Wie viele Grenzen brauchen Kinder?

Episode 117
19:28

#117: Wie viele Grenzen brauchen Kinder? – Toast-Slices-Gate und das Flugmotorrad

Wer hat hier eigentlich die Kontrolle?

Grenzen setzen klingt so erwachsen. So kontrolliert. So pädagogisch wertvoll. Und dann stehe ich in der Früh vor dem Toaster und versuche, den Toast einer Elfjährigen auf den Quadratmillimeter genau zu buttern – und frage mich trotzdem: Wer hat hier eigentlich die Kontrolle?

Deshalb rede ich in dieser Folge gemeinsam mit Dominik Gocumyan über das, was uns Väter täglich beschäftigt: Wann setze ich eine Grenze durch? Wann gebe ich nach? Und ist das überhaupt die richtige Frage?

„Es geht nicht um Grenzen. Es geht um ein Zusammenleben in einem Rahmen, der alle glücklich macht.“ – Dominik Gocumyan

Vom Toast-Chaos zur echten Frage hinter den Grenzen

Was als Witz über Toastschnitt-Geometrie beginnt, entwickelt sich nämlich zu einem ehrlichen Gespräch über Routinen, Rituale und Empathie. Denn letztlich fragen wir uns beide: Warum rasten auch wir als Erwachsene aus, wenn Weihnachten plötzlich im falschen Haus stattfindet?

Themen dieser Folge: Grenzen setzen, Routinen, Rituale, Elternsein, Vaterschaft, Papasein, Familienleben, Care-Arbeit, moderne Väter, Tagesstruktur, Kinder und Emotionen

Kapitel

  • (00:00) – Intro
  • (01:05) – Grenzen oder Routinen? Warum das Wording schon falsch ist
  • (03:15) – Toast-Slices-Gate: Die ungeschriebenen Gesetze des perfekten Frühstückstoasts
  • (08:57) – Empathie statt Durchsetzen: Wann ist eine Grenze wirklich sinnvoll?
  • (11:52) – Das Flugmotorrad: Wie eine kleine Routine die Welt bedeuten kann
  • (16:47) – Weihnachten im falschen Haus: Wenn auch wir Erwachsene an Ritualen hängen

Das erwartet dich in dieser Folge

  • Warum „Grenzen setzen“ vielleicht das falsche Framing ist – und was stattdessen besser passt
  • Toast-Slices-Gate: Was der perfekte Frühstückstoast über Kontrolle, Sicherheit und Kinderalltag verrät
  • Das Flugmotorrad – eine kleine Abendroutine, die einem Kind dennoch die Welt bedeuten kann
  • Wann es sich lohnt, eine Grenze durchzusetzen – und wann es einfach unser eigenes Problem ist
  • Warum Routinen und Rituale nicht nur Kindern, sondern auch uns Vätern Sicherheit geben
  • Die ehrliche Frage: Weichen wir die Grenze auf, weil es sinnvoll ist – oder weil wir eine Ruhe haben wollen?

Papa Mia!?

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Bernhard Vosicky

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Dominik Gocumyan

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Transkript:

