Ich habe anfangs in Salzburg gearbeitet, da war es noch besser, da waren acht Kinder von null bis drei in einer Gruppe. Bernhard: [5:18] Was würden wir uns wünschen in Wien? Carina: [5:19] Ja, voll. In Wien sind es 15. Ja, ich weiß. Und über drei sind es 25. Und was ich gesehen habe, ist, dass wir als Pädagoginnen oft ausbrennen dabei, weil wir, oder viele Pädagoginnen, wollen in dem pädagogischen Beruf, um Kinder zu fördern, um sie zu unterstützen. Und was ich gesehen habe, ist, dass das leider in dieser Struktur aktuell schwierig möglich ist, Weil einfach so eine Masse an Kindern da ist, die wir gleichzeitig betreuen müssen. Und dann kann es auch mal sein, dass du alleine in einer Gruppe stehst. Und dann die fragst, wie gehe ich jetzt auf die Toilette? Weil wenn ich die Kinder allein lasse, schwierig. Und ja, im Endeffekt habe ich auch gesehen, es läuft im Kindergarten recht viel schief. Und habe mir für mich als Pädagoge dazu entschieden, ich möchte dort nicht mehr arbeiten, sondern ich möchte quasi Alternative schaffen. Ein Arbeitsplatz für Pädagoginnen, wo sie wirklich Kinder fördern können und wo sie in kleinerem Rahmen die Möglichkeit haben, ihrem Herzensberuf nachzugehen. Bernhard: [6:17] Weil die Motivation, sich für den Beruf der Kindergartenpädagogin oder in seltenen Fällen des Kindergartenpädagogins zu entscheiden, Ist eine Berufung. Carina: [6:28] Ja, voll. Und ich spreche auch so oft mit Direktorinnen und Direktoren der BAföPS, also der Ausbildungsstätten für Kindergarten und Elementarpädagogen, darüber. Und was Sie sehen, ist, die Nachfrage ist so groß wie nie. Also es werden laufend Schulen ausgebaut, so viel Nachfrage. Es wollen so viele Leute in diesen Beruf gehen. Und im Endeffekt, was bleibt dann übrig? Die meisten Direktorinnen und Direktoren sagen zu mir, 50 Prozent der Absolventinnen wollen dann nicht mehr im Kindergartenberuf arbeiten. Woran liegt das? Ich habe beobachtet, für mich und in meinem Umfeld, dass es daran liegt, dass man allein in der Praxis, die man in diesen Schulen absolviert, schon sieht, wie sind die Kindergärten. Und da schon sieht, es hat recht wenig mit diesem Herzensberuf zu tun und recht viel damit, dass man einfach Brände löscht und schaut, dass man halt da ist und die Kinder beaufsichtigt. Aber es hat nicht mehr viel mit Förderung zu tun und mit auf Bedürfnisse eingehen. Bernhard: [7:27] Was ist das für ein Wunsch, den man da verspürt, wenn man sich für den Beruf entscheidet? Also was willst du tun? Was ist denn, also wenn du sagst, du willst fördern, also was ist denn, was gibt dir das? Carina: [7:39] Das ist eine sehr schöne Frage. Für mich persönlich ist es auch der Wirkungskreis, den ich habe, weil ich sehe, Kinder sind einfach nur so, das ist ein leeres, unbeschriebenes Blatt Papier, wenn die auf die Welt kommen und sie haben aber trotzdem einen eigenen Charakter. Und es gibt für mich nichts Schöneres, als Kinder dabei zu unterstützen, kennenzulernen, wer ihr Charakter ist, was sind die Stärken, was sind aber auch die Schwächen und herauszufinden, wer möchte ich einmal sein, wer bin ich als Person. Und das, was mich immer so erstaunt, ist, selbst die 0- bis 3-jährigen Kinder haben schon so eine klare Vorstellung davon, wer sie sind. Selbst wenn es unbewusst ist, aber man kann einfach schon so klar erkennen, sondern okay, da ist ein Charakter da und die darf man quasi dazu ermutigen zu wachsen und das ist so das, was mich am meisten antreibt. Bernhard: [8:29] Aber jetzt hast du trotzdem den Weg raus aus der Gruppe, rein ins Unternehmertum. Tut sich da was, vielleicht ändert sich da wieder was über ungelegte Eier, wollen wir jetzt nicht im Detail sprechen, das haben wir im Vorgespräch gehabt, das belassen wir, mehr sagen wir nicht, schauen wir mal, was sich da tut. Aber jedenfalls hast du ja gesagt, okay, jetzt suche ich mir meine Leute, die mit mir irgendwie ähnlich ticken, die auf einer Wellenlänge sind, die auch ähnliche Visionen haben. Ich nehme an, es sind Pädagoginnen. Und da geht es ihr her und bietet es Unternehmer, Familien an, hier eine Alternative zur Kindergartengruppe zu sein. Woher kommt die Idee? Die Geschäftsidee ist natürlich geil, aber ist dir die eingefallen? Carina: [9:13] Ich glaube, die besten Ideen kommen aus eigenem Schmerz heraus. Carina: [9:18] Also es gibt drei Hauptgründe, warum ich mich dafür entschieden habe, dieses Konzept so aufzustellen. Und ich habe auch nirgends ein ähnliches Konzept gefunden. Das heißt, es war alles irgendwie so mein Geist, der mich dabei unterstützt hat. Grundsätzlich habe ich einfach gesehen, wie ich vorher schon erläutert habe, die Umstände im Kindergarten sind nicht gut für Pädagogen. Oder in den meisten Fällen. Ich will es nicht auf jeden Kindergarten legen, aber in den meisten Fällen ist es leider echt schwierig. Und zur gleichen Zeit habe ich aber gesehen, für die Kinder ist es auch schwierig, weil, stell dir mal vor, du bist gerade ein Jahr alt geworden und teilst dir eine Gruppe, der Gruppenraum ist, weiß ich nicht, 20 Quadratmeter groß und du hast da 14 andere Kinder, zwei Pädagogenen und bist ständig diesem Lärmer ausgesetzt und ich habe gesehen, dass sich viele Kinder dabei schwer tun, so früh von zu Hause wegzugehen. Ich weiß, es gibt voll wenig auf die Möglichkeit, dass Eltern es anders handhaben, gerade in der jetzigen Zeit mit Inflation, voll okay. Und zur gleichen Zeit habe ich mir gedacht, ja, aber ich möchte zumindest für einen kleinen Teil eine Möglichkeit schaffen, wo die Kinder in einem kleineren Kreis aufwachsen dürfen. Und mein dritter Grund war der, dass ich gesehen habe, es gibt immer mehr Frauen in Führungspositionen. Es gibt immer mehr Frauen im Unternehmertum. Und meine Mama ist selbst Unternehmerin, meine Omas waren beide Unternehmerinnen. Und ich habe das immer schon total spannend gefunden, weil ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen so ein bisschen anders Unternehmen führen als Männer. Carina: [10:47] Ich habe das Gefühl, dass manchmal mehr Purpose dahintersteckt, im Sinne von, sie wollen meistens was für die Gesellschaft nur erreichen, ich meine jeder Unternehmer oder fast jeder Unternehmer will das, weil sonst werden wir nicht Unternehmer, glaube ich, aber bei Frauen, es ist eine ganz andere Art, wie die Unternehmen führen und ich möchte gerade Frauen darin unterstützen, diese Unternehmen zu führen, weil dadurch entwickelt sich ja die Wirtschaft weiter, was im Endeffekt für alle gut ist und Und ja, das war so mein dritter Purpose. Also eigentlich waren die zwei Probleme, die ich für mich festgestellt habe, die, dass ich mir gedacht habe, ich möchte nie wieder in meinem Leben als Pädagoge in einer Institution arbeiten, wenn sich die Umstände nicht verändern. Und das ist, glaube ich, ein bisschen kontrovers, aber das war mein Hauptgedanke. Ich möchte mein Kind niemals in den Kindergarten gehen. Bernhard: [11:39] So wie er jetzt ist. Carina: [11:40] Genau. Vorher. Bernhard: [11:44] Ja, ich meine, ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe das Glück, vielleicht einen sehr guten Kindergarten für meine Kids erwischt zu haben. Die waren im Selben. Auch teilweise mit Betreuerinnen, Pädagoginnen, die sich überschneiden, also die nach wie vor noch da sind. Ich meine, das ist zwar sechs Jahre Unterschied, aber auch ich habe mitbekommen, die Fluktuation ist sehr groß. Die Überarbeitung und die Burnout-Gefahr und das Potenzial für die Pädagoginnen ist immens. Ich liebe die Pädagoginnen, die dort sind, für das, was sie mit meinen Kindern tun. Das ist wirklich toll. Und wenn ich ein oder zwei Kinder habe und gerade in vierjährigen Zeiten merkt man dann wieder, was Pädagoginnen, Pädagogen eigentlich leisten, weil man dann selbst einmal die Kinder, Und wenn es nur zwei sind, dann ist es eh noch abgespeckt, aber 15 oder 25 ist ganz was anderes. Also man lernt erst dann, wie groß die Leistung ist, die sie machen im Kindergarten. Und gleichzeitig sagst du dann, du willst es nicht in den Kindergarten geben. Also was ist denn das, was dir da so übel aufstößt? Carina: [13:08] Ich würde sagen, dadurch, dass ich gesehen habe, dass selbst bei acht Kindern quasi für die Pädagogin und für die Kinder schon eine Forderung da sein kann, habe ich gemerkt, was macht das mit mir, wenn ich dabei zusehe, wie es so abläuft. Weil du fängst ein Kind zum Wickeln an und hast alle acht durch und dann hat das nächste Kind quasi schon das nächste Grundbedürfnis. Und das ist bei acht Kindern. Und bei fünf hast du gar nicht anfangen. Bernhard: [13:31] Wirklichst nur. Du brauchst eine Hilfskraft nur für die Wickelstation. Carina: [13:34] Dichtig, voll. Und in manchen Kindergärten ist es auch so, dass du nur zusätzlich die Jause vorbereiten musst und, und, und. Und ja, ich habe das Gefühl, dass auch sehr oft gesagt wird, die Pädagoginnen verdienen zu wenig und das ist der Grund, warum alle aussteigen, Fachkräftemangel. Ich habe da eine sehr konträre Meinung dazu, weil bei mir bewerben sich wahnsinnig viele Pädagoginnen. Ich habe keinen Fachkräftemangel, also ich muss sagen, in dem letzten halben Jahr haben sich über 150 Pädagoginnen bei mir beworben. Und was ich da immer gehört habe, war das Problem, dass die Umstände im Kindergarten für sie nicht mehr tragbar sind, weil es ihnen das Herz zerreißt, wenn sie sehen, sie können nur die Grundbedürfnisse der Kinder erfüllen. Kein Ranziger davon hat erwähnt, dass sie zu wenig verdient. Und ich finde, das ist etwas, was man vielleicht noch nicht erkannt hat in der Gesellschaft oder was man gleich einmal so ein bisschen abtut, als ja, die verdienen zu wenig. Aber ich glaube, wenn man mal richtig hinschaut und sieht, was sind wirklich die Probleme, dann kann man die Probleme in der Wurzel lösen. Bernhard: [14:37] Und die Lösung ist für dich offenbar ein besserer Betreuungsschlüssel? Carina: [14:42] Absolut. Also ich glaube, das ist so das Wichtigste überhaupt. Ich würde aber