Bernhard: [0:00] Du musst immer fragen, wo möchtest du das Sugo hin? Möchtest du das Sugo auf die Nudeln? Möchtest du das Sugo neben die Nudeln? Oder, und da gibt es ja noch die Steigerungsform, möchtest du das Sugo in einem eigenen Gebinde, neben dem ursprünglichen Hauptteller? Dominik: [0:17] Papa Mia, reine Männersache. Bernhard: [0:20] Der Podcast von Papas für Papas. Und für alle, die Papas mögen. Klingt cool, ist es auch. Wie viele Grenzen brauchen Kinder? Das ist das Thema in der neuen Folge in Papa Mia mit dem fantastischen Dominik. Willkommen auf der Couch. Die, die schon lange zugeschaut haben und öfter zugeschaut haben, werden sehen, wir sitzen anders. Dominik: [0:42] Das macht sich schon nervös. Bernhard: [0:43] Macht sich fertig. Dominik: [0:45] Bei dich macht es fertig. Mir ist das wurscht, aber es ist deine Sitzgrube hier. Ich merke es. Schon, oder? Ich bin nochmal runtergesackt. Bernhard: [0:53] Aber jetzt werde ich sehen, ob mir auch mein Haxen da einschläfert. Dominik hat sich das letzte Mal beschwert, dass meine Couch unbequem ist. Dominik: [0:57] Ich bin quasi runtergefallen nachher. Bernhard: [0:59] Das ist das Alter, Dominik, ich sage es dir. Es ist das Alter. Es ist ein Wahnsinn. Dominik: [1:03] Das ist überhaupt keine Frage. Bernhard: [1:05] Unsere Grenzen sind mittlerweile körperliche. Die Grenzen der Kinder sind andere. Und ich finde, das ist etwas, was uns täglich beschäftigt. Wie viele Grenzen haben die Kinder? Welche brauchen sie? Brauchen sie überhaupt Grenzen? Was beschäftigt dich gerade mit dem Konstantin? Dominik: [1:23] Boah, das war jetzt eine gare Frage. Bernhard: [1:25] Ja, aber habt ihr ein Grenzenthema gerade? Dominik: [1:30] Eigentlich nicht, weil wir wollten uns eigentlich über diese Grenzen unterhalten. Und wo ich mich näher mit dem Thema geistig auseinandergesetzt habe, bin ich draufgekommen, dass das sowieso ein blödes Wording ist. Weil dieses Grenzen setzen ist irgendwie, kommt das von außen, kommt das von innen? Wer sagt dir, welche Grenzen Kinder brauchen und so weiter? Also ich glaube, Grenzen klingt sowieso komisch. Aber was mir irgendwie so auffällt, sind eher diese kleinen Momente. Das war dein Beispiel, was eigentlich das ganze Thema angeschossen hat, der Toast-Slices-Gate. Und wenn du das jetzt gleich erzählst, habe ich auch ein paar solche Geschichten. Bernhard: [2:11] Dieses Frühchaos, das wahrscheinlich eh jeder von uns hat, oder? Also ich glaube, alle Eltern kennen das, dass es in der Früh, egal wie viel Zeit du hast, immer stressig ist, oder? Dominik: [2:25] Da kommt es halt auch drauf an, ob man seine Routinen hat und wenn man mal rausschert, was dann passiert. Bernhard: [2:31] Aber du erwähnst da jetzt schon einen Begriff mit den Routinen, Weil Grenzen sind ja im Endeffekt nichts anderes als ein quasi abgesteckter Bereich, in dem sich für das Kind die gewohnte Norm abspielt, oder? Dominik: [2:46] Ja, fürs Kind und für einen selber ja auch. Weil wir haben eben auch gedacht, dass das jetzt nicht wirklich eine Grenze ist, sondern eher ein Koexistieren. Ja, doch, irgendwie ein bisschen zusammenleben. Deswegen glaube ich, dass das eher nicht die Grenzen fürs Kind sind, sondern die Grenzen für das ganze Familienleben. Wie kann es funktionieren? Braucht man da Rituale? Braucht man da einfach, ja, dass das alles eingespielt ist? Rituale, Routinen, wie auch immer, wo auch immer da der Unterschied ist. Bernhard: [3:11] Bleiben wir bei dem Toastbeispiel. Dominik: [3:14] Das ist nämlich das. Bernhard: [3:15] Das erklärt alles. Dominik: [3:16] Das erklärt alles. Das ist eigentlich danach, da braucht man gar nicht mehr weiterreden. Bernhard: [3:19] Und ich glaube, das kennen alle Eltern. Das wäre jetzt mal