auch sagen, die Wertschätzung. Also ich habe das Gefühl, wir Pädagoginnen erleben immer wieder, wir müssen das noch machen und das noch machen. Und es ist wichtig, dass man dokumentiert und dass man Kinder beobachtet und diese Entwicklungsgespräche führt. Voll wichtig. Und zur gleichen Zeit wächst aber der Druck, weil du hast schon 25 Kinder, bist schon massiv überfordert, dann sollst du die nur beobachten und dann sollst du nur Gespräche führen darüber und du zerreißt dich. Weil meistens oder ganz oft bist du alleine, weil eben immer irgendeine Pädagogin ausfällt oder im Krankenstand ist oder im Burnout. Also ich glaube, wenn man den Betreuungsschlüssel ändert und verwendet. Carina: [15:25] Besser selektiert, wen man im Kindergarten arbeiten lässt, dann ist die Arbeit für viele Pädagogen ein schönerer. Weil was ich jetzt sehe, ist, dass viele kurze Kurse angeboten werden, wo man quasi als Quereinsteiger in den Kindergarten einsteigen kann. Ich verstehe das, dass man das Problem lösen will, weil ich meine, wir haben zu wenig Fachkräfte. Ich verstehe, dass man dann quasi mehr Leute in den Kindergarten bringen will. Aber was ich dadurch sehe, ist, dass die Qualität der Bildung abnimmt Und die Pädagoginnen, die diese Ausbildung fünf Jahre lang gemacht haben, wie ich zum Beispiel, die haben nur dazu dann den Struggle, dass sie anderes Personal einlernen müssen. Was heißt, Betreuung versus wir unterstützen die Kinder. Und ja, ich glaube, es wird zu wenig selektiert in Kindergärten. Und dadurch entsteht so ein bisschen Missstand von, okay, warum mache ich fünf Jahre die Ausbildung? Wenn ich es in einem halben Jahr an einem Wochenendkurs machen kann. Bernhard: [16:29] Gibt es da in Betrieben, in Gruppen, in Einrichtungen, ein bisschen so zwischen der Assistenz und den Pädagoginnen? Carina: [16:39] Ähm... Das ist eine gute Frage. Ich habe gesehen, auf Basis meiner Erfahrung, dass grundsätzlich von vielen Leitungen schon gewünscht ist, Pädagoginnen haben quasi diese Aufgaben und die Assistentinnen haben die Aufgaben zum Beispiel entwickeln oder jause vorbereiten und eher so diese Aufgaben. Leider ist in der Praxis oft so, dass es nicht umsetzbar ist, weil wenn man dann allein ist als Assistentin, dann muss man alles machen oder andersrum. Und was ich auch gesehen habe, ist, dass leider auch so ein Mangel an, Kindergartenleitungen da ist, dass zum Beispiel bei mir im Bekanntenkreis eine Freien, die in einen Tourismusstuhl gegangen ist und gar keine Ausbildung gemacht hat, auf einmal angeboten gekriegt hat, nimm du die Leitung von einem Haus. Und da fragt man sich halt dann, ja, die hat dann im Endeffekt aber die Gruppenleitung für eine Kleinkindgruppe übernommen. Und das ist halt dann schwierig, weil die hat gar keine Ausbildung gebraucht. Bernhard: [17:37] Ich verstehe. Also das ist halt irgendwie, du sagst, ich fasse zusammen und bitte korrigiere mich, wenn es falsch ist. Es braucht nicht nur mehr, sondern es braucht auch die Richtigen. Und die brauchen ein Umfeld, in dem sie eigentlich ihre Arbeit so durchführen können, wie sie sie auch gelernt haben. Dazu braucht es unter anderem einen besseren Betreuungsschlüssel und eben dadurch mehr Leute, weil dann könnte ich das vielleicht ausgehen, weil der Betreuungsschlüssel, auch weil er am Papier 1 zu 15 ist, ist er vielleicht in Realität ein ganz anderer, weil irgendwer krank ist und, und, und, Sabbelgruppe und so weiter. Deine Lösung dazu ist dein eigenes Konzept. Wie ist der Schlüssel da? Carina: [18:24] Also ich glaube, man darf unterscheiden zwischen kurzfristiger Lösung für bestimmte Zielgruppen und zwischen langfristiger Vision. Kurzfristig ja, sehe ich das auf alle Fälle als meinen ersten Ansetzungspunkt. Und unser Schlüssel ist 1 zu 4. Das heißt, eine Pädagogin hat nicht mehr als vier Kinder und trotzdem sind die Pädagogen dann untereinander vernetzt. Das heißt, wenn du sagst, du hast nur zwei Kinder und die anderen Pädagogen nur eine, dann kannst du dein Team selber basteln, weil die kennen sie alle. Und dann kannst du sagen, okay, dann machen wir gemeinsam das, dass wir die Sozialkompetenz in der Kinder fördern. Also das ist schon auch wichtig für uns, aber eben nicht mehr, dass das Allpädagogik mehr als vier Kinder betreut. Und zur gleichen Zeit, die langfristige Vision ist schon, dass ich generell im Kinderbetreuungssystem eine Wirkung ansetze. Also ich möchte wirklich das Kinderbetreuungssystem langfristig revolutionieren in Österreich und baue da schon mit anderen Unternehmerinnen, die sich bei mir melden seitdem, die ähnliche Visionen haben, einfach schon so ein kleines Team und da wird nur einiges passieren. Bernhard: [19:30] Wenn ich etwas am Schlüssel ändere, dann heißt das ja aber auch eine Kostenfrage. Also das hat ja auch einen Grund, warum es 1 zu 15 ist. Das ist ja nicht, weil jemand das Gefühl hat, okay, 15, das ist ein super Schlüssel, sondern das ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Wie viel kann man sich leisten und wie viel kann man dafür hergeben? Ich glaube, das ist ein ganz schmaler Grad, an dem es nicht viel zu justieren gibt. Ich weiß nicht, wie viele Eltern bereit wären. Die, die es sind, gehen vielleicht eher in private Kindergarten, wo ein anderer Schlüssel ist. Aber wie viele Kinder oder Eltern bereit wären, für ihre Kinder Hausnummer das Doppelte im Monat zu zahlen, dafür dass der Schlüssel besser ist. Aber das klingt so viel, als würde man hier quasi eine Art Zwei-Klassen-Betreuung machen. Was sagst du zu dieser Aussage, dass man sagt, okay, na gut, aber wenn du eine bessere Betreuung für dein Kind haben willst, gib mir Geld, ich übernehme das für dich. Jetzt nicht, dass du das so umsetzt direkt, aber jemand, der keine Kohle hat, wird nicht dein Kunde sein. Carina: [20:26] Spannende Frage. Erstens glaube ich, dass das ein Thema ist, was die Politik betrifft. Also ich glaube, die Verantwortung liegt da nicht bei den Eltern, dass sie sich darum kümmern, mehr zu bezahlen für einen besseren Betreuungsschlüssel. Ich glaube, es liegt ganz fest in der Verantwortung der Politik, dass sie eher nach Geld und eher nach Ressourcen wirklich auf die Kinderbetreuung fokussieren. Weil ganz im Ernst, die Kinder sind unsere Zukunft. Und wenn du in der Kinderbetreuung nicht ansitzt, dann hast du ein Problem. Und zum zweiten Punkt. Ja, nicht jeder ist unser Kunde und das ist, glaube ich, auch okay und ich verstehe, dass das viele Leute vielleicht, demotiviert oder bei manchen Leuten aufstößt. Ich für mich habe entschlossen, ich möchte bei einem kleinen Wirkungskreis anfangen und für mich persönlich ist das einfach eine totale Herzensangelegenheit, Unternehmerinnen zu unterstützen und das ist quasi so der erste Weg meiner langfristigen Vision. Bernhard: [21:26] Ich weiß, du rätst nicht über Zahlen. Sagst du, was es kostet, wenn man ein Kind bei dir in Betreuung gibt? Carina: [21:34] Gute Frage. Grundsätzlich, das ist öffentlich einsehbar. Also der Kollektivlohn einer Pädagogin liegt bei 60.000 bis 80.000 Euro im Jahr für 43 Stunden. Bernhard: [21:47] Okay. Das muss ich rechnen oder du rechnest es für mich? Carina: [21:52] Ich koste Stunden, weil der Kollektiv für Privatpädagoginnen ist 17 Euro pro Stunde, brutto, Und, genau, je nach Berufserfahrung, je nachdem, ob man, Zusatzausbildungen haben möchte, zahlt man halt schon mehr. Bernhard: [22:10] Okay, also das heißt, mal angenommen, ich würde jetzt meine Tochter jetzt im letzten Kindergartenjahr in deine zu den Smiling Hearts Childcare geben und sagen, ich hätte sie gerne von Montag bis Freitag jeweils, sagen wir jetzt mal acht Stunden, bei dir sind wir von 8 bis 40, 40 mal, sagen wir 20 Euro oder ich weiß nicht, ob du über oder unter Kollektiv salchst, 40 Stunden mal 20, also bin ich dann bei der Summe. Carina: [22:38] Voll. Was man bei uns sagen muss, ist, wir vermitteln die Pädagoginnen. Das heißt, wenn du für deine Kinder Betreuung suchst, dann stellst du die Pädagogin an. Das heißt, wir sind dafür verantwortlich, dass wir ein Matchmaking machen, dass wir schauen, wer, was für Pädagogin passt zu deinen Familienwerten. Und wir begleiten auch langfristig, das auf alle Fälle, weil es uns wichtig ist, dass wir eine Community haben. Aber genau, an sich, du gibst es nicht zu uns, sondern die Pädagogin ist bei dir angestellt. Und unsere Pädagogenen arbeiten zwischen 20 bis 43 Stunden in der Woche, wobei wir aber sehen, dass der konkrete Bedarf eher zwischen 20 und 30 Stunden liegt. Bernhard: [23:19] Und die haben dann ihre Kindergartengruppe bei mir im Wohnzimmer? Carina: [23:24] Ja, nur halt deine eigenen Kinder. Also es sind nur deine Kinder, die im Wohnzimmer sind. Bernhard: [23:29] Und das heißt, der Schlüssel, den du vorher gesagt hast, von vier, da müsste ich halt dann noch vier Kinder haben. Richtig. Okay, also das ist nicht so, dass es da irgendwie eine eine gruppe gibt in der das passiert und da sind es nur vier andere oder so sondern sondern das ist dann passiert bei mir ja okay alles klar finde ich da spannend deswegen frage ich aber weil der kindergarten die gruppe als solche ja schon auch andere soziale funktionen ausübt wie nur die betreuung als solche einfach freundschaften Wie geht das? Ich weiß nicht, ob ich jetzt noch viele Freundinnen und Freunde aus der Kindergartenzeit aufzählen könnte. Aber meine Kinder haben sie jetzt schon. Wo sind die? Carina: [24:17] Das ist eine sehr spannende Frage, die wir sehr oft gestellt bekommen. Also zum Ersten würde ich sagen, wie ich vorher schon erwähnt habe, unsere Pädagoginnen sind alle miteinander vernetzt. Das heißt, da findet ein Austausch statt. Und wenn es gewollt ist, also logischerweise ist es gewollt, dass quasi das Kind soziale Beziehungen aufbaut und auch in diesem Kontext lernt, wie es ist zu streiten zum Beispiel, dann können wir das so quasi anbieten. Bernhard: [24:42] Finde ich spannend, ich weiß ja nicht, wie es ist. Weil ich kenne ja nur die