interessant. Vielleicht schreibt es auch gerne in die Kommentare, wenn ihr auf Spotify hört. Sind eure Kinder auch so, dass es nur eine einzig zulässige, rechtlich anerkannte Art gibt, den Toast zuzubereiten. Den Frühstückstoast. Kannst du den überhaupt Toast in der Früh? Dominik: [3:38] In der Früh nicht. Aber Toast schon. Bernhard: [3:41] Ja, Toast schon. Wann auch immer. Völlig wurscht. Aber es geht dann darum, weil bei mir bei zwei Kindern, die Große zum Beispiel will immer einen getoasteten Toast. Während die Kleine einen nicht getoasteten Toast möchte. Dominik: [3:57] Was ist der ungetoastete Toast? Bernhard: [3:59] Ein froh Toast? Dominik: [4:00] Ja. Der lecherte Weißbrot quasi. Bernhard: [4:07] Das mit Butter ist auch nicht schlecht. So quasi Sandwichartig. So wie es halt einfach diese Dreieckssandwiches sind. Und da Dreieckssandwiches sind wir eh schon beim Thema. Die Große zum Beispiel braucht den Toast so, dass er getoastet ist. Dann muss gleichmäßig verteilt auf jeden Quadratzentimeter, Millimeter sogar, dieses getoasteten Toasts, welcher nur ein Markenprodukt sein darf. Also das heißt, wenn du jetzt zum Hofer oder zum Lidl gehst und die Eigenmarke kaufst, Dominik: [4:39] Das wird sofort erkannt. Bernhard: [4:40] Das wird verweigert. Unerkannt. Also diese Geschmacksknospen in diesem Alter, elf Jahre, scheinen so dermaßen sensitiv zu sein, dass das schickt er zurück. Das geht zurück in die Küche. Jetzt geht es zurück. Ja, das hast du vergessen. Und dann muss dieser Toast, wenn er aus dem Toaster hinaushüpft und wir zufällig die richtige Bräunungsstufe erkannt haben, also der Wisht, dann muss er innerhalb kürzester Zeit, weil er ja noch warm sein muss, auf den Teller gereicht werden und dann muss er gestrichen werden mit Butter. Damit jeder Quadratmillimeter dieses Toasts, die Oberfläche, mit Butter benetzt ist, die ja dann durch die vorhandene Restwärme nach der Toast, nach der Toast, auch verschmilzt. Dominik: [5:27] Genau, richtig. Bernhard: [5:28] Das heißt, es muss aber auch angemessen und gleichmäßig schmelzen. Du musst auch eine gewisse Geschwindigkeit beim Streichvorgang an den Tag legen. wenn das dann fertig ist dann musst du den Toast noch in zwei möglichst gleichmäßig große symmetrische Stücke aber nicht diagonal sondern quasi so in der Mitte das einmal durchschneiden dann ist es gut also du siehst es ist eigentlich relativ simpel es gibt kaum Auflagen die es irgendwie zu beachten gilt und die Kleine möchte das ungetoastet dafür gescheite Butter drauf gescheit, dann Extrawurst, die sie abgezählt. Also es müssen ganz bestimmte Anzahlen an Extrawurst radeln, so vom Kranzerl runtergeschnitten werden. Es gehen sich meistens so neun kleine Dinger aus, auf einer Trostscheibe. Und dann, wenn es geht, noch diagonal schneiden. Dann wird es gegessen. Ab und zu darf es auch geklappt werden. Dominik: [6:28] Eben, und jetzt ist meine Frage, was ist, wenn du dich verschneidest? Was ist, wenn du ihn nicht diagonal schneidest, sondern einfach komplett in der Hälfte? Darauf will ich hinaus. Was passiert dann? Ist es dann eine Eskalation? Ist es dann, was passiert? Bernhard: [6:41] Es gibt unterschiedliche Eskalationsstufen. alle enden darin, dass ich es esse. Dominik: [6:47] Da wollte ich auch drauf hinaus. Wird der Toast sowieso neu gemacht? Ja. Oder sagst du dann, es ist ja komplett wurscht, ess es einfach, weil es schmeckt gleich. Und ich glaube, das ist eben dieser entscheidende Punkt. Drucke ich jetzt sozusagen meine Grenzen durch und sage, das ist ja komplett wurscht aus unserer Sicht? Oder versetzt man sich wirklich in diese Sicht des Kindes und sagt, so ein Kinderleben ist ja auch vielleicht gar nicht so ganz einfach immer, wie wir es uns vorstellen. Es kann sein, dass in der Früh schon schlecht geschlafen, aufgestanden, in den Kindergarten gehetzt jetzt als Beispiel. Die besten Spielzeuge waren schon vergriffen, quasi. Du hast nicht mehr das spielen können, was du willst. Vielleicht hat dir das Mittagessen nicht geschmeckt. Vielleicht, du bist einfach grantig und freust dich auf diesen Moment, jetzt bei mir zum Beispiel mit Konstantin, wo wir dann am Nachmittag was essen oder am Abend. Und dann passiert was, dass es eben nicht so passt, wie er sich das vorstellt in seiner Welt. Und dann eskaliert es halt. Und das verstehe ich halt dann auch, weil aus unserer Sicht wäre es jetzt eine Grenze, wo man sagt, natürlich glaube ich jetzt nicht die kleinen fischierten Stückchen. Dein Toast ist meine Reisbowl, wo ja sein Reisibisi drin hat und ich dann zum Beispiel die Fischstäbchen oder das Gemüse oder das Zusätzliche selber reinleere oder ihn reinleeren was. Bei uns schaut es ja so ein bisschen aus wie eine Tapasbar, weil er sich das selber dann reinleert. Wenn ich das mache, könnte es auch zurück in die Küche geschickt werden. Bernhard: [8:10] Ja, oder du isst es. Dominik: [8:12] Oder ich esse es, oder du stehst halt dann und glaubst die faschierte Bröselchen wieder raus aus dem Reis, weil es dort nicht reingehören in dem Moment. Das meine ich halt. Bernhard: [8:22] Das Abfischen des Suppengemüses. Dominik: [8:25] Oder die Nudeln abzuwaschen, ist auch sicher mal passiert, oder? Weil es so viel salzig war? Naja, weil das Suppen einfach nicht drauf gehört, weil die Nudeln nackert sein sollen. Bernhard: [8:33] Naja, gut, aber ich meine, das ist ein Anfängerfehler. Also Dominik, das ist ein Anfängerfehler. Du musst immer fragen, wo möchtest du das Sugo hin? Möchtest du das Sugo auf die Nudeln? Möchtest du das Sugo neben die Nudeln? Oder, und da gibt es ja noch die Steigerungsform, möchtest du das Sugo in einem eigenen Gebinde, neben dem ursprünglichen Hauptteller? Dominik: [8:57] Ja, eben, das ist es. Aber schon, wir lachen drüber und wir übertreiben es, aber es kann halt trotzdem sein, dass in diesem Moment das der wichtigste Moment des Tages oder gefüllt seines Lebens ist und wir den quasi verkannt haben. Heißt jetzt auch nicht, dass man nur auf alles drauf einsteigt. Und ich glaube, das ist halt diese Nuance, wo man selber, wenn man sich einfühlt, vielleicht merkt, ist das eine sinnvolle Grenze, die ich jetzt da gerade unabsichtlich setze. Oder ist es wirklich was Entscheidendes für ihn gerade? Und ich glaube, dass das schon mitspielt. Wenn man von sich selber ausgeht, zum Beispiel. Und das wäre jetzt schon wieder unser Kaffeemaschinenbeispiel, weil wir sowieso, wie jetzt gerade vorhin, unterhalten uns sehr viel über Kaffee. Getrunken wir eigentlich recht schnell, aber es wird sich sehr lange darüber unterhalten. Bernhard: [9:44] Männer über 40. Wir müssen uns über siebteige Kaffeemaschinen unterhalten. Es ist unsere Pflicht. Dominik: [9:48] Aber was ist das Kaffeebeispiel? Na ja, zum Beispiel, was für dich wichtig ist, du stehst in der Früh auf, du freust dich auf diese Kaffeemaschine, sie ist vielleicht schon schön warm gelaufen und du freust dich auf deinen ersten Kaffee in der Früh und sie ist kaputt zum Beispiel. Na, furchtbar. Würdest du auch gerne zu weinen beginnen und dich nadelos aufregen? Das meine ich halt, für einen Außenstehenden wäre das vielleicht ein bisschen lächerlich, zu sagen, geh runter zum Spar und trug da einen Schloder in einem Pappbecher und sei einfach auch glücklich. Bernhard: [10:16] Aber gut, es gibt gewisse Grundregeln in unserer Gesellschaft und guter Kaffee gehört dazu. Dominik: [10:21] Aber ich meine halt, das sind Sachen, wenn man selber ein bisschen drüber nachdenkt