andere Seite und bin da offenbar auf der Butterseite gelandet, weil es bei uns so funktioniert und die Kinder wirken zu früh und glücklich und gehen einfach gern hin. Ich glaube, das ist der beste Indikator, wenn ein Kind gerne in den Kindergarten geht und weder beim Hinbringen jammert, dass es hin muss, aber beim Abholen jammert, dass es schon weg muss, dann ist es okay. Dann ist es ein ganz gutes Zeichen dafür, dass sie sich wohlfühlt. Bernhard: [25:13] Wenn Freundschaften entstehen und all diese ganzen Geschichten, das finde ich super. Ich würde jetzt gerne, wir sind jetzt schon fast in einer halben Stunde, was ein Wahnsinn ist, wie schnell die Zeit immer vergeht. Ich würde gerne auch ein paar Sachen fragen, weil ich das Gefühl habe, dass dir das ein großes Anliegen ist. Du sagst, du möchtest Unternehmerinnen unterstützen. Mein Podcast ist ein Papa-Podcast, richtet sich, obwohl die Zuhörerinnenquote interessanterweise nach wie vor wieder ein bisschen verstärkt in Richtung Frauen tendiert. Vielleicht hören auch die Männer mit den Accounts ihrer Frauen, das weiß ich, da ist alles möglich. Aber ich finde das immer ganz spannend, weil es mir ein Anliegen ist, ja eigentlich auch Werbung fürs Papa-Sein zu machen, weil ich es gern bin, weil das für mich, diese ganze Purpose-Frage, die du auch vorher gesagt hast, also man weiß, warum man da ist, auch das hat der Otto Jaust, der auf dem Platz gesessen hat, gesagt hat, du weißt halt, warum du da bist, wenn sein Stöpsel da ist und das ist schon super. Und deswegen beschäftige ich mich auch ein bisschen mit der Parität bei Pädagoginnen und Pädagogen. Und frage mich seit Jahren, warum es so ist, dass wir in Österreich, Deutschland ist es nicht anders, von Elementarpädagogik an, eigentlich bis hinauf und da auch nur verstärkt durch technische berufsbildende Schulen, einen immensen Überhang an weiblichem pädagogischem Personal haben. Bernhard: [26:41] Und weil du gerade den Nikolaus angesprochen hast, ich war immer wieder der Nikolaus in den Gruppen und habe da gemerkt, weil unser Kindergarten auch ausschließlich aus weiblichen Pädagoginnen besteht, die ihren Job super machen, aber ich habe als Nikolaus gemerkt und das war halt Jause und danach hast du gespielt mit denen und konntest so lange bleiben, wie du wolltest und ich bin auch geblieben und habe gespielt. Ich habe gemerkt, wie wahnsinnig die auf mich anspringen als Mann in dem Ganzen. Gleichzeitig hat damals die damalige Leitung gesagt, bei mir kommt da kaum einer. Carina: [27:15] Ah, das ist verrückt. Bernhard: [27:17] Und ich denke mir, warum? Aus mehreren Gründen. Einerseits, weil ich finde... Diverse Teams arbeiten besser. Das ist so. Das zweite ist, Männer, die in Frauendomänen eindringen, erhöhen das Lohnniveau für alle nachweislich. Ist so. Also win-win. Warum ist es dann nach wie vor so, dass es so wenig Pädagogen gibt? Ich finde das so schade. Ich hätte ja auch wahnsinnig gerne mal einen Kindergartenpädagogen hier sitzen. Ich habe auch welche im Bekanntenkreis, aber die sind alle in aktiven Dienstverhältnissen und wollen nicht erzählen. Was ich verstehe und respektiere. Aber vielleicht habe ich jemanden, der aus der Praxis ein bisschen Erfahrung hat. Warum ist denn das so? Ich glaube, viel spielt mit der Nähe zum Problem, wenn man selbst Eltern ist und sagt, will ich jetzt, dass der Mann da meine Tochter wickelt? Aber das ist halt auch ein Generalverdacht, den ich ganz übel finde. Also Entschuldige, lange Frage. Warum sind so wenig Männer in der Pädagogik? Carina: [28:17] Das ist eine sehr spannende Frage, die mir tatsächlich nicht so oft gestört hat bis jetzt. Also ich muss selber gerade ein bisschen nachdenken. Ich habe mit männlichen Kollegen gesprochen und ja, der Anteil an Männern ist super, super gering. Aber ich habe einen männlichen Kollegen gehabt und er hat mir gesagt, er kann zum Beispiel nicht in einer Kleinkindgruppe arbeiten, weil eben das mit dem Wickeln so eine Situation ist. Bei Männern schaut man vielleicht nur ein bisschen anders auf die Wickelsituation. Und er hat gesagt, da hat es öfter mal Probleme gegeben, wenn zum Beispiel das Kind ohne Wickeln jetzt einfach auf seinem Schoß sitzt. Und die Eltern sehen das, das gefällt nicht alle Eltern. Und da muss man auch, glaube ich, so ein bisschen unterscheiden zwischen, es gibt, glaube ich, auch. Carina: [29:06] Unterschiede, was die Familien betrifft. Manche Familien denken so wie ich und du, dass das super wichtig wäre. Andere Familien denken, okay, Ich weiß nicht, ob ich will, dass ein Mann auf meine Kinder schaut. Also man ist mit vielen Vorurteilen konfrontiert, als männlicher Pädagoge. Und zur gleichen Zeit, glaube ich, ist es auch so ein bisschen schambelastet. Also im Sinne von, stell dir mal vor, du bist, weiß ich nicht, in deinem pubertierenden Alter, 16 Jahre alt, und du lernst Mädchen kennen, die dir gefällt, und dann sagst du, ja, du bist Kindergartenpädagoge. Mittlerweile wäre das, glaube