und sich in diese Sicht des Kindes reinversetzt, könnte man diese Grenzen vielleicht eh so setzen, dass es für alle passt. Bernhard: [10:31] Ja, ich meine, ich glaube, worauf du, oder was ich jetzt verstanden habe von dem, was du gesagt hast, ist, dass wir halt überlegen müssen, warum setzen wir diese Grenze jetzt genau. Dominik: [10:38] Und ob sie sinnvoll ist. Aus unserer Sicht vielleicht mehr sinnvoll. Bernhard: [10:44] Setzen wir es nur, damit wir eine Ruhe haben. Oder, und das kann natürlich auch sein, weichen wir die Grenze auf, damit wir ein Rohr haben. Dominik: [10:54] Ist wahrscheinlich auch Tagesverfassung. Wenn man komplett müde ist, will man vielleicht weniger auf seiner Meinung beharren oder irgendwas, wie man so schön sagt, durchtrucken, als wenn man topfit ist und quasi den Kampf kämpfen will. Aber das meine ich halt. Muss es auch, glaube ich, gar kein Kampf sein, wenn man mal logisch überlegt, was wirklich wichtig ist. Das kann der Toast sein, das kann die Reisbowl sein, die Tapas-Reisbowl. Das kann sein, dass auch ein Beispiel von mir das Flugmotorrad, das war auch so ein Beispiel, wo du das vielleicht auch schon mal erlebt. Das ist dieser Gang vom Kindergarten nach Hause, oder wurscht von wo wir kommen, er fährt mit dem Laufrad, ich nicht. Und dann gibt es diese... Ja, gut. Bernhard: [11:36] Gibt es erwachsene Laufräder? Sie nennen sich dann Roller, oder? Dominik: [11:39] Ja, aber... Bernhard: [11:41] Schau dir mal vor, einen Menschen in unserer Größe auf einem Laufrad. Das ist total lustig. Dominik: [11:47] Ja, und so sieht man schon welche. Aber das schaut ein bisschen komisch aus. Bernhard: [11:50] Ja, stimmt. Okay, gut. Aber sag an. Dominik: [11:52] Das ist das Laufradding. Flugmotorrad. Flugmotorrad nennen wir es immer. Das sind diese paar Stufen, die wir runtergehen in den Keller und dort sein Motorrad, sein Laufrad einparken. Und dann nehme ich ihn halt immer so und wir fliegen da runter. Bernhard: [12:04] Also er und? Dominik: [12:05] Er sitzt noch auf seinem Laufrad. Ich hebe ihn samt, Laufrad geht noch. Er hat 15 Kilo. Das geht, ja. Sehr viel weniger. Da geht sich noch ein guter Flug aus. Das ist so unser Actionspiel. Runter und dann packen wir ein. Habe ich einmal nicht gemacht. weil ich viel Sachen zum Tragen hatte und ein paar Sackerl umgehängt habe. Da haben wir gesagt, das machen wir jetzt nicht, weil das muss ja eigentlich nicht sein. Fahren wir mit dem Aufzug runter, diesen einen Stock. Wir haben den Luxus. War dann was, wo ich gemerkt habe, er hat so leicht geschluchzt. Oben ist es dann mehr Schluchzen geworden. Das ist halt sein Ding, wo er sich einfach den Haxen ausfreut, sprichwörtlich, das wieder runterfliegen. Für mich war das nicht so wichtig. Was war der Effekt? Ich habe sehr lange durchgehalten, das Gebeine. Natürlich haben wir uns dann wieder angezogen, sind nochmal runtergegangen und haben das Rad wieder geholt, raufgegangen, Flugmotorrad runter. und alles wieder gut. Ich glaube, das sind Momente, das bedeutet ihm einfach gerade die Welt. Und wenn man da ein bisschen nachdenkt, glaube ich, kommt man auf viele Momente drauf. Bernhard: [13:03] Ich bin mir gar nicht sicher, ob das wirklich jetzt ihm sogar die Welt bedeutet oder ob er das halt einfach für die Struktur braucht, um sich sicher zu fühlen. Weißt du, ihr habt das einfach oft gemacht oder immer gemacht. Dominik: [13:13] Der Tagesabschluss. Dann fliegen wir runter und jetzt kann ich runterkommen. Bernhard: [13:17] Ja, nein, aber ich glaube, das ist wichtig. Das ist genauso wie wenn wir von hier wo wir wohnen, die drei Straßen zum Kindergarten gehen. Dominik: [13:27] Dann gibt es einfach bestimmte Wege. Bernhard: [13:31] Die ich nicht gehen darf. Also man muss an einem bestimmten Punkt die Straße queren. Und da dreht es nicht darum, dass da ein Zebrastreifen ist und woanders nicht, sondern wir gehen da rüber. Oder wenn ich mit ihr mit dem Rad fahre, dann wiederholt die Julia, das ist die Kleine, ja auch immer, Papa, du fährst auf der Straße, ich fahre am Gehsteig. Papa, ich fahre da jetzt auf dem Gehsteig. Und bei der nächsten sagt sie dann… Das heißt, Dominik: [13:56] Sie klärt das eh schon mal ab, Paulus. Du wirst eh eingeteilt. Bernhard: [13:59] Ja, aber ich glaube, sie braucht das als Struktur, um sich anzuhalten, um zu wissen, was passiert. Weil so kann sie es kontrollieren. Dominik: [14:05] Das ist ja auch wieder ein Punkt, dass sie ja wirklich bei vielen Dingen komplett angewiesen sind auf uns. Ja. Deswegen müssen sie ja eh diese Grenzen irgendwo annehmen, weil du wirst wahrscheinlich die große Messermachete zum Toastschneiden, ihnen muss direkt in die Hand gehen. Bernhard: [14:21] Nein, richtig. Das Brotmesser ist nicht immer in der Hand von der Julia. Dominik: [14:24] Genau, und deswegen sind sie wieder komplett darauf angewiesen. Das heißt, dieser Toast-Prozess oder dieses Risi-Bisi-Servier-Ding sind sie komplett darauf angewiesen. In den Kindergarten bringen, sind sie darauf angewiesen. Das heißt, es ist schon dieses Geben und Nehmen und Routinen, dass das vielleicht eh automatisch irgendwo diese Grenzen so setzt, dass sie sinnvoll sind. Ja. Bernhard: [14:46] Die Frage ist halt aber auch immer, diese Grenzen sind ja dazu da, um ausgeweitet zu werden. Und irgendwann einmal wird der Konstantin ein Gewicht haben, wo das Flugmotorrad nicht mehr geht. Dominik: [14:57] Ja, oder wir fliegen dann wirklich. Bernhard: [14:59] Nein, aber da geht es einfach schon darum, in dem Fall wird es halt für dich immer anstrengender. Irgendwann wird es nicht mehr gehen, da musst du halt auch loslassen. Dominik: [15:09] Ja, hoffentlich nicht. Bernhard: [15:11] Sprichwörtlich, jetzt gesehen, in dem Fall nicht loslassen, bitte, und auch kein Bandscheibenvorfall, wenn es geht. Aber wir haben zum Beispiel seit Weihnachten, da hat ganz zufällig, völlig uneigennützig, das Christkind eine Switch 2 gebracht. Und da spielen wir jetzt über Mario Kart. Dominik: [15:25] Das steht ja da drüben. Wir werden jetzt auch gleich spielen. Bernhard: [15:26] Richtig, genau. Und da gibt es halt immer einen von den Kontrollern, auch wenn vier Leute spielen sollten, gibt es einen, der hat quasi die Macht und die Menüführung, die Kontrolle. Und das Größte für die Julia ist es, zu sagen, kann ich die Kontrolle haben? natürlich extrem mühsam mit einem Kind, das nicht lesen kann. Weil die Menüs halt auch dann darauf basieren, dass man lesen kann. Aber sie weiß das schon. Sie weiß schon, sie muss das dritte Feld von oben drücken, damit das quasi eine Luftballonschlacht wird und so und kann das dann auch richtig machen. Aber trotzdem ist es natürlich viel langwieriger, als wenn die Elfjährige gut lesen kann oder meine Frau, die auch halbwegs gut lesen kann. Aber wenn wir das halt machen, dann bist du mal geschwindet durch. Aber da musst du halt auch mal aushalten, dass die Kleine jetzt, also warum soll ich ihr verbieten, das zu machen, nur damit es geschwinder geht? Das ist doch wurscht. Dominik: [16:19] Das meine ich halt, das ist eigentlich eine Sache, das ist ja dann eher das eigene Problem. Wenn du unbedingt schnell den Spielprozess abschließen willst, um was anderes zu tun, ist es ja eher deins. Und eben für sie ist das einfach jetzt gerade das Wichtigste auf der Welt und das Schönste. Und das vielleicht auch noch zusammen mit der Familie. Also eben, ich glaube, dass das, wenn man sich selber so ein bisschen reinversetzt, sich selber die