ich, voll die Green Flag, wenn man das so sagen würde, für viele Mädchen. Aber ich glaube, dass es bis jetzt ziemlich schambelastet war, dass man sich so denkt, okay. Weil es ja eben so bekannt ist, dass Frauen sich um Kinder kümmern. Ja, sehr spannende Frage. Ich glaube, da gibt es einiges, worüber man nachdenken könnte. Ich finde es auch sehr wichtig, dass man da durchmischt. Bernhard: [29:58] Aber du hast auch keine Pädagoginnen in deinem? Carina: [30:01] Cool, aktuell nicht. Man muss auch dazu sagen, bei mir haben sich in dem letzten halben Jahr 150 Pädagoginnen beworben und 148 davon waren weiblich. Deswegen, und bei mir ist es so, ich möchte nicht, Weil bei manchen Kindergärten ist das so, dass die dann einen Mann nur nehmen, weil er ein Mann ist, ein männlicher Pädagoge. Und das verstehe ich zu einem gewissen Grad. Aber für mich zählen ganz viele andere Sachen. Also von 25 PädagogInnen, die sie bei uns bewerben, kommt eine in unseren Pool. Weil mir einfach die Werte wichtig sind. Weil mir wichtig ist, ist die Person jemand, die wirklich einen Drive dahinter sieht, die sie mit unserer Vision verbindet. Und sei es Mann oder Frau, das ist mir ehrlicherweise egal. Wobei man aber dazu sagen muss, unsere Kundinnen und Kunden wünschen sich schon sehr oft weibliche Pädagogen und viel zu Hause. Bernhard: [30:51] Ich glaube auch, dass das eher ein Nachfrageproblem ist. Carina: [30:54] Ja. Bernhard: [30:55] Und ich glaube auch, dass man an dem arbeiten muss. Das ist auch ein Grund, warum ich zum Beispiel wahnsinnig froh bin und auch stolz darauf bin, dass wir den ehemaligen Zivildiener vom Kindergarten als Babysitter gewinnen konnten. Carina: [31:06] Ah, schön. Bernhard: [31:06] Weil... Es geht ja nicht nur um Pädagogik in Institutionen. Frag dich durch deinen Freundeskreis bei Mamas und Papas, wie viele handeln deine Babysitär? Carina: [31:17] Ja, voll. Bernhard: [31:19] Machen die ja nicht. Carina: [31:20] Ja. Bernhard: [31:20] Und ich meine, warum? Carina: [31:24] Ja, ich glaube, da muss man schon so ein bisschen gesellschaftlich auch denken. Bernhard: [31:32] Es ist nur in den Köpfen der Menschen falsch drinnen. Carina: [31:35] Ich glaube nicht, dass es nur falsch drinnen ist. Weil man sieht ja schon auch, und das will ich jetzt kaum unterstellen, aber grundsätzlich sieht man in der Statistik, wenn es körperliche Übergriffe gibt, Femizide, Sonstiges, dann sind das tendenziell Männer. Und ich glaube, in den Nachrichten ist ja oft so, dass man darüber spricht. Und es ist, glaube ich, gesellschaftlich schon ein Thema und gerade in meiner Generation, dass man denkt, okay, Männer, nicht jeder Mann ist so. Auf gar keinen Fall jeder Mann ist so. Aber ich glaube, in meiner Generation ist es so, dass wir das Thema aktiv angewohlen. Und ich kann mir vorstellen, dass da einige sich nur schwer dabei tun, darüber nachzudenken, okay, nicht jedermann, aber was für ein Mann. Und das kann man halt von außen schwieriger beurteilen. Bernhard: [32:19] Diese Not-All-Man-Debatte möchte ich jetzt gar nicht führen, weil die geht in Richtungen, die man einfach sachlich nicht lösen kann. Ich habe mich mittlerweile gemeinsam mit einer Freundin, mit der ich über der Lagen diskutiert habe, entschieden, nicht mehr von die Männer, sondern diese Männer zu sprechen und auch nicht die Frauen, sondern diese Frauen, wenn ich von Leuten spreche, die das dann betrifft. Das löst für mich ein Problem. Das ist ein gedankliches ganz einfach. Wärst du für, ich habe vorher gesagt, du hast 2 von 150 waren Männer und du sagst aber gleichzeitig, die Quote ist schlecht. Wärst du für eine verpflichtende Quote von Kindergartenpädagogen? Nein. Carina: [32:54] Also ich bin generell kein Fan von Quoten. Also ja, es ist wichtig, dass man zum Beispiel Frauen in Führungspositionen bringt, aber ich glaube, man muss da hinschauen und das war das, was ich vorher gesagt habe, aus dem Qualitätsaspekt heraus. Wenn es nur darum geht, das wäre mit der gleichen Ausbildung, mit den gleichen Werteneinstellungen und dann wird quasi immer der Mann bevorzugt, dann sage ich, okay, dann darf man auch die Frau mit einbeziehen. Aber ich bin kein Fan von Quoten, weil ich sage es sehr ehrlich, wie gesagt, es bewerben sich ja männliche Pädagogen bei mir und bis jetzt war halt noch keiner dabei, wo ich mir gedacht habe, okay, den würde ich und das ist ein Vertrauensgeschäft. Du hantierst mit Kindern und das ist mir wichtig, dass ich dem zu 100% vertraue. Und auch bei Frauen. Und wenn ich dann quasi eine verpflichtende Quote einsetze von Männern, die im Sozialberuf tätig sein sollen, müssen, können, dürfen, dann kann ich die Qualitäten immer gewährleisten, die mir so wichtig ist. Bernhard: [33:43] Bin ich ganz bei dir. Ich finde Quoten immer eine Benachteiligung für diejenige Person, die dann nicht genommen wird. Gleichzeitig mag ich die Ergebnisse, die Quoten bringen. Carina: [33:54] Ja, das verstehe ich. Bernhard: [33:55] Also verstehst du, was ich meine? Also ich hasse die Methode, aber ich mag, was dabei rauskommt und ich weiß keine bessere Lösung. Also das geht sich in meinem Kopf beides aus, dass ich das nicht mag, aber das, was rauskommt, mag ich schon. Also ich bin für eine paritätische Aufteilung, in welchem Bereich auch immer. Gleichzeitig mag ich aber nicht, dass man irgendjemanden benachteiligen muss, um dorthin zu kommen. Also so ungefähr bin ich ambivalent eingestellt, was das angeht. Ich möchte auch gar nicht zu tief in dieses Ding reinkommen, aber jetzt habe ich mal jemanden da sitzen, der aus der Praxis kommt und sich da auskennt, da bringe ich meine Fragen da an. Wir kommen langsam Richtung Schluss. Was sind denn Unternehmerinnen und Unternehmer? Ist das für die, also löst du deren Problem mit dem, was du tust? Kriegst du das mit, dass sie sagen, endlich macht das wer? Carina: [34:42] Ja, voll. Die Rückmeldung kriege ich ganz, ganz oft. Ich glaube, ich habe wirklich eine Nische entdeckt, die wichtig zu lösen ist, weil bis dato war es eher so, dass man als Unternehmer, wenn man irgendwie andere Arbeitszeiten hat, als der Kindergarten sie gewährleisten kann, dann hat man gesagt, okay, dann stellen wir eine Au-pair ein, dann stellen wir eine Nanny ein, eine Babysitterin. Was das Problem dabei ist, das sind keine ausgebildeten Fachkräfte, das sind oft junge Mädchen. Und was ich sehe in meinen Kunden und potenziellen Kunden und Interessenten, dass es nicht um die Betreuung geht, um diese Zeitbetreuung. Das kann eine Leihoma auch machen, das kann eine Nanny und eine Babysitterin machen. Das dauert wahrscheinlich um einiges weniger bei unseren Auswahlprozessen, bis man wirklich eine Pädagogin für die Familie hat, dauern zwei bis vier Monate. Bei einer Nanny und einer Leihoma ist es leichter. Bei unserer Kundinnen wird es so gern gesehen, dass da wirklich die Qualität dahinter steckt. Wir wollen Kinder nicht beaufsichtigen, wir wollen sie fördern und ihnen in der Entwicklung weiterhelfen, sie unterstützen und die pädagogischen Werte der Familie mit einbeziehen, dass man quasi einfach ein, bisschen eine Mitsprache hat, wie wird mein Kind erzogen. Voll. Bernhard: [35:59] Ja, ich hatte noch zwei Fragen an dich. Ja. Und das sind Fragen, die, das war ein bisschen schwierig, wir haben sie im Vorgespräch gemeinsam versucht zu finden, wie wir das machen können, weil ich immer gerne die Zurück-in-die-Zukunft-Frage stelle, also was du deinem noch kinderlosen Ich empfehlen würdest, in dem Fall bei dir, die klassische Frage geht nicht, aber stattdessen, was würdest du denn frischgebackenen Eltern raten? Wenn sie, also bei dem, was du alles gesehen hast, du kriegst ja nicht nur die Kinder mit, du kriegst ja auch die Eltern mit. Gerade am Anfang in der Eingewöhnungsphase oder sowas hat man ja viel und da sitzen die Leute in der Kaderobel auf diesen viel zu kleinen Sesseln. Ich weiß nicht, woran ich rede. Ich habe das mehrfach gemacht. Und was willst du dir denn raten mit dem Wissen, das du dir aufgebaut hast? Gibt es da irgendwas? Carina: [36:59] Ich habe oft erlebt, dass Eltern zu mir gekommen sind und gesagt haben, ich habe irgendwie ein komisches Bauchgefühl, irgendwas stimmt da nicht und geht es meinem Kind gut. Und das hat sich auf das Kind dann übertragen. Dadurch sind Eingewöhnungen schwieriger geworden, weil die Eltern natürlich die Pädagogin nur zu einem gewissen Grad kennenlernen und durch den Personalwechsel, der dort auch stattfindet, weiß man nie so genau, wer schaut auf mein Kind. Ich glaube, es ist so wichtig, dass man als Eltern auf sein Bauchgefühl hört, weil ihr als Eltern, ihr seid die Experten für euer Kind. Und wenn ihr ein schlechtes Bauchgefühl habt in dem Kindergarten oder mit einer Pädagogin, ihr müsst nicht herausfinden, woran es liegt, sondern wenn ihr die Möglichkeit habt, und ich weiß ja nicht jeder, aber wenn ihr die Möglichkeit habt, dann dürft ihr euch eingestehen, okay, vielleicht gibt es eine andere Lösung für uns, einen anderen Kindergarten. Ich finde, das Bauchgefühl macht so viel. Und auch mit dem Kind. Also ich habe eine Eingewöhnung gehabt, die hat vier Monate gedauert. Die Geschwisterkinder haben vier Monate durchgehend geschrien. Und das war für alle echt schon so anstrengend. Wir haben nimmer können. Und bis wir dann herausgefunden haben, woran es gelegen hat. Carina: [38:09] Mit meiner Leitung damals und mit der Mama habe ich mich zusammengesetzt. Und von den Kindern. Und wir haben ihr das erste Mal so richtig zugehört. was braucht sie? Und sie hat sich nicht wohlgefühlt. Und man kann ins Gespräch gehen mit Pädagoginnen, man kann aber auch die Institution wechseln, wenn man sie besser fühlt dabei. Es ist am wichtigsten, dass du als Elternteil dich wohlfühlst mit deiner Entscheidung, wie dein Kind aufwachst. Weil das spürt dein Kind und das ist maßgebend dafür, wie wohl sich dein Kind erfühlt. Bernhard: [38:41] Das Kind will ja auch immer, dass sich die Eltern wohlfühlen. Das