Frage stellt, ist es eh oft die richtige Antwort, die man kriegt? Weil man kennt es ja eh auch schon ein bisschen die Kinder selber. Bernhard: [16:47] Aber das hört ja nicht auf. Das ist ja auch für uns so, dass Routinen und Rituale uns Sicherheit geben, oder? Wenn jetzt, weiß ich nicht, für mich hat es wahnsinnig fertig gemacht, wie meine Eltern, als wir als Kinder dann irgendwann einmal alle ausgezogen sind und nachdem mein Bruder sechs jahre jünger ist es sich hat das natürlich etwas gedauert und dann haben meine eltern gesagt so und jetzt haben wir die möglichkeit und haben sich quasi so einen altersgerechten bungalow als haus gebaut Und dann ging es um die Weihnachtsplanung. Und dann war Weihnachten zum ersten Mal nicht so, wie ich es mein Leben lang gelernt habe. Nämlich nicht in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Nicht an dem Ort, wo der Christbaum gestanden ist, wo er immer war, sondern woanders. Und das hat mich fertig gemacht. Weil es nicht so war, wie ich es kenne. Dominik: [17:40] Und du warst eigentlich schon erwachsen sogar. Bernhard: [17:41] Ja, ich meine, da war ich 24. Dominik: [17:43] Das heißt, du hast schon emotional einteilen können und bist trotzdem picken geblieben. Bernhard: [17:47] Richtig. Dominik: [17:48] Und dann stell dir vor, wie das mit den Kleinen ist, die sich emotional vielleicht noch nicht so die Kontrolle haben. Bernhard: [17:52] Ja, na klar. Ich bin nicht so ausgezuckt, aber es ist mir am Nervgang. Und seither machen wir es aber auch anders. Seither feiern wir zum Beispiel nicht im Elternhaus, weil wir ja alle keinen Bezug haben zu dem Haus. Und warum sollten wir in einem Haus Weihnachten feiern, wo wir keinen Bezug haben? Jetzt kommen die Eltern zu uns. Und wir feiern halt das Family in einer der jeweiligen Wohnungen von den Geschwistern, was ja auch ganz fein ist eigentlich. Also das ist aber lustig, weil auch wir als Eltern haben so Kontrolle Rituale Sicherheit. Dominik: [18:23] Voll, und das gibt es ja eben, die Sicherheit. Ich bin ein großer Ritualmensch. Deswegen ist es ja auch super, wenn da die Kinder auch drauf einsteigen. Bernhard: [18:29] Ist das ein Mangel an Flexibilität oder ist das ein Wunsch nach Sicherheit? Dominik: [18:35] Das war philosophisch gesagt und es ist wahrscheinlich beides. Und dieses Grenzen, eben, haben wir ja schon eingangs gesagt, das Grenzenwording, das lassen wir ganz bleiben. Es geht einfach um ein Zusammenleben Leben in einem Rahmen, der alle glücklich macht. Bernhard: [18:51] Voll schön. Ja, und wahrscheinlich alle glücklich macht oder alle unglücklich. Dominik: [18:54] Ja, alle gleich. Bernhard: [18:56] Ja, alle gleich, genau. Dominik: [18:57] Alle gleich auf einem akzeptablen, Glücklichkeitslevel. Bernhard: [19:02] Ja, stimmt. Sehr spannend. Wir werden es nicht endgültig lösen, oder? Dominik: [19:07] Wir haben es ja schon gelöst. Bernhard: [19:08] Wir haben es schon gelöst, richtig. Dominik: [19:10] Das nächste Thema kommt in der nächsten Folge. Bernhard: [19:11] So machen wir das. Nächstes Thema, nächste Folge. Bis dann. Dominik: [19:15] Papa Mia. Reine Männersache. Bernhard: [19:18] Der Podcast von Papas für Papas und für alle, die Papas mögen. Klingt cool, ist es auch.

Kapitel

Grenzen oder Routinen? Warum das Wording schon falsch ist
01:06
03:15
Toast-Slices-Gate: Die ungeschriebenen Gesetze des perfekten Frühstückstoasts
08:57
Empathie statt Durchsetzen: Wann ist eine Grenze wirklich sinnvoll?
11:52
Das Flugmotorrad: Wie eine kleine Routine die Welt bedeuten kann
16:47
Weihnachten im falschen Haus: Wenn auch wir Erwachsene an Ritualen hängen
Bernhard Vosicky – Podcast Host Papa Mia!?

Bernhard Vosicky

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