ist ja spannend eigentlich. Dem Kind geht es am besten, wenn es auch den Eltern gut geht. Deswegen sage ich auch so oft, hey, schau auch als Papa, dass es dir gut geht. Viele Papas tendieren ja dazu, So fast schon märtyrerhaft dann irgendwie das alles gesellschaftliche, die in meinem Umfeld sind, märtyrerhaft den Heldentod zu sterben und in sich ins Burnout zu reiten, weil sie einfach an allen Ecken erfüllen wollen, gesellschaftliche Ansprüche, die ja durchgehend mehr werden. Und da sich einen Ausgleich zu holen, das ist so unendlich wichtig, weil wenn es dir gut geht, dann hast du Energie zu schauen, dass es einem anderen gut geht. Carina: [39:27] Voll, das ist so wichtig. Bernhard: [39:28] Das ist immens wichtig. Eine Sache ist mir noch eingefallen, die stelle ich jetzt einfach. Superman, Superman-Frage. Ich gebe dir alle Superpower der Welt und ich gebe dir auch alles Geld der Welt. Also den, was haben wir jetzt gerade, achtfach Checkpoint im Lotto. Zwölf Millionen. Es ist viel zu wenig. Da können wir im Bildungssystem nichts anstellen. Aber ich gebe dir alles Geld der Welt und du hast jede Power, die du brauchst. Ändere etwas in diesem frühpädagogischen System in Österreich. Was? Carina: [39:58] Das ist eine voll schöne Frage, aber das ist eine Frage, die ich mir tatsächlich jeden Tag stelle, weil für mich ist das keine surreale Situation, für mich ist das meine Vision, dafür brenne ich, das ist genau das, wofür ich stehe. Ich möchte das System verändern und, was ich genau verändern möchte ist, dass man als Eltern, egal wie viel Geld man hat wie wenig Geld man hat, wie viel Zeit man für seine Kinder hat oder wie wenig Zeit man hat dass jeder, die Qualität des Kindergartens genießen kann dass die Kinder gut geht dass die Familien gut geht, dass die Pädagogen gut geht und ja, da fangen wir eben beim Betreuungsschlüssel on und herren bei der Qualität der Kinderbetreuung auf, würde ich sagen. Bernhard: [40:41] Also das heißt, die Idealform wäre ein Permanent verfügbarer, nicht immer nutzbarer, aber permanent verfügbarer. Es gibt ja auch Arbeitsmodelle, wie ich sie lang gehabt habe, die um vier Uhr früh beginnen. Da braucht es einen Betriebskindergarten, der da schon offen hat. Also Möglichkeit im Endeffekt für alle Formen des Erwerbslebens, das abdecken zu können mit ausgebildeten Pädagogen und Pädagoginnen. Und einem Schlüssel, der den Wünschen des Kindes entspricht. Carina: [41:18] Den Wünschen des Kindes. Ich glaube, das ist wieder so ein Thema, wo man sagen muss, ich glaube, es ist wichtiger, dass es am Anfang den Wünschen der Pädagogen entspricht, weil das sind die, denen es gut gehen muss und dann geht die Kinder gut. Bernhard: [41:32] Sehr spannend, gefällt mir gut. Nehme ich, ja, also Superman ist cool. Und einen Song noch und da bin ich jetzt wirklich gespannt. Einen Song auf die Playlist des Grauens. Jetzt weiß ich natürlich, dass in den Kindergarten, ich bewundere das fast am allermeisten, wie sie das schaffen. Mit, keine Ahnung, 47 Tony-Boxen und mit Kinder-Lieder-CDs, Simone Sommerland, rauf und runter. Wie? Also was ist der Song der Hölle für dich? Carina: [42:04] Ich muss sagen, ich habe mich ein bisschen vorbereitet auf deine Frage, weil ich eben schon einen Podcast von dir gesehen habe. Meine erste Intention wäre gewesen, dass ich sage Baby Shark. Aber der ist schon auf der Reihe. Bernhard: [42:13] Der ist schon drauf. Carina: [42:14] Ja, deswegen, dadurch, dass ich schon einige Kinder wieder gehört habe, Palmar doch, the wheels on the bus. Bernhard: [42:20] The wheels on the bus go round and round and round and round. Ja, ja, den nehmen wir. Ja, gut, den nehmen wir, die Räder am Bus. Wie heißt das? Ja, ja, egal. Das nehmen wir, the wheels on the bus. Hey, super, ich danke dir vielmals. Ich sage dir ehrlich, aber am Anfang war ich mir nicht sicher, wird das was, wird das nichts? Ich danke dir, dass wir das gemacht haben. Unglaublich aufschlussreich, tolle Expertise, ich wünsche dir alles Gute für die Verbesserung unseres Bildungssystems. Carina: [42:47] Dankeschön. Bernhard: [42:48] Danke dir. Carina: [42:48] Voll schön, dass ich dabei sein darf. Und was ich nur anfügen möchte, ich finde es so wichtig, was du tust. Weil gerade jetzt dürfen Männer immer mehr und mehr eine Care-Arbeit übernehmen. Und es ist so wichtig, dass man das thematisiert. Wie geht es Männern damit? Weil ich habe auch gesehen aus der Folge über Burnout quasi mit Männern oder quasi so... Bernhard: [43:04] Papa Plus. Ja, Papa Plus. Carina: [43:05] Und es ist so wichtig, dass man darüber spricht. Und ich finde es so schön, dass du da eine Plattform bietest. Und danke dafür. Bernhard: [43:10] Gerne. Und weißt du, was du jetzt gerade gesagt hast, das war so super und jetzt ist Gänsehaut. Jetzt ist es ja gerade so, dass Männer auch mehr Care-Arbeit machen dürfen. Damit ist alles gesagt. Danke vielmals. Danke.

Bernhard Vosicky

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